Überernährung

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Klassifikation nach ICD-10
E66.0 Adipositas durch übermäßige Kalorienzufuhr
E68 Folgen der Überernährung
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Als Überernährung bezeichnet man eine Ernährung von Mensch und Haustier, bei der dem Körper mehr Energie zugeführt wird als Bedarf besteht. Es kommt zu einer positiven Energiebilanz. Dauernde Überernährung geht mit Übergewicht oder Fettleibigkeit einher.

Für die Mehrheit aller Menschen heute und in der Geschichte war eher die Unterernährung als die Überernährung ein Problem, allerdings ergab die "Global Burden of Disease Study" (Quelle: Lancet 2012; 380 (ganze Ausgabe)), dass mittlerweile mehr Menschen an den Folgen von Übergewicht versterben, als an Mangelernährung. Außerhalb privilegierter Oberschichten haben erst die Massenproduktion der Lebensmittelindustrie und verbesserte Transportmöglichkeiten im 20. Jahrhundert – insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg – sowie vorproduzierte Nahrungsmittel eine weitverbreitete Überernährung ermöglicht.

Aber nicht nur Menschen, sondern auch Haustiere wie Hunde und Katzen sind vor allem in der westlichen Welt teilweise überernährt. Die gezielte Überernährung von Schlachttieren durch den Menschen wird als Mast bezeichnet.

Ursachen[Bearbeiten]

In der Stammesgeschichte des Menschen war es für den Homo sapiens vorteilhaft, in Zeiten des Nahrungsüberflusses schnell Energie zu speichern. Diese Energiespeicher konnten dann in Zeiten des Nahrungsmangels wieder aufgebraucht werden. Heutzutage gibt es zumindest in den Industrieländern Nahrung im Überfluss. Als Folge fehlt die Balance zwischen zugeführter Energie aus der Ernährung des Menschen und dem Energieverbrauch durch Bewegung.

Weltweit leben rund eine Milliarde Menschen mit starkem Übergewicht (WHO). Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird die Zahl der überernährten und daher übergewichtigen Menschen innerhalb der nächsten Dekade auf 1,5 Milliarden ansteigen. Nachdem das Problem jahrzehntelang auf die wohlhabenden Industrieländer beschränkt war, beobachtet man in jüngster Zeit einen Anstieg der ernährungsbedingten Krankheiten auch in Schwellenländern wie Indien oder der Volksrepublik China.

Eine notwendige Bedingung für die Überernährung ist die ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln.

Grundlegend für eine ausgewogene Nahrungsaufnahme ist ein Ausgleich zwischen Hunger- und Sättigungsgefühl, einem unbewussten Mechanismus, der sich als genetische Anpassung des Menschen an seine urgeschichtliche Umwelt verstehen lässt. Dieser Mechanismus entstand im Umfeld der Jäger und Sammler-Kulturen, als der Zugang zu Nahrungsmitteln schwieriger war als in sesshaften oder modernen Kulturen und als die Nahrungsmittel im Mittel einen geringeren physiologischen Nährwert (umgangssprachlich: Kaloriengehalt) hatten. Ein Problem moderner Nahrungsmittel ist ein hoher physiologischer Nährwert, mit der Folge, dass bei Aufnahme der Nahrungsmenge, die zum Erreichen des Sättigungsgefühls erforderlich ist, mehr Kalorien aufgenommen werden, als bei der Aufnahme einer gleichen Menge weniger kalorienhaltiger Nahrung.

Ein zweiter Unterschied moderner Nahrungsmittel ist ihre schnellere Verdauung: Zucker und Stärke gehen schnell in den Blutkreislauf über, und werden, falls sie nicht gebraucht werden, als Fett gespeichert. Der leere Verdauungstrakt signalisiert dann ein Hungergefühl, so dass die Häufigkeit der Nahrungsaufnahme bei leicht verdaulichen Nahrungsmitteln steigt.

Weiterhin ist die gefühlsmäßige Nahrungsaufnahme des Menschen an körperlicher Betätigung angepasst. Um eine Überernährung zu vermeiden, muss ein etwa vorwiegend sitzend arbeitender Mensch seine Nahrungsaufnahme reduzieren.

Ungeklärt ist die beobachtete Variabilität in den Essgewohnheiten von Menschen einer Gesellschaft. Auch bei überreichlicher Nahrungsverfügbarkeit pflegt nur ein Teil der Bevölkerung in unterschiedlichem Ausmaß Überernährung. Es werden sowohl eine genetische Variabilität als auch Erziehungsmethoden, Lebensstil, kulturelle Normen und psychologischer Druck für diese Unterschiede verantwortlich gemacht.

Die Längsschnittstudie „Nurses' Health Study” hat viele Beiträge zur Ernährungskunde erbracht.

Überernährung und Übergewicht[Bearbeiten]

Die Beziehung zwischen Überernährung, also einer positiven Energiebilanz, und einer unerwünschten Gewichtszunahme (Übergewicht) wird durch den Satz der Energieerhaltung beschrieben:

Änderung der Energiespeicher im Körper = aufgenommene Energie − abgegebene Energie

Diese fundamentale Gleichung lässt für sich genommen jedoch noch keinen Schluss über eine mögliche Wirkungskette zwischen der Gewichtszunahme und Überernährung zu (siehe cum hoc ergo propter hoc). Es sind vielmehr zwei logische Schlüsse möglich (und auch plausibel):

  1. Gewichtszunahme entsteht durch Überernährung, d. h. durch eine zu hohe Energiezufuhr oder einen zu geringen Energieverbrauch.
  2. Eine andere Ursache (z. B. eine Hormonelle Störung) bedingt eine Gewichtszunahme, welche zu Überernährung führt.

Vor allem der zweite Punkt wird in der Betrachtung meistens ausgeblendet. In anderen Bereichen (Wachstumsphase von Kindern, Schwangerschaft bei Frauen) ist erwiesen, dass eine Zunahme von Körpergewebe (Energiespeicher) eine positive Energiebilanz zur Folge hat (Kinder essen mehr, weil sie wachsen und wachsen nicht, weil sie mehr essen).

Übergewicht wird durch verschiedene Messmethoden ermittelt. Bekannte Messmethoden sind der Broca-Index (Normalgewicht in kg = Größe in cm − 100) und als weitaus etabliertere Methode der Body-Mass-Index (BMI). Der BMI ist definiert als die Körpermasse (in kg) dividiert durch das Quadrat der Körpergröße (in m).

Folgen der Überernährung bzw. des Übergewichts[Bearbeiten]

Übergewicht ist als Risikofaktor für die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen anerkannt. Kommen zum Risikofaktor Adipositas noch zwei der Risikofaktoren Diabetes (Zuckerkrankheit), Fettstoffwechselstörungen (erhöhtes Cholesterin bzw. LDL) oder Bluthochdruck hinzu, besteht eine deutlich höhere Gefahr, im Laufe des Lebens eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden. Experten sprechen daher auch von kardio-metabolischen Risikofaktoren. Als weitere Risikofaktoren begünstigen Rauchen und Stress den Verschluss der Herz- und gehirnversorgenden Gefäße.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • C.F. Belanger, C.H. Hennekens, B. Rosner, F.E. Speizer: The Nurses’ Health Study. In: Am J Nurs, 78/1978, S. 1039–1040, PMID 248266. (Die erste Publikation zu dieser Studie.)
  • K. Oh, F.B. Hu, J.E. Manson, M.J. Stampfer, W.C. Willett: Abstract Dietary Fat Intake and Risk of Coronary Heart Disease in Women: 20 Years of Follow-up of the Nurses’ Health Study. In: Am J Epidemiol, 161(7)/2005, 1 April 2005, S. 672–679, PMID 15781956.
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