Westliche Welt

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Der Begriff westliche Welt, der Westen oder westliche Hochkultur (auch Okzident genannt) kann je nach Kontext verschiedene Bedeutungen haben. Während er ursprünglich die westeuropäische Kultur definierte, wird er heute meistens auf gemeinsame Werte der Nationen in Europa und Nordamerika bezogen, die Bürger- und Menschenrechte garantieren, nach westlichen Werten wie Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit, Individualismus, Toleranz leben und die Demokratie praktizieren. Die Gesellschaftssysteme der Westlichen Welt beruhen auf dem Wirtschaftssystem der kapitalistischen Marktwirtschaft und sind historisch vom Christentum geprägt. Dazu gehören auch die sprachlich und kulturell eng verwandten früheren Kolonien wie Lateinamerika oder Australien, deren ethnische Identität und dominierende Kultur von Europa abgeleitet wurden.

Historische Einteilungen[Bearbeiten]

Um zu definieren, was typisch für die westliche Gesellschaft und Kultur ist, muss man den Kontext verstehen. Die Definitionen von Westen unterscheiden sich je nach Zeit und Kontext. Es ist nicht immer klar, welche Definition benutzt wird.

Hellenisch[Bearbeiten]

Die hellenistische Unterscheidung zwischen Griechen und Barbaren nimmt die Trennung in Ost und West vorweg. Man unterschied zwischen der griechisch sprechenden Kultur des Hauptlands Griechenland, der ägäischen und ionischen Küste sowie Magna Graecia in Süditalien und den umgebenden nicht-griechischen Kulturen des Perserreiches, der Phönizier und Ägypten. Die Einteilung kann man bis zum Trojanischen Krieg zurückverfolgen, der traditionell von 1194–1184 v. Chr. datiert wird. Sofern er eine historische Basis hatte, wurde der Konflikt zwischen den Achaiern und den nicht-griechischen Trojanern im Westen Anatoliens ausgetragen. Die Griechen betrachteten die Perserkriege des frühen 5. Jahrhunderts v. Chr. als Konflikt zwischen Ost und West.

Römisches Reich[Bearbeiten]

Der Mittelmeer-Raum wurde von den Römern vereint, aber es blieben Unterschiede zwischen der westlichen Hälfte des Reiches, in der hauptsächlich Latein gesprochen wurde, und der urbanisierten östlichen Hälfte, wo Griechisch die Lingua franca war. Im Jahre 286 teilte der römische Kaiser Diokletian das römische Reich in zwei Regionen auf, von denen jede von einem Augustus und einem Caesar (der Tetrarchie) verwaltet wurden. Die westliche Reichshälfte transformierte sich am Ende des 5. Jahrhunderts zu mehreren germanisch-romanischen Reichen, die die Grundlage für die weitere staatliche Entwicklung Westeuropas wurden. Das heute byzantinisch bezeichnete Kaisertum im Osten hielt sich bis zum Ende des Mittelalters.

Christentum[Bearbeiten]

Im 4. Jahrhundert war das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich geworden. Im Westen überdauerte die kirchliche Organisation vielerorts den Verfall der staatlichen Organisation am Ende der Antike und blieb über die Grenzen der frühmittelalterlichen germanischen Nachfolgestaaten hinweg bestehen. Die Führung dieser Westkirche fiel an den Papst (den Patriarchen von Rom), der sich mit der Kaiserkrönung des fränkischen Königs Karls des Großen endgültig der Kontrolle des Kaisers in Konstantinopel entzog. Die Führung der Ostkirche fiel faktisch an den Patriarchen von Konstantinopel, nachdem die anderen Patriarchate wegen der islamischen Expansion an Bedeutung verloren hatten. Beide Kirchen entwickelten sich im Mittelalter getrennt und missionierten den vorher nicht zum römischen Reich gehörenden Norden Europas, und zwar die Westkirche den Nordwesten und die Ostkirche den Nordosten Europas. 1054 kam es mit dem Großen Schisma zum offiziellen Bruch von West- und Ostkirche, und 1204 eroberten fränkische Kreuzritter Konstantinopel während des Vierten Kreuzzugs und vertieften dadurch diesen Gegensatz.

Kalter Krieg[Bearbeiten]

Bipolare Staatenwelt in der Phase des Kalten Krieges mit der westlichen Welt (blau) und dem Ostblock (rot und orange)

Während des Kalten Krieges entstand eine neue Definition. Die Erde wurde in drei „Welten“ aufgeteilt. Zur Ersten Welt, auch Westen genannt, gehörten die NATO-Mitglieder und andere Verbündete der USA. Die Zweite Welt war der Ostblock unter dem Einfluss der Sowjetunion, zu dem auch die Länder des Warschauer Pakts gehörten. Die Dritte Welt bestand aus den blockfreien Staaten, darunter Indien, Jugoslawien und zeitweise China, obwohl die letzten beiden (Jugoslawien & China) wegen ihrer kommunistischen Ideologie in die Zweite Welt einzuordnen sind.

Es gab einige Staaten, die nicht in dieses Schema passten, darunter die Schweiz, Schweden und Irland, die sich für die Neutralität entschieden. Finnland stand unter dem Einfluss der UdSSR, blieb aber neutral und war weder kommunistisch noch Mitglied des Warschauer Paktes oder des Comecon. Als Österreich 1955 eine unabhängige Republik wurde, geschah dies unter der Bedingung, neutral zu bleiben, aber als ein Staat westlich des Eisernen Vorhangs war es unter dem Einfluss der USA. Die Türkei war Mitglied der NATO, wurde aber nicht als Teil der Ersten oder westlichen Welt angesehen. Spanien trat erst 1982, kurz vor dem Ende des Kalten Krieges und nach dem Tod des autoritären Diktators Franco, der NATO bei. Die westliche Welt wurde bis auf die genannten Ausnahmen zum Synonym für die Erste Welt.

Griechenland und Portugal waren wie die Türkei NATO-Mitglieder, wurden aber erst als Teil des Westens anerkannt, nachdem sie die Demokratie eingeführt und während der 1970er Jahre ihre Wirtschaft an die Standards der Ersten Welt angeglichen hatten. Australien und Neuseeland sowie später Israel und Zypern wurden keine NATO-Mitglieder, aber wegen ihrer Demokratie, des hohen Lebensstandards und der europäischen Kultur Teile der Ersten Welt.

Nach dem Kalten Krieg[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde der Begriff „Zweite Welt“ nicht mehr gebraucht und „Erste Welt“ bezog sich nun auf die demokratisch, finanziell und industriell entwickelten Länder, die zum größten Teil mit den USA verbündet waren. Als „Dritte Welt“ bezeichnete man nun die armen, nicht industrialisierten Entwicklungsländer. Der Begriff „westlich“ verlangt demnach also weniger eine geographische als eine kulturelle und ökonomische Definition.

  • Afrikanische Historiker können von westlichen Einflüssen durch europäische Staaten, die im Norden liegen, und den westlichen Staat Südafrika im äußersten Süden sprechen.
  • Australien und Neuseeland sind angelsächsische, westliche Staaten, die südlich von Ostasien liegen.
  • Internationale Firmen aus den USA können als fremde Einflüsse in Europa betrachtet werden, aber als westlich bezeichnet werden, wenn ihre Präsenz in Asien gesehen (und manchmal kritisiert) wird.
  • Ökonomisch können die im Fernen Osten gelegenen Staaten Japan, Südkorea, Republik China, Hongkong und Singapur als westlich oder Erste Welt angesehen werden, obwohl sie kulturell nicht-westlich bleiben.
  • Die ehemaligen Ostblock- und blockfreien Staaten in Europa (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien sowie die ehemaligen blockfreien jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien und Kroatien) haben sich durch ihre kulturellen und geschichtlichen Wurzeln sowie durch ihre heutige Außenpolitik den westlichen Ländern durch Beitritte zur NATO und/oder der EU angeschlossen.

Heute unterscheiden sich die Menschen in ihren Definitionen der westlichen Welt und die verschiedenen Definitionen überlappen sich nur teilweise. Es gibt sicherlich nicht-westliche Industrieländer, nicht alle westlichen Länder sind NATO-Mitglieder usw.

Weitere Definitionen[Bearbeiten]

„Erste Welt“ und OECD[Bearbeiten]

Da der Begriff „westliche Welt“ keine verbindliche internationale Definition besitzt, benutzen Regierungen für internationale Verträge andere Definitionen.

„Westliche Welt“ ist oft gleichbedeutend mit „Erste Welt“, um den Unterschied zu den Entwicklungsländern der Dritten Welt zu betonen. Der Ausdruck „der Norden“ hat in einigen Kontexten den Begriff „der Westen“ ersetzt, vor allem wenn es um Kritik und eine stärkere Abgrenzung zwischen West und Ost geht. Der Norden liefert einige geographische Hinweise für die Lage reicher Staaten, von denen die meisten in der nördlichen Hemisphäre liegen. Da aber allgemein die meisten Länder in dieser Region liegen, wurde diese Unterscheidung von einigen als unbrauchbar betrachtet.

Die 34 Staaten in der OECD, zu denen die meisten Mitgliedsländer der EU, Norwegen, Island, die Schweiz, Kanada, die Vereinigten Staaten, Mexiko, Australien, Neuseeland, die Türkei, Südkorea, Japan, Chile und Israel gehören, sind in etwa mit der „Ersten Welt“ identisch.

Die Existenz von „der Norden“ impliziert die Existenz von „der Süden“ und die sozio-ökonomische Grenze zwischen Norden und Süden. Obwohl Zypern und Taiwan keine OECD-Mitglieder sind, könnten sie auch als westliche oder nördliche Staaten betrachtet werden, da ihre Lebensstandards sowie die sozialen, ökonomischen und politischen Strukturen denen der OECD ähnlich sind.

Westliche Kultur[Bearbeiten]

In akademischen Artikeln wird der Begriff „westliche Welt“ nur im Kontext von Gebieten und Zeiten benutzt, die unter dem direkten Einfluss des Weströmischen Reiches standen. Der Begriff wird außerdem von den Kritikern des westlichen Einflusses und der Geschichte des Imperialismus und Kolonialismus pejorativ benutzt.

Der „Westen“ kann auch auf die kulturellen und sozialen Bedingungen der westlichen Gesellschaft bezogen werden. In diesem Zusammenhang könnte man Südamerika wegen der Hochkultur und Literatur als Teil des Westens auffassen.

Die ehemaligen Kronländer Österreich-Ungarns (Tschechien, Slowakei, Slowenien, Kroatien und Ungarn) werden ebenfalls zur westlichen Welt gezählt. Diese Staaten wurden sehr stark durch die mitteleuropäische Kultur geprägt. Dieses spiegelt sich heute noch im alltäglichen Leben der Gesellschaft und Geschichte dieser Länder wider. Obwohl Tschechien und die Slowakei von 1945 bis 1990 Teil des Ostblocks, sowie Slowenien und Kroatien Bestandteil des ehemaligen Jugoslawien, und damit Teil der blockfreien Bewegung waren.

Ethnologische Definitionen beziehen sich auf die westliche Kultur. Der britische Schriftsteller Rudyard Kipling schrieb über diesen Kontrast: „Osten ist Osten und Westen ist Westen und die beiden sollen sich niemals treffen.“ (“East is East and West is West and never the twain shall meet.”) Damit deutete er an, dass jemand aus dem Westen die asiatische Kultur nicht verstehen kann, weil die Unterschiede zu groß sind. Tatsächlich sind zum Beispiel „Freiheit“[1] und die Achtung auch individueller Menschenrechte[2] jedoch keine Ideale, die nur im Westen angestrebt werden.

Im Nahen und Mittleren Osten (beide relativ zum westlichen gelegenen Europa) ist die Unterscheidung zwischen West- und Osteuropa weniger bedeutend; Länder, die Westeuropäer als Teil von Osteuropa ansehen (z. B. Russland), zählen im Mittleren Osten als westlich in dem Sinne, dass sie sowohl europäisch als auch christlich sind.

Samuel Huntington[Bearbeiten]

Die westliche Welt in Europa gemäß Huntington

1993 veröffentlichte Samuel Phillips Huntington den Artikel The Clash of Civilizations? im Journal Foreign Affairs, der 1996 zu einem Buch mit dem Titel The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order (deutsch: Kampf der Kulturen) erweitert wurde.

Huntingtons These besagte, dass die Welt aus verschiedenen Zivilisationen bestehe und Konflikte zwischen diesen Zivilisationen die primären Spannungen in der Welt nach dem Kalten Krieg seien, die die ideologischen Konflikte (z. B. Kapitalismus vs. Kommunismus) ablösten. Die hauptsächlich katholischen und protestantischen Staaten West- und Mitteleuropas bilden demnach zusammen mit den USA, Kanada, Australien und Neuseeland die „euro-atlantische“ Zivilisation, die gemeinsame Wertsysteme teilen, welche durch den historischen Einfluss der Renaissance, der Reformation und der Aufklärung geformt wurden. Huntington und seine Anhänger setzen den Begriff „Westen“ ungefähr mit der euro-atlantischen Zivilisation gleich, wobei Länder mit Wurzeln in anderen Zivilisationen wie Griechenland, die Türkei oder Japan sich mit dem Westen verbünden könnten, da sie westliche Ideen und Werte in ihre Gesellschaften aufgenommen haben.

Huntingtons These war einflussreich, aber keinesfalls allgemein akzeptiert; ihre Befürworter sagen, dass man damit moderne Konflikte wie die im früheren Jugoslawien erklären könne, während die Gegner befürchten, dass die Gleichsetzung von Werten wie der Demokratie mit der westlichen Zivilisation rassistische oder xenophobische Ansichten über nicht-westliche Gesellschaften verstärkt und eindeutig nicht-westliche Demokratie (z. B. Indien, das etwa ein Drittel aller Menschen, die weltweit in einem demokratischen System leben, umfasst) ignoriert.

Laut Huntington bilden die orthodoxen Nationen Südost- und Osteuropas eine spezielle „euro-asiatische“ Zivilisation; diese Länder wurden nicht durch die kulturellen Einflüsse der Renaissance, Reformation und Aufklärung geprägt und sind nicht im oben genannten Sinne westlich. Obwohl die Renaissance im orthodoxen Osteuropa nicht stattfand (auch wegen der osmanischen Herrschaft auf dem Balkan in Serbien und der mongolischen Dominanz in Russland), waren die Renaissance und die Reformation auch im hauptsächlich katholischen Ungarn nicht erfolgreich. Die Reformation hatte im orthodoxen Osteuropa keinen Einfluss, da sie gegen die römisch-katholische Kirche gerichtet war. Die Aufklärung geschah in Russland vor allem durch die Reformen Peter des Großen um 1700.

Huntington betrachtete es als strittig, ob Lateinamerika eine separate Zivilisation ist oder doch zur westlichen Zivilisation gehört. Huntington schlug vor, man solle die lateinamerikanische Zivilisation entweder als Unterzivilisation des Westens betrachten oder als eigenständige, jedoch nahe mit der westlichen verwandte Zivilisation. Die letzte Ansicht überwog jedoch (vgl. Huntingtons Karte zur Einteilung der Welt in Kulturkreise). Bei der ersten Ansicht ist zu beachten, dass nicht alle Länder Lateinamerikas als "westliche Unterzivilisationen" eingeordnet werden können, da die Kulturen der jeweiligen Länder mal stärker (wie z. B. in Argentinien, Mexiko oder Brasilien) oder mal schwächer (wie z. B. in Peru, Bolivien oder Venezuela) durch europäische Einflüsse geformt wurden.

Schließlich sind auch die angewandten Unterscheidungsmerkmale zu den Kulturen kritisch zu beurteilen. So wird einerseits für jeden Kulturkreis stets nur ein Merkmal genutzt, was z. B. dem Einwanderungsstaat USA oder dem ebenso multiethnischen und multireligiösen Balkan nicht gerecht wird. Andererseits werden keine homogenen Merkmale genutzt. So sind die Merkmale mal religiöser, mal ethnischer oder gar kollektiver („Westen“) Herkunft. Fernerhin erscheinen die Einteilungen der Kulturen als zu oberflächlich. So haben bei näherer Betrachtung viele Staaten bzw. deren Völker aus kultureller Hinsicht nur wenig gemein, obwohl sie in das gleiche Kultureinteilungsgebiet fallen: Als Beispiel diene hier ein Vergleich zwischen einem Südsudanesen und einem Südafrikaner („afrikanischer Kulturkreis“), einem Kasachen und einem Serben („orthodoxer Kulturkreis“) oder einem Malaien und einem Marokkaner („islamischer Kulturkreis“). Sie alle weisen einige Gemeinsamkeiten auf, doch überwiegt die Gesamtheit der kulturell-spezifischen Unterschiede.

Westliche Errungenschaften[Bearbeiten]

Laut dem Human Development Index gehören westliche Länder zu den am höchsten entwickelten Ländern der Welt. Westliche Länder weisen im Vergleich zum Rest der Welt einen sehr hohen Lebensstandard auf. Die natürlichen Freiheitsrechte werden durch Verfassung geschützt. Sie verfügen über demokratische, stabile Regierungen und sind rechtsstaatlich, die Bürgerrechte werden geachtet.

Militärisch und diplomatisch sind die westlichen Länder seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs alle mehr oder weniger miteinander verbündet, wobei die Vormachtstellung der USA außer Frage steht. Einige halten dies für die grundlegende Definition der westlichen Welt, weshalb Japan trotz seiner kulturellen Unterschiede üblicherweise als westlich angesehen wird und beispielsweise Panama nicht.

Westliches Gedankengut[Bearbeiten]

Die Schule von Athen, gemalt von Raffael, versammelt viele der wichtigsten antiken Denker, die wiederum das geistige Fundament für die westliche Kultur bilden.

Den Begriff „westlich“ assoziiert man meistens mit der kulturellen Tradition, die ihre Ursprünge in der griechischen Philosophie und der christlichen Religion hat. Zu den zentralen Inhalten dieser Tradition gehören die Deduktion und der Rechtsstaat. Die christliche Religion, die 1500 Jahre lang großen Einfluss hat, verliert im 21. Jahrhundert in vielen westlichen Staaten zunehmend an Bedeutung, während die Säkularisierung und die Freidenker immer wichtiger werden. Eine Ausnahme bildet der Bible Belt im Süden der USA sowie einige Regionen im Süden und Osten Europas (Portugal, Spanien, Süditalien, Polen), wo der christliche Glaube eine bedeutende Rolle spielt.

Die westliche Gesellschaft folgt einer Evolution, die mit den griechischen Philosophen aus Athen wie Solon und Sokrates begann. Sie setzte sich durch das Römische Reich fort und breitete sich – ergänzt durch das Christentum (das seine Ursprünge im Nahen Osten hatte) – in Europa aus. Während der Kolonialzeit wurde sie in Amerika und Australasien eingeführt.

Im frühen 4. Jahrhundert machte Kaiser Konstantin der Große Konstantinopel zur Hauptstadt des Byzantinischen Reichs. Das östliche Reich umfasste Gebiete östlich der Adria und am Rand des östlichen Mittelmeers sowie Teile des Schwarzen Meeres. Diese Trennung zwischen dem östlichen und westlichen Reich spiegelte sich in der Verwaltung der christlichen Kirche, in der Rom und Konstantinopel darüber stritten, wer die Hauptstadt der Christenheit sei. Als die beiden Kirchen ihren Einfluss ausbreiteten, bewegte sich die Grenze zwischen Ost und West, aber sie war kulturell durch die Existenz des byzantinischen Reiches und die schwankende Macht der Kirche in Rom definiert. Die kulturelle Grenze hatte weitreichende Folgen; sie existierte noch während des Kalten Krieges als ungefähre Westgrenze der mit der Sowjetunion verbündeten Länder.

Dennoch stellen viele die Bedeutung westlicher Werte in Frage und weisen darauf hin, dass Gesellschaften wie Japan und die USA sehr unterschiedlich sind. Außerdem betonen sie, dass Befürworter westlicher Werte selektiv vorgehen, wenn sie den Umfang von „westlich“ festlegen; z. B. berücksichtigen sie Konzepte wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, aber weder den Totalitarismus, der zuerst im Westen entstand, noch die Sklaverei, die im Westen große Ausmaße annahm und deren Geschichte im Westen Jahrtausende zurückreicht. Daher kann man durch die Auswahl westlicher Werte tautologisch zeigen, dass diese überlegen sind, da untergeordnete Werte per Definition nicht westlich sind (vgl. Kein wahrer Schotte).

Ein anderer Angriff auf das Konzept der westlichen Werte kommt von den Befürwortern islamischer oder asiatischer Werte. Nach deren Ansicht der Vertreter der Idee spezieller islamischer und asiatischer Werte sind es Charakterzüge, die den Westen definieren, aber diese sind untergeordnet und werden üblicherweise mit moralischem Verfall, Gier und Dekadenz assoziiert. Die Vertreter dieser Ansicht zeigen sich besorgt über die „Verwestlichung“ der restlichen Welt. Diese Positionen sind jedoch auch in den betroffenen Kulturräumen umstritten.[1][2]

Da die Länder des Westens im Allgemeinen diejenigen waren, die die Gebiete außerhalb Europas erforschten und kolonialisierten, verbinden einige den Begriff „westlich“ mit dem europäischen Kolonialismus. Allerdings haben auch andere Länder Kolonien errichtet, sodass dies kein rein westliches Phänomen ist.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. a b David Kelly (Hrsg.), Anthony Reid (Hrsg.): Asian Freedoms – The Idea of Freedom in East and Southeast Asia. Cambridge Univ. Press, Cambridge 1998, ISBN 0-521-62035-X, ISBN 0-521-63757-0.
  2. a b Gregor Paul, Caroline Y. Robertson-Wensauer (Hrsg.): Traditionelle chinesische Kultur und Menschenrechtsfrage. 2. Aufl., Nomos, Baden-Baden 1998, ISBN 3-7890-5482-8 (Schriften des Instituts für Angewandte Kulturwissenschaft der Universität Karlsruhe (TH), 3, Nomos-Universitätsschriften: Kulturwissenschaft).