Low Density Lipoprotein

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Low Density Lipoprotein (LDL, deutsch: Lipoprotein niederer Dichte) bezeichnet Vertreter einer von mehreren Klassen der Lipoproteine. Es dient als Transportvehikel für die im Blutplasma wasserunlöslichen (lipophilen) Substanzen wie Cholesterin, Cholesterinester, Triglyceride, Fettsäuren und Phospholipide sowie von den fettlöslichen Vitaminen Vitamin E und Vitamin A.

Funktion[Bearbeiten]

LDL transportiert vom Körper selbst gebildetes Cholesterin von der Leber zu den Geweben und zirkuliert im Blut für circa fünf Tage. Cholesterin wird vor allem als Bestandteil von Zellmembranen und als Vorstufe von Gallensäuren und Steroidhormonen benötigt.

Menschliches LDL hat eine Dichte von 1,019 bis 1,062 g/ml und eine Größe von 18 bis 25 nm. Es besteht aus einem Apolipoprotein B100 (Apo B100) mit einer molaren Masse von 550 kDa (4536 Aminosäure-Einheiten), Cholesterinestern, freiem Cholesterin und Phospholipiden. Der Lipidanteil beträgt circa 80 %, das heißt, dass LDL eine molare Masse von etwa 2,7 MDa besitzt. Es sind zahlreiche Mutationen von ApoB-100 beim Menschen bekannt, wobei einige mit hohem Cholesterinspiegel assoziiert sind.

Des Weiteren sind Untergruppen der LDL bekannt, die sich in ihrem Triglyceridanteil unterscheiden. Das LDL-Muster A bezeichnet dabei die „normalen“ (übliche Form) LDL. Neben ihnen gibt es allerdings auch die „small, dense LDL“ (LDL-Muster B), die einen verringerten Triglycerid- und Cholesteringehalt haben, und von denen ein erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankungen ausgeht.[1]

Rolle bei Krankheiten[Bearbeiten]

Für einen kausalen Zusammenhang zwischen erhöhtem Cholesterinspiegel oder LDL-Cholesterin im Blut und der Entstehung von Arteriosklerose oder koronarer Herzkrankheiten sprechen verschiedene epidemiologische Studien. Auch in der Entstehung der Alzheimerkrankheit spielt ein erhöhter Cholesterinspiegel eine Rolle. Weil LDL die größten Cholesterinanteile im Blut transportiert und der Transport zu den Zellen hin führt, wird es oft und in umstrittener Weise als das „böse (oder schlechte) Cholesterin“ (im Gegensatz zum „guten Cholesterin“, dem High Density Lipoprotein (HDL)) bezeichnet.

LDL ist etwa durch pro-oxidative Metallkationen leicht oxidierbar und bildet dann oxidiertes LDL, wobei einerseits durch den Oxidationsvorgang fettlösliche Vitamine, insbesondere Vitamin E, verbraucht werden und anderseits einige Tryptophan-Einheiten von apoB-100 oxidiert werden.[2] Oxidiertes LDL wird in den Arterienwänden von Makrophagen ungehemmt und konzentrationsunabhängig aufgenommen (phagozytiert) und gespeichert. Diese Fettüberladung der Makrophagen führt zur Bildung von Schaumzellen, was in der medizinischen Forschung als eine der Ursachen für die Entstehung von Arteriosklerose betrachtet wird.

Abbau[Bearbeiten]

Für den Abbau des LDL-Cholesterins im Blut gibt es im menschlichen Körper zwei voneinander unabhängige Wege. Den LDL-Rezeptorweg und den sogenannten Scavenger-Pathway. Der größte Teil, etwa 65 % des LDL-Cholesterins im Plasma, wird über LDL-Rezeptoren verstoffwechselt, wobei ein Bereich zwischen den Aminosäure-Einheiten 3359 bis 3369 am apoB-100 als Rezeptor-Bindungsstelle identifiziert wurde und für die Bindung von LDL am Rezeptor verantwortlich ist. LDL-Rezeptoren findet man in allen Zelltypen der Arterien und in Hepatozyten (Leberzellen). Die LDL-Partikel werden von den Rezeptoren über Clathrin-Coated-Pits in die Zellen aufgenommen, dort fusionieren die endozytotischen Vesikel mit Lysosomen. Durch den dort herrschenden sauren pH löst sich das LDL vom Rezeptor, der dann zur Zellmembran zurücktransportiert wird, und wird durch lysosomale Proteasen abgebaut. Die transportierten Lipide werden ins Zytosol transportiert und als Lipidtropfen gelagert.

Labormessungen (Diagnostik)[Bearbeiten]

Bei Blutuntersuchungen wird zwischen dem Cholesterinwert (auch Gesamtcholesterin, hier wird das gesamte Cholesterin im Blut erfasst) und dem LDL-Cholesterin (hier wird nur der LDL-Anteil bestimmt) unterschieden. Das LDL-Cholesterin wird heute in Routinelabors nicht direkt bestimmt, sondern aus den direkt gemessenen Werten Gesamtcholesterin, Triglyceride und HDL berechnet. Die Formel für diese Berechnung nach Friedewald lautet LDL-Cholesterin = Gesamt-Cholesterin − (HDL + [Triglyceride / 5]). In Deutschland liegt der Referenzwertbereich für LDL-Cholesterin für Frauen und Männer zwischen 70 und 180 mg/dl.

Für Forschungszwecke wird das LDL zumeist durch Ultrazentrifugation aus dem Blutplasma isoliert und ist wegen seiner gelben Farbe, die vom Carotinoid-Gehalt stammt, als Bande in der Dichtegradientenlösung gut sichtbar. Das LDL ist nach der Isolierung sehr oxidationsempfindlich und kann nur sauerstofffrei in einem geschlossenen Gefäß (durch Verdrängung von Luft mit Argon) über einige Tage bei 4 °C gelagert werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatA. Yamamoto: Mechanism of the production of small, dense Ldl in hypertriglyceridemia: role of cholesteryl ester transfer protein and hepatic triglyceride lipase. In: ingentaconnect.com. Abgerufen am 27. März 2010.
  2. A.Giessauf, E.Steiner, H.Esterbauer "Early destruction of tryptophan residues of apolipoprotein B is a vitamin E-independent process during copper-mediated oxidation of LDL" BBA Vol.1256 (1995) 221-232.