Şirince

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Şirince
Şirince führt kein Wappen
Şirince (Türkei)
Red pog.svg
Sirince.jpg
Blick nach Süden auf Şirince, von Selçuk kommend
Basisdaten
Provinz (il): Izmir
Koordinaten: 37° 56′ N, 27° 26′ O37.94138888888927.433055555556350Koordinaten: 37° 56′ 29″ N, 27° 25′ 59″ O
Höhe: 350 m
Einwohner: 530[1] (2012)
Telefonvorwahl: (+90)
Postleitzahl: 35920
Kfz-Kennzeichen:
Struktur und Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister Muhtar: Levent Opak (seit 2009)
Postanschrift: Şirince Köyü

Şirince ist ein Dorf (türkisch: köy) im Landkreis (türkisch: ilçe) Selçuk in der türkischen Provinz Izmir. Mit seinen 530 (2012) Einwohnern[2] liegt es etwa acht Kilometer östlich von Selçuk und dem historischen Ephesos am Ende eines Oliventals am westlichen Rand des Aydın-Gebirges.

Geschichte[Bearbeiten]

Über die Entstehung von Şirince und die Namensgebung gibt es verschiedene Geschichten. Wahrscheinlich wurde der Ort Anfang des 15. Jahrhunderts von Ephesern gegründet, die bei der Eroberung durch Timur ihre Stadt aufgaben und sich in die Berge zurückzogen. Eine andere Version erzählt von Sklaven, die sich dort niederließen und den Ort Çirkince (türkisch für Hässlichkeit) tauften, um weitere Siedler abzuhalten. In der dritten Variante sind es 40 freigelassene Sklaven, nach denen der Ort ursprünglich Kırkinca (türkisch vierzig: kırk; die Vierzig) genannt wurde.

Im 19. Jahrhundert war der Ort für seine Feigen bekannt, die großteils nach Europa exportiert wurden.

Bis 1924 lebten im heutigen Şirince vor allem christliche Griechen. Damals war die Stadt wesentlich größer und ein wichtiger Handelsort für die umliegenden Klöster. Şirince war auch ein religiöses Zentrum. Es hieß, die Jungfrau Maria wäre dort in den Himmel aufgefahren. Nach dem Griechisch-Türkischen Krieg 1919-1922 kam es zu einer großen Umsiedlungsaktion. Die Griechen wurden aus Şirince vertrieben und Türken, die aus der Gegend von Thessaloniki und Kavala vertrieben worden waren, zogen ein.[3] Die Kirchen und Klöster wurden geplündert und aus dem griechischen Friedhof wurde der Busparkplatz nördlich des Ortseinganges. Die Sankt-Johannes-der Täufer-Kirche aus dem 19. Jahrhundert ist ausgeräumt und steht heute leer, auch die benachbarte Marienkirche ist leer und in einem desolaten Zustand.

1926 gab der damalige Gouverneur von Izmir, Kazım Dirik, dem Ort den neuen Namen Şirince (Türkisch für Freundlichkeit).[4]

Einwohner[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahl sank in Folge der Landflucht Richtung Izmir von ca. 3.000 Einwohner 1950 auf 550 (2012). Durch die neu geschaffenen Arbeitsplätze im Tourismus konnte die Bevölkerungszahl stabilisiert werden. In den Sommermonaten steigt die Einwohnerzahl bis auf 1.500 an, vor allem durch türkische Zweitwohnsitze.

Gasse in Şirince
Datum Einwohner (Hauptwohnsitze)
1950 3000
1985 828
1990 787
2000 686
2010 565
2011 536
2012 530[5]

Verkehr[Bearbeiten]

Şirince ist nur über eine schmale bergige Landstraße zu erreichen, die in die knapp acht km entfernte Kreisstadt Selçuk führt. Es gibt ein Sammeltaxisystem (Dolmuş) nach Selçuk. In die Provinzhauptstadt Izmir sind es 83 km.

Wirtschaft und Touristik[Bearbeiten]

Die Einwohner leben hauptsächlich von Wein- und Obstbau (Oliven, Kirschen, Äpfel, Pfirsiche, Feigen, Walnüsse) und vom Tourismus. Şirince gilt als authentisches altes griechisches Dorf. In der Tat hat sich das Dorfbild in den letzten hundert Jahren kaum verändert. Die meisten weißen Griechenhäuser aus Backstein entstanden im 18. und 19. Jahrhundert[6] Der Ort steht unter Denkmalschutz und teilweise hat man mit der Renovierung der ersten Häuser begonnen. Das Dorf ist deswegen ein beliebtes Ausflugsziel auf Rundreisen und bei Kreuzfahrtpassagieren; so ist Şirince in den Sommermonaten oft von Touristen überlaufen. Da der Ort an einem steilen Berghang liegt und nur über kleine Gassen verfügt, ist er am besten zu Fuß zu erkunden.

Die neuen Bewohner haben die Tradition des griechischen Weinbaus wieder aufgenommen; es werden vor allem einfache Rotweine und Fruchtweine produziert und im Ort verkauft. Auch deutsche Winzer engagieren sich seit 2011 in Şirince. Überregionales Aufsehen erregte der Winzer Erkan Önoğlu, der für den vorgesehenen Weltuntergang (siehe unten) einen speziellen Wein namens Himmelfahrt der heiligen Mutter Maria produzierte.

Ende 2012 erlebte das Dorf einen Besucheransturm, weil manche glaubten, dass nach dem Ende des Maya-Kalenders die Welt untergehen würde, dass aber Şirince aufgrund der Marienverehrung und "positiver Energien" als einziger Ort (neben Bugarach) verschont bliebe.[7]

Galerie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 3. Februar 2013
  2. http://rapor.tuik.gov.tr/reports/rwservlet?adnksdb2&ENVID=adnksdb2Env&report=wa_idari_yapi_10sonrasi.RDF&p_il1=35&p_yil=2011&p_dil=1&desformat=html
  3. Türkei, Lonely Planet, ISBN 978-3-8297-1646-8
  4. Tafel bei der Kirche des Heiligen Johannes in Şirince (auf Türkisch und Englisch)
  5. http://www.yerelnet.org.tr/koyler/koy.php?koyid=249623
  6. http://www.goturkey.com/de/pages/read/sirince
  7. http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/21-dezember-weltuntergang-die-letzte-zuflucht-liegt-in-der-tuerkei/7528752.html, abgerufen am 2. Februar 2013

Weblinks[Bearbeiten]

http://www.yerelnet.org.tr/koyler/koy.php?koyid=249623