127/64 Lightweight

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127/64 Lightweight
Kaliber 127 mm (5 inch)
Gewicht 22.000 kg (ohne Munition)
Magazin 56 (Bereitschaftsmunition) in vier Magazinen
Kühlung Seewasser
Feuergeschwindigkeit 40 Schuss/min

Die 127/64 Lightweight, kurz auch 127/64 LW, ist ein schnellfeuerndes Schiffsgeschütz, das von Oto Melara – einem Unternehmen der italienischen Finmeccanica-Gruppe – hergestellt wird.

Entwicklung und Bezeichnung[Bearbeiten]

Das 127/64 LW ist eine Weiterentwicklung des 127/54 Compact, das aus den 1960er-Jahren stammt. Es wird seit den späten 1990er-Jahren entwickelt und ist seit 2010 für den Einsatz verfügbar. Die Bezeichnung basiert auf dem Kaliber 127 Millimeter, der Kaliberlänge 64, das heißt einer Rohrlänge von 8128 Millimetern, und der Ausführung als Leichtgewichtsversion (englisch Lightweight), um es auch auf Einheiten einsetzen zu können, die kleiner sind, als es für das 127/54 Compact erforderlich ist.

Einsatzzweck und Technik[Bearbeiten]

Der Haupteinsatzzweck des Geschützes ist die Bekämpfung von Oberflächenzielen, wie andere Schiffen, und der Beschuss von Landzielen. Es ist beschränkt auch für den Einsatz gegen tieffliegende Flugziele geeignet.[1] Das Geschütz ist für den Einsatz auf mittleren Einheiten, wie Fregatten und Zerstörern, vorgesehen und wird mit dem jeweiligen Gefechtssystem des Schiffes digital oder analog vernetzt. Es kann auch über das CORBA-Protokoll gesteuert werden.[2] Durch die Kompaktheit des Geschützes ist der Einbau auch in schmalen Rumpfsektionen des Schiffes möglich.

Die Verkleidung des Geschützes wurde nach Gesichtspunkten der Tarnkappentechnik (LO, low observability) ausgelegt.[1] Das Rohr des Geschützes wird wie bei seinem Vorgänger mit Seewasser gekühlt.

Magazin und Munition[Bearbeiten]

Das Geschütz ist mit den standardisierten 127-mm-Munitionsfamilien für Seegeschütze der NATO kompatibel. Es wird über vier Trommelmagazine, die je 14 Schuss enthalten, mit Munition versorgt und kann daher verschiedene Munitionsarten verschießen.[3] Ein Nachladen der gerade nicht genutzten Magazine während des Feuerns ist möglich und kann auch über einen automatischen Lader erfolgen.[1] Das Geschütz und Ladesystem sind so ausgelegt, dass die Munition nach dem Laden wieder vollautomatisch ins Magazin zurückgefördert werden kann. Dadurch wird die Sicherheit erhöht, und es besteht die Möglichkeit, die Munitionsart zu wechseln, um die optimale Munition für ein Ziel auszuwählen.

Alternativ zu konventioneller Munition, die mit einer Reichweite von bis zu 30 Kilometern verschossen wird, wird in Zukunft auch der Einsatz der reichweitengesteigerten Vulcano-Munitionsfamilie möglich sein, die die effektive Reichweite des Geschützes auf über 100 km steigert.

Verwendung[Bearbeiten]

Das 127/64 Lightweight wurde als Hauptgeschütz für die neuen F125-Fregatten der Deutschen Marine ausgewählt.[4][5] Es setzte sich damit gegen das MONARC-Konzept von Rheinmetall durch. Der Auftrag zur Lieferung von fünf Geschützen im Wert von 70 Millionen Euro wurde am 4. April 2007 vergeben.[6]

Auf den im Zulauf befindlichen FREMM-Fregatten (französisch Frégate Multi-Mission oder italienisch Fregata Multi-Missione) der italienischen Marine ist die 127/64 als Geschütz für die Landangriffs-Version vorgesehen.[7] Das erste Schiff der Landangriffs-Version, die Carlo Bergamini (F590), ist seit Mai 2013 aktiv in Dienst.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Information zur 127/64 auf Deagle.com (englisch)
  2. Übersichtsblatt von Oto Melara zur 127/64 (PDF; 934 kB, englisch)
  3. Information zur 127/64 und den Munitionsmagazinen auf Swisscorner (englisch)
  4. Defence Update zum Einsatz der 127/64 auf den Fregatten F125 (englisch)
  5. Pressemitteilung zum Einsatz der 127/64 auf den F125 Oto Melara (englisch)
  6. Pressemitteilung zum Auftrag der Deutschen Marine (PDF; 189 kB) Finmeccanica (englisch)
  7. Tripatlas mit FREMM-Daten (englisch)