Abdol Hossein Mirza Farmanfarma

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Abdol Hossein Mirza Farmanfarma

Abdol Hossein Mirza Farmanfarma (persisch ‏عبدالحسین میرزا فرمانفرما‎‎; * 1858; † 1939) war der Begründer einer der einflussreichsten Kadscharenfamilien. Er wurde 1858 als Sohn von Prinz Nosrat Doleh Firouz Mirza und seiner Ehefrau Hajieh Homa Khanoum geboren. Abdol Hossein war ein Cousin von Naser al-Din Schah. Im Laufe seines Lebens erhielt er die Titel Salar-Lashkar (Kommandeur der Armee), Nosrat-Doleh (Sieg des Staates), Amir Tuman (Kommandeur der Tausend) und Farman Farma (Kommandeur der Kommandeure). Er bekleidete hohe Regierungsämter einschließlich des Amts des Premierministers. Abdol Hossein hatte acht Frauen (darunter eine Tochter von Muzaffar ad-Din Schah mit Namen Ezzat al-Dowleh), die ihm 24 Söhne und 13 Töchter gebaren.[1] 1939 verstarb er mit 80 Jahren.[2]

Leben[Bearbeiten]

Abdol Hossein Farmanfarma wurde 1858 geboren. Er erhielt durch Hauslehrer eine für einen Prinzen standesgemäße Erziehung im Fechten, Jagen, Reiten, Kalligraphie, Gedichte schreiben, zeremonieller Etikette und all der anderen wichtigen Fähigkeiten, die ein Mitglied des Kadscharenhauses beherrschen musste. Seine militärische Ausbildung erhielt er auf der Österreichischen Militärakademie von Teheran. 1882 wurde er Kommandeur eine kleineren Militäreinheit in der Provinz Kerman. 1887 erhielt den Titel Amir Tuman (Kommandeur der Tausend).

In der Folgezeit wurde er Gouverneur von Kerman, Kurdistan, Fars, Kermanshah und Aserbaidschan und zählte bald zu den größten Großgrundbesitzern Irans. Nach dem Tod Naser al-Din Schahs und der Übernahme der Regentschaft durch Muzaffar ad-Din Schah verlor er alle seine Ämter und ging 1899 für vier Jahre ins Exil nach Baghdad. Unter Muzaffar ad-Din Schah erkämpften sich die Iraner im Rahmen der Konstitutionellen Revolution eine Verfassung und ein Parlament.

Bereits 10 Tage nach in Kraft treten der Verfassung, am 7. Januar 1907, verstarb Muzaffar ad-Din Schah. Sein Sohn Mohammed Ali Schah wurde 10 Tage nach dem Tod seines Vaters zum Schah gekrönt. Vertreter des Parlaments waren zur Krönung nicht eingeladen worden. Mohammed Ali Schah hatte entschieden, dass er das Parlament am besten ignoriere. Abdol Hossein Farmanfarma unterstützte zunächst Mohammad Ali Schah politisch wie finanziell in seinem Kampf gegen die konstitutionellen Bewegung. Als Gegenleistung für seine finanzielle Unterstützung überschrieb Mohammad Ali Schah Abdol Hossein Farmanfarma die extrem kostbare Inneneinrichtung des Kronprinzenpalastes in Tabris. Farmanfarma ließ den Palast vollständig räumen und in seine Anwesen nach Azerbaidjan bringen. Teure und leichte Gegenstände wurden in seine Häuser nach Teheran und nach Tabriz gebracht. Als Mittelsmann zwischen Abdol Hossein Farmanfarma und Mohammad Ali Schah fungierte sein Neffe Mohammad Mossadegh. So wird bei der Ermordung des zweiten Premierministers der noch jungen konstitutionellen Monarchie Ali Asghar Khan Atabak am 31. August 1907 Mohammad Mossadegh eine zentrale Rolle zugeschrieben. Er soll den Mörder von Atabak, Abbas Agha Tabrizi, auf Anweisung seines Onkels Abdol Hossein Farmanfarma angeworben und bezahlt haben.[3]

Nach dem sich im Frühjahr 1909 der Sturz Mohammed Ali Schahs abzeichnete, wechselte Abdol Hossein Farmanfarma die Seiten und erklärte offen seine Unterstützung der konstitutionellen Bewegung. Nach dem Sieg der konstitutionellen Bewegung über Mohammad Ali Schah und die Wiedereinsetzung einer konstitutionellen Regierung wurde Abdol Hossein Farmanfarma Justizminister und später Verteidigungsminister.

Das damalige Parlament kannte noch keine Parteien sondern lediglich lose Zusammenschlüsse von Abgeordneten zu Gruppierungen. Bedeutsam war zum einen die Gruppe der konservativen Abgeordneten, die sich die „Moderaten“ nannten, und von Abdol Hossein Farmanfarma angeführt wurden. Ihnen stand die Gruppe der fortschrittlichen Reformabgeordneten gegenüber, die sich „Demokraten“ nannten.

Während des ersten Weltkriegs wurde Abdol Hossein Farmanfarma im Februar 1915 mit britischer Unterstützung Premierminister, nachdem der bisherige Premierminister Hassan Mostofi von den Demokraten, der eine strikte Neutralitätspolitik im Ersten Weltkrieg verfolgte, durch die Briten zum Rücktritt gezwungen worden war. Der Iran hatte nach Ausbruch des ersten Weltkriegs zwar seine Neutralität erklärt, war aber im Norden und Westen durch den Einmarsch russischer und britischer Truppen zum Kampfgebiet geworden. Premierminister Mostofi hatte mit dem Osmanischen und dem Deutschen Reich Kontakte geknüpft, und sich Unterstützung gegen die russische und britische Besatzung versprochen. Abdol Hossein Farmanfarma galt als Gefolgsmann der Briten und wurde deshalb von Ihnen als Premierminister favorisiert. Nach nur drei Monaten musste er allerdings auf innenpolitischen Druck hin zurücktreten und Hassan Mostofi übernahm wieder das Amt des Premierministers. Im Dezember 1915 übernahm Abdol Hossein Farmanfarma ein weiteres Mal das Amt des Premierministers, musste aber auch dieses Mal bereits nach drei Monaten im März 1916 zurücktreten. Er kehrte nach Schiraz zurück und übernahm dort das Amt des Gouverneurs von Fars.

In Fars unterstützte er die Gründung der von General Sykes kommandierten South Persian Rifles, eine von den Briten finanzierte Truppe aus britischen Offizieren und iranischen Soldaten, die die „britischen Interessen im Süden Irans“ und hier vor allem die Ölanlagen der APOC von Abadan vor Angriffe durch osmanische Truppen und vor deutschen Sabotageakten schützen sollten.

Abdol Hossein Farmanfarma blieb bis 1921 Gouverneur von Fars, bis er von seinem Neffen Mohammad Mossadegh abgelöst wurde. Nach seiner Rückkehr nach Teheran wurde er zusammen mit zwei seiner Söhne auf Anweisung Premierministers Tabatabai umgehend verhaftet. Wegen der Unterstützung der britischen Militärs in seiner Zeit als Gouverneur von Fars wurde ihm Hochverrat vorgeworfen. Nachdem Premierminister Tabatabai nach nur 100 Tagen auf Drängen von Ahmad Schah Kadschar sein Amt aufgegeben hatte, kamen Abdol Hossein Farmanfarma und seine Söhne aus dem Gefängnis frei. Große Teile seines Grundbesitzes wurden allerdings beschlagnahmt und er musste seine letzten Jahre unter Hausarrest verbringen.

Abdol Hossein Farmanfarma starb im November 1939 und wurde auf dem Friedhof von Shah Abdol Azim bestattet.

Name und Titel[Bearbeiten]

Sein vollständiger Name lautete Hazrat Aghdas Vala Shahzadeh Abdol Hossein Mirza Farman-Farma übersetzt Seine Hoheit Prinz Abdol Hossein, der Bedeutsame und Erhabene, Kommandeur der Kommandeure. Nachdem Reza Schah die Führung eines Familiennamens verpflichtend gemacht hatte, wählte er den Titel Farman-Farma als Familiennamen.

Ausländische Orden[Bearbeiten]

Er wurde mit dem britischen Knight Grand Cross of the Order of St Michael and St George ausgezeichnet.

Regierungsämter[Bearbeiten]

  • Kommandeur der Armee in Azarbaijan.
  • Kommandeur der Gendarmerie
  • Gouverneur von Teheran (1896)
  • Gouverneur von Kerman (1892-1893), und (1894-1896)
  • Gouverneur von Kurdistan (1894)
  • Gouverneur von Fars (1897-1898), und (1916)
  • Gouverneur von Kermanshah (1903)
  • Gouverneur von Azarbaijan (1907)
  • Gouverneur von Isfahan (1908)
  • Justizminister (1907), (1909)
  • Verteidigungsminister (1896-1897)
  • Innenminister (1910), (1915)
  • Premierminister (1915) und (1916)

Literatur[Bearbeiten]

  • Sattareh Farman Farmaian, Dona Munker: Daughter of Persia. A Woman's Journey from her Father's Harem through the Islamic Revolution. Crown Publishers, Inc., New York NY 1992, ISBN 0-517-58697-5.
  • Manucher Farmanfarmaian, Roxane Farmanfarmaian: Blood and Oil. Memoirs of a Persian Prince. Random House, New York NY 1997, ISBN 0-679-44055-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Shahzdeh's Tree, A Family Genealogy of Abdol Hossein Mirza Farman Farma", compiled by Mitra Farman Farmaian Jordan, 1997, Universal Printing, Washington.
  2. Manoucher Farmanfarmaian, Roxane Farmanfarmaian: Blood & Oil. Random House 1997. S. 44.
  3. Mehdi Shamshiri:Zendeghi Mohammad Mossadegh - Biographie des Mohammad Mossadegh - Von der Geburt bis zum Ende seiner Erziehung und der Einbürgerung als Schweizer Staatsbürger. Pars Publication, Huston (Texas), 2002, S. 120.