Alexander Aronowitsch Knaifel

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Alexander Aronowitsch Knaifel

Alexander Aronowitsch Knaifel (russisch Александр Аронович Кнайфель; * 28. November 1943 in Taschkent/Usbekistan) ist ein russischer Komponist und ehemaliger Cellist. Oft wird seine Abstammung als usbekisch fehlinterpretiert, wobei Knaifel nur auf Grund der Evakuierung seiner Eltern (Aron Iosifowitsch Knaifel und Muza Veniaminovna Shapiro) aus Leningrad in Taschkent geboren wurde.

Seit 1950 erlernte Alexander Knaifel das Cellospiel am Sankt Petersburger Konservatorium in St. Petersburg, wo auch sein Vater das Fach Violine lehrte und seine Mutter als Theorielehrkraft tätig war. Von 1961 bis 1963 studierte er bei Mstislav Rostropovich am Moskauer Konservatorium, musste aber aufgrund einer Nervenentzündung das Instrumentalspiel aufgeben. Von 1964 bis 1967 studierte er Komposition bei Boris Alexandrowitsch Arapow in Sankt Petersburg. Aus dieser Zeit stammen Knaifels erste Kompositionen wie z.B. eine Klaviersonate sowie die Oper "Der Geist von Canterville" (nach Oscar Wilde. Von Anfang an schloss Knaifel sich den fortschrittlichen Kräften seines Landes an und fühlte sich als Avantgardist. Weil er mit seiner Musik Erfolg auf einem Festival der modernen Musik in Köln gehabt hatte, wurde er 1979 auf dem 6. Kongress des Sowjetischen Komponistenverbands von dessen Vorsitzenden Tichon Nikolajewitsch Chrennikow heftig kritisiert. Mit sechs weiteren Komponisten (Jelena Olegowna Firsowa, Dmitri Nikolajewitsch Smirnow, Viktor Suslin, Vyacheslav Artyomov, Sofia Asgatowna Gubaidulina und Edisson Wassiljewitsch Denissow) wurde er dem Vorwurf ausgesetzt, dass seine Musik so "sinnlos" sei wie "musikalischer Schlamm" und sich der echten Innovation verweigere[1]. Ähnlich wie bei Dmitrij Schostakowitsch, der mit seiner Musik 1936 in Ungnade gefallen war, sollte sich auch für Knaifel später das Blatt wenden, und er gilt heute als international anerkannter Komponist. Eine der Ursachen dafür dürfte Knaifels Hinwendung zu religiösen Themen sein, wie sie sich seit dem Agnus Dei (1985) abzeichnet. Große Erfolge feierte er in späteren Jahren unter anderem in Amsterdam bei der Uraufführung seiner Oper Alice In Wonderland im Jahre 2001 und mit einem Porträtkonzert beim Eclat Festival Neue Musik 2005 in Stuttgart[2].

Das erwähnte Agnus Dei gehört zu den wichtigsten Werken von Alexander Knaifel. Mit einer Aufführungsdauer von ca. zwei Stunden beeindruckt das für vier Instrumentalisten komponierte Werk nicht allein durch seine extreme Länge und Ruhe sondern vor allem durch seine geistige Tiefe. Texthintergrund ist das Tagebuch eines Kindes, das während der Belagerung von St. Petersburg im 2. Weltkrieg den Tod sämtlicher Familienmitglieder miterlebt und aufgezeichnet hatte. Knaifel, dessen Großvater 1942 in der Folge von Hungersnot in St. Petersburg ebenfalls ums Leben gekommen war, fühlt sich als "Verräter" an seinen Landsleuten, weil er das Glück hatte, in sicherer Entfernung vom Kriegsgeschehen geboren und aufgewachsen zu sein: "Möglicherweise habe ich Agnus Dei auch als Sühnezeichen für meine (nicht existierende) Schuld komponiert, außerhalb von St. Petersburg auf die Welt gekommen zu sein." Angesichts der Schönheit der Schöpfung, die er in jedem Moment seines Lebens in all ihrer Fülle erlebt, verzichtet er auf die verbale Rezitation des liturgischen Textes. Er spricht von der "Endlosigkeit und dem großen Eins-Sein des Wort-Ton-Geheimnisses", durch welche die von ihm geschaffenen Töne mit dem Gebet Agnus Dei verbunden sind.[3]

Diskografie[Bearbeiten]

  • A Silly Horse. Interpr.: Tatjana Milentieva (Sopran), Oleg Malov (Klavier); Megadisc Classics CD 7844 (1996)
  • Make me drunk with your kisses [Hohelied Salomonis, 8. Kap.]. Interpr.: Mstislav Rostropovich (Cello); Choral Arts Soc. Washington u.a.; Norman Scribner (Leitung); Teldec Classics CD 0630-10160-2 (1997)
  • Lux Aeterna. Interpr.: Patrick u. Thomas Demenga; ECM New Series CD 465 341-2
  • Svete Tikhiy und In Air Clear and Unseen. Interpr.: Tatiana Melentieva (Sopran); Keller-Quartett; Oleg Malov (Klavier); ECM NEW SERIES CD 461 814-2 (2002)
  • Amicta Sole und Psalm 51. Interpr.: Mstislav Rostropovich (Cello); Solisten d. Knabenchors Glinka Choral College; ECM New Series CD 472 0832 (2005)
  • Lamento und Blazhenstva. Interpr.: Ivan Monighetti (Cello); State Hermitage Orchestra; Lege Artis Choir; ECM New Series CD 1975 476 6767 (2008)
  • The Canterville Ghost. Interpr.: Moscow Forum Theatre Orchestra; Michail Jurowski (Leitung); Brilliant Classics CD 9295; EAN-Code 5029365929523 (2012)
  • E.F. and three visiting cards from the poet. Interpr.: Goeyvaerts-Trio; CD "String Trios from the East" Challenge Records Int. CC 72503 (2012)
  • Scarry March, Passacaglia, Postludia und O heavenly King. Interpr.: Tatjana Milentieva (Sopran), Oleg Malov (Klavier); Megadisc Classics CD 7855 (2013)
  • Agnus Dei. Interpr.: Ensemble Musique Nouvelle; Megadisc Classics CD 7808-07 (2013)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andreas Kloth: Der russische Komponist Vjačeslav Artëmov - Ein Beispiel für die politisch und gesellschaftlich bedingte Rezeption nonkonformistischer sowjetischer Komponisten. Essen 2009 [Die Blaue Eule], S. 101ff. ISBN 3-89924-244-0
  2. http://www.sikorski.de/2366/de/alexander_knaifel_beim_festival_eclat_2005_in_stuttgart.html
  3. http://www.megadisc-classics.com/album/agnus-dei