Alexander von Tralleis

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Alexandros von Tralleis (latinisiert Alexander; * um 525; † um 605) war ein griechischer Arzt des 6. Jahrhunderts.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Alexandros, der jüngste Sohn des Arztes Stephanos, stammte aus der kleinasiatischen Stadt Tralleis. Er unternahm Bildungsreisen nach Italien, Africa, Gallien und Spanien, bevor er sich in Rom niederließ, wo er seither lebte und wirkte. Dort widmete er sich zunächst vor allem der praktischen Arbeit, bis er im hohen Alter mit der Arbeit an medizinischen Abhandlungen begann.

Alexandros ist besonders durch seine Abhandlungen über Pathologie und Therapie bekannt. Erhalten haben sich zwei Schriften über Fieber und Eingeweidewürmer und sein Buch Therapeutika. Dieses behandelt die Gebrechen des Menschen nach dem Schema von Kopf bis Fuß beginnend mit Haarausfall über Phrenitis, Epilepsie, Melancholie, Lungenleiden, Cholera bis zum Podagra.

Alexandros gibt seine eigenen Erfahrungen als Arzt wieder, weit umfangreicher exzerpiert er aber aus den Schriften der Ärzte vor ihm. Es finden sich Parallelen zu Hippokrates von Kos, Aulus Cornelius Celsus, Galenos, Caelius Aurelianus, Oreibasios und vielen weiteren.[1] Die anatomischen und physiologischen Grundlagen entnimmt er weitgehend von Galenos, die Behandlung folgt häufig den Methodikern mit Bädern, Aderlass, Diät, Schröpfkopf.[2]

Der Schwerpunkt liegt aber bei Medikamenten, deren meist pflanzliche Stoffe bereits von Pedanios Dioskurides, Plinius dem Älteren, Scribonius Largus und anderen aufgeführt werden. Magische Praktiken, wie Amulette und die Dreckapotheke, werden selten erwähnt. Hierbei ist auch dokumentiert, wie Wissen in der Spätantike verloren geht. Scribonius Largus kennt für Podagra die interessante Behandlung durch den elektrischen Strom, der vom lebenden Zitterrochen (torpedo nigra viva) ausgeht.[3] Alexandros bezeichnet den Zitterrochen (Νάρχμν) ausdrücklich als lebend zu bratendes und mit anderen Stoffen gemischt aufzutragendes Wundermittel.[4] Die rationale Grundlage der Behandlung kennt Alexandros nicht mehr.

Das Werk sollte noch lange nach seinem Tod ein Lehrbuch für Ärzte bleiben. Es wurde aus dem Griechischen zuerst ins Lateinische (Libri duodecim de re medica) und später ins Arabische übersetzt und bis ins 16. Jahrhundert gedruckt.

Als „Alexander der artzat“ verfügt Alexander über einen eigenen Kurzeintrag in Hartmann Schedels Weltchronik von 1493, einer Art Enzyklopädie des ausgehenden Mittelalters.[5]

Überlieferung[Bearbeiten]

  1. Περὶ ἑλμίνθων (Perí helmínthon; De lumbricis; Über die Eingeweidewürmer). Überliefert im Codex Parisinus gr. suppl. 631. aus dem 11./12. Jahrhundert.
  2. Περὶ ὀφθαλμῶν (Perí ophthalmon; De oculis; Über die Augen). Vor dem 10. Jahrhundert, Alexander wohl fälschlich zugeschrieben. Kompilation sonst verlorener Quellen, insbesondere arabischer Ärzte. Überliefert im Codex Marcianus gr. V 9 aus dem 15. Jahrhundert.
  3. Περὶ πυρετῶν (Peri pyreton; De febribus; Über das Fieber). Überliefert im Codex Laurentianus plut. 74,10 aus dem 14. Jahrhundert.
  4. Θεραπευτικά (Therapeutiká; Therapeutik). Umfassendes medizinisches Lexikon in galenischer Tradition. Teilweise überliefert im Codex parisinus gr. suppl 1297 aus dem 10. Jahrhundert und ganz im Codex Laurentianus plut. 74,10 aus dem 14. Jahrhundert.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Theodor Puschmann (Hrsg.): Alexander von Tralles. Original-Text und Übersetzung nebst einer einleitenden Abhandlung. Ein Beitrag zur Geschichte der Medizin. 2 Bände, Wien 1878–1879 (Neudruck Amsterdam 1963).
  • Barbara Zipser: Pseudo-Alexander Trallianus. De oculis. Einleitung, Text, Übersetzung und Kommentar. Dissertation, Universität Heidelberg 2003.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Alexander von Tralleis – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Theodor Puschmann: Alexander von Tralles. Anmerkungen.
  2. Iwan Bloch: Alexandros von Tralleis. S. 540, 544.
  3. Scribonius Largus, Compositiones 162.
  4. Alexander von Tralleis: Vorsichtsmittel gegen Podagra und Gelenkleiden.
  5. Auf Blatt CXXXVI ist zu lesen: „Alexander der artzat diser zeit von wegen der groeße seiner sinnreichigkeit. Ein fuerst der artzt gehalten. hat die lere der gantzen ertznei in dreyen buechern außgetruecket.“ (Alexander, ein Arzt dieser Zeit, wurde wegen seiner Sinnreichigkeit [Auffassungsgabe?] als Bester seiner Zunft angesehen. Er hat die Lehre von den Arzneien in drei Büchern aufgeschrieben.) Hartmann Schedel: Weltchronik 1493. Kolorierte und kommentierte Gesamtausgabe. Einleitung und Kommentar von Stephan Füssel. Augsburg 2004, ISBN 3-8289-0803-9 (Wikisource).