Cholera

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Dieser Artikel beschreibt die Krankheit. Zum Gemüsekuchen siehe Cholera (Gericht).
Klassifikation nach ICD-10
A00.0 Cholera durch Vibrio cholerae O:1, Biovar cholerae
A00.1 Cholera durch Vibrio cholerae O:1, Biovar eltor
A00.9 Cholera, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Choleraverbreitung auf der Welt (Stand 2004)

Cholera (griechisch Gallenbrechdurchfall) ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit vorwiegend des Dünndarms, die durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht wird. Die Infektion erfolgt zumeist über verunreinigtes Trinkwasser oder infizierte Nahrung. Die Bakterien können extremen Durchfall und starkes Erbrechen verursachen, was zu einer schnellen Exsikkose mit Elektrolytverlust führen kann. Obwohl die meisten Infektionen (etwa 85 %) ohne Symptome verlaufen, beträgt die Letalität bei Ausbruch der Krankheit unbehandelt zwischen 20 und 70 %.

Die Krankheit kann epidemisch auftreten und ist in Deutschland und Österreich meldepflichtig; es sind namentlich zu melden: der Krankheitsverdacht, die Erkrankung, der Tod, in Deutschland auch der Nachweis des Erregers. In der Schweiz sind erkrankte, infizierte und exponierte Personen identifizierbar zu melden.

Erreger[Bearbeiten]

Cholerabakterien im Elektronenmikroskop
Cholerabakterium O395 wt Wild Type im Elektronenmikroskop
Hauptartikel: Vibrio cholerae

Die Cholera wird durch die Bakterienart Vibrio cholerae ausgelöst, deren Exotoxin (das Choleratoxin) zu starkem, reiswasserartigem Durchfall (nahezu flüssig wie Wasser mit einer weiß-trüben Färbung) mit großem Flüssigkeitsverlust führt. Der Erreger wurde erstmals von Filippo Pacini 1854 als gekrümmtes, kommaförmiges und hochbewegliches Bakterium beschrieben. John Snow erkannte ebenfalls 1854, dass die herrschende Cholera in London nicht durch Dünste (Miasmen) verbreitet wurde, wie seinerzeit allgemein angenommen wurde. Robert Koch hat 1883 zusammen mit Bernhard Fischer und Georg Gaffky in Ägypten den Erreger aus dem Darm verstorbener Patienten in Reinkultur angezüchtet. Dies wurde von Max von Pettenkofer auf drastische Weise mit einem Selbstversuch bestritten, gilt jedoch längst als gesichert.

Neuere Erkenntnisse zeigten außerdem, dass das letztlich krankheitsauslösende (pathogene) Choleratoxin durch einen DNA-Abschnitt des Vibrio cholerae exprimiert wird, der ursprünglich von einem Bakteriophagen stammt.

Vorkommen[Bearbeiten]

Cholera tritt häufig in armen Ländern auf, in denen Trinkwasser- und Abwassersysteme nicht voneinander getrennt sind und daher das Trinkwasser häufig mit Choleraerregern verunreinigt ist. Diese Erreger finden sich vor allem in Fäkalien sowie in Fluss- und Meerwasser, in welche Fäkalien eingeleitet werden. Außerdem können Fische und andere Nahrungsmittel aus Flüssen und dem Meer mit Cholera-Erregern verunreinigt sein.

In Industrieländern ist durch Wasserwerke und Kläranlagen eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser gewährleistet, so dass Cholerafälle selten sind.

Übertragung[Bearbeiten]

Cholerabakterien gelangen in erster Linie über fäkalienverunreinigtes Trinkwasser, weniger über erreger-kontaminierte Lebensmittel oder Gebrauchsgegenstände in den Gastrointestinaltrakt des Menschen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch wird für möglich gehalten, gilt aber als eher seltenes Ereignis.[1]

Symptome und Beschwerden[Bearbeiten]

Für die Cholera typischer „Reiswasserstuhl“
Ein an Cholera erkrankter Mensch mit deutlichen Zeichen der Dehydratation

Nach einer Inkubationszeit von 2–3 Tagen verläuft Cholera meist in drei Stadien:

  1. Stadium mit Brechdurchfall mit häufig dünnflüssigem Stuhl, oft mit Schleimflocken durchsetzt („Reiswasserstuhl“) und selten mit Schmerzen im Bauch.
  2. Stadium des Flüssigkeitsmangels (Exsikkose). Dabei kommt es zu Untertemperatur und zu einem auffälligen Gesichtsausdruck mit spitzer Nase, eingefallenen Wangen und stehenden Hautfalten.
  3. Stadium der allgemeinen Körperreaktion mit Benommenheit, Verwirrtheit, Koma und Hautausschlag. Komplikationen wie zum Beispiel eine Lungenentzündung, eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse und eine Sepsis können hinzukommen.

Menschen mit der Blutgruppe 0 erscheinen besonders gefährdet,[2][3] solche mit der Blutgruppe AB am wenigsten.

Anschaulich beschreibt Iwan Sergejewitsch Turgenew in Väter und Söhne die ersten Symptome und den Tod des cholerakranken Jewgeni Basarow.

Diagnose[Bearbeiten]

Zur Diagnose führen die typischen Beschwerden, die bei einer Person in einem Gebiet mit bekannter Choleragefahr auftreten. Akut erfolgt eine Mikroskopie und Stuhlkultur. Die Anzucht geschieht mittels des Selektivmediums Thiosulfate-Citrate-Bile-Sucrose-Agar (TCBS).[4][5] Zusätzlich können Stuhlproben in alkalischem Peptonwasser (APW) bei pH 8.4 über Nacht inokuliert werden. Das Inokulat wird nach 4 bis 8 Stunden Inkubationszeit bei 20 bis 40 °C (ideal 37 °C) auf TCBS ausgestrichen. Eine definitive Labordiagnose erfolgt mit Hilfe von Antiserum.[6] Weitere Methoden sind unter Nachweise von Vibrio cholerae aufgeführt.

Behandlung[Bearbeiten]

Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist der ausreichende Ersatz von Flüssigkeit, Zucker und Salzen. Dieser Ersatz erfolgt am besten intravenös, weil so der entzündete Magen-Darm-Trakt umgangen wird. In Ländern der Dritten Welt wird aber auch der orale Flüssigkeitsersatz (WHO-Trinklösung) einfach und erfolgreich praktiziert: Die WHO empfiehlt eine oral zu verabreichende Salz- und Glucoselösung in Wasser.

Komponenten
Glucose (Traubenzucker) 13,5 g/l
Natriumcitrat 2,9 g/l[7]
Natriumchlorid (Kochsalz) 2,6 g/l[8]
Kaliumchlorid 1,5 g/l

Die optimale Mischung enthält die Lösung Oral Rehydratation Solution, die als Fertigpulver zu kaufen ist.

Ein Antibiotikum vom Fluorchinolontyp, z. B. Ciprofloxacin, ist bei schweren Verläufen empfehlenswert; denn es verkürzt v. a. die Zeit der Infektiosität, selten den Krankheitsverlauf. Das Robert-Koch-Institut stellt ebenfalls fest, dass eine Antibiotika-Therapie lediglich als Unterstützung sinnvoll ist und empfiehlt zu diesem Zweck neben Ciprofloxacin Cotrimoxazol und Tetracycline.[9]

Eine Untersuchung in Bangladesch konnte zeigen, dass eine Einmalgabe des besser verträglichen Antibiotikums Azithromycin wirksamer war als Ciprofloxacin.

Mit diesen Maßnahmen kann die Sterblichkeitsrate von 60 % auf unter 1 % gesenkt werden.

Vorbeugung[Bearbeiten]

Zur Vorbeugung empfiehlt sich vor allem die Einhaltung hoher hygienischer Standards, vor allem die Bereitstellung hygienisch einwandfreien Trinkwassers. Eine besonders einfache, aber bislang kaum bekannte Möglichkeit der Trinkwasserdesinfektion ist die Nutzung einer PET-Flasche zur Sonnenlichtaussetzung von Wasser unterschiedlichen Ursprungs. Dieses auch SODIS genannte Verfahren[10] ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in seiner Wirksamkeit anerkannt. Sogar Wasserfilter aus gefaltetem Stoff (z. B. ein alter Sari)[11] senken das Risiko einer Erkrankung um immerhin fast die Hälfte, wie Forscher der National Science Foundation um Rita R. Colwell in Bangladesh feststellten.

Die frühere intramuskuläre Impfung ist als veraltet und wirkungslos zu beurteilen. Neuere Entwicklungen (Schluckimpfung) sind wirksamer und verträglicher und schützen auch zu einem gewissen Grad vor dem klassischen Reisedurchfall.[12] Das Robert-Koch-Institut verweist auf die Angaben der WHO, nach denen eine Impfung nicht generell empfohlen wird, jedoch für Personen, die an Hilfseinsätzen in Epidemiegebieten beteiligt sind, angebracht sein kann.[9] Für eine Impfung gegen Cholera wird ein Totimpfstoff (inaktivierte Zellen von Vibrio cholerae) verwendet, der oral verabreicht wird. Dieses orale Cholera Vakzin (OCV) wird seit 2012 in einigen Gebieten Haitis in einem Impfprogramm eingesetzt.[13] Ein neuer, ebenfalls oral verabreichter Cholera-Impfstoff wirkt nicht nur antibakteriell (gegen den Erreger), sondern zusätzlich antitoxisch (gegen das Choleratoxin).[14]

Geschichte der Cholera[Bearbeiten]

Cholerabaracke in Hamburg während der Choleraepidemie von 1892.

Die empirischen Befunde anhand dieser Epidemie waren für die wissenschaftliche Medizin zunächst niederschmetternd, weil sie beide seit dem ausgehenden Mittelalter in Europa herrschenden Theorien widerlegten – sowohl die Miasmentheorie der Übertragung durch üble Dünste als auch die Kontagionstheorie der Übertragung durch Berührung eines Kranken. Ein halbes Jahrhundert lang fehlte eine neue Theorie.

Unter der Leitung von Edwin Chadwick wurde 1832 als Reaktion auf erste Cholerafälle in London angeordnet, Abwässer und Verschlammungen aus den übelriechenden Abwasserkanälen in die Themse zu spülen. Da die Unternehmen, die London mit Trinkwasser versorgten, dieses aber der Themse entnahmen, führte die Maßnahme zur Verseuchung des Trinkwassers und einer Choleraepidemie mit 14.000 Toten.

Joseph Griffiths Swayne[15], Frederick Brittan[16] und William Budd (1811–1880)[17][18] untersuchten Abwasser und fanden Komma-förmige Mikroorganismen.[19] 1849 legten John Snow und William Budd eine Abhandlung vor, in der sie die Auffassung vertraten, dass Cholera von lebenden Organismen im Trinkwasser hervorgerufen würde.[20] Filippo Pacini beschrieb 1854 das Komma-förmige Bakterium Vibrio cholerae als Erreger der Cholera. Er war mit seiner Vermutung eines Mikroorganismus als Auslöser der Cholera nicht allein. Auch Arthur Hill Hassall und John Snow berichteten im gleichen Jahr in London dem Medical Council of the General Board of Health, dass die Hypothese Pacinis eine ernstzunehmende Überlegung sei, würde es doch von myriads of vibriones in every drop of every sample of rice-water discharges nur so wimmeln.[21]

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es noch weitere große Cholera-Epidemien auf dem Festland und in Großbritannien. Man wusste sich praktisch zu helfen, etwa durch die „Cholera-Zeitungen“, in denen die getroffenen Maßnahmen verkündet wurden. Sie enthielten auch lange Namenslisten der an Cholera Erkrankten und Verstorbenen. Wichtig wurde dann aufgrund der Wiederkehr der Seuche der Bau des großen Londoner Abwassernetzes unter Joseph Bazalgette.[22]

Der englische Arzt John Snow untersuchte 1854 erneut die Übertragung der Cholera über verschmutztes Trinkwasser, seine Hypothese konnte sich jedoch nur langsam durchsetzen.[23] 1855 zeigte Snow in seiner „East“-Studie, dass die schwere Cholera-Epidemie im Londoner Stadtteil Soho ihre Ursache in verunreinigtem Trinkwasser aus einer Pumpenanlage in der Broad Street hatte. Hassall untersuchte auf Wunsch von John Snow das Wasser der Pumpenanlage und der Themse[24] und die Stuhlproben der Patienten und fand in allen Fällen Cholera-Erreger.[25]

Pacinis Hypothese, dass die Cholera durch Mikroorganismen hervorgerufen würde, konnte schließlich nach der Entdeckung des Ansteckungsmechanismus durch Robert Koch zusammen mit Bernhard Fischer und Georg Gaffky bewiesen werden.

In Ägypten wurden im Jahre 1884 die Erreger aus dem Darm verstorbener Patienten speziell in Reinkultur angezüchtet.[26]

Epidemien[Bearbeiten]

Sieben Pandemien lassen sich unterscheiden:

  • 1. Pandemie (1817-1824): Teile Asiens sind betroffen, ebenso Ostafrika, ab 1823 Kleinasien und in der Folge Russland und Europa.
  • 2. Pandemie (1826-1841): Die Epidemie breitet sich von Mekka nach Ägypten und Europa aus.
  • 3. Pandemie (1852-1860): Die Epidemie betrifft einen Teil Asiens, den Maghreb (insbesondere Algerien) und Europa. Es kam zu mehr als einer Million Todesfällen in Russland.
  • 4. Pandemie (1863-1876): Über Nordeuropa, nach Belgien im Jahre 1866, dann Frankreich und schließlich Nordafrika und Südamerika
  • 5. Pandemie (1883-1896): Die Epidemie breitet sich aus Indien nach Osten und Westen auf mehrere Kontinente aus.
  • 6. Pandemie (1899-1923): Aus Asien kommend gelangt die Epidemie nach Russland und verbreitet sich dann nach Mittel- und Westeuropa
  • 7. Pandemie (um 1961): Von Asien aus gelangt die Epidemie nach Russland und dann nach Mittel- und Westeuropa.

Bis 1800[Bearbeiten]

Eine Krankheit, die nach heutigem Wissensstand möglicherweise die Cholera war, wurde seit etwa 600 v. Chr. im Gangestal in Indien beobachtet. Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert breitete sich die Seuche von Indien kommend nach Westen aus.

1800 bis 1900[Bearbeiten]

Um 1830 brachten die gegen den polnischen Novemberaufstand zusammengezogenen russischen Truppen von der indischen Grenze die Krankheit erstmals nach Europa (Tod von Hegel, Clausewitz, Gneisenau, Diebitsch, Langeron, Perier, Georges Cuvier u. v. a.). Binnen weniger Jahre wurden fast alle europäischen Länder von verheerenden Seuchenwellen heimgesucht.

Vorher traten in der österreichischen Hauptstadt Wien noch mehrere Cholera-Epidemien auf. Die erste wurde im Jahr 1830 beobachtet und forderte bis zum Dezember 1831 rund 2.000 Tote. Ursache war das enorme Wachstum der Stadt, womit die Wiener Wasserversorgung nicht Schritt halten konnte. 1854 wurde der Dichter Ferdinand Sauter erstes Opfer eines weiteren Ausbruchs. Im Krimkrieg (1853 bis 1856) kamen auf beiden Seiten mehr Soldaten durch die Cholera um als in Kampfhandlungen. So starben u. a. der britische Oberbefehlshaber Lord Raglan und der Befehlshaber der französischen Flotte, Armand Joseph Bruat, an der Krankheit. 1854 brach die Epidemie auch in London und Teilen Süddeutschlands (darunter in München) aus. Am 27. Juli 1866 wurde ein weiterer Cholerafall in Wien entdeckt. Die Seuche war während des Preußisch-Österreichischen Kriegs im preußischen Heer ausgebrochen und kostete in diesem Feldzug dort 3.139 Soldaten das Leben. Mit dem Truppenvormarsch verbreitete sich die Cholera in Niederösterreich. Am 24. August 1866 begann in Wien eine Cholera-Epidemie, die bis zum 23. November 1869 Tote in der Stadt verursachte. In der Umgebung waren rund 4.000 Opfer zu beklagen. Im übrigen Niederösterreich kam es in 490 Ortschaften zu geschätzten 23.000 Choleraerkrankungen. Es starben etwa 8.000.

Um 1892 grassierte die Cholera in Afghanistan und gelangte nach Russland. In Hamburg kam es in diesem Jahr zu einer letzten großen Cholera-Epidemie.

Desinfektionskolonne mit Chlorkalkkarren während der Cholera-Epidemie in Hamburg 1892

Robert Koch vermutete, dass russische Amerika-Auswanderer sie mit in die deutsche Hafenstadt gebracht hätten. Es gibt jedoch auch Zweifel an dieser Hypothese, da die ersten Cholerafälle unter Einheimischen diagnostiziert wurden. Durch die fehlende Aufklärung der Bevölkerung und zu wenig Kläranlagen wurde der Ausbruch des Erregers begünstigt. Allein in Hamburg starben mehr als 8.600 Personen.

Seit 1900[Bearbeiten]

Die letzte größere Choleraepidemie des 20. Jahrhunderts breitete sich in Peru 1991 aus. Am 9. Februar rief die peruanische Regierung den nationalen Notstand aus, trotzdem trat die Epidemie auch in Ecuador, Kolumbien, Mexiko und Nicaragua auf. Von den rund 400.000 damals in Südamerika Erkrankten starben schätzungsweise 12.000.

Die Choleraepidemie im südlichen Afrika 2008/2009:
  • Todesfälle
  • Infektionen

Im Jahr 2007 breitete sich eine Cholera-Epidemie in weiten Teilen Iraks aus, rund 4.700 Menschen erkrankten. Weltweit wurden im Jahr 2007 177.963 Cholera-Erkrankungen gemeldet, der Anteil tödlicher Verläufe an allen der WHO gemeldeten Cholerafällen betrug 2,3 %.[27]

Anfang Dezember 2008 wurde in Simbabwe der nationale Notstand infolge einer schweren Cholera-Epidemie ausgerufen, da das Land die zu diesem Zeitpunkt 18.000 Verdachtsfälle nicht mehr selbst versorgen konnte.[28] Die Epidemie breitete sich auf den benachbarten Grenzgebiets-Distrikt Vhembe von Südafrika aus, wo mehr als 500 Erkrankungen registriert wurden. Er wurde am 11. Dezember 2008 zum Katastrophengebiet erklärt.[29] Nur einen Tag später erklärte Simbabwes Präsident Mugabe die Cholera-Epidemie in seinem Land für beendet, obwohl zum damaligen Zeitpunkt nach Angaben der unabhängigen Hilfsorganisation Oxfam noch mindestens 60.000 Menschen an der Krankheit litten.[30] Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit dem Ausbruch der Epidemie im August 2008 mittlerweile fast 98.000 Menschen in Simbabwe an Cholera erkrankt, über 4.200 kamen ums Leben. (Stand: 7. Mai 2009).[31]

Ende Oktober 2010 rief Haiti nach dem Ausbruch von Cholera-Erkrankungen den sanitären Notstand aus.[32] Die Infektionen traten zunächst in der ländlichen Provinz Artibonite, nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince, auf. Am 9. November 2010 wurden erstmals Cholera-Erkrankungen in der Hauptstadt gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehr als 550 Menschen an der Krankheit gestorben, mehr als 8000 Haitianer waren infiziert.[33] Anfang des Jahres 2010 hatte ein schweres Erdbeben die Region erschüttert. Nach der Katastrophe waren mehr als 500.000 Menschen an Cholera erkrankt und über 7.000 gestorben.[34] Seit Beginn der Regenzeit 2012 hat sich die Situation erneut verschärft. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen hat sich die Zahl der Patienten in weniger als einem Monat mehr als verdreifacht.[35]

Zwischen dem 30. Mai und dem 6. Juni 2011 berichtete die Ukraine der WHO von 14 Cholera-Fällen.[36]

Am 2. Juli 2012 wurden aus dem ostkubanischen Manzanillo 53 Cholera-Erkrankungen und drei Todesfälle gemeldet.[37] Am 28. August bezeichnete das kubanische Gesundheitsministerium den Cholera-Ausbruch für beendet. Demzufolge gab es insgesamt 417 bestätigte Fälle. Neben der Provinz Granma, wo ein Großteil der Erkrankungen registriert wurden, gab es noch vereinzelte Fälle in den Provinzen Santiago de Cuba, Guantánamo und in der Hauptstadt Havanna. Es sei jedoch bei den drei Todesfällen geblieben.[38] Nichtoffiziellen Berichten zufolge gab es jedoch allein in der Provinz Granma mindestens 15 Tote.[39] Nur einen Monat nachdem die Epidemie für beendet erklärt worden war, gaben die Behörden neun neue Cholerafälle in der Provinz Granma bekannt.[40] Infolge des Hurrikans Sandy gab es gemäß offiziell nicht bestätigten Meldungen ein erneutes starkes Ansteigen der Neuinfektionen. Schwerpunkt der Epidemie waren diesmal die Provinzen Santiago de Cuba und Guantánamo sowie Einzelfälle in der Provinz Holguín.[41] Im Januar 2013 mussten die kubanischen Behörden auch 51 Fälle in Havanna zugeben,[42] nachdem unabhängige Quellen schon länger davon berichteten und von einer weit höheren Zahl der Betroffenen ausgehen.[43]

Im August 2012 rief die Regierung von Sierra Leone wegen einer Cholera-Epidemie den nationalen Notstand aus. Laut dem Auswärtigen Amt in Berlin gibt es über 10.000 Erkrankte und mehrere hundert Tote. In der Hauptstadt Freetown und der Umgebung sollen seit Beginn des Jahres 176 Menschen an der Krankheit gestorben sein.[44]

Ab September 2013 trat die Cholera auch in Mexiko auf. Bis Mitte Oktober wurden 171 Fälle registriert, davon 157 im Bundesstaat Hidalgo. Ein Betroffener ist gestorben. Der Cholera-Erreger weist laut WHO eine 95%-ige Ähnlichkeit mit den in Haiti, der Dominikanischen Republik und in Kuba gefundenen Varianten auf.[45]

Literatur[Bearbeiten]

  • Barbara Dettke: Die asiatische Hydra. Die Cholera von 1830/31 in Berlin und den preußischen Provinzen Posen, Preußen und Schlesien. De Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-014493-X. (GoogleBooks)
  • Myron Echenberg: Africa in the Time of Cholera. A History of Pandemics from 1817 to the Present. Cambridge University Press, New York 2011, ISBN 978-0-521-18820-3.
  • Richard J. Evans: Tod in Hamburg. Stadt, Gesellschaft und Politik in den Cholera-Jahren 1830-1910. Rowohlt, Reinbek 1990, ISBN 3-498-01648-2.
  • Neil E. Gibson (Kommentator): A single dose of azithromycin was more effective than ciprofloxacin for severe cholera in men in Bangladesh. In: Evidence-Based Medicine. Nr. 11, 2006, S. 181, doi:10.1136/ebm.11.6.181.
  • Charlotte E. Henze: Disease, Health Care and Government in Late Imperial Russia: Life and Death on the Volga, 1823-1914. Routledge, Oxon (UK) 2011, ISBN 978-0-415-54794-9.
  • Steven Johnson: The Ghost Map. The Story of London’s Most Terrifying Epidemic – and How It changed Science, Cities, and the Modern World. Riverhead Books, New York 2006, ISBN 1-59448-925-4.
  • Harvey F. Lodisch: Molekulare Zellbiologie. 4. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/ Berlin 2001, ISBN 3-8274-1077-0.
  • Gerold Schmidt: „Cholera-Zeitungen“ von 1831 bis 1832 als biographisch-genealogische Quelle. In: Genealogie. Deutsche Zeitschrift für Familienkunde. Nr. 46, 1997, S. 708–736.
  • Ernst Visser: Urban Developments in the Time of Cholera: Vienna 1830–1850. Dissertation, Central European University. - History Department, Budapest 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Cholera – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Cholera – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Cholera – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anna Philine Schlagberger: Die Vorstellungen und das Wissen von der Wirkweise des Choleraerregers Vibrio cholerae im Wandel der Zeit. Dissertation, zum Erwerb des Doktorgrades der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Ludwig – Maximilians – Universität zu München, 2009 (PDF-Datei)
  2. D. L. Swerdlow, E. D. Mintz, M. Rodriguez u. a.: Severe life-threatening cholera associated with blood group O in Peru: implications for the Latin American epidemic. In: J. Infect. Dis.. 170, Nr. 2, August 1994, S. 468–472. PMID 8035040.
  3. J. B. Harris, A. I. Khan, R. C. LaRocque u. a.: Blood group, immunity, and risk of infection with Vibrio cholerae in an area of endemicity. In: Infect. Immun.. 73, Nr. 11, November 2005, S. 7422–7427. doi:10.1128/IAI.73.11.7422-7427.2005. PMID 16239542. PMC: 1273892 (freier Volltext).
  4. Datenblatt TCBS-Agar zur Isolierung und Selektivzüchtung von Vibrio cholera bei Merck, abgerufen am 21. Januar 2011.
  5. TCBS-Cholera-Agar, modifiziert (Thiosulfate Citrate Bile Sucrose Agar)(Cholera-Agar) Art.-Nr. CM 333, OXOID Handbuch S. 293 online (PDF-Datei; 42 kB)
  6. M. Cheesborough: District Laboratory Practice in Tropical Countries. 2. Band, Cambridge University Press, Cambridge, New York 2005-2006, ISBN 0-521-67631-2, S. 189–194.
  7. WHO-Trinklösung und Orale Rehydratation (WHO) (PDF-Datei; 2,29 MB)
  8. ORAL REHYDRATION SALTS. Production of the new ORS. (PDF; 2,4 MB) auf: whqlibdoc.who.int
  9. a b Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten. In: Webseite des Robert-Koch-Instituts (RKI). 15. September 2011, abgerufen am 6. November 2013.
  10. „Sodis“: PET-Flasche und Sonne desinfizieren Wasser (3sat)
  11. Einfaches Hilfsmittel, um der Cholera vorzubeugen: Wasserfilter aus gefaltetem Stoff
  12. 8. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin 2005, Prof. Dr. Thomas Weinke: Cholera-Impfung: Ist sie sinnvoll und für wen? (PDF-Datei; 86 kB)
  13. A. S. Vicari, C. Ruiz-Matus u. a.: Development of a cholera vaccination policy on the island of hispaniola, 2010-2013. In: The American journal of tropical medicine and hygiene. Band 89, Nummer 4, Oktober 2013, S. 682–687, ISSN 1476-1645. doi:10.4269/ajtmh.13-0200. PMID 24106195. PMC 3795098 (freier Volltext).
  14. K. T. Hamorsky, J. C. Kouokam u. a.: Rapid and scalable plant-based production of a cholera toxin B subunit variant to aid in mass vaccination against cholera outbreaks. In: PLoS neglected tropical diseases. Band 7, Nummer 3, 2013, S. e2046, ISSN 1935-2735. doi:10.1371/journal.pntd.0002046. PMID 23505583. PMC 3591335 (freier Volltext).
  15. wikisource Joseph Griffiths Swayne
  16. Michael Whitfield: The Bristol Microscopists and the Cholera Epidemic of 1849. Avon Local History and Archaeology 2011, ALHA Books, Bristol 2011
  17. wikisource William Budd
  18. J. G. Swayne; W. Budd: An account of certain organic cells in the peculiar evacuations of cholera. Lancet, 1849, 54: 398–399.
  19. P.E. Brown: John Snow – the autumn loiterer. S. 519–528, online
  20. Milton Wainwright: Microbiology before Pasteur. Microbiology Today, Vol. 28/Feb. 01, S. 20
  21. A. H. Hassall, In: Great Britain, General Board of Health, Report of the Committee for Scientific Enquiries in relation to the Cholera Epidemic of 1854. London 1855
  22. Christopher Hamlin: Cholera: The Biography. Oxford University Press, 2009, ISBN 9-7801-915-8015-4
  23. Stephanie J. Snow: Death by Water. John Snow and the cholera in the 19th century. Liverpool Medical History Society. 4 March 1999
  24. Ronald D. Gerste: Das düstere Geheimnis der Pumpe an der Broad Street. Zum 200. Geburtstag von John Snow. Chirurgische Allgemeine, 15. Jahrgang, 2. Heft (2014), S. 123–126.
  25. Amanda J. Thomas: The Lambeth Cholera Outbreak of 1848-1849: The Setting, Causes, Course and Aftermath of an Epidemic in London. McFarland, Jefferson NC 2010, ISBN 978-0-7864-5714-4, S. 37 f.
  26. Norman Howard-Jones: Robert Koch and the cholera vibrio: a centenary. In: British medical journal. (Clinical research ed.). Bd. 288, Nr. 6414, Februar 1984, S. 379–381, ISSN 0267-0623, PMID 6419937. PMC 1444283 (freier Volltext).
  27. Weekly Epidemiological Record der WHO (PDF-Datei; 526 kB), Vol. 83, Ne. 31, 1. August 2008, S. 261–283.
  28. Focus: Notstand in Simbabwe ausgerufen, focus.de vom 4. Dezember 2008.
  29. Spiegel Online: Südafrika erklärt Grenzregion zu Katastrophengebiet, spiegel.de vom 11. Dezember 2008.
  30. n-tv: Cholera in Simbabwe, n-tv.de.
  31. Weltgesundheitsorganisation (WHO): WHO | Cholera – Daily Updates.
  32. vgl. Haiti ruft sanitären Notstand aus bei tagesschau.de, 23. Oktober 2010 (aufgerufen am 23. Oktober 2010)
  33. Spiegel Online: Cholera-Epidemie erreicht Hauptstadt Port-au-Prince, 9. November 2010.
  34. Wieder mehr Cholera-Fälle in Haiti. In: Ärzte Zeitung online. 27. April 2012.
  35. Ärzte ohne Grenzen: Deutlich mehr Cholerafälle in Haiti. Pressemitteilung, 26. April 2012.
  36. WHO: Ukraine reports 14 cholera cases 06-06-2011. Abgerufen am 10. Juni 2011.
  37. Nota Informativa del Ministerio de Salud Pública, 2 de julio del 2012. In: Granma vom 3. Juli 2012.
  38. Nota Informativa del Ministerio de Salud Pública, 27 de agosto de 2012. In: Granma vom 28. August 2012.
  39. Juan O. Tamayo: El cólera causa al menos 15 muertes en Cuba, El Nuevo Herald vom 6. Juli 2012.
  40. Autoridades confirman 9 casos de cólera en Granma, Café Fuerte vom 27. September 2012.
  41. Aumentan los casos de cólera en el oriente cubano, El Nuevo Herald vom 22. November 2012.
  42. Cuba confirms 51 cholera cases in Havana, BBC News vom 15. Januar 2013.
  43. Sarah Rainsford: Cholera fear in Cuba as officials keep silent, BBC News vom 13. Januar 2013.
  44. Cholera: Sierra Leone ruft den Notstand aus
  45. Zahl der Cholera-Fälle in Mexiko steigt, stern.de vom 20. Oktober 2013
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