Alternative

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Dieser Artikel behandelt Alternative als Entscheidungsmöglichkeit. Für weitere Bedeutungen siehe Alternative (Begriffsklärung).

Alternative bedeutet die Möglichkeit zur Entscheidung zwischen zwei Optionen oder Dingen. Außerdem bezeichnet der Begriff auch die andere Möglichkeit als solche.[1] Der Begriff wird auch enger definiert, reduziert auf eine Wahl zwischen nur zwei Möglichkeiten, im Sinne einer Entweder-oder-Entscheidung.[2] Diese Definition basiert auf dem Lateinischen alter – dt.: ‚andere(r/s)‘.[3]

Das Substantiv Alternative wurde im 17. Jahrhundert aus dem französischen alternative entlehnt.[4] Dessen ursprüngliche Bedeutung „abwechselnd, eine andere Möglichkeit bildend“ wurde unter dem Einfluss des Englischen auch auf eine „andere Möglichkeit“ als solche ausgedehnt.[5]

Adjektiv alternativ[Bearbeiten]

Das zugehörige Adjektiv lautet alternativ. Es ist seit dem 15. Jahrhundert belegt, zunächst als lateinisches Adverb alternative und in der Bedeutung „zwischen zwei Möglichkeiten die Wahl lassend, eine zweite Möglichkeit bildend“.[6] Die heutige Schreibweise alternativ ist seit dem 18. Jahrhundert belegt. Unter dem Einfluss des Französischen kam es zu einer Bedeutungsausweitung im Sinne von „wahlweise, zwischen zwei oder mehreren Möglichkeiten die Wahl lassend“.[7]

Das Adjektiv alternativ spielte im 18. und 19. Jahrhundert keine bedeutende Rolle. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich jedoch unter dem Einfluss des amerikanischen Englischen die Bedeutung „konkurrierend mit den bestehenden Normen“[8] beziehungsweise „eine andere Lebensweise vertretend, für als menschen- und umweltfreundlicher angesehene Formen des [Zusammen]lebens eintretend“[9] Alternative als Personen sind in diesem Sinne Teile einer Alternativbewegung.

Adjektiv alternativlos[Bearbeiten]

Das Adjektiv alternativlos in der Bedeutung „keine Alternativlösung zulassend, keine andere Möglichkeit bietend, ohne Alternative“[10] wurde nach seinem Gebrauch im politische Diskurs – im Sinne der behaupteten Alternativlosigkeit eines Vorschlages oder einer Vorgehensweise – von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Unwort des Jahres 2010 gekürt. Der Juryleiter und Germanist Horst Dieter Schlosser zur Begründung:

„Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe.”[11]

Schlosser sah bereits im Vorfeld der Entscheidung alternativlos als „das ‚Basta‘ der Merkel-Regierung“ und verglich dabei die Wortwahl der amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der ihres Amtsvorgängers Gerhard Schröder.[12]

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler bemerkte dazu, und mit Hinweis auf den Begriff der Deliberation, bereits 2009:

„[...] was mit Alternativlosigkeit kommuniziert wird[:] Das ist das Vortragen von Sachzwang und Zeitdruck, indem einem im Prinzip nichts anderes übrig bleibe, als so zu agieren, wie man agiere. Das widerspricht aber eigentlich den Grundprinzipien von Politik und Demokratie, nämlich zu deliberieren, um auf der Grundlage des Nachdenkens, des Reflektierens, des Erwägens von Alternativen dann eine Entscheidung zu treffen.“[13]

An diesen Einwänden fällt auf, dass sie allesamt von Geisteswissenschaftlern kommen, während Merkel als Physikerin den naturwissenschaftlich-pragmatischen Problemzugang anscheinend auch in der Politik bevorzugt.

Wissenschaftstheorie[Bearbeiten]

Wissenschaftstheoretisch ist an dieser Stelle auf Karl Popper zu verweisen, der betont, dass ein hypothetischer Sachzusammenhang nicht „bewiesen“ werden könne, z. B. nicht durch Mangel an Alternativen, sondern, dass die Hypothese auch in diesen Fall nur „falsifiziert“ werden könne, und zwar durch ein konkretes Experiment.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wiktionary: Alternative – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Definition angelehnt an Brockhaus 1960 und an Duden „Etymologie“ – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989 sowie Duden Rechtschreibung der deutschen Sprache, 21. Auflage, Dudenverlag, 1996 hier wörtlich „Entscheidung zwischen zwei [oder mehr] Möglichkeiten; Möglichkeit des Wählens zwischen zwei [oder mehreren] Dingen; eine von zwei oder mehr Möglichkeiten“.
  2. Mackensen – Großes Deutsches Wörterbuch, 1977, beschränkt auf „Wahl zwischen 2 Möglichkeiten [...] Entscheidung, Entweder-Oder“
  3. Duden-Online: Einträge zu Alternative und alternieren.
  4. Nach Duden „Etymologie“ – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989.
  5. Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002.
  6. Nach Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002.
  7. „18. Jahrhundert“ + Definition nach Duden „Etymologie“ – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989. Zu Bedeutungsausweitung vgl. Kluge, dort „Ausweitung des Gebrauchs“.
  8. Definition nach Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002.
  9. Definition nach Duden „Etymologie“ – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989.
  10. alternativlos in duden.de, abgerufen am 3. Dezember 2011.
  11. Zitiert nach tagesschau.de, online unter „Alternativlos“ ist das Unwort des Jahres, abgerufen am 1. Dezember 2011.
  12. Zitiert nach „Alternativlos“ ist der Renner, eine dpa-Meldung aus dem Dezember 2010, online siehe hier, abgerufen am 5. Dezember 2011.
  13. Zitiert nach einem Interview im Deutschlandfunk, 26. Februar 2009, online siehe hier, abgerufen am 1. Dezember 2011.