Amerikanisch-Tripolitanischer Krieg

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Erster Barbareskenkrieg
Die brennende Fregatte USS Philadelphia im Hafen von Tripolis (16. Februar 1804), gemalt 1897 von Edward Moran
Die brennende Fregatte USS Philadelphia im Hafen von Tripolis (16. Februar 1804), gemalt 1897 von Edward Moran
Datum 1801 bis 1805
Ort Maghreb und Mittelmeerküste
Ausgang US-amerikanischer Sieg, Friedensvertrag
Konfliktparteien
Vereinigte Staaten 15Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Ottoman flag.svg Barbareskenstaaten (unter der nominellen Herrschaft des Osmanischen Reiches)
Befehlshaber
Vereinigte Staaten 15Vereinigte Staaten Richard Dale
Vereinigte Staaten 15Vereinigte Staaten William Eaton
Vereinigte Staaten 15Vereinigte Staaten Edward Preble
Yusuf Karamanli
Hassan Bey
Murad Reis


Der Amerikanisch-Tripolitanische Krieg, auch bezeichnet als Erster Barbareskenkrieg (1801–1805) war der erste der beiden Kriege, die zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und den nordafrikanischen Barbareskenstaaten Algier, Tunis und Tripolis geführt wurden.

Hintergrund[Bearbeiten]

Seit dem 17. Jahrhundert bildeten Algier, Tunis und Tripolis weitgehend unabhängige Staaten, die, auch wenn sie offiziell dem Osmanischen Reich unterstanden, größtenteils von Piraterie und Tributzahlungen lebten. Das gleiche galt im frühen 19. Jahrhundert auch für das Königreich Marokko. Während der napoleonischen Kriege hielten sich sowohl Großbritannien als auch Frankreich die Gefahr, Opfer von Piratenschiffen zu werden, mit einer Mischung aus militärischer Macht, Diplomatie und inoffiziellen Geldzahlungen vom Leibe. Handelsschiffe aus den britischen Kolonien in Nordamerika, welche das Mittelmeer befuhren, standen bis zum US-amerikanischen Unabhängigkeitskriege unter dem Schutz der Royal Navy. Während des Unabhängigkeitskrieges wurde dieser Schutz vorübergehend von Frankreich übernommen, das die 13 Kolonien gegen England unterstützte.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Revolution im Jahr 1783 wurden die nunmehr unabhängigen Kolonien selbst für den Schutz ihrer Bürger und deren Handelsschiffe verantwortlich. Die neue Regierung der jungen USA verfügte anfangs weder über die erforderlichen Mittel, um eine eigene Seemacht zum Schutz von unbewaffneten Schiffen im Mittelmeer ins Felde schicken zu können, noch über die dazugehörige Autorität. Daher wurde 1784 zunächst entschieden, die Piratenstaaten an der südlichen Mittelmeerküste wie schon vor der Revolution im Fall des Falls mit Tributzahlungen zu besänftigen.

Nachdem die Nachricht über die Versklavung von US-Bürgern die amerikanische Öffentlichkeit erreichte, kam die US-Regierung unter Handlungsdruck. Im März 1785 gingen Thomas Jefferson und John Adams nach London, um mit dem Abgesandten von Tripolis, Botschafter Sidi Haji Abdrahaman, über eine Einstellung der Angriffe zu verhandeln. Jefferson und Adams berichteten dem US-Kongress über ihr zusammentreffen mit dem tripolitanischen Botschafter:

"Wir waren so frei zu fragen, nach welcher Grundlage sie das Recht für sich beanspruchten, Völker anzugreifen die ihnen zuvor kein Leid zugefügt haben und erklärten gleichzeitig, dass wir alle Menschen als unsere Freunde betrachten die uns kein Unrecht zugefügt oder uns provoziert haben. Der Botschafter gab als Antwort, die Grundlage seien die Gesetze ihres Propheten; dass es in ihrem Koran geschrieben stünde; dass alle Länder die ihre Autorität nicht anerkannten Sünder seien; dass es ihr Recht und ihre Pflicht sei diesen den Krieg zu erklären wo auch immer man sie antrifft und alle zu Sklaven zu machen die sie gefangen nehmen konnten; und das jedem Muselman der dabei im Kampf sein Leben verliert ein Platz im Paradies sicher sei." [1]

Im Juli 1785 nahm der Bey von Algier zwei US-amerikanische Handelsschiffe und deren Mannschaften als Geiseln und verlangte für deren Freilassung 60.000 US-Dollar. Thomas Jefferson, der damals als US-amerikanischer Botschafter in Paris weilte, lehnte die Zahlung mit dem Argument ab, dass damit nur weitere Angriffe ermutigt würden. Die US-amerikanische Regierung jedoch schloss den Friedens- und Freundschaftsvertrag von Algier. In den folgenden 15 Jahren wurden so bis zu einer Million Dollar pro Jahr für die Sicherheit US-amerikanischer Schiffe bzw. für Geiselbefreiungen gezahlt. Lösegeld- und Tributzahlungen an die kapernden Staaten beliefen sich im Jahre 1800 auf 20 Prozent der jährlichen Staatseinkünfte der USA.[2]

Jefferson sprach sich weiterhin für eine Einstellung der Tributzahlungen aus und erhielt zunehmende Unterstützung von George Washington und anderen. Als die US-amerikanische Marine im Jahre 1794 wieder in Dienst gestellt wurde, lag es für die USA nahe, die Zahlungen einzustellen. Der Quasi-Krieg mit Frankreich in den späten 1790ern hatte gezeigt, dass die US-amerikanische Flotte inzwischen stark genug war, um die Interessen der Nation zu vertreten.

Kriegserklärung und Marineblockade[Bearbeiten]

Als Thomas Jefferson 1801 selbst Präsident der Vereinigten Staaten wurde, verlangte der Pascha von Tripolis 225.000 Dollar als Tribut von der neuen Regierung. Jefferson verweigerte jedoch, entsprechend seiner bisherigen Haltung, die Zahlung. Daher erklärte der Pascha im Mai 1801 den USA den Krieg, indem er den Fahnenmast vor dem US-amerikanischen Konsulat fällte. Marokko, Algier und Tunis schlossen sich diesem Schritt an.

Jefferson entsandte zunächst einige Fregatten zur Verteidigung US-amerikanischer Interessen ins Mittelmeer und unterrichtete darüber den Kongress. Dieser erwiderte die Kriegserklärung zwar nicht, ermächtigte den Präsidenten jedoch, US-amerikanischen Kriegsschiffen die Beschlagnahme von Schiffen und Waren des Paschas zu gestatten sowie „alle weiteren Maßnahmen zur Abwehr oder zum Angriff, je nachdem wie die Kriegslage dies erfordert“.

Als die Amerikaner militärische Stärke demonstrierten, gaben Algier und Tunis fast augenblicklich nach, nicht jedoch Tripolis und Marokko. Die US-amerikanische Marine wurde nicht herausgefordert und so blieb für den Moment die Angelegenheit unentschieden. Im darauf folgenden Jahr forcierte Jefferson die Entwicklung durch eine Verstärkung der Militärmacht und die Entsendung von vielen der besten Schiffe der Marine in die Region über das ganze Jahr 1802. Die US-Marineschiffe USS Constitution, USS Constellation, USS Philadelphia, USS Chesapeake, USS Argus, USS Syren und USS Intrepid waren allesamt im Krieg im Einsatz unter dem Oberkommando von Commodore Edward Preble. Im Jahre 1803 etablierte Preble eine Blockade der Barbareskenhäfen, hielt sie das ganze Jahr über aufrecht und führte einen Feldzug von Überfällen und Angriffen gegen die Flotten der Gegner durch.

Schlachten[Bearbeiten]

Im Oktober 1803 gelang es der tripolitanischen Flotte, die USS Philadelphia unbeschädigt zu erbeuten, nachdem die Fregatte bei einer Patrouille im Hafen von Tripolis auf Grund gelaufen war.

Die Amerikaner versuchten vergeblich, das Schiff flottzumachen, während sie unter dem Beschuss der Küstengeschütze und tripolitanischer Marineeinheiten standen. Das Schiff, sein Kapitän William Bainbridge und sämtliche übrigen Besatzungsmitglieder wurden an Land gebracht und als Geiseln genommen. Am 16. Februar 1804 gelang es einem kleinen Kontingent US-amerikanischer Seeleute unter der Führung von Leutnant Stephen Decatur Jr., mit der verkleideten USS Intrepid in den Hafen von Tripolis einzudringen und die Philadelphia zu verbrennen, womit ihr Einsatz durch den Feind verhindert wurde. Decaturs Mut während der Aktion machte ihn zu einem der ersten US-amerikanischen Kriegshelden nach der Revolution.

Admiral Preble griff Tripolis am 14. Juli 1804 direkt an. Unter anderem versuchte die Intrepid einem Brander ähnlich, voll beladen mit Sprengstoff, unter Kapitän Somers den Hafen von Tripolis zu erreichen, um dort die feindliche Flotte zu zerstören. Aus ungeklärten Ursachen explodierte das Schiff aber schon vorher, Somers und die Mannschaft wurden getötet. Der Wendepunkt des Krieges war die Schlacht von Derna im April und Mai 1805, die durch einen Angriff auf dem Landweg eingeleitet wurde, an dem US-amerikanische Marineinfanterie sowie arabische, griechische und berberische Söldner teilnahmen.

Friedensvertrag und Folgen des Kriegs[Bearbeiten]

Zermürbt durch die Blockade und Angriffe, vor allem dem auf Tripolis, und in Sorge, dass sein abgesetzter älterer Bruder Hamet wieder als Herrscher eingesetzt werden könnte, unterzeichnete Yussif Karamanli am 10. Juni 1805 einen Waffenstillstandsvertrag. Der US-amerikanische Senat bestätigte diesen im folgenden Jahr. Im Vertrag wurde ein Gefangenenaustausch vereinbart, in dem etwa 300 US-Bürger gegen etwa 100 Tripolitaner und 60.000 Dollar gegengerechnet wurden. Die Bezahlung von Lösegeld wurde von den USA als „Tribut“ bezeichnet, trotzdem kritisierte William Eaton, dass die Eroberung von Derna nicht als Faustpfand zur Freilassung aller US-Bürger verwendet worden war. Er glaubte auch, dass die Ehre der Vereinigten Staaten durch das Fallenlassen des von ihnen anfangs unterstützten Hamet Karamanli verletzt worden war. Diese Einwände wurden im Zuge der wachsenden internationalen Spannungen, die zum Britisch-Amerikanischen Krieg führen sollten, kaum wahrgenommen.

Insgesamt kann der Amerikanisch-Tripolitanische Krieg als erster Test der neuen US-amerikanischen Armee angesehen werden. Die US-amerikanische Kriegsmarine (US Navy) einschließlich ihrer Marineinfanterie (Marines) wurden fester Bestandteil der Streitkräfte. Es zeigte sich, dass Truppen etwa aus Georgia und New York auch gemeinsam als Amerikaner kämpfen konnten.

Das Problem der Piraterie an der nordafrikanischen Küste war nicht endgültig gelöst, schon 1807 begann Algier wieder, US-amerikanische Schiffe festzusetzen. Erst 1815, nach dem Britisch-Amerikanischen Krieg, erreichten die USA im Zweiten Barbareskenkrieg einen dauerhaften Sieg.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "The Diplomatic Correspondence of the United States of America, Band 1
  2. Martha Elena Rojas: „Insults Unpunished“. Barbary Captives, American Slaves, and the Negotiation of Liberty. In: Early American Studies. 1, 2, 2003, ISSN 1543-4273, S. 159–186, hier: S. 165.

Literatur[Bearbeiten]

  • Henry Adams: History of the United States of America during the administrations of Thomas Jefferson. Nachdruck. Literary Classics of the United States, New York NY 1986, ISBN 0-940450-34-8 (The library of America 31).
  • Michael L. S. Kitzen: Tripoli and the United States at war. A history of American relations with the Barbary states, 1785–1805. McFarland, Jefferson NC 1993, ISBN 0-89950-823-5.
  • Franklin Lambert: The Barbary wars. American independence in the Atlantic world. Hill and Wang, New York NY 2005, ISBN 0-8090-9533-5.
  • Joshua E. London: Victory in Tripoli. How America's war with the Barbary pirates established the U.S. Navy and built a nation. Wiley, Hoboken NJ 2005, ISBN 0-471-44415-4.
  • Richard B. Parker: Uncle Sam in Barbary. A diplomatic history. University Press of Florida, Gainesville FL u. a. 2004, ISBN 0-8130-2696-2.
  • James Wilson Stevens: An historical and geographical account of Algiers. Comprehending a novel and interesting detail of events relative to the American captives. Hogan & M'Elroy, Philadelphia PA 1797.
  • James Wilson Stevens: An historical and geographical account of Algiers. Containing a circumstantial and interesting detail of events relative to the American captives, taken from their own testimony. 2nd Edition. Thomas Kirk for Alexander Brodie, Brooklyn 1800
  • Joseph Wheelan: Jefferson's war. America's first war on terror 1801–1805. Carroll & Graf, New York NY 2003, ISBN 0-7867-1232-5.
  • Addison Beecher Colvin Whipple: To the shores of Tripoli. The birth of the U.S. Navy and Marines. Naval Institute Press, Annapolis MD 2001, ISBN 1-557-50966-2 (Bluejacket Books).
  • Richard Zacks: The pirate coast. Thomas Jefferson, the first marines, and the secret mission of 1805. Hyperion, New York NY 2005, ISBN 1-401-30003-0.