Amiga-Emulator

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Amiga-Emulatoren sind Programme, die es ermöglichen, 68k-Amiga-Software auf anderen (modernen) Computer-Systemen zu nutzen. Sie emulieren meist einen kompletten klassischen Amiga der Generationen mit 68k-Prozessor einschließlich Hauptprozessor, Controller-, Grafik- und Sound-Unterstützung.

Populäre Amiga-Emulatoren[Bearbeiten]

UAE[Bearbeiten]

Entwicklungsverlauf

UAE
↳ WinUAE
↳ E-UAE
↳ PUAE
↳ PNaCl-PUAE
↳ FS-UAE
↳ SAE
↳ UAE4All

UAE (Abkürzung für Unix Amiga Emulator bzw. Ubiquitous Amiga Emulator, früher auch selbstironisch Unusable Amiga Emulator) ist ein kompletter Software-Emulator für alle Modelle der von Commodore International angebotenen „klassischen“ Amiga-Serie (A500/A2000/A1200/A4000/etc.), bietet Festplattenemulation und unterstützt OCS, ECS und AGA.

Neben Versionen für Unix-Derivate wie z. B. FreeBSD und Unix-ähnliche Betriebssysteme wie Linux existieren Versionen u.a. für Android[1], iOS, Blackberry[2], PlayStation Portable[3], Xbox[4], Wii, Dreamcast/Dingoo[5], BeOS/ZETA/Haiku, MS-DOS, Mac OS, RISC OS aber auch für MorphOS, AROS und das AmigaOS selbst, beispielsweise um einen Amiga 500 auf einem AmigaOne oder Pegasos zu emulieren.

Für Windows wurde auf Basis von UAE eine spezielle Variante namens WinUAE entwickelt. WinUAE ist dabei die am aktivsten weiterentwickelte Version von UAE. Wiederum darauf basierend entstand E-UAE, um die besonderen Funktionen von WinUAE auf anderen Betriebssystemen nutzbar zu machen. Da E-UAE nicht weiterentwickelt wurde, entstand der Fork PUAE, um die aktuellen Entwicklungen von WinUAE auf Unix-artigen Plattformen wie z. B. Linux und Mac OS X verfügbar zu machen. Vorwiegend an Spielern orientiert sich der Fork FS-UAE mit einer neuen GamePad-GUI und einer plattform-neutralen Netplay-Funktion.

Am 1. September 2012 wurde Scripted AMIGA Emulator (SAE), der von Rupert Hausberger mittels Javascript realisiert wurde, veröffentlicht.[6][7] Er basiert auf WinUAE und benötigt einen Browser, der HTML5 unterstützt sowie einen sehr leistungsfähigen Computer.[8]

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Lösung, die von Christian Stefansen speziell für Google Chrome mittels der Technologie Portable Native Client (PNaCl) umgesetzt wurde. Hier wird ein spezieller PUAE im Browser ausgeführt, indem zuerst der in plattformunabhängigem Bytecode auf dem Webserver vorliegende Emulator vom PNaCl in Maschinencode übersetzt wird.[9][10]

Fellow[Bearbeiten]

Abbildung 1, Funktionsweise von Fellow und UAE

Fellow ist ein Software-Emulator des Amiga 500 mit einigen Eigenschaften anderer Modelle (z. B. ECS blits, 68010-, 68020- und 68030-CPUs) und Festplattenemulation. Der Emulator ist in Watcom C++ (DOS) geschrieben und auf Windows (WinFellow), Linux (XFellow) und Mac OS (MacFellow) portiert. Die meisten Funktionen der originalen Amiga-Maschine werden emuliert. Fellow ist im Vergleich zu UAE recht schnell und kann so auf Systemen mit geringer Prozessorleistung wie dem 486er eingesetzt werden. Ins Leben gerufen wurde der Emulator durch den norwegischen Programmierer Petter Schau. Die letzte offizielle Version für DOS (The Fellow Project 0.3.6R1) wurde von Torsten Giebl und Dominik Schmidt veröffentlicht und enthält einige Speedhacks sowie ein integriertes Cheater-Modul. Für die Portierung zu Windows (WinFellow) wurden einige Teile der schnellen Assemblerroutinen in C übersetzt. Die Weiterentwicklung von WinFellow war seit 2005 eingestellt, wurde jedoch 2010 mit einem neuen Kompatibilitätsrelease für Windows 7 und Windows Vista wiederbelebt. Die Entwicklung von XFellow ist seit 2003 eingestellt.

Amithlon[Bearbeiten]

Abbildung 2, Funktionsweise von Amithlon

Amithlon ist eine kommerzielle Virtuelle Maschine, die eine Reihe Amiga-Computern nachbildet. Amithlon enthält einen integrierten JIT-Compiler, basiert auf einem Linux-Kernel und greift auf spezielle x86-Treiber zu, welche die 68k-Emulation umgehen. So können Grafikkarten, SCSI- und ATAPI-Festplatten direkt unter AmigaOS 3.x angesprochen werden, was eine erhebliche Geschwindigkeitssteigerung mit sich bringt. Seinen Namen verdankt die Software einer Verschmelzung der Worte Amiga und Athlon. Das Paket bootet wie ein eigenständiges Betriebssystem und erlaubt es, aus einem Intel-/AMD-bestückten Standard-PC einen fast vollwertigen Amiga zu machen.

Die Weiterentwicklung wurde nach einem Streit um die Rechte zwischen Entwickler Bernd Meyer und Vertrieb Haage&Partner seitens Bernd Meyer eingestellt. Auch das Nachfolgeprojekt „Umilator“ wurde nicht mehr verwirklicht.

Lesen von Disketten[Bearbeiten]

Da PC-Laufwerke mit einem Standard-Diskettencontroller ohne sehr spezielle Tricks (Hardwaremodifikation, Zusammenschalten zweier Laufwerke) keine Disketten im Amiga-Format lesen können, werden meist als Amiga Disk Files (ADF) bezeichnete Containerdateien benutzt, die ein Abbild (Image) der Amiga-Disketten enthalten. Diese können z. B. über ein Nullmodemkabel, via Netzwerk oder per CD-ROM vom Amiga zum PC übertragen werden.

Das Amiga-Format benutzt zwar genauso wie der PC die MFM-Kodierung, schreibt aber die Datenblocks einer Spur grundsätzlich alle auf einmal, und zwar lückenlos hintereinander, um so die Kapazität einer DD-Diskette von 720KB auf 880KB zu erhöhen. Dies wird von den in PCs eingesetzten Diskettencontrollern nicht unterstützt.

Rechtliches[Bearbeiten]

Für den Betrieb einer Amiga-Emulation ist grundsätzlich ein Image eines Kickstart-ROM nötig, das das Basissystem des Amiga-Betriebssystems darstellt, welches urheberrechtlich geschützt ist und käuflich erworben werden muss. Wer einen echten Amiga besitzt, besitzt bereits ein Kickstart-ROM und kann es mittels entsprechender Software in eine Datei extrahieren und auf einen anderen Computer übertragen und nutzen. Alternativ können Emulator-Distributionen wie Amiga Forever und Amiga Classix im Handel gekauft werden, die diese ROMs und oft auch das AmigaOS (Workbench) mitliefern. Auch ist es inzwischen (mit Einschränkungen) möglich, stattdessen ein Kickstart-ROM des freien Betriebssystems AROS zu verwenden.


Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hansjürg Wüthrich: Emulatoren. Wie Computersysteme und Spielkonsolen unsterblich werden. Skriptorium-Verlag, Morschen 2007, ISBN 978-3-938199-08-4.

Weblinks[Bearbeiten]

UAE, WinUAE, PUAE/E-UAE, FS-UAE und SAE[Bearbeiten]

Fellow[Bearbeiten]

Emulator-Distributionen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. forum.xda-developers.com: Amiga Emulator for Android, Zugriff am 16. April 2011
  2. http://tbotz.blogspot.de/2013/01/uae-amiga-emulator-for-playbookbb10.html UAE Amiga Emulator - Blackberry Port, Zugriff am 24. Dezember 2013
  3. http://www.kaillera.com/pspuae UAE Amiga emulator for PSP, Zugriff am 23. Dezember 2013
  4. http://uaex.sourceforge.net UAE-X Amiga emulator for X-Box, Zugriff am 23. Dezember 2013
  5. http://chui.dcemu.co.uk/uae4all.html Open Source Amiga500 emulator for Dreamcast and Dingoo console, Zugriff am 24. Dezember 2013
  6. https://github.com/naTmeg/ScriptedAmigaEmulator
  7. http://scriptedamigaemulator.net/ Scripted AMIGA Emulator
  8. http://scriptedamigaemulator.net/readme.htm Scripted AMIGA Emulator in Javascript
  9. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Amiga-Emulator-im-Chrome-Browser-2064645.html Amiga-Emulator im Chrome-Browser, Zugriff am 23. Dezember 2013
  10. http://pnacl-amiga-emulator.appspot.com Amiga 500 Emulator – A Portable Native Client demo, Zugriff am 23. Dezember 2013