Ann-Arbor-Klassifikation

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Die Ann-Arbor-Klassifikation wird in der Medizin verwendet, um maligne Lymphome, also bösartige Erkrankungen des Lymphsystems zu klassifizieren. Dies dient dazu, den Ausbreitungsgrad zu bestimmen, und legt letztendlich auch das weitere Vorgehen in der Behandlung fest. Erfasst werden Stadium, Allgemeinsymptome und extralymphatischer Befall. Der Befall einzelner Organe wird üblicherweise nicht registriert. Obwohl sie ursprünglich für Hodgkin-Lymphome entwickelt wurde, wird sie heute auch für Non-Hodgkin-Lymphome verwendet.

Die Klassifikation gibt hingegen keinen Aufschluss über den Grad des Tumors, also inwieweit er sich von normalem Gewebe unterscheidet.

Stadien[Bearbeiten]

Unterschieden wird zwischen vier Hauptstadien, die mit den römischen Zahlen I bis IV gekennzeichnet werden. Sie geben Aufschluss über die Ausbreitung des Tumors.

Stadium Befallsmuster der Lymphknoten
I Befall von nur einer Lymphknotenregion
II1 Befall von zwei benachbarten Lymphknotenregionen auf nur einer Seite des Zwerchfells, also entweder oberhalb oder unterhalb
II2 Befall von zwei nicht benachbarten oder mehr als zwei benachbarten Lymphknotenregionen entweder oberhalb oder unterhalb des Zwerchfells
III Befall von Lymphknotenregionen oberhalb und unterhalb des Zwerchfells
IV diffuser oder disseminierter Befall von Lymphknoten und extralymphatischen Geweben

Des Weiteren können dem Stadium Buchstaben angehängt werden, die die Diagnose noch genauer wiedergeben:

  • E für den Befall von extranodalen Organe oder Ausbreitung vom Lymphknoten in umliegendes Gewebe.
  • S wenn die Milz (gr. σπλήν, splēn) befallen ist (üblicherweise nur in Stadium III).
  • X sog. Bulk oder bulky disease wird verwendet, wenn der maximale Durchmesser des Tumor beim Erwachsenen 10 cm überschreitet, oder das Mediastinum in einer Röntgenaufnahme des Thorax ein Drittel des Brustumfangs einnimmt.
  • A oder B, wobei A für allgemeinsymptomfrei steht, während B auf das Vorliegen von Allgemeinsymptomen hinweist (Fieber >38 °C, Nachtschweiß, Gewichtsverlust). Diese Trias wird auch als B-Symptomatik bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ann-Arbor-Klassifikation ist benannt nach Ann Arbor, Michigan, USA, der Stadt, in der sie von einem Komitee aus internationalen Experten 1971 entwickelt wurde[1] Sie ersetzte die 1965 entwickelte Rye-Klassifikation. 1988 erfolgte nach einem Treffen in Cotswold, England die Cotswold Modifikation.

siehe auch[Bearbeiten]

Internationaler Prognostischer Index (IPI)

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerd Herold, Innere Medizin, Köln 2005
  • Gerd Herold: Innere Medizin : eine vorlesungsorientierte Darstellung, 2012, Herold, Köln 2012, ISBN 9783981466010. (Seiten 66 & 70)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Citation classics (PDF, Current Contents/Clinical Practice 1983;50:22; 253 kB) - Prof Paul P. Carbone über den Einfluss der Ann-Arbor-Klassifikation (engl.)
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