Anolis

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Anolis
Rotkehlanolis (Anolis carolinensis)

Rotkehlanolis (Anolis carolinensis)

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Leguanartige (Iguania)
Familie: Dactyloidae
Gattung: Anolis
Wissenschaftlicher Name
Anolis
Daudin, 1802

Anolis ist eine Gattung kleiner bis mittelgroßer baumbewohnender Echsen, die zu den Leguanartigen zählt. Anolis ist mit heute noch 52[1] anerkannten Arten immer noch eine artenreiche Gattung, zählte in der Vergangenheit aber fast 400 Arten. Die übrigen werden heute anderen Gattungen zugeordnet und alle in die Familie Dactyloidae gestellt.

Aussehen und Merkmale[Bearbeiten]

Anolis-Arten erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von unter 10cm bis ca. 30cm. Sie sind vergleichsweise schlanke Echsen mit spitzzulaufender länglicher Schädelform. Die Augen sind groß und sitzen hoch am Kopf. Der Schwanz nimmt häufig über 60 % der Körperlänge ein.

Die Körperfärbung variiert unter den Arten zwischen gräulich-(dunkel)braunen oder beigen bis intensiv grünen Tönen. Häufig trägt die Haut eine mitunter reich differenzierte Musterung aus Streifen oder Flecken.

Nahezu alle Arten sind außerdem dazu fähig ihre Farbe ähnlich Chamäleons nach Stimmung zu verändern.

Balzender männlicher Anolis

Die Männchen der meisten Anolis-Arten besitzen eine zur Körperfarbe kontrastierende Kehlfahne, die sie durch Abspreizen ihres Zungenbeines aufstellen können. Die Weibchen besitzen zumeist kleine oder keine Kehlfahnen. Ausnahmen hierzu sind möglich. So gibt es Anolis-Arten, bei denen auch die Weibchen große und farbige Kehlfahnen besitzen oder die Männchen reduzierte oder keine Kehlfahnen aufweisen. Die Männchen nutzen sie in Verbindung mit Kopfnicken zur Werbung bei der Paarung, zur Revierabgrenzung und um Kontrahenten zu beeindrucken. Bei den Weibchen tritt dieses Verhalten seltener zu Tage.

Anolis-Arten besitzen ähnlich wie Geckos "Haftsohlen" unter ihren Füßen, die durch eine extrem vergrößerte Oberfläche (makroskopisch: Lamellen, mikroskopisch: Härchen) ein Anhaften selbst an glatten Oberflächen ermöglichen. Dies geschieht nicht durch Festsaugen, sondern durch die Van-der-Waals-Kräfte auf molekularer Größenordnung.

Zudem bietet diese Echsengattung ein Anschauungsbeispiel für Konvergenz in der Evolution. Auf mehreren Antillen-Inseln wurden in ähnlichen ökologischen Nischen phänotypisch nahezu identischen Arten gefunden, trotz unabhängiger, Millionen von Jahren dauernder Entwicklung [2].

Verbreitung und Lebensweise[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Anolis erstreckt sich über den karibischen Raum (speziell Kuba) sowie die angrenzenden Landmassen der südlichen und südöstlichen USA, Mexikos, Mittel- und Südamerikas. Diverse Arten sind Endemiten.

Anolis sind gute Kletterer und leben auf Bäumen und im Unterholz, einige Arten bewohnen auch zeitweise den Waldboden. Die Tiere sind territorial und bilden unterschiedliche große Reviere, die verteidigt und je nach Nahrungsangebot und Eignung verändert werden. Die eher kleinen Reviere beinhalten meist verschiedene Versteckmöglichkeiten und Stellen zur beobachtung der lokalen Umgebung. Je nach Verbreitung leben mehrere Anolis-Arten sympatrisch. Anolis ernähren sich von verschiedenen Wirbellosen darunter Spinnen und Fluginsekten.

Anolis und Menschen[Bearbeiten]

Viele Anolis-Arten sind beliebte Terrarien-Tiere und werden weltweit von Reptilienhaltern gepflegt. Die in der Heimtierhaltung bekannteste Art ist der Rotkehlanolis (Anolis carolinensis) aus Florida. Die gleiche Art war auch das erste Reptil, dessen Genom vollständig sequenziert wurde.

Arten[Bearbeiten]

Anolis allisoni‎
Anolis carolinensis
Anolis porcatus
Anolis vittigerus

Literatur[Bearbeiten]

  • Axel Flaschendräger, Leo C. Wijffles: Anolis, Natur und Tier-Verlag, ISBN 3-931587-04-5
  • Kirsten E. Nicholson, Brian I. Crother, Craig Guyer & Jay M. Savage: It is time for a new classification of anoles (Squamata: Dactyloidae). Zootaxa 3477, Sept. 2012, ISBN 978-1-77557-010-3, PDF

References[Bearbeiten]

  1. Anolis in The Reptile Database
  2. Mahler DL, Ingram T, Revell LJ, Losos JB (2013) Exceptional Convergence on the Macroevolutionary Landscape in Island Lizard Radiations. Science 341: 292–295

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anolis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien