Anthony Porter

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Anthony Porter (* 1955) war ein geistig behinderter US-amerikanischer Gefangener, der für den Mord an den beiden Teenagern, Jerry Hillard und Marilyn Green, 1982 zum Tode verurteilt wurde.

Dieses Urteil wurde 1999 aufgehoben, nachdem der Juraprofessor der Northwestern University School of Law, David Protess, und Journalismusstudenten der Medill School of Journalism im Rahmen des Medill Innocence Project den Fall erneut untersuchten. Dabei gelang es dem Privatdetektiv Paul Ciolino einem weiteren Verdächtigen Alstory Simon ein Geständnis zu entlocken, dass er auf Video aufnahm.[1]

Alstory Simon wurde 1999 aufgrund dieses Geständnisses zu 37 Jahren Gefängnis verurteilt. November 2014 wurde er nach 15 Jahren Haft vorzeitig entlassen, da die Stattsanwältin Anita Alvarez die damalige Anklage gegen ihn wegen illegaler Erpressung eines Geständnisses fallen ließ.[2] Alstory Simon war zum Zeitpunkt seines Geständnisses von Crack-Kokain abhängig. Außerdem wurde ihm der Anwalt Jack Rimland als sein Verteidiger empfohlen, der in Wahrheit mit der Gegenseite, dem Medill Innocence Project, zusammenarbeitete.[1]

Das Verbrechen[Bearbeiten]

Am 15. August 1982 wurden zwei Jugendliche, Marilyn Green und ihr Freund Jerry Hillard, nahe einem Schwimmbecken im Washington Park in der Südhälfte von Chicago, Illinois, erschossen. Anthony Porter, ein Afroamerikaner, befand sich zu dieser Zeit in der Nähe des Tatortes und wurde auch von der Polizei angehalten, jedoch freigelassen, da er keine Waffe trug.

Zwei Tage später wurde Anthony Porter wegen Verdachts auf Mordes festgenommen. William Taylor hatte angeblich gesehen, wie Anthony Porter die beiden Jugendlichen tötete. Später behauptete William Taylor von der Polizei bedrängt und bedroht worden zu sein, diese Falschaussage zu machen.

Auch Alstory und Inez Simon, Freunde der Ermordeten, beschuldigten Porter. Wie sich später herausstellte, war Alstory Simon der Schuldige, er hatte Drogengeschäfte mit Jerry Hillard gemacht. Als dieser seine Schulden nicht bezahlen konnte, erschoss Alstory Simon ihn in seiner Wut. Dabei erschoss er auch, wie er später behauptete aus Versehen, Marilyn Green, die neben Hillard saß.

Ein Jahr später begann das Gerichtsverfahren, bei dem Anthony Porter zum Tode verurteilt wurde. Anthony Porter selbst verstand die Zusammenhänge nicht vollkommen.

16 Jahre später, im September 1998, schlug David Protess, Professor für Journalismus, seinen Studenten das Projekt vor, Porters Fall genauer zu untersuchen. Anthony Porter sollte bald hingerichtet werden. Fünf Studenten machten sich an dieses Projekt und besuchten William Taylor, der angab, zu der Tatzeit nicht einmal in der Nähe des Washington Parks gewesen zu sein.

Inez Simon, Alstorys Frau, gab zu, dass ihr Mann den Mord begangen hatte. Die Studenten befragten Alstory Simon, allerdings leugnete er zunächst. Als er dann mit den Anschuldigungen seiner Frau konfrontiert wurde, gestand er die Morde. Jedoch legte er sie als Notwehr aus, da Jerry Hillard angeblich in seine Tasche griff, um Geld zu holen, doch Simon dachte, er wolle eine Pistole ziehen. Er wurde zu 37½ Jahren Gefängnis verurteilt.

Nach dem Gerichtsverfahren bedankte sich Anthony Porter bei den Studenten, die ihm geholfen hatten, ihn aus dem Gefängnis zu holen und seine Unschuld zu beweisen.

Folgen[Bearbeiten]

Am 19. März 1999 wurde Anthony Porter von George Ryan, dem Gouverneur von Illinois, begnadigt.

Ryan erklärte außerdem, dass es nur weitere Hinrichtungen in Illinois geben würde, wenn sichergestellt sei, dass solche Fehler nicht wieder vorkommen würden.

Auch in der Presse wurde der Fall Anthony Porter thematisiert.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Martin Preib: Crossing Lines: What’s Wrong with the Wrongful Conviction Movement. Newcity, 20. Februar 2014, abgerufen am 11. November 2014 (englisch).
  2. Jim Stingl: Duped by Medill Innocence Project, Milwaukee man now free. Milwaukee and Wisconsin Journal Sentinel, 6. November 2014, abgerufen am 11. November 2014 (englisch).