Antimon(V)-chlorid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Strukturformel von Antimon(V)-chlorid
Allgemeines
Name Antimon(V)-chlorid
Andere Namen
  • Antimonpentachlorid
  • Antimonsuperchlorid (veraltet)
Summenformel SbCl5
CAS-Nummer 7647-18-9
Kurzbeschreibung

farblose bis gelbliche Flüssigkeit mit unangenehmem Geruch[1]

Eigenschaften
Molare Masse 299,02 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

2,358 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

2,8 °C[1]

Siedepunkt

76,5 °C (bei 28 mbar)[1]

Dampfdruck

18,6 mbar (68 °C)[1]

Löslichkeit
  • zersetzt sich in Wasser mit heftiger Reaktion[1]
  • löslich in Chloroform[2]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [3]
05 – Ätzend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 314​‐​411
P: 273​‐​280​‐​301+330+331​‐​305+351+338​‐​309​‐​310Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [3]
Ätzend Umweltgefährlich
Ätzend Umwelt-
gefährlich
(C) (N)
R- und S-Sätze R: 34​‐​51/53
S: (1/2)​‐​26​‐​45​‐​61
Toxikologische Daten

1120 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche nicht möglich

Antimon(V)-chlorid ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Chloride.

Geschichte[Bearbeiten]

Antimon(V)-chlorid wurde zum ersten mal 1825 von Heinrich Rose beschrieben.[5] Die Kristallstruktur konnte 1959 von Ohlberg aufgeklärt werden.[6]

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Antimon(V)-chlorid kann durch Reaktion von Chlorgas mit geschmolzenem Antimontrichlorid gewonnen werden[7]:

\mathrm{\ SbCl_3 + Cl_2 \rightarrow SbCl_5}

Eigenschaften[Bearbeiten]

Antimon(V)-chlorid ist eine farblose bis gelbliche, an Luft rauchende Flüssigkeit mit unangenehmem Geruch. Unter Normaldruck verdampft die Verbindung ab 140 °C, wobei sie sich ab 70 °C zu Chlor und Antimontrichlorid zu zersetzen beginnt. Mit wenig Wasser entstehen die Hydrate SbCl5·H2O und SbCl5·4H2O.[7] Mit viel Wasser zersetzt es sich mit heftiger Reaktion.[1]

\mathrm{SbCl_5 + 4 \ H_2O \rightarrow H_3SbO_4 + 5 \ HCl}

Antimon(V)-chlorid liegt bei –30 °C als Monomer vor und bildet eine trigonale Bipyramide. Es kristallisiert in der hexagonalen Raumgruppe P63/mmc mit den Gitterkonstanten a = 741,4 pm, b = 741,4 pm und c = 794,0 pm. Die Elementarzelle enthält dabei zwei Moleküle. Bei tiefen Temperaturen ab −55 °C bildet sich das doppelt chlorverbrückte Dimer Sb2Cl10 mit einer kantenverknüpften doppeloktaedrischen Struktur aus, was an einer Farbänderung von gelb nach orange sichtbar wird. Die Dimerisierungsenthalpie beträgt –1,8 kcal/mol.[6]

Verwendung[Bearbeiten]

Antimon(V)-chlorid wird als Chlorierungsmittel bei organischen Synthesen verwendet, zudem ist es eine starke Lewis-Säure, die Chloridionen abstrahiert und dabei das Hexachloroantimonat-Ion bildet. In der Dünnschichtchromatographie dient eine Antimon(V)-chlorid-Lösung in Chloroform oder Tetrachlormethan als Anfärbereagenz.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Eintrag zu CAS-Nr. 7647-18-9 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 6. Juli 2010 (JavaScript erforderlich)
  2. Datenblatt Antimon(V)-chlorid bei Merck, abgerufen am 6. Juli 2010.
  3. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 7647-18-9 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich).
  4. Seit dem 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5.  Heinrich Rose: Ueber die Verbindungen des Antimons mit Chlor und Schwefel. In: Annalen der Physik und Chemie. 79, Nr. 4, 1825, S. 441–454, doi:10.1002/andp.18250790404.
  6. a b Haupt, Silvia; Pentahalogenide und Oxidhalogenide der Elemente der fünften Hauptgruppe, 2002
  7. a b Georg Brauer; Handbuch der präparativen anorganischen Chemie, Band 1, S. 588; ISBN 3-432-02328-6
  8. Antimonchloride. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 21. April 2014.

Weblinks[Bearbeiten]