Antiochenische Schule

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Die Antiochenische Schule, auch Antiochenische Exegetenschule genannt, ist eine theologische Schule aus der Frühzeit des Christentums.

Aufgaben[Bearbeiten]

Sie setzte sich eine nüchterne Erforschung des einfachen Sinns biblischer Schriften zur Aufgabe und verwarf die allegorische Auslegung. Aus ihr sind eine Reihe gründlicher und gelehrter Exegeten hervorgegangen. Sie stellte einen Gegenpol zur Alexandrinischen Schule mit ihrer idealistischen und spekulativen, oft ins Phantastische abschweifenden Richtung dar. Der Gegensatz der antiochenischen Schule zu der alexandrinischen war anfangs zwar ein bloß wissenschaftlicher, wurde aber unter den origenistischen und nestorianischen Streitigkeiten zu einem ausgeprägten kirchlich dogmatischen, indem die Alexandrinische Schule in Bezug auf das Verhältnis der beiden Naturen in Christus zu einer monophysitischen Auffassung hinneigte, während die Antiochenische Schule an der Trennung derselben festhielt.[1]

Stifter und Vertreter[Bearbeiten]

Als Stifter der Schule werden Dorotheos und Lukian, zwei Presbyter aus Antiochia in Syrien, genannt, und zu ihren bedeutendsten Vertretern gehörten Kyrill von Jerusalem, Diodorus von Tarsus und dessen Schüler Theodor von Mopsuestia sowie der Patriarch Johannes Chrysostomos von Konstantinopel.[2] Auch Arius, der Anfänger des nach ihm benannten Arianischen Streites, erwarb sich wahrscheinlich seine Bildung als Schüler des Presbyters und Märtyrers Lukian in dieser Schule. Die letzten namhaften Vertreter der Schule waren Ibas von Edessa und der Kirchenhistoriker Theodoret, Bischof von Cyrus.

Personen[Bearbeiten]

Frühe Antiochenische Schule[Bearbeiten]

Spätere Antiochenische Schule[Bearbeiten]

Weitere[Bearbeiten]

Auch Basilius von Caesarea und Gregor von Nazianz sind in ihrer Exegese der Antiochenischen Schule zuzurechnen. Von Basilius stammt eine der deutlichsten Kritiken der allegorischen Bibelauslegung aus der frühen Kirchengeschichte:

„Ich kenne die Gesetze der Allegorie, weniger von mir selbst als durch die Werke anderer. Es gibt tatsächlich solche, die den normalen Sinn der Schrift nicht anerkennen, für die Wasser nicht Wasser sondern eine andere Substanz ist, die in einer Pflanze oder einem Fisch sehen, was ihre Fantasie wünscht, die die Art von Reptilien und wilden Tieren ändern, damit sie in ihre Allegorien passen, wie Traumdeuter, die Visionen im Schlaf so erklären, dass sie ihren eigenen Zielen dient. Für mich ist Gras, Gras; Pflanze, Fisch, wildes Tier, Haustier, ich nehme alles im wörtlichen Sinn.“

– Hexaemeron, 9. Predigt

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Gemeinhardt: Der Tomus ad Antiochenos (362) und die Vielfalt orthodoxer Theologien im 4. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 117, 2006, ISSN 0044-2925, S. 169-196.
  • Phillip Hergenröther: Die antiochenische Schule und ihre Bedeutung auf exegetischem Gebiete. Stahel, Würzburg 1866.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Antioch%C4%93nische+Schule?hl=antiochenische+schule
  2. antiochenische Schule, theologische Richtung des 4. und 5. Jahrhunderts, besonders im syrischen Antiochia, die sich v. a. mit christologischen Problemen befasste; betonte das Menschsein Christi und zeichnete sich durch eine historisch orientierte Bibelauslegung aus. Hauptvertreter: Diodor von Tarsus, Theodor von Mopsuestia, Johannes Chrysostomos und Theodoretos von Kyrrhos. Sie stand im Gegensatz zur alexandrinischen Schule.| aus: Meyers Lexikon online 2.0