Apposition

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Als Apposition (Beifügung, Beisatz) wird in der Grammatik ein substantivisches Attribut bezeichnet, das sein Beziehungswort näher beschreibt. Dieses Beziehungswort kann ein Substantiv oder Pronomen sein oder eine substantivische Wortgruppe (Nominalphrase, Satzglied). Die Apposition ist mit dem Beziehungswort austauschbar und steht meist im gleichen Kasus wie das Beziehungswort. Bei Nachstellung wird sie in der Regel durch Kommata eingeschlossen. Da die Apposition sich syntaktisch anders verhält als Attribute, wird sie von vielen anderen Linguisten auch als eine Kategorie neben diesen angesehen: Appositionen sind eine Art der Adjunkte. Sie sind freie Angaben, deren Fehlen im Satzzusammenhang die Grammatikalität des Satzes nicht beeinträchtigt.

Der Begriff Apposition wurde von Philipp von Zesen mit dem deutschen Wort Beifügung übersetzt.

Grammatik[Bearbeiten]

Man unterscheidet nach der Enge der syntaktischen Verbindung zwischen Bezugsnomen und Apposition enge und weite Appositionen. Anreden („Herr Meier“) sind z. B. enge Appositionen, spezifizierende Zusätze zu Herrschernamen („Karl der Große“, „Otto II.“) dagegen weite Appositionen.

Beispiele:

Julian, der Bruder von Christian, war immer sehr stolz auf sein Auto. (weite Apposition)
Ich, die Schwester der beiden, fand das immer doof. (weite Apposition)
Einer der Brüder, der mit der Narbe am Kinn, fährt lieber Motorrad. (weite Apposition)
Herr Kilian (enge Apposition), der Direktor der Firma (weite Apposition), wurde angeschossen.
Tolstojs Roman »Krieg und Frieden« erschien erstmals 1868/69. (enge Apposition)
Die Stadt Bonn (enge Apposition) liegt am Ufer des Rheins, eines der symbolträchtigsten Flüsse Europas. (weite Apposition)

Konstruktionen mit „namentlich“, „besonders“ und „das heißt“ werden manchmal ebenfalls Appositionen genannt.

Die Preise der wichtigsten Güter, namentlich der Lebensmittel, wurden überprüft.
Mit Lebensmitteln, besonders mit Bananen, sind wir sehr vorsichtig.
Der Zustand von Obst, das heißt von verderblichen Lebensmitteln, verschlechtert sich in wenigen Tagen.

Inkongruenter Kasus[Bearbeiten]

Gelegentlich anzutreffen sind weite Appositionen, deren Kasus nicht mit dem Kasus des Bezugswortes übereinstimmt, häufig ist in diesen Fällen ein inkongruenter Nominativ oder Dativ. Steht in der Apposition kein Artikel oder Artikelwort beim Substantiv, so gilt der Nominativ standardsprachlich als korrekt:[1]

Die Fotografien des jungen Mannes, Künstler aus Indien (nicht: Künstlers), stießen auf großes Interesse.

Aber mit Artikel:

Die Fotografien des jungen Mannes, eines Künstlers aus Indien, stießen auf großes Interesse.

Der inkongruente Dativ hingegen gilt standardsprachlich nicht als korrekt:

Die Fotografien des jungen Mannes, einem Künstler aus Indien, stießen auf großes Interesse.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan Claas Freienstein: Das erweiterte Appositiv. Narr, Tübingen 2008, ISBN 978-3-8233-6440-5 (Tübinger Beiträge zur Linguistik 513).
  • Werner Hackel: Enge appositionelle Syntagmen in der deutschen Gegenwartssprache. Mehr als ein marginales grammatisches Problem. Peter Lang, Frankfurt u. a. 1995, ISBN 3-631-48297-3.
  • Wolfgang Schindler: Untersuchungen zur Grammatik appositionsverdächtiger Einheiten im Deutschen. Niemeyer, Tübingen 1990, ISBN 3-484-30246-1.
  • Thomas Tinnefeld: Die Apposition im französischen Fachtext des Rechts und der Verwaltung – am Beispiel der Textsorte „Verordnung“. In: Hartwig Kalverkämper, Klaus-Dieter Baumann (Hrsg.): Fachliche Textsorten. Komponenten – Relationen – Strategien. Narr, Tübingen 1996, ISBN 3-8233-4535-4 (Forum für Fachsprachen-Forschung (FFF) 25), S. 153–175.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. canoo.net: Die Apposition, abgerufen am 22. April 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Apposition – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen