Pronomen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Pronomen (Plural Pronomina oder Pronomen) (in der deutschen Schulgrammatik auch Fürwort) sind in der traditionellen Sprachwissenschaft Begleiter oder Stellvertreter,[1] in der modernen Sprachwissenschaft einzig Stellvertreter des Nomens[2][3] und sind deklinierbar, passen sich also in Genus und Numerus, als Begleiter auch im Kasus dem Nomen an, für das sie bzw. bei dem sie stehen.

Begriff[Bearbeiten]

Es existieren mehrere Untergruppen, besonders wichtige sind:

  • Personalpronomina (ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie), die z. B. direkt auf in der Sprechsituation befindliche Individuen deuten (du) oder auf zuvor im Text eingeführte Individuen verweisen können ([der Hund] … er ...), sowie
  • Indefinitpronomen, die allein auf die Existenz eines Individuums verweisen, ohne weitere Eigenschaften anzugeben (z. B. jemand singt) (hier handelt es sich logisch gesehen dann um Quantoren).

Je nach grammatischer Tradition werden bis zu zehn Untertypen von Pronomina unterschieden, die auch sehr unterschiedliche grammatische Eigenschaften haben. So können Pronomina auch Fragen markieren (Fragepronomen wie wer) oder Relativsätze einleiten. Manche Pronomina werden wie ein Substantiv verwendet (Beispiel: das Auto ist meines), andere begleiten ein Substantiv so wie sonst ein Artikelwort (Beispiel: mein Auto).

In allen ihren Unterarten zählen Pronomina mithin nicht als Inhaltswörter, sondern sie verhalten sich als grammatische Elemente auch insofern, als sie eine geschlossene Klasse bilden, d. h. eine Klasse von Ausdrücken, die nicht beliebig durch neue Wörter erweiterbar ist. In der traditionellen Wortartlehre wird "Pronomen" üblicherweise als eine eigene Wortart geführt (also neben Substantiv u. a.). Im Deutschen kann das Pronomen (in traditioneller Perspektive) als satzgliedfähige (im Gegensatz zum Artikel), nicht artikelfähige (im Gegensatz zum Substantiv), nicht komparierbare (im Gegensatz zum Adjektiv), deklinierbare (im Gegensatz zum Verb) flektierbare Wortart definiert werden[4] – oder einfacher – als nicht komparierbare (im Gegensatz zum Adjektiv) nach Kasus, Numerus und Genus (im Gegensatz zum Substantiv) flektierbare Wortart. Allerdings gilt vor allem die Abgrenzung zu Artikeln als unklar — teilweise werden traditionell Pronomen genannte Wörter auch direkt als Artikelwort oder Determinative klassifiziert. Die Dudengrammatik spricht von einer übergeordneten Klasse „Artikelwörter und Pronomen“, in der beide in manchen Hinsichten gleichartig sind, für andere Zwecke aber zu unterscheiden sind.[2] In Schulgrammatiken findet sich auch die Unterscheidung Stellvertreter und Begleiter.

In der modernen Linguistik werden Pronomina meistens nicht als eigene Wortart angesetzt, sondern mit derselben Kategorie bezeichnet wie die Einheiten, die sie auch ersetzen können, also als Nominalphrasen bzw. Determinansphrasen; eine Variante ist die Analyse zumindest der Personalpronomina (wie „er, sie“) als intransitive Artikel, also Köpfe der Kategorie D.[5]

Geschichte der Wortartbezeichnung[Bearbeiten]

Hintergrund der unklaren Abgrenzung zwischen Pronomen und Artikelwörtern ist, dass im Lateinischen das Pronomen im engeren Sinn und das Demonstrativpronomen einheitlich gesehen wurden und die von der lateinischen Grammatiklehre geprägte deutsche Grammatiklehre diese Sicht tradiert.[6] In den romanischen Sprachen haben sich der Gebrauch vor einem Substantiv und der selbständige Gebrauch hingegen auseineinander entwickelt. Im Französischen wird daher im ersteren Fall von „déterminant“ gesprochen, im Englischen von „determiner“, in neueren deutschen Grammatiken unter englischem Einfluss von „Determinierer“.

Klassifikation[Bearbeiten]

Pronomen haben im Deutschen und in anderen indogermanischen Sprachen verschiedene Typen:

  • Personalpronomen (persönliche Fürwörter): ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie
Im Gegensatz zum Deutschen und anderen europäischen Sprachen wird in einigen Sprachen zwischen inklusivem und exklusivem wir unterschieden, je nachdem, ob der Angesprochene (das „Du“) eingeschlossen ist oder nicht.
In manchen Sprachen gibt es zwei Reihen von Personalpronomen: betonte und unbetonte (klitische), z. B. im Altlitauischen (z. B. „pamiduok“, auf Deutsch: „reich mir“, das Pronomen steht zwischen Präfix und Wortstamm), im Hethitischen oder im Bairischen (z. B. „gib-ma-s“, auf Hochdeutsch: „gib es mir“).

Alternative Darstellungen finden sich in Zifonun[7], Benveniste[8] und Sternefeld[9].

Im Lateinischen[Bearbeiten]

In der lateinischen Sprache kann man viele Parallelen zum Deutschen finden:

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Pronomen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. So etwa Walter Heuer, Max Flückiger, Peter Gallmann: Richtiges Deutsch. Die Sprachschule für alle. 24. Auflage Zürich 1999, S. 203 [mit weiteren seitherigen Auflagen]; Peter Gallmann, Horst Sitta: Deutsche Grammatik. Orientierung für Lehrer. Zürich 1986, 3. Auflage unter dem Titel Deutsche Grammatik ebd. 1996.
  2. a b Cathrine Fabricius-Hansen, Peter Gallmann, Peter Eisenberg u. a.: Die Grammatik. 8., überarbeitete Auflage Mannheim 2009 (Duden Band 4), S. 249ff.
  3. Peter Eisenberg: Grundriss der deutschen Grammatik. Band 2: Der Satz. 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage Stuttgart–Weimar 2013, S. 148ff.
  4. So Kessel/Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache (2005), ISBN 3-8252-2704-9, S. 63
  5. P. Gallmann, T. Lindauer: Funktionale Kategorien in Nominalphrasen. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur (PBB), 116 (1994), 1–27. Ms. Version http://www2.uni-jena.de/~x1gape/Pub/DP-Rezension_1993.pdf siehe darin S. 7
  6. Duden, Die Grammatik, 7. Aufl. (2005), ISBN 3-411-04047-5, Rn. 347
  7. Gisela Zifonun, Ludger Hoffmann, Bruno Strecker: Grammatik der deutschen Sprache. Berlin/New York 1997
  8. Émile Benveniste: Probleme der Allgemeinen Sprachwissenschaft. (= LTW 1428 - Linguistik). 1974, München: List
  9. Wolfgang Sternefeld: Anaphoric Reference. Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft. 9.1 Syntax: ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. Herausgegeben von Joachim Jacobs et al. 940-966. 1993, Berlin/New York: de Gruyter.