Relativsatz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Relativsatz (von lat. relativus „sich beziehend auf etwas, bezüglich“) gehört zur Gruppe der Nebensätze und dient in der Regel dazu, eine Eigenschaft eines Individuums anzugeben; er ist daher von einem Substantiv abhängig (attributiver Relativsatz) oder hat selbst denselben Status wie eine Substantivgruppe im Satz (freier Relativsatz). Daneben gibt es weitere Sonderformen.

Relativsätze, bzw. Satzteile in entsprechender Funktion, werden in den Sprachen der Welt auf sehr unterschiedliche Weise gebildet; im Deutschen herrscht die Bildung mit einem Relativpronomen vor.

Syntaktische Konstruktion[Bearbeiten]

Relativsätze können auf verschiedene Arten gekennzeichnet sein:

  • Relativpronomen, z. B. der, die, das; welcher, welche, welches, französisch qui/que, englisch who/whom/whose, which.
    • Franz.: La voiture que j’achetai hier est déjà en panne. ‚Das Auto, das ich gestern kaufte, ist heute schon kaputt.‘
    • Engl.: I know the man whose dog bit me. ‚Ich kenne den Mann, dessen Hund mich gebissen hat.‘
    • Die Art, in der sie sich kleiden.
  • Relativadverb, z. B. wo, wie, da, als, so, franz. où, quand, engl. where, when.
    • Franz.: fleurissent les fleurs je m’affalerai. ‚Dort, wo die Blumen blühen, lass' ich mich nieder.‘
    • Engl.: At the time when he was king in Aquitaine … ‚Zu der Zeit, als er König in Aquitanien war …‘
    • Die Art, wie sie sich kleiden.
    • So schnell wie es geht.
  • Satzstellung.
    • Engl.: The house I live in. ‚Das Haus, in dem ich wohne.‘
    • So schnell es geht.
  • Relative Verbalendung.
    • Altirisch: It moíni cartar lib, nídat doíni. ‚Schätze sind es, die dir teuer sind, nicht Menschen.‘
    • Altirisch: Ad·cíu in ningin caras in rí. ‚Ich sehe das Mädchen, welches der König liebt.‘
  • Anlautmutation.
    • Altirisch: Ní·caraimm in nuisce ndúabais imma·thét sech tóeb m’árais. ‚Ich liebe nicht das unheilvolle Wasser, das an meinem Hause vorüberfließt.‘
    • Altirisch: A llaithe nundam·ṡoíra … ‚Der Tag, da er mich erlöset …‘

Bezug[Bearbeiten]

Der Relativsatz bezieht sich im Regelfall auf ein einzelnes Satzglied oder ist selbst ein solches, nämlich Subjekt oder Akkusativ-Objekt. Beispiele zu Sabine gibt dem Kind Kartoffeln mit Butter:

  • Sabine, die gerade kocht, gibt dem Kind Kartoffeln mit Butter. (Bezug auf das Subjekt)
  • Sabine gibt dem Kind, das ständig schreit, Kartoffeln mit Butter. (Bezug auf das Dativ-Objekt)
  • Sabine gibt dem Kind Kartoffeln, die sie vor dem Kochen schält, mit Butter. (Bezug auf Akkusativ-Objekt)
  • Sabine gibt dem Kind Kartoffeln mit Butter, deren Qualität sie nicht anzweifelt. (Bezug auf adverbiale Bestimmung)
  • Sabine gibt dem Kind Kartoffeln mit Butter, was zwar sparsam, aber nicht sehr vernünftig von ihr ist. (Bezug auf Objektsatz)
  • Sabine gibt dem Kind, was es wünscht. (Akkusativ-Objekt)
  • Dem Kind wird von Sabine gegeben, was es wünscht. (Subjekt)

Im Fall des weiterführenden Relativsatzes kann dieser auch auf den ganzen Hauptsatz Bezug nehmen.

Stellung[Bearbeiten]

Der Relativsatz steht in den meisten Fällen direkt hinter dem Bezugswort. Hiervon gibt es zwei Arten von Ausnahmen:

  • Bei Nomengruppen (Beispiel: die Maler des Mittelalters) steht der Relativsatz hinter der Nomengruppe:
    • Er kannte sogar die Maler des Mittelalters, die ansonsten fast völlig in Vergessenheit geraten waren.
  • Insbesondere bei langen und komplexen Relativsätzen kann der Relativsatz ins Nachfeld des Satzes gestellt werden:
    • Er hatte die Maler gekannt, die von allen anderen, egal ob tot oder lebend, vergessen worden waren. (Statt: Er hatte die Maler, die ..., gekannt)

Manchmal können auch größere Einheiten vorangestellt werden, die zusätzlich zum Relativpronomen weiteres Material enthalten; dies ergibt die sogenannte Rattenfängerkonstruktion.

Semantische Funktion[Bearbeiten]

Restriktiver Relativsatz[Bearbeiten]

Der restriktive Relativsatz schränkt die Menge der möglichen Referenzen der Bezugsgröße ein.

  • Das ist der Artikel, den ich lesen wollte (und kein anderer).

Restriktive Relativsätze sind meist Teil einer definiten Kennzeichnung; zur Verstärkung kann die Bezugsgröße ein Demonstrativpronomen erhalten.

Intonation eines restriktiven Relativsatzes, von Snježana Kordić
  • Das ist derjenige Artikel, den ich lesen wollte.

Es gibt aber auch restriktive Relativsätze, die auf eine indefinite Nominalgruppe Bezug nehmen und diese identifizierbar machen:

  • Gestern habe ich eine Frau getroffen, die mit mir zusammen Abitur gemacht hat.

Restriktive Relativsätze sind für die Satzkonstruktion obligatorisch, in der gesprochenen Sprache wird dies durch verschiedene Arten der Intonation (Phonetik) unterstützt.

Explikativer Relativsatz[Bearbeiten]

Der explikative Relativsatz (auch appositiver, nicht restriktiver Relativsatz) gibt eine nähere Beschreibung der Bezugsgröße.

  • Jens, der in Schönkirchen geboren wurde, lebt nun in Mainz.

Explikative Relativsätze sind für die Satzkonstruktion fakultativ, die Beschreibung der Bezugsgröße kann auch außerhalb des Satzes erfolgen.

  • Jens lebt nun in Mainz. Er wurde in Schönkirchen geboren.

Explikative Relativsätze sind Attribute; um ihren attributiven Charakter zu unterstreichen (und sie von den restriktiven Relativsätzen zu unterscheiden), kann man dem Nebensatz ein Adverb beifügen.

  • Jens, der übrigens (bekanntlich, offenbar, immerhin...) in Schönkirchen geboren wurde, lebt nun in Mainz.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]