Architektenwettbewerb

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Im Bereich der Architektur werden Wettbewerbe (auch Architekturwettbewerbe oder allgemein Planungswettbewerbe) veranstaltet, wenn für eine anstehende Bauaufgabe oder für eine generelle Ideefindung der optimale Entwurf gefunden werden soll. Da es trotz teils sehr präziser Vorgaben (Raumprogramm) immer noch viele verschiedene Möglichkeiten gibt, ein Bauwerk zu strukturieren, zu konstruieren und zu gestalten, versucht man so die individuell beste Lösung zu finden. Architekturwettbewerbe sind eines der besten qualitäts- und projektorientierten Mittel zur Ermittlung der besten Lösung hinsichtlich Funktion, Ökonomie und Ästhetik für ein bestimmtes Projekt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Merkmale

Veranstaltet werden diese Wettbewerbe in der Regel vom Bauherren, dem Auslober. Das kann sowohl eine öffentliche Institution oder eine Firma als auch eine Privatperson sein. Der Wettbewerb wird von Wettbewerbsmanagern organisiert. Das kann wiederum die zuständige Behörde oder eine hierzu beauftragte Firma sein; in der Regel Architekten. Die Wettbewerbsmanager sind auch verantwortlich für die Vorprüfung der eingereichten Entwürfe der Architekten.

Über die Platzierung entscheidet dann eine Jury, in der neben dem Auslober des Wettbewerbes oft auch Fachleute (Fachpreisrichter) wie auch Nutzer oder weitere Interessenten (Sachpreisrichter) vertreten sind. Im Normalfall wird der von der Jury empfohlene Entwurf des Erstplatzierten realisiert. Meistens werden für die ersten Plätze Preisgelder ausgelobt. Neben der Preisverleihung hat der Auslober noch die Möglichkeit, Ankäufe zu tätigen, womit die vom Wettbewerbsteilnehmer erbrachten Leistungen rechtlich auf den Auslober übergehen und zu seiner freien Verwendung stehen.

Differenziert werden die Wettbewerbe

  • nach der Zielsetzung: geht es um generelle Konzepte und Ideen oder ein konkretes Bauvorhaben?
  • nach der Teilnehmerzahl: beschränkter Wettbewerb, offener Wettbewerb
  • nach der Bearbeitungstiefe: als ein- oder zweistufiger Wettbewerb

[Bearbeiten] Rechtliche Grundlagen

In jedem Land werden die rechtlichen Rahmenbedingungen anders definiert. Auf europäischer Ebene erarbeitet der Architects council of Europe (Europäischer Dachverband der Berufsvertretungen der Architekturschaffenden) akkordierte Empfehlungen zur Durchführung von Architekturwettbewerben.[1]

In Deutschland gelten die Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe auf den Gebieten der Raumplanung, des Städtebaus und des Bauwesens (kurz GRW 1995) oder die Regeln für die Auslobung von Wettbewerben (kurz RAW 2004). Letztere sind nur in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen) anzuwenden. Entscheidend ist zunächst, ob eine bzw. welche Wettbewerbsordnung für den Auslober als interne Verwaltungsvorschrift eingeführt wurde. Andernfalls bestehen für den Auslober keine rechtlichen Bindungen. Teilnehmende Architekten sind jedoch berufsrechtlich verpflichtet, sich nur an solchen Wettbewerben zu beteiligen, in denen ein fairer Leistungswettbewerb sichergestellt ist. Dies ist der Regelfall, wenn eine der beiden Wettbewerbsordnungen zugrundegelegt wurde.

In der Schweiz gestalten sich Architektenwettbewerbe nach dem Merkblatt 142 (Ordnung für Architektur- und Ingenieurwettbewerbe) der SIA-Kommission.[2] Architekturwettbewerbe in Österreich folgen den Regeln der Wettbewerbsordnung der Architekten (kurz WOA).[3]

[Bearbeiten] Besonderheiten bestimmter Wettbewerbsformen

[Bearbeiten] Realisierungswettbewerbe

Realisierungswettbewerbe sind die häufigsten Wettbewerbe. Sie werden ausgeschrieben, wenn zu einer Aufgabenstellung, die hinreichend beschrieben werden kann, eine optimale Lösung gesucht wird. Ein wesentliches Element des „Vertrags“ zwischen Auslober und Teilnehmer ist das so genannte „Auftragsversprechen“, das heißt, dass der Auslober verspricht, einen der Preisträger mit der Planung des Projektes zu beauftragen, wenn das Projekt realisiert werden soll.

[Bearbeiten] Ideenwettbewerbe

Im Gegensatz zu Realisierungswettbewerben werden Ideenwettbewerbe ausgelobt, wenn die Aufgabe noch nicht umfassend genug beschrieben werden kann oder soll. Mit diesen Wettbewerben sollen also z. B. übergeordnete Planungsansätze (in der Regel städtebauliche) gesucht werden, um z.B. Leitlinien festzulegen, anhand deren dann die weitere Planung erfolgt. Da hier im Allgemeinen keine weitere Beauftragung erfolgt, müssen die Preisgelder wesentlich höher als bei Realisierungswettbewerben sein. Besonderes Augenmerk ist hier auf die Urheberrechte zu legen.

[Bearbeiten] Studentenwettbewerbe

Wettbewerbe, an denen ausschließlich Studenten bestimmter Disziplinen teilnehmen dürfen.

[Bearbeiten] Beispiele

Es ist weit verbreitet Bauaufgaben, die von herausragendem öffentlichem Interesse sind, über einen Wettbewerb zu vergeben. Dies sind beispielsweise häufig Regierungsbauten, Museen, Sportstadien oder städtebaulich besonders prägende Bauten. Es ist aber auch durchaus üblich für kleinere oder weniger spektakuläre Bauaufträge, wie etwa Kindergärten, Wettbewerbe auszuloben. In der letzten Vergangenheit wurden zunehmend auch Wettbewerbe für repräsentative Bauten großer, internationaler Unternehmen ausgelobt.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

Informationen
Architekturwettbewerbe
Studentenwettbewerbe
  • archinoah.de - Datenbank mit aktuellen Studentenwettbewerben im Bereich Architektur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Architects council of Europe - Recommendations for Design Contests
  2. Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein - Ordnung für Architektur- und Ingenieurwettbewerbe
  3. Interuniversitäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur - Verfahren der Architektenwettbewerbe
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