asch-Schaich al-Mufīd

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Muhammad ibn Muhammad al-Hārithī (arabisch ‏محمد بن محمد الحارثي‎, DMG Muḥammad ibn Muḥammad al-Ḥāriṯī), bekannt vor allem unter seinem Ehrentitel asch-Schaich al-Mufīd (arabisch ‏الشيخ المفيد‎, DMG aš-Šaiḫ al-Mufīd) (* um 948 oder 950 in ʿUkbarā; † 1022 in Bagdad), war einer der führenden schiitischen Theologen der Zwölferschiiten seiner Zeit, der heute vor allem für sein Buch der Rechtleitung (Kitab al-irschād), ein Werk über den Leben und Wirken der zwölf Imame, bekannt ist. Historisch bedeutsam ist er vor allem durch seine Übernahme von Methoden des Kalām und ihre Weiterentwicklung im Rahmen der schiitischen Glaubenslehre.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Bereits im Kindesalter zog al-Mufīd gemeinsam mit seinem Vater nach Bagdad[1] und begann dort seine Ausbildung bei Lehrern wie Ibn Qūlūya († 978/79), mit dem er die Traditionssammlung al-Kulainīs studierte, Ibn Bābawayh, dessen Glaubenslehre und oft „blindem“ Vertrauen in Traditionen al-Mufīd später jedoch sehr kritisch gegenüberstand,[2] und vor allem auch den vielen Gelehrten, die der Muʿtazila nahestanden.[3]

Als Fürsprecher der Imāmīten gewann al-Mufīd unter der Protektion der Buyiden schnell an Ansehen und Einfluss und wirkte am 993 gegründeten Dar al-ʿIlm im hauptsächlich von Schiiten bewohnten Stadtteil Karch,[4] wo er eine große Zahl von Schülern um sich sammelte, unter ihnen Scharīf al-Murtadā (gest. 1044) und at-Tūsī. Von seinen zahlreichen Schriften sind nur einige erhalten, teilweise vollständig, teils im Form umfangreicher Zitate in Werken anderer Autoren, die ebenfalls auf seine große Bedeutung schließen lassen. Sein bekanntestes Werk, das Buch der Rechtleitung, ist eine kommentierte Sammlung von Traditionen über die zwölf Imame.

Ibn an-Nadīm, ein Zeitgenosse al-Mufīds, führt ihn in seinem Kitāb al-Fihrist und gibt an, ihn persönlich getroffen zu haben. Er beschreibt ihn als geistesgegenwärtige und kluge Führungspersönlichkeit.[5] Seine nachhaltige Bedeutsamkeit für wurde auch von ideologischen Gegnern wie al-Chatīb al-Baghdādī († 1071) anerkannt, die ihm bescheinigten, es sei ihm dank seiner Gelehrsamkeit gelungen, viele Menschen durch seine „Irrlehre“ zu „verderben“, ehe Gott die Menschheit schließlich von ihm erlöst habe.[6]

Infolge zunehmend auch gewaltsam ausgetragener Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten war al-Mufīd zeitweise gezwungen, Bagdad zu verlassen. Noch vor seinem Tod 1022 kehrte er jedoch dorthin zurück.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dominique Sourdel: L’Imamisme vu par le Cheikh al-Mufīd. In: Revue des Études Islamiques XL, 1972, S. 217-96.
  • Martin J. McDermott: The Theology of al-Shaikh al-Mufīd. Dar el-Machreq, Beirut 1978.
  • Tamima Bayhom Daou: Shaykh Mufid. Oneworld Publications, Oxford 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin J. McDermott: The Theology of al-Shaikh al-Mufīd. Dar el-Machreq, Beirut 1978, S. 9.
  2. Paul Sander: Zwischen Charisma und Ratio. Entwicklungen in der frühen imāmitischen Theologie. Klaus Schwarz, Berlin 1994, S. 83.
  3. a b Moojan Momen: An Introduction to Shi’i Islam, Yale University Press, New Haven 1985, S. 317.
  4. Tamima Bayhom Daou: Shaykh Mufid. Oneworld Publications, Oxford 2005, S. 270.
  5. Bayard Dodge (Übers.): The Fihrist of al-Nadīm. A Tenth-Century Survey of Muslim Culture. Columbia University Press, New York 1970, S. 443.
  6. Martin J. McDermott: The Theology of al-Shaikh al-Mufīd, S. 8.