La Brea Pitch Lake

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Karte der Insel Trinidad
Lage des Asphaltsees im Südwesten Trinidads
Das Bohren mit einem Stock in der Oberfläche des La Brea Pitch Lake fördert relativ flüssigen Naturasphalt zutage.
Ein Stück „Treibholz“ an der Oberfläche des Sees.

Der La Brea Pitch Lake (englisch für „Pech-See“, Aussprache [ˈpʰɪt͡ʃ leik]) ist eine natürliche, oberflächliche Ansammlung von Asphalt (Asphaltsee) und das weltweit größte Vorkommen dieser Art. Der See liegt im Südwesten der Karibikinsel Trinidad nahe der Stadt La Brea (was auf Spanisch ebenfalls „Pech“ heißt). Für Trinidad ist der See eine bedeutende Touristenattraktion und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor zugleich.

Allgemeines[Bearbeiten]

Der La Brea Pitch Lake erstreckt sich auf einer Fläche von ca. 40 Hektar. Seine Tiefe wird unterschiedlich mit 75 bis 100 Metern angegeben. Genauere Untersuchungsergebnisse dazu liegen nicht vor. Die Gesamtmenge des Asphalts wird auf 10 Mio. Tonnen geschätzt.

Asphalt„see“ ist eine eher irreführende Bezeichnung, denn der Asphalt ist an der Oberfläche fast nirgendwo flüssig. Stattdessen ist die Oberfläche des Sees leicht gewellt und begehbar. In den Depressionen steht Wasser. Dass der Asphalt darunter nicht wirklich fest ist, äußert sich darin, dass die „Seeoberfläche“ an manchen Stellen federt oder die Schuhsohlen beim darübergehen klebrige Fäden ziehen. Zu Zeiten, als der Asphalt mit Spitzhacken abgebaut wurde, schlossen sich selbst sechzig Zentimeter tiefe Löcher innerhalb von zwei Tagen von selbst. Auch das Umland des Sees lagert auf Asphalt und ist daher relativ instabil. Die Folge sind aus dem Lot geratene Häuser, gewölbte Fußböden und geborstene Hauswände. Das Zentrum der Aktivität liegt in der Mitte des Sees, der sogenannten „Mother of the Lake“, wo Gase und frischer Asphalt aufsteigen, wodurch die übrigen Asphaltmassen in alle Richtungen gegen den Rand hin umgewälzt werden: Als bei einer misslungenen Tiefenbohrung das Gestänge brach, tauchte es später, grotesk deformiert an anderer Stelle wieder auf. Ein weiterer Hinweis auf die Bewegungen des Asphalts sind isolierte Vegetationsinseln, die ihre Position dauernd verändern.

Geologie[Bearbeiten]

Am Grund des Sees dringt beständig zähflüssiger Asphalt („Erdpech“) aus der Tiefe und vermischt sich mit Gesteinsbruchstücken. Diese Mischung wird als „Trinidad-Naturasphalt“ bezeichnet. Es wird vermutet, dass das Aufdringen des Asphalts mit der Lage der Insel Trinidad in der Grenzzone zwischen Karibischer Platte und Südamerikanischer Platte zusammenhängt. Die sich schräge Konvergenz beider Platten übt Druck auf ein im Untergrund der Insel liegendes Erdölvorkommen aus. Der hohe Druck führt zur Bildung des heißen Bitumens, welches seinen Weg nach oben sucht und auf der Insel einen Ausgang findet. Diese tektonische Konstellation entstand im Laufe des jüngeren Tertiärs.[1]

Die Oberfläche des Sees ist runzlig und an vielen Stellen so weit ausgehärtet, dass sie begehbar ist. Ähnliche Bildungen, wenn auch in kleinerem Ausmaß, finden sich in den Asphaltteichen von Rancho La Brea in Los Angeles.

Mikrobiologie[Bearbeiten]

2014 wurde in der Fachzeitschrift Science ein Artikel veröffentlicht, laut dem in winzigen Wassertropfen (1 bis 3 μl), selbst in größter Tiefe, des La Brea Pitch Lake Mikroorganismen das Erdöl von innen heraus zersetzen. Laut Prof. Dr. Rainer Meckenstock, von der Universität Duisburg-Essen, könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass große Teile der weltweiten Ölreserven bereits von Mikroorganismen zu Methan und Kohlendioxid abgebaut wurden. [2]

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Asphaltabbau Anfang des 20. Jahrhunderts

Der Trinidad-Naturasphalt ist aufgrund seiner robusten Qualität weltweit ein begehrter Zusatzstoff beim Straßenbau. Täglich werden 150 bis 200 Tonnen Asphalt abgebaut und fließen in den Export. Allein in Deutschland werden jährlich 6.000 Tonnen im öffentlichen Straßenbau verarbeitet. Die beim Abbau entstehenden Löcher schließen sich in sehr kurzer Zeit wieder durch den aus der Tiefe nachfließenden Asphalt. Jährlich besuchen zusätzlich rund 20.000 Touristen die „hässlichste Attraktion der Karibik“ und bilden damit einen zusätzlichen Wirtschaftsfaktor für Trinidad. Es finden regelmäßige touristische Führungen statt. Der See ist an seinen Randzonen an der Oberfläche ausgehärtet und für den Menschen begehbar. In der Mitte wird er zunehmend weicher und ist dort nicht begehbar.

Mythos und Historie[Bearbeiten]

Nach einer indianischen Sage soll an der Stelle des La Brea Pitch Lakes früher ein reiches Dorf mit großen Obstplantagen gestanden haben. Als immer mehr Vögel sich am Obst gütlich taten, wurden sie von den Dorfbewohnern gejagt und gegessen, auch die als heilig geltenden Kolibris. Für diesen Frevel straften die Götter die Menschen und ließen das Dorf über Nacht in der Erde versinken. An dessen Stelle entstand der Asphaltsee, der fortan als Eingang zur Unterwelt galt.

Einer anderen Version dieser Legende zufolge, die ausdrucksvoll in einer Wandmalerei an der Aussichtsterrasse oberhalb des Sees erzählt wird, soll einer der heiligen Kolibris während einer Siegesfeier des kriegerischen Indiostammes der Chaima von deren Häuptling getötet worden sein.

Der europäische Entdecker des La Brea Pitch Lake, Sir Walter Raleigh, stieß am 22. März 1595 auf das Vorkommen und nutzte es auch gleich, um seine Schiffe abzudichten. Im 17. Jahrhundert errichteten die Spanier eine Raffinerie und transportierten den Asphalt in ihre Heimat. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts stieg der Bedarf in Europa aufgrund des zunehmenden Straßenbaus erheblich an, was zur weiteren, bis heute dauernden Ausbeutung des Asphaltvorkommens führte. Nach konservativen Berechnungen reicht die derzeit vorrätige Asphaltmenge des La Brea Pitch Lake wenigstens für 100 Jahre. Der Name der nahe gelegenen Ortschaft La Brea leitet sich aus dem spanischen Wort für Pech ab; die Spanier nannten den Ort Tierra de Brea.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ed. Graefe: Der Asphaltsee auf der Insel Trinidad und Verwertung des Trinidadasphalts. In: Zeitschrift für angewandte Chemie. Bd. 26, 1913, ISSN 0932-2132, S. 233–239.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: La Brea Pitch Lake – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. James L. Pindell, Stephen F. Barrett: Geological Evolution of the Caribbean Region: A plate-tectonic perspective. In: G. Dengo, J. E. Case (Hrsg.): The Geology of North America. Volume II: The Caribbean Region. Geological Society of America, Boulder (CO) 1990, S. 405-432
  2. Wie funktioniert das Leben in Öl?. idw- Informationsdienst Wissenschaft. Abgerufen am 2. September 2014

10.234296-61.627283Koordinaten: 10° 14′ 3″ N, 61° 37′ 38″ W