Astrovirus

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Astrovirus
Astrovirus.jpg

Humane Astroviren im Elektronenmikroskop

Systematik
Reich: Viren
Ordnung: nicht klassifiziert
Familie: Astroviridae
Taxonomische Merkmale
Baltimore: Gruppe 4
Symmetrie: ikosaedrisch
Hülle: keine
Wissenschaftlicher Name
Astrovirus (engl.)
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Astrovirus ist ein Virustyp, der 1975 mit Hilfe eines Transmissionselektronenmikroskopes nach einem Durchfallausbruch beim Menschen entdeckt wurde. Mittlerweile konnten Astroviren auch aus einigen anderen Säugetierarten isoliert werden und als Gattung Mamastrovirus klassifiziert werden. Astroviren, die bei Vögeln wie zum Beispiel Enten, Hühnern und Truthühnern auftreten, werden als Gattung Avastrovirus klassifiziert. Astroviren sind unbehüllte ikosaedrische Viren mit einem Durchmesser von 28-35 nm und einer namensgebenden charakteristischen sternförmigen Oberflächenstruktur, welche unter einem Elektronenmikroskop sichtbar wird. Astroviridae sind ebenso wie Caliciviridae und Picornaviridae unbehüllte, einzelsträngige RNA-Viren mit positiver Polarität.[1] Humane Astroviren sind als Erreger von Gastroenteritis bei Kindern weltweit beschrieben worden.[2]

Humane Astroviren[Bearbeiten]

Spezies der Astroviren sind Erreger von Gastroenteritis vor allem bei Kindern aber auch bei Erwachsenen. Die Symptome einer Infektion sind Durchfall, Erbrechen, Fieber und Bauchschmerzen. Die Erkrankung dauert durchschnittlich 3 bis 4 Tage an, stellt jedoch im Allgemeinen keine gefährliche Situation dar. In seltenen Fällen kann es auch zur Dehydratation kommen. Infizierte benötigen keine stationäre Behandlung, da die Symptome nach kurzer Zeit von selbst abklingen.[3]

Diagnose[Bearbeiten]

Elektronenmikroskopie, ELISA, Immunfluoreszenz und PCR können im Zuge einer Virusdiagnostik angewandt werden, um Virionen, Antigene oder virale RNA im Stuhl von Infizierten nachzuweisen.

Epidemiologie[Bearbeiten]

Eine Studie im Vereinigten Königreich, die 1999 veröffentlicht wurde, ermittelte eine Indizenz von 3,8 pro 1000 Einwohner und Jahr, womit Astroviren der viert-häufigste Erreger viraler Gastroenteritis sind. Studien in den USA haben Astroviren im Stuhl von 2 - 9 Prozent der Kinder mit entsprechenden Symptomen nachgewiesen. Die Krankheit tritt am häufigsten bei Kindern unter 2 Jahren auf, es gab aber auch Ausbrüche bei Erwachsenen. Studien aus Glasgow und den USA legen nahe, dass die Infektion mit Astroviren häufig symptomlos erfolgt.[4] In Gegenden mit gemäßigtem Klima treten Astrovirus-Infektionen gehäuft im Winter auf, während in den Tropen die meisten Infektionen in der Regenzeit auftreten. Astroviren werden über kontaminiertes Wasser oder kontaminierte Lebensmittel übertragen.

Prävention[Bearbeiten]

Es gibt keine Impfung oder antivirale Behandlung gegen Astroviren, das Risiko einer Infektion kann jedoch durch persönliche Hygiene verringert werden.

Genom[Bearbeiten]

Das Genom der Astroviren besteht aus einem RNA-Einzelstrang mit positiver Polarität und besitzt einen Poly-A-Schwanz am 3'-Ende, jedoch keine 5'-Cap-Struktur. Ohne den Poly-A-Schwanz ist das Genom der Astroviren 6,8-7,9 kbp lang. Es enthält drei offene Leserahmen, wobei sich ORF1a und ORF1b um 70 bp überlappen. Der dritte offene Leserahmen wird ORF2 genannt.[5] Als Mutationsrate wurden 3.7×10-3 Nukleotidaustausche pro Stelle und Jahr und eine synonyme Wechselrate von 2.8×10-3 Nukleotidaustausche pro Stelle und Jahr ermittelt.[6]

Wirtsspektrum[Bearbeiten]

Das bisher bekannte Wirtsspektrum (synonym Tropismus) der Astroviren umfasst Menschen, Ziegen, Rinder, Schafe, Schweine, Rehe, Fledermäuse und Seelöwen.[7]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. D. W. Brown, K. B. Gunning, D. M. Henry, Z. L. Awdeh, J. P. Brinker, S. Tzipori, J. E. Herrmann: A DNA oligonucleotide microarray for detecting human astrovirus serotypes. In: J Virol Methods (2008), Bd. 147(1), S. 86-92. PMID 17905448, PMCID PMC2238180.
  2. P. De Benedictis, S. Schultz-Cherry, A. Burnham, G. Cattoli: Astrovirus infections in humans and animals - molecular biology, genetic diversity, and interspecies transmissions. In: Infect Genet Evol. (2011), Bd. 11(7), S. 1529-44. PMID 21843659.
  3. Madeley CR: Virus diarrhoea in hospital. In: J. Hosp. Infect.. 12, Nr. 3, 1988, S. 145–9. doi:10.1016/0195-6701(88)90001-1. PMID 2904454.
  4. Glass RI, Noel J, Mitchell D, et al.: The changing epidemiology of astrovirus-associated gastroenteritis: a review. In: Arch. Virol. Suppl.. 12, 1996, S. 287–300. PMID 9015126.
  5. Willcocks MM, Brown TD, Madeley CR, Carter MJ: The complete sequence of a human astrovirus. In: J. Gen. Virol.. 75 (pt 7), Nr. 7, 1994, S. 1785–8. doi:10.1099/0022-1317-75-7-1785. PMID 8021608.
  6. I. V. Babkin, A. Y. Tikunov, E.V. Zhirakovskaia, S.V. Netesov, N.V. Tikunova: High evolutionary rate of human astrovirus. In: Infect Genet Evol. (2012), Bd. 12(2), S. 435-42. PMID 22326537.
  7. N. K. Krishna: Identification of structural domains involved in astrovirus capsid biology. In: Viral Immunol. (2005), Bd. 18(1), S. 17-26. PMID 15802951; PMCID PMC1393289.