Aufklärungsschiff

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Ein Aufklärungsschiff ist ein Kriegsschiff, das der Aufklärung von Flottenbewegungen und Operationen fremder Streitkräfte dient.

Bis zur Zeit des Zweiten Weltkriegs wurden zur Aufklärung insbesondere im Umfeld von Kampfhandlungen besonders geeignete Kampfschiffe wie Segelfregatten und Kreuzer eingesetzt, die später durch Flugzeuge ergänzt wurden. Mit der Entwicklung elektronischer Aufklärungsmittel entstand ein eigener Schiffstyp, der nicht mehr für Kampfaufgaben vorgesehen war.

In modernen Kriegsflotten dienen diese Aufklärungsschiffe zur Beobachtung von Militärmanövern anderer Streitkräfte, zur Überwachung und Begleitung fremder Kriegsschiffe in der Nähe der Hoheitsgewässer und zur Erkundung von Beobachtungsanlagen, Bewaffnung, Ausrüstung, Schnelligkeit, Reaktionsfähigkeit und Schallsignaturen gegnerischer Seeeinheiten. Auch können sich auf modernen Aufklärungsschiffen Angehörige des Nachrichtendienstes befinden.

Die Deutsche Marine verwendet für ihre Aufklärungschiffe die Bezeichnung Flottendienstboot.

Aufklärungsschiffe[Bearbeiten]

Neben den gelisteten Staaten sind Aufklärungsschiffe in den Seestreitkräften von Polen, Finnland, Schweden, Japan und der Türkei bekannt.

Deutschland[Bearbeiten]

Deutsches Aufklärungsschiff (Flottendienstboot) Oste

Die Bundesmarine setzte bereits kurz nach ihrer Gründung 1956 so genannte Messboote zur elektronischen Aufklärung ein. Während des Kalten Krieges bestand die Aufgabe dieser später als Flottendienstboote bezeichneten Fahrzeuge der Oste-Klasse, Alster (A 50), Oker (A 53) und Oste (A 52), und ihrer Vorgänger Eider und Trave in der optischen und elektronischen Aufklärung der Seestreitkräfte des Warschauer Paktes im Ostseeraum. Insbesondere interessierte sich die Marine für die Baltische Rotbannerflotte. Zur elektronischen Aufklärung gehörten neben dem Abhören des Funkverkehrs die Messung der elektromagnetischen Signaturen von Radargeräten. Dadurch war teilweise die Identifikation bestimmter Einheiten möglich. Die optische Aufklärung bestand in Film- und Fotoaufnahmen der gesichteten Schiffe, wobei besonders deren Antennenanlagen von Interesse waren. Aufgrund ihrer Funktion als Aufklärer sind Flottendienstboote meist als Einzelfahrer mit langer Seeausdauer im Einsatz.

Die Deutsche Marine betreibt zurzeit drei Aufklärungsschiffe. Die Boote Oker, Oste und Alster sind in Kiel stationiert. Die gewonnenen Informationen werden direkt dem Kommando Strategische Aufklärung nahe Bonn übermittelt. Im offiziellen Sprachgebrauch heißt es "Zu den Aufgaben der Flottendienstboote zählen die Sicherheit und das Aufrechterhalten der Fernmeldeverbindungen sowie die fernmelde-elektronische Aufklärung".[1]

Frankreich[Bearbeiten]

Französisches Aufklärungsschiff Dupuy-de-Lôme
Das französische Aufklärungsschiff Monge, spezialisiert auf SIGINT, bei der Einfahrt in den Hafen von Le Havre (1999)

Die Französische Marine verfügt über das Aufklärungsschiff Monge (A601), das außerdem als Führungsschiff für Raketen- und Raketenabwehr eingesetzt werden kann. Das Schiff ist ein Teil des Französischen Atomraketenprogramms. 1992 in Dienst gestellt, ist sie das Flaggschiff des Versuchsgeschwaders (escadre d'essais). Es wird neben der militärischen Aufklärung (Signals Intelligence) von der Französischen Weltraumagentur zu Forschungszwecken verwendet. Auf dem Schiff dienen eine 120-köpfige Stammbesatzung und 100 zivile und militärische Techniker.

Die Monge ist zwar nur eines von mehreren „Telekommunikationsschiffen“ weltweit, jedoch verfügt weder das russische noch das amerikanische Militär über ein Schiff mit einem äquivalenten Leistungsspektrum.[2] Das Schiff verfügt über DRBV 15C Luftraumüberwachungs- und zwei Navigationsradars. Seine Überwachungsausrüstung besteht aus einem Stratus Gascogne, zwei Armor-Radarsysteme, zwei Savoie and Antares missile-tracking Radar, einem Laser-Radar, und einer optischen Verfolgungseinheit, sowie 14 Antennen für Telemetrie. Die Echtzeitkommunikation mit dem Heimatland wird über das SES Sirius-System sichergestellt. Im Gegensatz zu den meisten militärischen Schiffen ist die Monge weiß gestrichen, da ein dunklerer grauer Anstrich zu weiterer Erwärmung im Inneren führen würde und die Funktionsweise der Geräte beeinträchtigen könnte.

Spanien[Bearbeiten]

Spanien erwarb das ehemalige Boot Jasmund der Deutschen Volksmarine nach der Auflösung der DDR-Marine im November 1992. 1993 wurde eine große Radarantenne und ein Radom montiert. Das Schiff ersetzt das bis dahin verwendete Aufklärungsboot Alsedo. Das Boot verfügt über ein Saturn-System für Satellitenübertragungen.

Sowjetunion und Russland[Bearbeiten]

Sowjetisches Aufklärungsschiff der Balzam-Klasse

Die sowjetische Marine verfügte über mindestens zwei Aufklärungsschiffsklassen, nämlich das Projekt 864 (NATO-Codename: Vishnya-Klasse) und das Projekt 1826 (NATO-Codename: Balzam-Klasse). Beide Schiffsklassen finden heute noch Verwendung in der russischen Marine. Seit den 1980er-Jahren war bekannt, dass einige sowjetische Fischtrawler mit Aufklärungstechnik ausgestattet waren.[3]

Vereinigte Staaten von Amerika[Bearbeiten]

Die USA setzen schon früh Aufklärungsschiffe ein. Zu einem damals spektakulären Zwischenfall in Zeiten des Kalten Krieges kam es, als das Aufklärungsboot USS Pueblo (AGER-2) (Aufklärungsschiff der US-Marine) 1968 durch die nordkoreanische Marine aufgebracht wurde. Es befindet sich noch heute im Besitz Nordkoreas und ist damit das weltweit einzige Schiff der US-Marine, das sich in den Händen einer fremden Macht befindet.

Heute betreibt die US-Marine zwei Klassen von AGOS-Schiffen zur ozeanografischen Forschung und Sonar-Wachschiffe (T-AGOS). Dies sind die Schiffe AGOS 23 IMPECCABLE und T-AGOS 24 INTEGRITY aus der Impeccable-Klasse und die Schiffe T-AGOS 19 VICTORIOUS, T-AGOS 20 ABLE, T-AGOS 21 EFFECTIVE und T-AGOS 22 LOYAL aus der Victorious-Klasse. Dabei handelt es sich um als Katamaran ausgeführte Grosschiffe mit modernen Aufklärungsmitteln.

Daneben sind sieben Schiffe der Stalwart-Klasse im Einsatz, die als Radarwarnschiffe eingesetzt werden. AGOS steht für Auxiliary General Oceanic Surveillance und bezeichnet die Schiffe offiziell als ozeanographische Forschungsschiffe.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article427531/Flottillendienstboot-Alster-Spion-im-Auftrag-der-Regierung.html
  2. military-today.com: Monge. Abgerufen am 2. Mai 2011.
  3. "Moscow's South Pacific Fishing Fleet Is Much More Than It Seems"; Kim, Byung Ki; The Heritage Foundation, Asian Studies Backgrounder No. 80, 6. September 1988.