Augustinische Orden

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Augustinische Orden im engeren Sinn sind die römisch-katholischen Klostergenossenschaften, die sich bereits in ihrem Namen auf den Kirchenlehrer Augustinus von Hippo beziehen. Im weiteren Sinn sind alle Klostergenossenschaften gemeint, die die sogenannte Augustinusregel übernommen haben.

Der Vordenker[Bearbeiten]

Darstellung des Heiligen Augustinus

Augustinus von Hippo (354–430), ein Heiliger der römisch-katholischen Kirche und ein durch seine Confessiones (Bekenntnisse) heute noch gelesener Schriftsteller, war ähnlich wie Benedikt von Nursia (480–547) kein persönlicher Ordensgründer, sondern inspirierte über seine Schriften Ordensgründungen in späterer Zeit. Zu den Grundzügen seines Wesens, wie sie sich in der Augustinusregel (etwa 497) äußerten, gehörten „Gottinnigkeit und Nächstenliebe“, „evangelische Armut und Demut“, „selbstlose Dienstbereitschaft, Geduld und Herzensgüte“.[1] Einige hundert Jahre später wurde insbesondere seine Betonung der Armut als Antwort auf drängende kirchliche Probleme empfunden.

Männerorden[Bearbeiten]

Augustiner-Chorherren[Bearbeiten]

Während der Kirchenreform des 11. Jahrhunderts führten zahlreiche Dom- und Stiftskapitel das gemeinsame Leben auf Grundlage der Augustinusregel ein. Diese „regulierten Chorherren“ waren zwar keine Mönche, aber im Gegensatz zu anderen Priestern und Diakonen verzichteten sie auf persönlichen Besitz und lebten als Ordensbrüder nach einer Klosterregel zusammen. Aus Zusammenschlüssen solcher Gemeinschaften entstanden die im ganzen Mittelalter sehr verbreiteten Augustiner-Chorherren.

Augustiner-Eremiten, -Barfüßer und -Rekollekten[Bearbeiten]

Im März 1244 bildeten sich in der Toskana aus mehreren asketischen mönchischen Gruppierungen die „Einsiedler des heiligen Augustinus“;[2] im April 1256 veröffentlichte Papst Alexander IV. die Bulle Licet ecclesiae catholicae, mit der er ebendiese Einsiedler mit weiteren regionalen Gemeinschaften (den Toskanischen Eremiten, den Janboniten, den Brictinensern und den Wilhelmiten) zu einer „großen Union“ zusammenschloss – den Augustiner-Eremiten. Nach den Dominikanern, Franziskanern und Karmeliten war so der vierte große Bettelorden des Mittelalters entstanden, dem später auch der Reformator Martin Luther (1483–1546) angehörte. 1963 ließ Papst Johannes XXIII. den zweiten Teil des Namens Augustiner-Eremiten streichen, weil das eremitische Leben kein Kennzeichen des Ordens mehr war; seither heißen der Orden „Augustinerorden“ und die Ordensangehörigen „Augustiner“.

Die von den Augustiner-Eremiten abzweigenden Augustiner-Barfüßer wurden 1610 approbiert; ein populärer Vertreter dieses Ordens war der Prediger Abraham a Sancta Clara. Die Approbation der ihrerseits wiederum von den Augustiner-Barfüßern abzweigenden Augustiner-Rekollekten erfolgte 1912.

Augustinische Orden im weiteren Sinn[Bearbeiten]

Neben den bereits genannten vier Orden, die ihren Vordenker Augustinus im Namen führen, gibt es viele weitere Gemeinschaften, die sich an seinen Ordensregeln orientieren. Zu diesen zählen einerseits den Augustiner-Eremiten vergleichbare Bettelorden, etwa die Dominikaner, Trinitarier und Mercedarier, andererseits den Augustiner-Chorherren vergleichbare Regularkanoniker, etwa die Prämonstratenser (der mittlerweile größte Orden „regulierter Chorherren“, gegründet 1120). Folgende Orden sind heute im deutschsprachigen Raum tätig:[3]

Frauenorden[Bearbeiten]

Schon Augustinus von Hippo hatte ausdrücklich auch Frauengemeinschaften im Sinn. Sein Text Praeceptum (Lehre, Regel, Gebot), der anders als die Texte Regularis informatio und Ordo monasterii tatsächlich auf den Kirchenvater zurückgeht,[4] existiert in einer Fassung für Männer und einer für Frauen. Die Angehörigen augustinischer Frauenorden werden auch Augustinerinnen genannt. Folgende Orden sind heute im deutschsprachigen Raum tätig:[5]

Dritte Orden[Bearbeiten]

Unter den Dritten Orden sind die franziskanischen besonders verbreitet. Es gibt aber auch zahlreiche Dritte Orden, die sich auf die Augustinusregel berufen, zum Beispiel die Prämonstratenser-Tertiaren und -Tertiarinnen.

Informationsbasis[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Louis Goegebuer: L’Ordre des Augustins. Pères Augustins, Marchienne-au-Pont 1946.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kommentar zur Augustinusregel auf www.augustiner.at, Stand 26. Dezember 2009.
  2. Informationen (englisch) zum ersten Zusammenschluss auf www.osanet.org, Stand 26. Dezember 2009.
  3. Aufzählung der augustinischen Orden im deutschsprachigen Raum auf www.augustiner-chorherren.org, Stand 26. Dezember 2009.
  4. Hinweis zum Forschungsstand auf www.augustiner-chorherren.org, Stand 26. Dezember 2009
  5. Aufzählung der augustinischen Orden im deutschsprachigen Raum auf www.augustiner-chorherren.org, Stand 26. Dezember 2009, sowie Informationen zum Kloster Berg Sion und zum Kloster Rot an der Rot auf praemonstratenser.de, Stand 12. Januar 2010.