Azoxymethan

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Strukturformel
Strukturformel von Azoxymethan
Allgemeines
Name Azoxymethan
Andere Namen
  • Dimethyldiazen-1-oxid
  • (Z)-Methyl-O,N,N-azoxymethan
Summenformel C2H6N2O
CAS-Nummer 25843-45-2
PubChem 33184
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit[1]

Eigenschaften
Molare Masse 74,08 g·mol−1
Dichte

0,991 g·cm−3[1]

Siedepunkt

97–99 °C[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
02 – Leicht-/Hochentzündlich 06 – Giftig oder sehr giftig 08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 226​‐​300​‐​315​‐​319​‐​350
P: 201​‐​264​‐​301+310​‐​305+351+338​‐​308+313 [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [2][1]

T
Giftig
R- und S-Sätze R: 45​‐​46​‐​10​‐​25​‐​36/38
S: 53​‐​26​‐​36/37/39​‐​45
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Azoxymethan (AOM) ist eine krebserregende Flüssigkeit und ein Derivat von Azomethan.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Azoxymethan hat einen Flammpunkt von 24 °C.[1]

Krebserregende Wirkung[Bearbeiten]

Azoxymethan ist stark krebserregend. Bei Nagetieren induziert die Gabe von Azoxymethan spezifisch die Entstehung von kolorektalen Karzinomen.[3] Die Läsionen entsprechen dabei der Kolonkarzinogenese beim Menschen.[4] Aus diesem Grund wird Azoxymethan in der Onkologie zur Induktion von Darmkrebs in Versuchstieren verwendet. Dazu wird die Verbindung meist subkutan oder intraperitoneal verabreicht.[5]

In der Leber wird Azoxymethan als Stoffwechselprodukt durch die Oxidation von 1,2-Dimethylhydrazin (DMH) gebildet. DMH ist somit das Prokarzinogen von Azoxymethan. Azoxymethan wird in der Leber weiter zu Methylazoxymethanol (MAM) umgewandelt. MAM wird glucuronisiert und gelangt über die Galle letztlich in den Darm. Das dort vorhandene Enzym β-Glucuronidase hydrolysiert das Konjugat wieder zu MAM. Die β-Glucuronidase kann dabei sowohl aus den Bakterien der Darmflora, als auch aus den Darmepithelzellen stammen. Methylazoxymethanol zerfällt bei 37 °C mit einer Halbwertszeit von 12 Stunden in N-Methylnitrosamin und ein Methylradikal.[6] Das Methylradikal kann die DNA im Zellkern zu 6-O-Methylguanin alkylieren.[7][8] Wird die Schädigung der DNA nicht behoben, so führt die Methylierung bei der Replikation zu einer Transition von Guanin nach Adenin, die durch eine Fehlbindung von 6-O-Methylguanin mit Thymin hervorgerufen wird.[9]

Synthese[Bearbeiten]

Azoxymethan lässt sich beispielsweise elektrochemisch aus Nitromethan herstellen.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Datenblatt Azoxymethan bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 9. März 2011 und am 20. Januar 2012 (PDF).Vorlage:Sigma-Aldrich/Name nicht angegeben
  2. Seit dem 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  3. H. Druckrey: Production of colon carcinoma by 1,2-dimethylhydrazines ans axozyalkanes. In: Carcinoma of the colon and antecedent epithelium. Walter J. Burdette (Editor), W. J. Thomas Books, Springfield, 1970, S. 578–579.
  4. J. H. Weisburger und E. S. Fiala: Experimental colon carcinogens and their mode of action. In: Experimental colon carcinogenesis H. Autrup (Editor), Boca Raton, 1983, S. 27–50.
  5. A. Bissahoyo, R. S. Pearsall, K. Hanlon, V. Amann, D. Hicks, V. L. Godfrey, D. W. Threadgill: Azoxymethane is a genetic background-dependent colorectal tumor initiator and promoter in mice: effects of dose, route, and diet. In: Toxicol Sci 88, 2005, S. 340–345. PMID 16150884
  6. H. T. Nagasawa, F. N. Shirota, H. Matsumoto: Decomposition of methylazoxymethanol, the aglycone of cycasin, in D2O. In: Nature 236, 1972, S. 234–235. PMID 4553643
  7. D. C. Herron und R. C. Shank: DNA methylation during chronic administration of 1,2-dimethylhydrazine in a carcinogenic regimen. In: Carcinogenesis 3, 1982, S. 857–860. PMID 7127668
  8. A. E. Pegg und T. L. Byers: Repair of DNA containing O6-alkylguanine. In: FASEB J 6, 1992, S: 2302–2310. PMID 1544541 (Review)
  9. C. Fähndrich: Wirkung von Apfelsaft auf die Kolonkarzinogenese und deren Modulation durch Wachstumsfaktoren im Tierexperiment. (PDF; 1,8 MB) Dissertation, Tierärztliche Hochschule Hannover, 2005.
  10. P. E. Iversen: Organische Elektrosynthesen, IV. Darstellung von Azoxymethan und 1,2-Dimethyl-hydrazin aus Nitromethan und von Azoxycyclopropan aus Nitrocyclopropan. In: Chemische Berichte 104, 1971, S. 2195–2198. doi:10.1002/cber.19711040719