Belgern

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Dieser Artikel behandelt den Ort Belgern im sächsischen Landkreis Nordsachsen. Auch ein Ortsteil der Stadt Weißenberg im Landkreis Bautzen trägt diesen Namen.

51.48222222222213.125916666667156Koordinaten: 51° 28′ 56″ N, 13° 7′ 33″ O

Belgern
Wappen der ehemaligen Stadt Belgern
Höhe: 156 m ü. NN
Eingemeindung: 1. Januar 2013
Postleitzahl: 04874
Vorwahl: 034224
Belgern (Sachsen)
Belgern

Lage von Belgern in Sachsen

Belgern ist ein Ortsteil der Stadt Belgern-Schildau im Landkreis Nordsachsen in Sachsen (Deutschland). Er liegt auf einer Anhöhe am linken Elbufer.

Geschichte[Bearbeiten]

Belgern wurde am 5. Juni 973 erstmals urkundlich erwähnt. Am 27. Februar 983 erfolgt erstmals die Erwähnung einer Burg, der civitas Belegora. Der slawische Name Belegora bedeutet „Weißer Berg“ und bezieht sich auf die Lage des Ortes. Das Zisterzienserkloster wurde 1258 errichtet. Am 6. Mai 1286 wird Belgern in einer Urkunde Bodos von Eilenburg zur Schlichtung eines Grenzstreites zwischen Belgeranern und dem Abt von Buch als "oppidum" (bedeutete damals "Stadt") bezeichnet.

Von 1575 bis 1578 wurde das Rathaus im Renaissancestil errichtet. Im Jahr 1610 wurde der steinerne Roland[1] errichtet, der an die Stelle des hölzernen Rolandes trat. Nach einer Volksbefragung wurde 1990 der Landkreis Torgau dem Land Sachsen zugeordnet.

Mit Wirkung zum 1. Januar 2013 wurde aus den Städten Belgern und Schildau die neue Stadt Belgern-Schildau gebildet. Zuvor gliederte sich Belgern nach der Hauptsatzung[2] in die Kernstadt sowie die Ortsteile:

Zuletzt hatte Belgern rund 4700 Einwohner.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Ammelgoßwitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Liebersee
Bockwitz 1. März 1994
Döbeltitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Mahitzschen
Kaisa 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Lausa
Lausa 1. Januar 1999
Liebersee 1. März 1994
Mahitzschen 1. April 1993
Neußen 1. Januar 1999
Oelzschau 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Wohlau
Seydewitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Wohlau
Wohlau 1. März 1994

Politik[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 ergaben sich für den Stadtrat in der letzten Wahlperiode folgende Sitzverteilungen:

Die 16 Stadträte des Stadtrates der ehemaligen Stadt Belgern und die 16 Stadträte des Stadtrates der ehemaligen Stadt Schildau bilden für die Dauer der laufenden Wahlperiode den Stadtrat der Stadt Belgern-Schildau mit Wirksamwerden der Vereinigung.

Bei der Bürgermeisterwahl am 24. März 2013 wurde Eike Petzold (parteilos) als neue Bürgermeisterin im ersten Wahlgang mit 54,4 % der Stimmen gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,3 %.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Die Kirche Sankt Bartholomäus
Das Rathaus mit 1610 errichtetem Roland (links). Links im Bildhintergrund das Hauptgebäude von Topfmarkt 7 mit dem neuen Museum von Belgern
Der Roland in Belgern

An der linken Seite des Rathauses, einem zwischen 1575 und 1578 entstandenen Renaissancebau, steht der 1610 aus Stein gehauene, fast sechs Meter große Belgerner Roland. Es ist die einzig erhaltene Rolandstatue im Freistaat Sachsen. Außerdem gibt es in der Nähe der neuen Stadthalle, die für Veranstaltungen genutzt wird, einen Roland-Park[3], mit Miniatur-Ausgaben von Rolanden aus ganz Deutschland.

Auf dem Marktplatz steht eine Nachbildung der Kursächsischen Postdistanzsäule wieder am ursprünglichen Standort, deren wesentliche Originalteile aus dem Jahre 1730 im Museum erhalten blieben.

Überragt wird der Ort von der Kirche Sankt Bartholomäus aus dem Jahr 1512. An einen Besuch Martin Luthers im Jahr 1522 erinnert ein Gedenkstein vor der Kirche.

Der Klosterhof war einst die Niederlassung des Klosters Buch, zu dessen Herrschaft Belgern rund 200 Jahre gehörte. Als Teil der Stadtbefestigung ist das Oschatzer Tor erhalten.

Parks[Bearbeiten]

In der Nähe von Belgern befindet sich der Treblitzscher Park. 1928 von einem ansässigen Gutsbesitzer erworben, wurde das fünf Hektar große Areal zum Landschaftspark umgestaltet. Bei der Anpflanzung wurden unterschiedliche Standorte des Parkgeländes in hervorragender Weise berücksichtigt. Vor kalten Ost- und Nordwinden wurde der Park durch dichte, heckenartige Bepflanzung geschützt. Diese und die überaus günstigen lokal-klimatischen Verhältnisse - viel Wasser- und Feuchtflächen erhöhen die Luftfeuchtigkeit, die Lage am Rande der Hochfläche lässt die Kaltluft in Richtung Elbe abfließen - gestatten es, eine außerordentliche Vielfalt ausländischer Gehölze auf engem Raum zu kultivieren. Trotzdem ist keine Gehölzsammlung (Arboretum) entstanden, sondern ein nach ästhetischen Gesichtspunkten gestalteter Landschaftspark.

Sport[Bearbeiten]

Im Verein SV Roland Belgern mit aktuell 612 Mitgliedern sind Fußball- Volleyball-, Handball- und Kegelmannschaften vertreten. Zudem gibt es eine Boxstaffel, eine Tischtennisabteilung, eine Turner-Riege und seit 2009 auch eine Wanderabteilung.

Die Privilegierte Schützengilde Belgern 1478 e.V. umfasst ca. 70 Vereinsmitglieder, die in einer Leibkompanie, Grenadierkompanie, Jägerkompanie und in einer Sportschützenkompanie unterteilt sind.

Insgesamt ist jeder dritte Belgeraner in einem Verein aktiv.

Musik[Bearbeiten]

Neben zwei Guggenmusik-Vereinen bestehen ebenfalls noch der Rolandstädter Blasmusikverein und der Rolandstädter Spielmannszug Belgern e.V. Letzterer wurde 1920 gegründet und ist einer der ältesten Spielmannszüge in Sachsen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Kursächsische Postmeilensäule

Pfingsten jeden Jahres findet in Belgern das Stadt- und Schützenfest statt. Dieses beginnt traditionell Freitag mit einem Fackelumzug und einem Feuerwerk. Das alljährliche Fest zieht jedes Mal einige tausend Besucher in die Rolandstadt. Im Stadtpark Döhner werden die Feierlichkeiten rund um die Freilichtbühne begangen. Maßgeblich am Ablauf des Festes beteiligt sind der Rolandstädter Blasmusikverein, die Heide-Guggis e.V. und die Privilegierte Schützengilde Belgern 1478 e.V.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Luftbild Gierseilfähre an der Elbe in Belgern
  • Der internationale Elberadweg Prag - Hamburg führt unmittelbar an Belgern vorbei.
  • Die Bundesstraße 182 führt durch den Ort.
  • Eine Gierseilfähre verbindet Belgern mit dem anderen Elbufer.
  • Zwischen den Belgern-Schildauer Ortsteilen Staritz und Seydewitz verbindet eine Elbbrücke Sachsen und Brandenburg in Richtung Mühlberg.
  • Von 1915 bis 1995 führte die Bahnstrecke Torgau-Belgern durch die Stadt. In Mahitzschen gab es einen Bahnhof an dieser Strecke. Der Bahnhof Belgern war zugleich Endstation. Beide Bahnhöfe wurden im Personenverkehr bis 1962 fahrplanmässig angefahren.

Bildung[Bearbeiten]

In Belgern gibt es mehrere Kindertagesstätten sowie eine Grundschule.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Belgern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Belgern – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieter Pötschke: Eine Stadt im Klosterbesitz. Das Zisterzienserkloster Buch, die Stadt Belgern und ihr Roland, in: Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser, Bd. 2, Berlin ²2000, S. 53-63
  2. Hauptsatzung der Stadt Belgern vom 21. Juni 2006
  3. Der Rolandpark in Belgern