Bertrada von Montfort

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Bertrada von Montfort, Ausschnitt aus einer Miniatur des 14. Jahrhunderts

Bertrada von Montfort (französisch Bertrade de Montfort; * um 1060;[1]14. Februar 1117[2] in der Abtei Fontevrault bei Saumur) war durch ihre Heirat mit Philipp I. in der Zeit von 1092 bis 1108 Königin von Frankreich. Ihre Ehe, die sowohl sie als auch ihren Mann zu Bigamisten machte, war die Ursache für zahlreiche Schwierigkeiten in den Beziehungen zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl in Rom und stürzte das französische Königtum in eine tiefe Krise.

Familie[Bearbeiten]

Betrada kam um das Jahr 1060 als Tochter des Grafen Simon I. von Montfort l’Amaury und seiner Frau Agnes von Évreux zur Welt.

1089[3] heiratete sie in erster Ehe Fulko IV., Graf von Anjou, genannt der Zänker, und wurde dessen fünfte Ehefrau. Aus dieser Verbindung stammte Fulko V. von Anjou, der späterer König von Jerusalem und Vater von Gottfried Plantagenet, wodurch Bertrada zu den Stammmütter der Anjou-Plantagenet und damit des englischen Königshauses gehört.

1092 ging sie – obwohl seit drei Jahren rechtmäßig mit Fulko IV. verheiratet – eine zweite Ehe mit dem französischen König Philipp I. ein. Aus dieser Verbindung entsprangen vier Kinder:[4]

Leben[Bearbeiten]

Bertrada und ihr zweiter Mann Philipp I.; Ausschnitt aus einer Miniatur des 15. Jahrhunderts

Schon in früher Kindheit zur Vollwaise geworden, wuchs Bertrada unter der Vormundschaft ihres Onkels Wilhelm von Évreux (französisch Guillaume d'Évreux) auf.[2] Im Jahr 1089 wurde sie mit Fulko IV., Graf von Anjou, vermählt. 1092 verliebte sich der französische König Philipp I. in die „sinnliche, bezaubernde und leidenschaftliche“[1] Frau. Eine erste Begegnung der beiden kam vielleicht zu jener Zeit zustande, als sich Betradas Mann und Philipp I. gegen Fulkos Bruder Gottfried verbündeten.[5] Philipp verstieß seine erste Frau Bertha von Holland, angeblich, weil sie zu dick geworden war[6] (Wilhelm von Malmesbury schrieb: lateinisch quod illa praepinguis corpulentiae esset, a lecto removit), um Bertrada – sie war wegen ihrer Schönheit berühmt – am Pfingstsonntag, den 15. Mai 1092, in Paris[3][7] zu ehelichen.

Wie es zu dieser Ehe kam, ist bisher nicht sicher feststellbar, da die Chronisten widersprüchliche Aufzeichnungen zu diesem Ereignis hinterlassen haben. Eine Version beschreibt die Vorgeschichte dahingehend, dass sich Bertrada – überaus unglücklich in ihrer ersten Ehe – um Hilfe bittend an den König gewandt habe. Eine andere überlieferte Version lautet dahingehend, dass Philipp I. Bertrada entführen ließ.

Der Bischof von Senlis segnete das Brautpaar in Anwesenheit diverser weiterer hoher, kirchlicher Würdenträger ein. Allerdings blieb der ebenfalls geladene Bischof von Chartres, Ivo, der Zeremonie aus Protest gegen die offensichtliche Bigamie der beiden Brautleute fern. Stattdessen wandte er sich mit einer Akte und Beschwerde an den Papst. Dessen Legat Hugo von Burgund exkommunizierte die beiden Bigamisten am 16. Oktober 1094 auf dem Konzil von Autun.[8] Papst Urban II. bestätigte diese Maßnahme persönlich auf der Synode von Clermont im November des darauffolgenden Jahres.

Diverse weitere Konzile brachten keine dauerhafte Änderung der päpstlichen Entscheidung. Im Jahr 1096 hatte der König, um die Aufhebung seiner Exkommunikation zu bewirken, zwar versprochen, keinen Kontakt mehr mit Bertrada pflegen zu wollen, da er dieses Versprechen jedoch nicht einhielt, änderte es nichts an der päpstlichen Ächtung. Vielmehr verhängte der Papst sogar einen Kirchenbann über ganz Frankreich,[9] bis schließlich die Ehe der beiden nach dem Konzil von Paris am 2. Dezember 1104 doch anerkannt wurde. Auf jener Versammlung hatten Bertrada und ihr Mann öffentlich, barfuß und nur in Bußkleidern gewandet geschworen, sich nur noch in Anwesenheit honoriger Zeugen zu sehen. Zwar wurde auch jenes Gelöbnis nicht erfüllt, doch der Heilige Stuhl sah großzügig darüber hinweg.

Nach dem Tod Philipps I. im Juli 1108 stellte sich Bertrada gegen den legitimen Erben aus Philipps erster Ehe, Ludwig VI., und versuchte vergeblich, ihren eigenen Sohn Philipp auf den Thron zu bringen. Ordericus Vitalis beschuldigt sie in seiner Historia Ecclesiastica sogar, versucht zu haben, den legitimen Thronfolger zu vergiften.[3] Bertrada wurde von Ludwig VI. vom Hof verbannt und zog sich in die Abtei Fontevrault zurück, wo sie 1115[2] Nonne wurde und im Jahr 1117 verstarb. Begraben wurde sie in der von ihr gegründeten Abtei Notre-Dame-des-Hautes-Bruyères in Saint-Rémy-l’Honoré in der Nähe von Chartres.[2][3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Bouyer: Dictionnaire des Reines de France. Perrin, Paris 1992, ISBN 2-262-00789-6, S. 140–141.
  • Gerd Treffer: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.–18. Jahrhundert). Pustet, Regensburg 1996, ISBN 3-7917-1530-5, S. 86–89.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bertrada von Montfort – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b C. Bouyer: Dictionnaire des Reines de France, S. 140.
  2. a b c d e f Biografie Betradas auf france-pittoresque.com, Zugriff am 20. November 2012.
  3. a b c d Informationen zu Betrada von Montfort auf der Webseite der Foundation for Medieval Genealogy, Zugriff am 20. November 2012.
  4. Informationen zu Philipp I. auf der Webseite der Foundation for Medieval Genealogy, Zugriff am 20. November 2012.
  5. Joachim Ehlers: Die Kapetinger. Kohlhammer, Stuttgart [u. a.] 2000, ISBN 3-17-014233-X, S. 86.
  6. Joachim Ehlers: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888–1498. Beck, München 1996, ISBN 3-406-40446-4, S. 123.
  7. Einige Publikationen geben Saint-Jean-de Tours als Ort der Hochzeit an.
  8. Joachim Ehlers: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888–1498. Beck, München 1996, ISBN 3-406-40446-4, S. 126.
  9. G. Treffer: Die französischen Königinnen, S. 88.
Vorgängerin Amt Nachfolgerin
Bertha von Holland Königin von Frankreich
1092–1108
Adelheid von Savoyen