Chartres

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Chartres (Begriffsklärung) aufgeführt.
Chartres
Wappen von Chartres
Chartres (Frankreich)
Chartres
Region Centre
Département Eure-et-Loir
Arrondissement Chartres
Kanton Hauptort von 3 Kantonen
Koordinaten 48° 27′ N, 1° 29′ O48.4466666666671.4883333333333155Koordinaten: 48° 27′ N, 1° 29′ O
Höhe 121–161 m
Fläche 16,85 km²
Einwohner 39.273 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 2.331 Einw./km²
Postleitzahl 28000
INSEE-Code
Website www.ville-chartres.fr

Chartres [ʃaʀtʀ] ist die Präfekturhauptstadt des Départements Eure-et-Loir in Frankreich. Die Stadt liegt 90 km südwestlich von Paris in einer großen Ebene inmitten von Weizenfeldern an der Eure, einem Nebenfluss der Seine. Die 39.273 Einwohner (Stand 1. Januar 2011) nennen sich „Chartrains“. In Chartres steht die berühmte Cathédrale Notre-Dame de Chartres.

Geschichte[Bearbeiten]

Chartres war in der Antike unter den Namen Autricum und Carnotum bekannt. Seit dem 4. Jahrhundert war es bereits Bischofssitz. Im 10. Jahrhundert wurde Chartres Mittelpunkt der Grafschaft Chartrain, die im Besitz des Hauses Blois war und 1286 an die französische Krone verkauft wurde. Seit Bischof Fulbert von Chartres entwickelte sich die Domschule zu einem bedeutenden Zentrum mittelalterlicher Bildung. Hier wirkten u. a. Ivo von Chartres, Gilbert von Poitiers und Johannes von Salisbury. 1528 machte König Franz I. Chartres zum Herzogtum. 1626 erhielt der Herzog von Orléans Chartres als Apanage.

Im Zweiten Weltkrieg landeten die westalliierten Truppen am 6. Juni 1944 in der Normandie (Operation Overlord) und nach dem Ausbruch aus dem Landekopf Ende Juli entfaltete die US-Armee fast ohne Widerstand der dezimierten deutschen Truppen einen raschen Vormarsch ins Landesinnere. Am 16. August 1944 stand das XX. US-Korps vor Chartres. In diesen Raum hatte Hitler jedoch drei Divisionen der deutschen 15. Armee beordert und

„... die Bereinigung von Chartres nahm drei Tage schwerer Kämpfe in Anspruch, weil die Amerikaner, um die majestätische Kathedrale zu schonen, mit dem Einsatz von Artillerie zurückhielten.“

Chester Wilmot: Der Kampf um Europa. Büchergilde Gutenberg, Zürich 1955, S. 453.

Am 18. August 1944 wurde der Vormarsch zur Seine wieder aufgenommen.

Zwischen 1945 und 1947 wurde in Chartres ein Kriegsgefangenenseminar eingerichtet. Es war ein Priesterseminar der besonderen Art, in dem deutschsprachige Priester und Seminaristen zusammengeführt werden sollten. Der als Gefangenenseelsorger bekannte Abbé Franz Stock war Regens des Seminars. So ist das „Stacheldrahtseminar“ entstanden, wo ca. 1000 junge Menschen aus Deutschland und Österreich auf ihre zukünftigen Aufgaben in einem neuen Europa vorbereitet wurden. Es handelte sich um das größte Priesterseminar in der Geschichte der katholischen Kirche. Heute wird in dem noch erhaltenen Gebäude eine Europäische Begegnungsstätte eingerichtet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Facade Meridionale
Portal der Kathedrale Notre-Dame de Chartres
Westfassade der Kathedrale

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Chartres

Das imposante und aufgrund des flachen Umlands auch aus vielen Kilometern Entfernung sichtbare Wahrzeichen der Stadt ist die Notre-Dame de Chartres, die 1979 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Sie wurde im Wesentlichen 1194 bis 1220 über einer ausgedehnten Krypta aus dem 11. Jahrhundert erbaut, ist die älteste praktisch unverändert gebliebene hochgotische Kathedrale der Welt und mit ihren nahezu vollständig erhaltenen Glasgemälden, insbesondere den drei Rosenfenstern und der aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammenden Westfassade mit ihrem Portail Royal und zahlreichen Skulpturen und Reliefs an den beiden Querhausportalen reich geschmückt. Sie war Vorbild für viele andere gotische Kathedralen in Mitteleuropa und ist daher von herausragender Bedeutung. Obwohl von ursprünglich neun geplanten Türmen nur zwei auch gebaut wurden und ihr Äußeres durch den verwendeten porösen Kalkstein sehr nüchtern wirkt, gilt sie als die Kathedrale schlechthin. Im Fußboden des westlichen Eingangsbereichs befindet sich das guterhaltene Labyrinth von Chartres; es ist namensgebend für den christlichen Labyrinthtyp mit elf Umgängen.

Das mittelalterliche Chartres ist noch zu einem guten Teil von Wällen, einer Stadtmauer und Toren umgeben. Chartres wurde unter großem Aufwand restauriert und seine engen Gassen stehen genauso unter Denkmalschutz wie die Kathedrale in deren Zentrum. Eine weitere hochgotische Kirche in Chartres ist St. Pierre.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Traditionell ist Chartres eine Stadt, die im Agrarhandel von Getreide, Vieh und Wolle verankert war. Daraus resultiert ihre Stellung als Marktzentrum der Beauce. Heute sind die Nahrungsmittel-, Elektroindustrie, Maschinenbau und pharmazeutische Industrie dazugekommen.

Partnerstädte[Bearbeiten]

  • DeutschlandDeutschland Speyer (Deutschland, Rheinland-Pfalz)
  • PortugalPortugal Évora (Portugal)
  • PeruPeru Cusco (Peru)
  • ItalienItalien Ravenna (Italien)
  • Palastina AutonomiegebietePalästinensische Autonomiegebiete Bethlehem (Westjordanland)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sonstige Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Noël Ballay (1847–1902), Dichter; wurde in der Kathedrale von Chartres beigesetzt
  • Jean Moulin (1899–1943), der „stille Held der Résistance“; von 1939 bis 1940 Präfekt des Départements Eure-et-Loir (mit Amtssitz in Chartres)
  • Abbé Franz Stock (1904–1948), deutscher katholischer Geistlicher und Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft; wurde 1963 von Paris in die neu erbaute Kirche Saint Jean Baptiste in Chartres umgebettet

Bekannte Bischöfe von Chartres:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chartres – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Illustration von Frans Hogenberg von 1570: Nachdem Chartres war seher beschoßen, Hant die Condeischen sich ontschlossen, ... Mit sturmender faust die Statt angehen,... (Digitalisat)