Saumur

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Saumur
Wappen von Saumur
Saumur (Frankreich)
Saumur
Region Pays de la Loire
Département Maine-et-Loire
Arrondissement Saumur
Kanton Hauptort von 2 Kantonen
Gemeindeverband Agglomération de Saumur Loire Développement.
Koordinaten 47° 16′ N, 0° 5′ W47.259166666667-0.07805555555555629Koordinaten: 47° 16′ N, 0° 5′ W
Höhe 20–95 m
Fläche 66,25 km²
Einwohner 27.093 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 409 Einw./km²
Postleitzahl 49400
INSEE-Code
Website www.saumur.fr
Brücke über die Loire in Saumur
Panorama der Altstadt
Das Schloss von Saumur mit Blick auf Stadt und Loire
Altstadtviertel am Fuße des Schlosses mit der Kirche Saint-Pierre
Hofansicht des Rathauses, das im 19. Jahrhundert einen Anbau im Renaissance-Stil erhielt
Schloss von Saumur aus dem Stundenbuch des Herzogs von Berry

Saumur ist eine Stadt mit 27.093 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) an der unteren Loire im Westen von Frankreich im Département Maine-et-Loire in der Region Pays de la Loire.

Geschichte[Bearbeiten]

Saumur entstand in Anlehnung an eine Burg aus dem 9. Jahrhundert. 1026 beendete Fulko Nerra, Graf von Anjou, die Herrschaft der Grafen von Blois, und Saumur entwickelte sich zu einem wichtigen Handelsplatz in der Provinz. Als Teil des Anjou wurde Saumur 1204 unter Philipp II. französische Krondomäne. Im 16. Jahrhundert gab Heinrich III. die Stadt an Henry von Navarre, später Heinrich IV., ab.

Im 16. Jahrhundert entwickelte sich Saumur zum geistigen Mittelpunkt der Hugenotten. Eine 1593 von Philippe Duplessis-Mornay gegründete protestantische Akademie wurde als Folge der Rücknahme des Edikts von Nantes im Jahre 1685 aufgelöst. An der Akademie wirkten etwa Moyse Amyraut und Louis Cappel, und François Turrettini sowie Jean Frédéric Ostervald studierten hier. Die Akademie stand in enger Verbindung zu dem in den Niederlanden tätigen Triumvirat von Isaac Casaubon, Joseph Justus Scaliger und Claudius Salmasius. Nicht nur die Akademie musste schließen, sondern auch die Bevölkerung verließ die Stadt, die damit ihr wirtschaftliches Fundament verlor.

Saumur wurde am 21. Juni 1940 während des Westfeldzuges (10. Mai – 22. Juni 1940) von Truppen der Wehrmacht unter Kurt Feldt erobert. Der Waffenstillstand vom Compiègne war am 19. Juni vereinbart worden und wurde am 22. Juni 1940 unterzeichnet. Feldt war ein Pferdekenner und -liebhaber. Als das Oberkommando des Heeres (OKH) ihm anbot, den Angriff auf Saumur mit Sturzkampfbombern zu unterstützen, sagte er:

Die da drüben sind Kavalleristen und daher unsere Freunde – und außerdem widerstrebt es mir, die schönen Pferde durch Bomben kaputtschmeißen zu lassen.

Als Feldt 1970 starb, legten französische Offiziere an seinem Sarg Kränze nieder.

Saumur wurde im August 1944 von alliierten Truppen unter General George S. Patton befreit. Patton hatte 1912 in Saumur studiert.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Saumur ist heute Zentrum eines Weinbaugebietes mit Wein- und Sektkellereien. Zudem ist Saumur führend in der Produktion und Weiterverarbeitung von Champignons. Der Gartenbau spielt ebenfalls eine große Rolle: 40 Prozent der in Frankreich produzierten Rosenstöcke kommen aus der Region. Andere Produktionssparten sind Aluminiumteile, Konserven, Tabak, Likör sowie Textilien. Der Tourismus gewinnt für die Gegend um Saumur immer mehr an Bedeutung. Die rund 75 regionalen Sehenswürdigkeiten ziehen jedes Jahr eine Million Besucher an.

Weinbaugebiet Saumur[Bearbeiten]

Das Weinbaugebiet Saumur gehört zur Weinbauregion Anjou-Saumur und zum Weinbaugebiet der Loire (Siehe Loire (Weinbaugebiet)). Insgesamt 36 Gemeinden haben den Status der AOC Saumur. Auf insgesamt 2735 Hektar wurden im Jahr 2002 138.900 hl Wein eingebracht. Die Weinberge befinden sich an den Hanglagen der Loire und ihres Nebenflusses Thouet.

Saumur Mousseux[Bearbeiten]

Der Schaumwein ist der wichtigste Wein in Saumur. Von den 138.900 hl Wein in Saumur entfielen allein darauf 61.930 hl. Der meist recht preiswerte Wein wird aus den Rebsorten Chenin Blanc (als Leitrebe), Chardonnay und Sauvignon Blanc gekeltert. Die Erzeugerhäuser verfügen ähnlich wie in der Champagne über in Stein gehauene Keller. Das Tuffgestein war in der Umgebung als Baumaterial sehr beliebt. In den letzten Jahren dienten viele Grundweine der Produktion des Crémant de Loire, der sich international leichter vermarkten lässt.

Saumur Blanc[Bearbeiten]

Der Weißwein wird im Wesentlichen aus der Rebsorte Chenin Blanc gekeltert. Der Wein besitzt eine kräftige Säure und kann somit recht langlebig sein. Die Lagen aus den Gemeinden Turquant und Brézé haben den besten Ruf.

Saumur Rouge[Bearbeiten]

Der Rotwein wird fast ausschließlich aus der Rebsorte Cabernet Franc (die hier breton genannt wird) hergestellt. Zugelassen sind auch die Sorten Cabernet Sauvignon und Pineau d’Aunis. Weine aus den Gemeinden Puy-Notre-Dame, Montreuil-Bellay und Tourtenay haben sich einen guten Ruf erworben.

Saumur-Champigny[Bearbeiten]

Der Wein aus dieser Region war in den 1970er und 1980er ein Modewein. Der aus Cabernet Franc gewonnene Rotwein ist leicht und fruchtig und wird daher manchmal als Beaujolais der Loire bezeichnet. Die Rebfläche beträgt ca. 1497 Hektar (Stand 2002). Den Namen hat das Gebiet von der kleinen Gemeinde Souzay-Champigny. Bedeutendster Hersteller ist die Genossenschaft von Saint-Cyr-en-Bourg.

Coteaux-de-Saumur[Bearbeiten]

Bezeichnung für einen Weißwein aus Chenin blanc. Wird nur noch in geringen Mengen hergestellt. Die Anbaufläche beträgt derzeit ca. 15 ha (Menge 505 hl im Jahr 2002).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Das Gemeindegebiet ist Bestandteil des Regionalen Naturparks Loire-Anjou-Touraine.
  • Bekanntestes historisches Bauwerk ist sicher das Schloss Saumur mit gotischem Kern (14./15. Jahrhundert) und Renaissance-Umbauten (16. Jahrhundert).
  • Nicht weniger bekannt ist die romanische Kirche Notre-Dame-de-Nantilly, deren Bau auf das 12. Jahrhundert zurückgeht.
  • Unterhalb der Burg steht die weitgehend gotische Kirche Saint-Pierre, deren Bau ebenfalls im 12. Jahrhundert begonnen wurde.
  • Der einst in die Stadtmauer eingebaute und direkt an der Loire liegende alte Teil des Rathauses stammt aus dem 15. Jahrhundert.
  • Ebenso sind die alten Häuser im historischen Stadtkern, u.a. Maison de la Reine de Sicile, aus dem 15. Jh.
  • Die geschichtsträchtige Kavallerieschule mit der angeschlossenen Cadre Noir ist Ende des 18. Jahrhunderts aus der Ausbildungs- und Elitetruppe der französischen Kavallerie hervorgegangen. Heute widmet sich das Institut sowohl der französischen Reittradition als auch der modernen Sportreiterei.
  • Zu den Museen der Stadt gehören eines der größten Panzermuseen der Welt, Pferdemuseum sowie Champignonmuseum.
  • In der Nähe von Saumur lohnt sich der Weg zum Höhlendorf Les Perrières und zu den Dolmen von Bagneux.

Kultur[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

  • Nachdem 1980 ein Auftritt der französischen Hard Rock Band Trust in Saumur verboten wurde, hat diese Gruppe auf ihrem zweiten Album Répression einen Titel mit dem Namen Saumur veröffentlicht, dessen Text wenig schmeichelhaft für die Stadt ist.[1]
  • Die französische Ska-Rockband La Ruda wurde 1993 in Saumur gegründet.[2]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Saumur unterhält Städtepartnerschaften mit

Freundschaftsverträge bestehen mit

Weitere Verbindungen bestehen zu

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Cadre Noir in Saumur ist die berühmteste französische Reitschule.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saumur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liedtext in französischer Sprache.
  2. La Ruda.