Bibernell-Rose

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bibernell-Rose
Rosa spinosissima 003.jpg

Bibernell-Rose (Rosa spinosissima)

Systematik
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Gattung: Rosen (Rosa)
Untergattung: Rosa
Art: Bibernell-Rose
Wissenschaftlicher Name
Rosa spinosissima
L.

Die Bibernell-Rose (Rosa spinosissima), auch Dünen-Rose, Stachelige Rose und Felsen-Rose genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Rosen (Rosa) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie ist in Eurasien weitverbreitet. Die Bibernell-Rose zählt zu den ältesten Rosen-Arten, die in Europa und Asien kultiviert werden, auch die Kultursorten haben einen ausgesprochenen Wildcharakter.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration
Strauchförmiger Habitus
Bewehrung
Blüte
Hagebutte

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Die Bibernell-Rose wächst als Strauch, der Wuchshöhen von 30 bis 180 Zentimetern erreicht. Die unterirdischen Ausläufer stellen die vegetative Ausbreitung sicher. Die aufrechten bis aufsteigenden, stark verzweigten Äste besitzen eine dunkelbraune Rinde. Die Zweige besitzen eine bräunliche Rinde und sind dicht sowie etwas ungleich mit geraden, selten gekrümmten 5 bis 8 Millimeter langen Stacheln und derben, spitzen Borsten besetzt. Die Blütentriebe haben weniger und kürzere Stacheln als die Haupttriebe.

Blätter[Bearbeiten]

Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet. Die matt- bis dunkelgrünen und kahlen Laubblätter sind selten fünf- bis meist sieben- bis elfteilig unpaarig gefiedert. Die Fiederblättchen weisen eine fast kreisrunde bis elliptische Form auf. Der Blattrand ist doppelt drüsig gesägt. Die Blattnervatur ist kaum sichtbar. Die Nebenblätter besitzen spitze Öhrchen und nur selten bilden sie eine drüsige Zähnung aus.

Blüte und Frucht[Bearbeiten]

Die Blüten stehen einzeln, jedoch relativ dicht und zahlreich an den kurzen Seitentrieben an einem drüsenlosen bis zerstreut stieldrüsigen 1,5 bis 2,5 Zentimeter langen Blütenstiel. Die leicht nach Verwesung duftenden, zwittrigen Blüten sind bei einem Durchmesser von 4 Zentimetern radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind ganzrandig, etwa 1 Zentimeter lang und nach dem Abblühen zurückgeschlagen und ausgebreitet. Die fünf freien Kronblätter weisen eine reinweiße bis rötlich angelaufene Färbung auf. Der Griffel steht in einem sehr weiten Griffelkanal und ist durch ein breites, wolliges Narbenköpfchen verdeckt. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juni.

Der Fruchtstiel ist meist länger als die kugelig zusammengedrückte oder flaschenförmige schwarze bis purpurschwarze Hagebutte.

Ökologie[Bearbeiten]

An ihren Standorten tritt die Bibernell-Rose oft in Kolonien auf. Die Koloniebildung ist auf die vielen Meter langen Wurzelausläufer zurückzuführen. Als Wurzelkriech-Pionier trägt die Pflanze mit ihren verzweigten Bodenausläufern zur Bodenfestigung bei. Das tiefreichende Wurzelsystem stellt eine wichtige Anpassung an den Standort Düne dar. Die sehr kleinen Blättchen und die ungewöhnlich dicht stehenden Stacheln und Borsten werden als schwach xerophytische Merkmale gedeutet.

Blütenökologisch handelt es sich um homogame „Pollen-Scheibenblumen“ . Die Bibernell-Rose als Bienenweide von ökologischer Bedeutung. Die Hagebutten dienen Vögeln und Kleinsäugern als Nahrung.

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Bibernell-Rose ist in Eurasien weitverbreitet. In Deutschland kommt die Bibernell-Rose hauptsächlich an der Nordseeküste und auf den Nordseeinseln vor. Ihr bevorzugter Standort sind dort die Kämme der Graudünen. Sie ist auch im Binnenland auf Silikatmagerrasen Mittel- und Süddeutschlands, der Pyrenäen und Südalpen bis in Höhenlagen von 2000 Metern zu finden, dort jedoch relativ selten. Auch in den nördlichen Balkanländern besiedelt die Bibernell-Rose geeignete Standorte.

Natürliche Bestände der Bibernell-Rose sind sonnige Gebüsch- und Waldsäume, Kalk-Magerrasen (besonders an den Küsten in Dünensanden) auf trockenen, basenreichen, flachgründigen, steinig-sandigen Lehmböden. Sie ist eine Lichtpflanze, die stickstoffarme Standorte anzeigt. An Felsen weist sie standortbedingt extremen Zwergwuchs auf, bei Lichtmangel ist sie schwachwüchsig und blütenlos.

Die Bibernell-Rose überwiegend in trockenen Hecken und Gebüschen, Berberitzengebüschen, Schlehengesellschaften und Trockenwäldern an. Pflanzensoziologisch ist sie eine Ordnungskennart der Dünenweidengebüsche (Salicetum arenariae). Das Dünenrosengebüsch (Roso pimpinellifolii-Salicetum arenariae) besiedelt gewöhnlich südexponierte Hänge der Graudünen. In der Krautschicht dominieren Arten der Strandhaferfluren. Insbesondere acidophytische Arten, wie Hunds-Veilchen, Echter Ehrenpreis oder Feld-Hainsimse sind typische Begleiter.

Schutz[Bearbeiten]

Die Dünen-Rose wird an ihren angestammten Standorten häufig von schneller wachsenden Wildrosenarten verdrängt. Auf einigen Inseln, beispielsweise Amrum gibt es deshalb Initiativen, die die ökologischen Nischen der Dünen-Rose regelmäßig entbuschen.

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung unter dem heute gültigen Namen Rosa spinosissima erfolgte 1753 durch Carl von Linné. erstmals wissenschaftlich beschrieben. Sie ist häufig unter dem Namen Rosa pimpinellifolia L. in der Literatur zu finden.

Es sind mehrere Varietäten beschrieben worden:

  • Rosa spinosissima var. altaica (Willdenow) Rehd.
  • Rosa spinosissima L. var. spinosissima
  • Rosa spinosissima var. altaica (Willd.) Rehd.
  • Rosa spinosissima var. altaica-balcana hort.
  • Rosa Spinosissima var andrewsii Willm.
  • Rosa spinosissima var. australis Rouy

Verwendung[Bearbeiten]

Die Sorte Rosa spinosissima 'Plena'

Die Dünenrose wird als Zierpflanze in Gärten und Parks gepflanzt. Die Bibernell-Rose wird bei uns seit dem 16. Jahrhundert als Zierpflanze kultiviert. Es handelt sich um eine formenreiche Art, die mit anderen Arten hybridisiert und zu Kreuzungen mit Gartenrosen herangezogen wurde. So sind viele Sorten mit weißen, rosa und gelben, aber auch mit gefüllten Blüten entstanden.

In der Landschaftspflege wird sie zur Böschungsbefestigung (Rosa spinosissima var. altaica) und Rekultivierung eingesetzt.

Die Hagebutten sind sehr vitaminreich und zur Gewinnung von Hagebutten-Tee, Konfitüre, Marmelade, Gelee, Saft, Sirup und Gebäckfüllungen gut geeignet. Auch die Herstellung von Wein, Schnaps und Likör ist möglich.

Sorten (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 'Double Yellow', mit goldgelben Kronblättern.
  • 'Single Red', mit roten Kronblättern.
  • 'Red Nelly', mit roten Kronblättern.
  • 'Stanwell Perpetual', Züchtungsjahr 1838, mit zartrosanen Kronblättern, öfterblühend.

Die Dünenrose in der Kultur[Bearbeiten]

Vonne van der Meer, eine zeitgenössische niederländische Schriftstellerin, setzte mit ihrem Roman Inselgäste, der das Ferienhaus „Dünenrose“ mit seinen verschiedenen Gästen ins Zentrum der Handlung rückt, der Pflanze ein Denkmal.

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus-Jürgen Strobel, Robert Markley: BdB Handbuch Rosen - „Grün ist Leben“. Pinneberg 1994.
  • Heinrich Schultheis: Rosen: die besten Arten und Sorten für den Garten. Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-6601-1, Seite 61
  • Klaus Janke, Bruno F. Kremer: Düne, Strand und Wattenmeer Kosmos-Naturführer, Franckhsche Verlagsbuchhandlung, 1988.
  • Heinz Ellenberg, H. E. Weber, R. Düll, V. Wirth, W. Werner, D. Paulißen: Zeigerwerte von Pflanzen in Mitteleuropa. Scripta Geobotanica 18, Verlag Erich Goltze, 1992. ISBN 3-88452-518-2.
  • Agnes Pahler: Rosen : die große Enzyklopädie ; [mit 2000 Sorten]. Dorling Kindersley, Starnberg 2004, ISBN 3-8310-0590-7, Seite 377
  • Gu Cuizhi & Kenneth R. Robertson: Rosa: Rosa spinosissima, S. 350 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi & Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 9 – Pittosporaceae through Connaraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2003. ISBN 1-930723-14-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bibernell-Rose (Rosa spinosissima) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien