Bil'in

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Der nördliche Eingang zum Bil'in
Der südliche Eingang zum Bil'in
Die Haupt-Moschee in Bil'in

Bil'in (arabisch ‏بلعين‎, DMG Bilʿīn) ist ein palästinensisches Dorf, welches 12 Kilometer westlich von Ramallah im Westjordanland liegt. Das Dorf hat 1.800 Bewohner, darunter hauptsächlich Muslime.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Sechstagekrieg 1967 wurde Bil'in von der israelischen Armee besetzt. Seit der Unterzeichnung der vorläufigen Vereinbarung zum Westjordanland und dem Gaza-Streifen 1995 wurde es von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) verwaltet. Es grenzt an die Israelischen Sperranlagen sowie die Jüdische Siedlung Modi’in Illit an.

Historisch gesehen ein kleines landwirtschaftliches Dorf ist das moderne Bil'in größtenteils ein Vorort des nahegelegenen Ramallah, dem Hauptsitz der PA.[2] Bil'in gilt als ideologische Hochburg der Fatah, viele Angestellte der PA wohnen dort.[2]

Gerichtsurteile[Bearbeiten]

Bil'in liegt 4 Kilometer östlich der Grünen Linie, nahe den israelischen Sperranlagen. Am 9. Juli 2004 erklärte der Internationale Strafgerichtshof die Mauer eine Verletzung internationalen Rechts. Eine Woche früher hatte der Oberste israelische Gerichtshof entschieden, dass die israelische Regierung das Recht hat, aus Sicherheitsgründen eine Mauer zu bauen, aber dass Teile der Mauer übermäßige Härte für Palästinenser verursachen würde und die Mauer daher umgeleitet werden sollte. In 2005 engagierte der lokale Anführer des Bil'iner Rats, Ahmed Issa Abdullah Yassin, den israelischen Menschenrechtsanwalt Michael Sfard, um das Dorf in einer Petition an den Obersten Gerichtshof zu repräsentieren. Am 4. September 2007 wies das Gericht die Regierung an, den Verlauf der Mauer nahe Bil'in zu ändern. Das israelische Verteidigungsministerium sagte, es werde die Rechtsprechung respektieren.[3][4]

Am 5. September 2007 legalisierte der Oberste Gerichtshof von Israel die israelische Siedlung Mattityahu East, nahe Modi’in Illit, welche auf Land von Palästinensern errichtet wurde, welches von Israel aber als Staatsland betrachtet wird.[5][6][7] Bil'in schwor, den Widerstand fortzuführen, und bot anderen Dörfern mit ähnlichen Problemen Unterstützung an.[8] Die Mauer trennt das Dorf von 60 Prozent seines Agrarlands ab.

Nach Angaben des New Left Reviews wurden die Siedlungen um Bil'in von den israelischen Geschäftsleuten Lew Awnerowitsch Lewiew und Shaya Boymelgreen finanziert, um ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen voranzutreiben.[9][10]

Wöchentliche Proteste[Bearbeiten]

Seit Januar 2005 organisiert das Dorf wöchentliche Proteste gegen den Bau der Mauer. Diese Proteste haben Medienaufmerksamkeit angezogen sowie die Beteiligung vieler internationaler Solidaritätsorganisationen wie auch linker Gruppen wie Gusch Schalom, Anarchisten gegen die Mauer und das International Solidarity Movement. Die Proteste finden in Form von Märschen zu dem Ort der illegalen Mauer statt, mit dem Ziel den Bau abzubrechen sowie die bereits gebauten Teile abzubauen. Das Israelische Militär interveniert regelmäßig um die Demonstranten daran zu hindern, die Mauer zu erreichen, was zu Gewalt führt; sowohl Demonstranten als auch Soldaten wurden schwer verletzt.[11][12][13][14][15] Demonstranten trugen Gasmasken und riefen u. a. „Israel is a fascist state!”. Des Weiteren wurden palästinensische Jungen beim Werfen von Steinen beobachtet, allerdings nicht von einer Position zwischen den Demonstranten sondern rechts daneben.[2]

Die wöchentlichen Proteste ziehen internationale Aktivisten wie Richard Bronson und Jimmy Carter an. Die Friedensnobelpreisträgerin von 1976, Mairead Corrigan, wurde im Bein von einem gummiummantelten Geschoss getroffen und inhalierte, laut Zeugenaussagen, große Mengen von Tränengas während einer Demonstration im April 2007.[16] Im Juni 2008 wurden die Vizepräsidentin des Europäisches Parlaments, Luisa Morgantini sowie Julio Toscano, ein italienischer Richter, in Bil'in verletzt.[17] Im April 2009 wurde ein Bewohner von Bil'in, Bassem Ibrahim Abu-Rahma, getötet, nachdem ihn ein Tränengaskanister an der Brust traf.[18][19]

Abdullah Abu Rahma, Koordinator des Bil'in Popular Committee Against the Wall, wurde im Dezember 2009 inhaftiert, nachdem er eine Ausstellung mit benutzter Munition, die gegen Demonstranten eingesetzt worden war, organisiert hatte. Er wurde verurteilt wegen Waffenbesitz, Aufstachelung sowie dem Werfen von Steinen auf IDF Soldaten.[20] Desmond Tutu drängte Israel, ihn freizulassen.[21]

Am 15. März 2010 hingen Soldaten im Ort Infozettel auf, auf denen das Gebiet zwischen der Mauer und Bil'in freitags zu den Zeiten der Proteste als geschlossene Militärzone deklariert wurde. Diese Sperrung betrifft Ausländer und Israelis, nicht die Bewohner des Ortes.[22]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bil'in – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 2007 PCBS Census (PDF; 2,5 MB). Palestinian Central Bureau of Statistics, Seite 114.
  2. a b c Rent-a-Crowd Fridays in Palestine, Neil Rogachevsky, The American Interest, November-Dezember 2010
  3. Martin Asser: West Bank village hails victory. In: BBC News, BBC MMVII, 5. September 2007. Abgerufen am 17. April 2011. 
  4. Israeli Court Orders Barrier Rerouted, New York Times, 4. September 2007. Abgerufen am 17. April 2011
  5. High Court: Controversial settlement neighborhood to remain in place. Ha'aretz. Abgerufen am 17. April 2011.
  6. Planning council approves illegal West Bank building plan. Ha'aretz. Abgerufen am 17. April 2011.
  7. High Court to hear Bil'in petition, JPost
  8. Mohammed Khatib: Bil'in will continue to struggle against the wall and settlements. Zmag. 20. September 2007. Abgerufen am 17. April 2011.
  9. Offshore Zionism. New Left Review. Abgerufen am 17. April 2011.
  10. Under the Guise of Security (PDF; 6,6 MB) B'Tselem. Abgerufen am 17. April 2011.
  11. Soldier hit by stone during anti-fence protest loses-eye. In: www.haaretz.com. 3. Juni 2005. Abgerufen am 17. April 2011.
  12. Hundreds mark second anniversary of Bil'in barrier. In: www.haaretz.com. 25. Februar 2007. Abgerufen am 17. April 2011: „Demonstrators say their protests are non-violent, but in most cases soldiers fire tear gas, sound bombs and rubber-coated steel bullets, and demonstrators have thrown stones. One soldier lost an eye to a stone thrown by Palestinians, and three Palestinians each lost an eye after riot-control actions.“
  13. 22 wounded in weekly Bil'in anti-separation fence protest. In: www.haaretz.com. 20. März 2007. Abgerufen am 17. April 2011.
  14. Israel pays NIS 3.25 million to protester shot by Border Police. In: www.haaretz.com. 28. Juli 2009. Abgerufen am 17. April 2011.
  15. Mass demonstration in Bil'in marks five years of protests against West Bank separation fence. In: www.haaretz.com. 21. Februar 2010. Abgerufen am 17. April 2011.
  16. Nobel peace laureate Corrigan injured in anti-fence protest - Israel News, Ynetnews. Ynetnews.com. 20. Juni 1995. Abgerufen am 17. April 2011.
  17. EU VIPs hurt at West Bank protest, BBC, 6. Juni 2008
  18. Palestinian killed in Bilin protest - Israel News, Ynetnews. Ynetnews.com. 20. Juni 1995. Abgerufen am 17. April 2011.
  19. MEMORIAL: Remembering Bassem Abu Rahmah of Bil’in 17. April 2010. Abgerufen am 6. Mai 2011.
  20. Daniel Edelson: Bilin resident charged with displaying used bullets. In: Ynetnews. 23. Dezember 2009. Abgerufen am 6. Mai 2011.
  21. Amira Hass: For Palestinians, possession of used IDF arms is now a crime. In: Haaretz. 24. Dezember 2009. Abgerufen am 17. April 2011.
  22. Maan News Agency: Masked soldiers post closed zone signs in Bil'in, Ni'lin. Maannews.net. Abgerufen am 24. April 2011.

31.92775833333335.071022222222Koordinaten: 31° 56′ N, 35° 4′ O