Judäa und Samaria

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יהודה ושומרון
Judäa und Samaria
Ägypten Saudi-Arabien Jordanien Libanon Syrien Syrien (von der UN überwachtes demilitarisiertes Puffergebiet) Bezirk Tel Aviv Bezirk Haifa Zentralbezirk Südbezirk Bezirk Jerusalem de-facto Israel (von Israel als zum Bezirk Jerusalem gehörig gezählt; von der Palästinensischen Autonomiebehörde als Teil des Westjordanlandes beansprucht) de-facto Israel (Zentralbezirk; von der Palästinensischen Autonomiebehörde als Teil des Westjordanlandes beansprucht) de-facto unter Kontrolle Israels (von Israel als Judäa und Samaria bezeichnet; teils unter Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde und von dieser als Westjordanland bezeichnet und vollständig beansprucht) Gazastreifen (offiziell unter Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde, von Israel de-facto abhängig, offiziell aber nicht als Teil Israels betrachtet) Nordbezirk (Israel) Golanhöhen (de-facto Israel, von Israel als Teil des Nordbezirks angesehen; von Syrien beansprucht) Nordbezirk (demilitarisierter Teil des Nordbezirks)Lage
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Basisdaten
Staat Vorlage:Infobox Verwaltungseinheit/Wartung/Staat
Fläche 5878 km²
Einwohner 296.700 (nur jüdische Einwohner, 2009)
311.431[1][2] (Ende 2010)
Dichte 50 Einwohner pro km²
Judäa und Samaria: israelische Siedlungen;Stand 2006, für neuere Karte siehe[3]
Judäa und Samaria: israelische Siedlungen;
Stand 2006, für neuere Karte siehe[3]

Judäa und Samaria (hebräisch ‏יְהוּדָה וְשׁוֹמְרוֹן‎ oder ‏אֵזוֹר יְהוּדָה וְשׁוֹמְרוֹן‎ ((Esor) Jehudah we Schomron), englisch Judea and Samaria) ist die in den offiziellen israelischen Statistiken aufgeführte Bezeichnung für die Gebiete des Westjordanlands und die darin errichteten israelischen Siedlungen, die nicht von Israel zu Jerusalemer Stadtgebiet erklärt und annektiert wurden. Das gut 5800 Quadratkilometer große Gebiet wurde im Sechstagekrieg (1967) von Jordanien und der arabischen Koalition verloren und steht seither unter israelischer Militärverwaltung. Die jüdischen Bewohner, deren Zahl Ende 2010 etwas über 300.000 betrug,[2] besitzen in der Regel die israelische Staatsbürgerschaft und unterstehen israelischem Militär- und Zivilrecht. Für die lokalen Angelegenheiten der jüdischen Siedler sind die Stadtverwaltungen, Regional- und Lokalverbände zuständig. Die arabische Bevölkerung, etwa zwei Millionen, wird in den israelischen Statistiken Judäa und Samarias nicht erfasst. Sie untersteht palästinensischer Selbstverwaltung und teilweise israelischer militärrechtlicher Zivilverwaltung.

Die Bezeichnungen Jehuda und Schomron gehen auf die jüdische Bibel zurück. Als Jehudah (griechisch und lateinisch Judäa) wird in der jüdischen Bibel das Hügelgebiet südlich von Jerusalem bezeichnet, als Schomron (griechisch und lateinisch Samaria) dasjenige nördlich der Stadt. Judäa und Samaria als Bezeichnung für das ganze Gebiet ist in der christlichen Bibel belegt und wurde, auch in umgekehrter Reihenfolge, im 19. Jahrhundert in Europa und Nordamerika gebräuchlich.

Das Gebiet Judäa und Samaria ist nicht Teil des Staates Israel. Es hat nach internationalem Völkerrecht seit dem Ende des Ersten Weltkriegs keinen legitimen Status einer Staatszugehörigkeit mehr und hat seitdem auch keinen Status als eigenständiges Staatsgebilde entwickelt. Im UNO Teilungsplan von 1947 war das Gebiet der arabischen Mehrheitsbevölkerung als Teil des in Palästina zu schaffenden arabischen Staates angeboten, von dieser aber abgelehnt worden. Von 1948 bis Juni 1967 stand es unter illegaler, völkerrechtswidriger jordanischer Militärbesatzung und Annexion. Nach dem Völkerrecht wird es heute weiterhin meist als besetztes Gebiet aufgefasst, obwohl Jordanien seine Ansprüche mittlerweile endgültig zurückgegeben hat und von seiner arabischen Mehrheitsbevölkerung mehrfach eine arabisch-palästinensische Staatsgründung zurückgewiesen wurde. Deshalb hätten die entstandenen Siedlungen seiner jüdischen Minderheitsbevölkerung nach dem Völkerrecht als illegal zu gelten,[4] was nach israelischer Rechtsauffassung jedoch zurückgewiesen wird.[5][6]

Geographie[Bearbeiten]

Das Gebiet Judäa und Samaria liegt westlich des Jordans und erstreckt sich über 5878 Quadratkilometer. Es erstreckt sich von Norden nach Süden über eine Länge von 120 Kilometern und hat eine durchschnittliche Breite von 40 Kilometern. Der tiefste Punkt liegt 400 Meter unter dem Meeresspiegel, der höchste auf 1020 Metern. Es besteht aus in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Kalkstein Hügeln, nördlich von Jerusalem als samarische, südlich als judäische Hügel und judäische Wüste bezeichnet, mit einer durchschnittlichen Höhe von rund 800 Metern, die im Osten zum Jordangraben und zum Toten Meer abfallen, sowie dem Jordantal. Die westlichen und südlichen judäischen Hügel gehören nicht zum Gebiet von Judäa und Samaria, sondern sind Teil des Staates Israel seit 1948.[7]

Gliederung[Bearbeiten]

Das Gebiet ist in acht militärische Administrationseinheiten unterteilt, die die Regionen um die größeren palästinensischen Ortschaften umfassen und mit hebräischen, meist biblischen Namen bezeichnet werden. Mitte 2011 gab es 224 jüdische Siedlungen, davon etwa hundert, die auch nach israelischem Recht illegal sind.[2] Die Siedlungen sind mit Ausnahme von Ostjerusalem und seiner Umgebung, das von Israel annektiert wurde, in sechs Regionalverwaltungen, dreizehn Gemeindeverwaltungen und vier Stadtverwaltungen organisiert.

Militär. Administrationseinheiten Regionalverwaltungen Gemeindeverwaltungen Stadtverwaltungen

Verwaltung[Bearbeiten]

Das Gebiet steht unter Militärverwaltung und untersteht dem Zentralkommando (Westjordanlanddivision) der israelischen Streitkräfte. Der Militärverwaltung, die als Zivilverwaltung (englisch civil administration) bezeichnet wird, ist de facto nur die palästinensische Mehrheit der Bevölkerung unterstellt, während für die jüdische Minderheit in den israelischen Siedlungen ziviles israelisches Recht gilt, das auch in Israel innerhalb der grünen Linie durchgesetzt werden kann. Für lokale Angelegenheiten sind die Regionalverbände und die jeweiligen Stadt- und Lokalverwaltungen zuständig.

Bezeichnungen[Bearbeiten]

Jehudah we Schomron ist in Israel seit kurz nach dem Sechstagekrieg im Juni 1967 die offizielle Bezeichnung für das Gebiet. Sie wurde anfänglich selten verwendet und hat sich erst ab 1977, nachdem die Likud Partei die Macht übernommen hatte, in Israel zuerst im rechten politischen Spektrum und später auch darüber hinaus durchgesetzt. Im Deutschen wird die Bezeichnung Westjordanland,[8] manchmal auch Westbank,[9] im Englischen West Bank verwendet.[10] Die nach internationalem Recht korrekte Bezeichnung, die von der Staatengemeinschaft und den internationalen Organisationen, einschließlich der USA, UNO und EU, in offiziellen Dokumenten verwendet wird, lautet Die besetzten palästinensischen Gebiete (englisch The Occupied Palestinian territory/territories,[11] eigentlich The Palestinian territory occupied since 1967[12]), wozu auch das von Israel annektierte Ostjerusalem gehört. Die israelische Regierung bestreitet, dass es sich um besetztes Gebiet handelt, und anerkennt nur die Anwendbarkeit der Haager Konventionen,[13] nicht aber der Vierten Genfer Konvention auf das Gebiet.[14]

In der hebräischen Bibel wird Jehudah (griechisch und lateinisch Judäa), die Bezeichnung des Siedlungsgebietes des Stammes Juda und des gleichnamigen Königreichs, auf den Namen des Hügelgebiets südlich von Jerusalem zurückgeführt (Jos 20,7 EU; 21,11 EU). Schomron (griechisch und lateinisch Samaria), die Bezeichnung für das Gebiet nördlich der Stadt Jerusalem, geht auf die Hauptstadt des kurzlebigeren Nordreiches Israel zurück, die der biblischen Überlieferung nach auf Land errichtet wurde, das von einem gewissen Schemer erworben worden war (1 Kön 16,24 EU).[15] Unter der römischen Herrschaft bildeten Judäa und Samaria mit Galiläa die drei Verwaltungseinheiten, in die Palästina eingeteilt war.[16] Entsprechend ist die Bezeichnung Judäa und Samaria im Neuen Testament belegt (Apg 1,8 EU). Sie hat sich, auch in umgekehrter Reihenfolge, im europäischen und nordamerikanischen Sprachgebrauch im 19. Jahrhundert als geographische Bezeichnung für das damals unter osmanischer Herrschaft stehende Gebiet eingebürgert. Die Bezeichnung wurde von Großbritannien übernommen, das sich die Kontrolle über das historische Palästina gesichert hatte.[17] Im UNO-Teilungsplan für Palästina von 1947 war „das Hügelland von Samaria und Judea“ (englisch: “the hill country of Samaria and Judea”) als Teil des arabischen Staates vorgesehen.[18]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPopulation by District, Sub-District and Religion. Israel Central Bureau of Statistics, 2010, abgerufen am 8. Dezember 2011 (englisch).
  2. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatLand Expropriation and Statistics. B'Tselem, abgerufen am 8. Dezember 2011 (englisch).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatThe West Bank: Settlements and the Separation Barrier. B'Tselem, Juni 2011, abgerufen am 27. Dezember 20117 (PDF; 6,9 MB, englisch, Karte Stand Juni 2011).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatNils Metzger: Westjordanland: Die unbeirrten Siedler von Kiryat Arba. In: Die Zeit. 20. September 2011, abgerufen am 8. Dezember 2011.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatIsraeli Settlements and International Law. Israel Ministry of Foreign Affairs, Mai 2001, abgerufen am 8. Dezember 2011 (englisch).
  6. "Israelis “have the legal right to settle in Judea and Samaria and the establishment of settlements cannot, in and of itself, be considered to be illegal,” the committee’s report said. Furthermore, no legal entity—including Jordan—“has ever had its sovereignty over [Judea and Samaria] cemented under international law,” according to the report, meaning that the classical definition of “occupation” cannot be applied to West Bank Jewish communities" Legal Panel Frames New Debate on Judea, Samaria Jewish Development. In: Jewish Identity. 2012 — Algemeiner.com. Abgerufen am 25. Juli 2012.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatElisha Efrat: The West Bank and Gaza Strip. A geography of occupation and disengagement. Routledge, New York, 2006, S. 9-10, abgerufen am 16. März 2012 (englisch).
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Formatcl: Israel: Netanjahu lehnt Siedlungsstopp ab. In: Die Zeit. 1. Juni 2009, abgerufen am 8. Dezember 2011.
  9. Dietmar Herz: Palästina. Gaza und Westbank; Geschichte, Politik, Kultur. Beck'sche Reihe. C.H.Beck Verlag, 2003, S. 20, abgerufen am 18. Januar 2012.
  10. West Bank. In: Encyclopædia Britannica, Online. Abgerufen am 16. Dezember 2011 (englisch).
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatOccupied Palestinian Territory. Europäische Union, abgerufen am 8. Dezember 2011.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSpecial Rapporteur on the situation of human rights on Palestinian territories occupied since 1967. UNO, OHCHR, abgerufen am 8. Dezember 2011.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDavid Kretzmer: The Occupation of Justice. The Supreme Court of Israel and the Occupied Territories. SUNY Press, 2002, S. 40, abgerufen am 27. Dezember 2011 (englisch).
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatIsraeli Settlements and International Law. Israel Ministry of Foreign Affairs, Mai 2001, abgerufen am 8. Dezember 2011 (englisch).
    Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGenfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten (mit Anhängen), Teil III, Abschnitt I und III. Schweizer Eidgenossenschaft, 12. August 1949, abgerufen am 8. Dezember 2011.
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSamaria. In: Encyclopaedia Judaica. Band 17, Macmillan Reference USA, Detroit 2007, S. 716f., abgerufen am 27. Dezember 2011 (englisch).
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJudea. In: Encyclopaedia Judaica. Band 11, Macmillan Reference USA, Detroit 2007, S. 523, abgerufen am 27. Dezember 2011 (englisch).
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPhilologos: The Battle Over ‘Judea and Samaria’. In: The Jewish Daily Forward. 27. Januar 2006, abgerufen am 8. Dezember 2011 (englisch).
  18. United Nations General Assembly Resolution 181 November 29, 1947. The Avalon Project at Yale Law School, abgerufen am 22. Dezember 2011 (englisch).