Blühendes Barock

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Plan und Schloss

Als Blühendes Barock werden die Gärten um das Residenzschloss in Ludwigsburg in Baden-Württemberg bezeichnet.

Luftaufnahme Schloss und Blühendes Barock in Ludwigsburg aus dem Jahr 2010

Beschreibung der Anlage[Bearbeiten]

Das Schloss Ludwigsburg ist auf drei Seiten von Gartenanlagen mit einer Fläche von insgesamt 30 Hektar umgeben.

Südgarten[Bearbeiten]

Die Südseite bildet den Haupteingangsbereich des gesamten Gartens: Ein breiter Zugangsweg wird von einem runden See unterbrochen. Links und rechts befinden sich Gartenanlagen im französischen Barockstil.

Nordgarten[Bearbeiten]

Im Nordgarten hin zu Schloss Favorite liegen verschiedene Terrassen und eine barocke Broderie um einen kleinen See namens Schüsselesee mit Mittelfontäne. Außerdem finden sich dort Vogelkäfige mit seltenen Vögeln.

Oberer Ostgarten[Bearbeiten]

Der Ostgarten im englischen Stil besteht aus zwei Teilen. Im oberen Teil befindet sich ein kleiner See, um den historische Spieleinrichtungen wie Karussell, Schaukel, Schiffchenschaukel und Kegelbahnen aufgestellt sind. Außerdem wurde dort ein antikes Aquädukt, ein mediterraner Weinberg und ein Känguruhhaus mit Gehege aufgebaut. Dem Ludwigsburger Theologen David Friedrich Strauß wurde hier zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Denkmal errichtet.

Unterer Ostgarten[Bearbeiten]

Der untere Ostgarten wird von der Emichsburg im mittelalterlichen Stil überragt.

Märchengarten[Bearbeiten]

Seit 1959 befindet sich im Ostgarten ebenfalls der Märchengarten, in dem über 40 Märchenszenen dargestellt werden. Der Märchengarten wurde im Jahr 1959 auf Initiative von Albert Schöchle gegründet, der 1957 auf einer Fahrt zum Einkauf von Tieren zufällig den niederländischen Märchengarten bei Tilburg kennenlernte. Da Schöchle gerade auf der Suche nach einer neuen Attraktion für den Park war, griff er die Anregung mit Begeisterung auf, rechnete aber nicht damit, wie schwer es war, die Aufsichtsratsmitglieder in Ludwigsburg von dem Projekt zu überzeugen.

Die ersten neun Attraktionen des Märchenparks waren:

  1. Hänsel und Gretel
  2. Der Wolf und die sieben Geißlein
  3. Aschenputtel
  4. der sprechende Papagei
  5. Knüppel aus dem Sack
  6. Hier haben nur kleine Leute Glück
  7. Pilze mit Märchenliedern
  8. Goldesel
  9. Frau Holle

Alle diese Attraktionen sind heute noch fast unverändert erhalten. Heute (2006) werden über 40 Märchenszenen präsentiert.

Steindrache[Bearbeiten]

Steindrache

Am oberen Eingang zum Märchengarten befindet sich ein steinerner Drache, der ständig „Bitte Papier“ ruft. Wirft man ihm einen Fetzen Papier in den Schlund, sagt er deutlich vernehmbar: „Danke!“

Riese Goliath[Bearbeiten]

Riese Goliath

Besonders beliebt ist bei Kindern der Riese Goliath, der auf ein Klopfen am Tor seiner Burg überlebensgroß erscheint und folgende Drohung brummend von sich gibt:

Ich bin der Riese Goliath
Und hab dein Klopfen ewig satt
Lässt du nicht bald das Lärmen sein,
So sperr ich dich in die Burg hinein.
Dort bleibst du dann mucksmäuschenstill,
Weil ich jetzt wieder schlafen will.

Unmittelbar neben der Burg des Riesen Goliath steht eine Tafel, auf der Bezug auf das Gedicht "Die Geschichte von Goliath und David in Reime bracht" von Matthias Claudius genommen wird. Hier die erste Strophe:

War einst ein Riese Goliath
Gar ein gefährlich Mann!
Er hatte Tressen auf dem Hut
Mit einem Klunker dran,
Und einen Rock von Drap d'argent
Und alles so nach advenant.

Rapunzelturm[Bearbeiten]

Rapunzelturm

Der Turm der Emichsburg wurde umgewidmet zum Turm, auf dem Rapunzel gefangen war. Die Kinder werden aufgefordert, laut „Rapunzel lass deinen Zopf herunter“ zu rufen, dann senkt sich von oben herab ein kräftiger Strick mit einer „Haarschleife“ herab.

Geschichte[Bearbeiten]

Beim Bau des Ludwigsburger Schlosses unter Herzog Eberhard Ludwig ab 1704 wurden nördlich und südlich des Schlosses Gärten angelegt, die unter Herzog Carl Eugen erweitert und umgestaltet wurden. Der Ostgarten entstand ab 1797 unter Herzog Friedrich II.. 1828 wurden die Gärten unter König Wilhelm I. für das Volk geöffnet und landwirtschaftlich genutzt.

Aus Anlass des 250-jährigen Jubiläums von Schloss und Stadt Ludwigsburg 1954 wurden die Anlagen ab 1953 von Albert Schöchle völlig neu gestaltet, teils in historischer, teils in dem Barock frei nachempfundener Form. Die Eröffnung unter dem Namen „Blühendes Barock“ erfolgte am 23. April 1954 zum Beginn der Bundesgartenschau. Der Märchengarten entstand 1959, die Große Broderie auf der Nordseite 1961.

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Fernsehsendung grünzeug, die wöchentlich im SWR ausgestrahlt wird, wird auf dem Gelände des Blühenden Barocks aufgezeichnet.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Einmal im Jahr findet ein Feuerwerk mit Musik auf dem Gelände des Blühenden Barock statt. Außerdem ist im Herbst „Die weltgrößte Kürbisausstellung“ auf dem Gelände des Blühenden Barock zu Gast.

Literatur[Bearbeiten]

  • Margarete Walliser: Die Privatgärten des Ludwigsburger Schlosses. Eine nicht alltägliche archäologische Untersuchung. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 16. Jg. 1987, Heft 4, S. 191–196. (PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Blühendes Barock – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • blueba.de – Offizielle Website des Blühenden Barocks

48.99.1958333333333Koordinaten: 48° 54′ 0″ N, 9° 11′ 45″ O