Bogenschütze von Amesbury

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bogenschütze von Amesbury, ausgestellt in Museum von Salisbury und South Wiltshire

Im Mai 2002 wurde in Amesbury, Großbritannien, ein Hockergrab aus der endneolithischen Glockenbecherkultur entdeckt. Bagger stießen beim Bau einer Schule auf dieses Grab mit reicher Ausstattung von Grabbeigaben. Der Ort Amesbury liegt ca. 5 km von Stonehenge entfernt.

Alter und Skelett[Bearbeiten]

Die Bestattung stammt aus der Zeit von etwa 2400 bis 2200 vor Christus und somit aus der Epoche, in der Stonehenge entstand. Der bei seinem Tod etwa 35 bis 45 Jahre alte Mann stammte aus der Alpenregion (wahrscheinlich aus der Schweiz, vielleicht aber auch aus Österreich oder Süddeutschland), wie Analysen seines Zahnschmelzes ergeben haben. Bei einer weiteren Untersuchung des Skeletts wurde festgestellt, dass der Mann gehbehindert war und eine schwere Verletzung am linken Knie hatte. Außerdem hatte er einen schmerzhaften Kieferabszess.

Grabbeilagen[Bearbeiten]

Die Leiche wurde mit ungewöhnlich vielen und reichen Grabbeigaben bestattet. Bisher wurde kein bronzezeitliches Grab mit so vielen Beigaben (mehr als hundert) entdeckt. Das sind zehnmal so viele, wie üblicherweise in solchen Gräbern gefunden wurden. Daher wurde der Tote in den englischen Medien zunächst als „König von Stonehenge“ bezeichnet.[1]

Bei den Grabbeigaben handelte es sich u.a. um mehrere Pfeilspitzen und zwei steinerne Armschutzplatten. Aufgrund dieser Beigaben wurde er "Amesbury Archer" (Bogenschütze von Amesbury) genannt.

Weiterhin waren dem Verstorbenen Kupfermesser beigegeben. Von diesen qualitativ guten und geschmiedeten Messern, die damals sehr selten waren, lagen gleich drei dem Leichnam bei. Die Kupfermesser stammen aus Spanien und Frankreich.

Zusätzlich lagen in dem Grab ein Paar Goldohrringe und goldene Haarspangen. Gold war damals sehr selten und kostbar. Diese Schmuckstücke sind die ältesten Goldgegenstände, die bisher in Großbritannien gefunden wurden. In reich verzierten Tonkrügen wurde dem Verstorbenen Nahrung mit auf den Weg gegeben.

Handelsnetz[Bearbeiten]

Aus der Herkunft des Mannes und seiner Grabbeigaben schließen die Archäologen auf ein weit verzweigtes Handelsnetz, welches bereits in der frühen Bronzezeit existierte. Zudem liegt die Vermutung nahe, wonach aus Mitteleuropa handwerkliche Fähigkeiten wie die Metallverarbeitung nach Großbritannien gebracht wurden. Die Metalle sind nach Meinung der Archäologen importiert worden.

Weiteres Grab[Bearbeiten]

Ein nahe gelegenes zweites Grab enthält die Überreste eines 20 bis 25 Jahre alten Mannes. Knochenanalysen deuten auf ein Verwandtschaftsverhältnis der beiden hin. Der jüngere Mann scheint im Gebiet um Stonehenge aufgewachsen zu sein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Graser: Der Bogenschütze von Amersbury. Ein Schweizer als Kulturbringer. in: G/Geschichte, Heft 2/2014, S. 56f.; Bayard Media GmbH & Co. KG, Augsburg
  • Almut Bick: Die Steinzeit. Erweiterte Neuauflage, 2012. Konrad Theiss Verlag, Darmstadt. ISBN 978-3-8062-2589-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bbc.co.uk/history/ancient/archaeology/king_stonehenge_01.shtml