Bogenschütze

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bogenschütze (Begriffsklärung) aufgeführt.
Assyrische Bogenschützen

Bogenschützen sind für das Bogenschießen als Jäger zur Jagd mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Als Jagdwaffe ist der Bogen noch in den USA, Kanada oder Dänemark gebräuchlich und erlaubt. Geschichtlich wurde der Bogen auch durch Krieger als Waffe eingesetzt. In der Neuzeit dient der Bogen als Sportgerät.

Bogenarten[Bearbeiten]

Als Waffe und Jagdbogen sind zu unterscheiden Naturbögen, Langbögen der Wikinger und englisch-walisischen Bogenschützen und Kompositbögen wie sie die Hunnen und die syrischen Bogenschützen benutzten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Militärgeschichte verzeichnet je nach Kulturkreis den Einsatz von Bogenschützen sowohl beritten bei der Kavallerie wie auch als Fußsoldat. Der Bogen diente als Primärwaffe, Sekundärwaffen waren leichtere Blank- und Schutzwaffen wie Buckler, Kurzschwert oder Streitaxt. Die weitere Schutzausrüstung bestand häufig aus einem mehrlagigen Wams, da Kettenhemden und Rüstungen den Schützen behindert hätten.

Antike[Bearbeiten]

Grabmal des Tiberius Iulius Abdes Pantera, Bogenschütze bei einer römischen Auxiliartruppe, in der Römerhalle (Bad Kreuznach)

Bogenschützen wurden durch die Ägypter von Streitwagen aus eingesetzt. Zwischen Hethitern und Ägyptern kam es 1274 v. Chr. in der Schlacht bei Kadesch zum umfangreichsten bekannten Einsatz von Streitwagen. Diese taktische Einsatzform kam auch in weiteren Ländern wie China, Persien und Indien vor.

In der römischen Legion wurden diese meist durch Auxiliartruppen zu Fuß gestellt. Bekannt waren syrische Bogenschützen mit ihrem Kompositbogen. Bei den Germanen war um die Zeit von Christi Geburt der Bogen ebenfalls als Jagd- und Kriegswaffe bekannt. Insbesondere nach der Teilung Roms als Weltreich erlangen im Byzantinisches Heerwesen von Ostrom Bogenschützen bedingt durch die Bedrohung aus dem Osten Bedeutung.

Der Bogen als die Waffe bei Berittenen wurde vor allem bei den Hunnen bekannt. Wie alle zentralasiatischen Reiterhirten waren sie gute Reiter und Bogenschützen, und beherrschten die Technik des Parthischen Manövers, bei dem in vollem Galopp nach hinten geschossen wird. Ermöglicht wurde dies durch die Erfindung eines Sattels mit Steigbügeln. Als Auszeichnung trugen die besten Bogenschützen bunte Bänder in ihren langen Zöpfen. Die Römer kannten zwar auch leichte Sättel, aber keine Steigbügel. Durch den stabilen Halt der Steigbügel waren die hunnischen Reiter in der Lage, beidhändig vom Pferde aus zu kämpfen, da sie dieses mit den Schenkeln lenken konnten. Damit waren sie in der Kampftechnik zu Pferde den Europäern weit überlegen. Zur Zeit der Hunneneinfälle nach Europa war auf Seiten der Römer und der vorgelagerten bedrohten Völker der Bogen nicht die Hauptbewaffnung. Bei den germanischen Stämmen war es üblich den Gegner in loser Keilformation frontal im Nahkampf anzugreifen. Der Einsatz von Pfeil und Bogen für kriegerische Zwecke war bei den Germanen zu dieser Zeit unbekannt.

Mittelalter[Bearbeiten]

In der Zeit der Wikinger im Frühen Mittelalter in Franken und in England waren die Hauptwaffen Axt, Speer, Pfeil und Bogen.

Chinesischer Bogenschütze

In Japan war der Bogen seit dem 8. Jahrhundert ein Bestandteil der Bewaffnung der Samurai. In der Heian-Zeit (794–1192) waren Samurai die Wache des kaiserlichen Palastes. Deren Hauptbewaffnung war das Wakizashi-Schwert. Diese Vorläufer der klassischen Samurai wurden vom Herrscher ausgestattet. Da zu Beginn der größte Vorteil dieser militärischen Einheiten in ihrer Erfahrung im Gebirgskampf und vor allem im Bogenschießen lag, blieb für den größten Teil der folgenden Feudalperiode, der Ära der Samurai-Herrschaft, der Ausdruck Yumitori deutsch für Bogenschütze der Ehrentitel eines ausgezeichneten Kriegers. Der Yumi (deutsch für Bogen), insbesondere der Dai-kyū (deutsch für Langbogen), war wegen seiner Größe, Reichweite und großen Durchschlagskraft gefürchtet. Ein geübter Schütze konnte aus etwa 150 Metern Entfernung ein bewegliches Objekt von der Größe eines Hundes sicher treffen, aber auch Reichweiten von etwa 300 Metern waren möglich. Seine asymmetrische Form machte es möglich, ihn auch vom Pferderücken aus abzufeuern, was ihn als Reiterwaffe gefürchtet machte.

In der Zeit der Kreuzzüge im Heiligen Land zeigte sich zum wiederholten Male der überlegene Einsatz von berittenen Bogenschützen gegen gepanzerte Ritterheere, insbesondere unter für diese ungünstigen klimatischen Bedingungen.

Berittener osmanischer Bogenschütze

In den Schlachten des Spätmittelalters (ca. 1250 bis 1500) bewährte sich der Langbogen vielfach. Konnte jedoch gegnerische Kavallerie in die Bogenschützen einbrechen, stand diesen für den Nahkampf nur ein Buckler, ein einhändiges Kurzschwert, ein langer Dolch oder eine leichte Streitaxt zur Verfügung. Schwere Rüstung und Bewaffnung wären nicht mit dem Bogen zu transportieren gewesen und hätten beim Schuss behindert. Die Axt diente auch zur Anfertigung von Annäherungshindernissen, um die Formation der Bogenschützen vor Reiterattacken zu schützen. Solche Kämpfe endeten meist in einer Katastrophe für die Bogenschützen, die aufgrund ihrer langen Ausbildung nur schwer zu ersetzen waren. Deshalb bezogen die englischen Langbogenschützen Deckung hinter spitzen Holzpfählen, die in die Erde gerammt waren, und Krähenfüßen, und wurden durch gepanzerte Ritter geschützt, die zu Fuß kämpften. Die Taktik des Bogenschießens bestand im 43° hohen Bogenschuss auf Distanzen bis zu 350 m, im direkten Schuss bis zu 70 m und im Beschuss von Gebäuden mit Brandpfeilen. Um die Rüstungen zu durchschlagen wurden nach dem Erfinder benannte BodkinPfeilspitzen benutzt. Lange Pfeilspitzen mit Widerhaken dienten zur Tötung der Pferde der Ritter. Pfeilspitzen mit einer Feder dienten zur Aufnahme von Brandmaterial. Dabei handelt es sich um eine offene Kugel, in die Stroh mit Pech gesteckt werden konnte.

Bögen wurden von Bognern als qualifizierten Bogenbauern hergestellt, waren aber im Gegensatz zu Rüstungen und Blankwaffen wesentlich günstiger. Die Metallspitzen der Pfeile konnten durch jeden Schmied hergestellt werden. Empfindlich sind Bögen nur gegen Regen, da dann die Sehne an Spannkraft verliert. Zubehör für den Bogenschuss waren Unterarmschutz der Bogenhand und Handleder auch Tabs für die Sehnenhand. (siehe dazu auch Bogenschießen und Traditionelles Bogenschießen)

Im Gegensatz zu dem aus Adeligen gebildete Ritterheer, das von einem Herzog geführt wurde, rekrutierten sich die Bogenschützen aus der Bauernschaft und wurden von einem niedrigen Adeligen wie einem Baron oder Ritter geführt. Herzöge hingegen waren Mitglied einer regionalen Herrscherdynastie, die in einem Gebiet über die dortigen Grafen und Edelherren stellvertretend für den König dessen Rechte ausübte und den Heerbann aufbot und führte.

Während des Hundertjährigen Krieges ernannte sich Edward III. im Januar 1340 selbst zum französischen König und fiel mit seinen Truppen aus der Normandie kommend, das in dieser Zeit zu England gehörte, in Frankreich ein. Sein Heer war den Franzosen zwar zahlenmäßig weit unterlegen, dennoch schlug er 1346 in Schlacht von Crécy in der Grafschaft Crécy die Franzosen vernichtend, durch den Einsatz von rund 8000 walisischen Langbogenschützen. Diese ließen das französische Ritterheer begünstigt durch eine versumpfte Niederung nicht zum Nahkampf herankommen. Dazu wurde ein Pfeilhagel im Bogenschuss verschossen, der die Ritter und deren Pferde von schräg oben traf.

Indianischer Bogenschütze 1899

Die Schlacht von Azincourt (frz.: Bataille d'Azincourt, engl.: Battle of Agincourt) fand am 25. Oktober 1415 statt und gilt in der Militärgeschichte als bedeutend, weil wie zuvor bei der Schlacht von Crécy mit Langbögen bewaffnete Fußtruppen einen entscheidenden Anteil am Ausgang der Schlacht hatten. Der Angriff der schweren französischen Reiterei blieb nicht zuletzt wegen des massiven Einsatzes von Langbogenschützen ineffektiv; der Angriff der schwer gerüsteten französischen Adeligen wurde durch ihren Einsatz verlangsamt und beeinträchtigt.

Diese Schlachten zeigen beispielhaft den taktisch verfehlten Ansatz von schwerbewaffneten Ritterheeren gegen leicht Bewaffnete in für diese günstigem Gelände und bei günstigen Wetterverhältnissen.

Neuzeit[Bearbeiten]

Mit dem Aufkommen von Handfeuerwaffen trat der Bogen als militärische Bewaffnung ebenso wie für die Jagd in den Hintergrund und wurde von der Büchse als einem treffsicheren, gezogenen Gewehr abgelöst. Dennoch blieben Bogenschützen noch bis Ende des 19. Jahrhunderts eine bei nicht industrialisierten Völkern beliebte und unter gewissen Bedingungen durchaus wirksame Waffengattung, etwa in den nordamerikanischen Indianerkriegen.

Nachfolger der Bogenschützen im militärischen Sinne wurden die Jäger.

Mit Aufkommen der ersten Kampfpanzer verstanden sich die Panzerjäger als Nachfolger und führten wie in der Bundeswehr häufig den Bogen in ihren Verbandswappen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bogenschützen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Bogenschütze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

History.com Waffentechnik - "Hieb- und Stichwaffen"