Brüder vom Orden des Heiligen Geistes

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Wappen des Ordens am Kreuzherrenkloster Memmingen
Wappen des Mutterhauses in Rom[1]
Habit der Spitalbrüder
Hauptsitz in Rom: Ospedale Santo Spirito in Sassia
Das ehemalige Heiliggeist-Spital in Rapperswil, Schweiz

Die Brüder vom Orden des Heiligen Geistes (Hospitalorden zum Heiligen Geist) orientierten sich meist an den Regeln der Augustiner-Chorherren und waren besonders der Armen-, Waisen- und Krankenpflege verpflichtet, beherbergten in ihren Spitälern aber auch Pilger und versorgten Pfründner.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung 1180[Bearbeiten]

Der Orden nahm seinen Ursprung 1180 in Südfrankreich, er war aus einer Bruderschaft hervorgegangen, die sich in Montpellier der Kranken- und Armenfürsorge verschrieben hatte. Im Jahre 1198 erhielt er die päpstliche Bestätigung, ja er erfreute sich überhaupt der besonderen Gunst von Papst Innozenz III. Spätestens 1204 erhielt die Gemeinschaft ihre an Augustinus orientierte Regel, die um besondere Bestimmungen erweitert war. Die meisten Spitäler zum Heiligen Geist wurden im 13. Jahrhundert in der Folge von Stadtgründungen eingerichtet.[2]

Zentralisierung und Privilegien[Bearbeiten]

Nach dem Tode des Ordensgründers Guido von Montpellier im Jahre 1208 wurde unter dem Kuratel Innozenz III. das Spital (Ospedale) Santo Spirito in Sassia in Rom das Haupthaus des Ordens. Eine Institutionalisierung als Priesterorden nach der Augustinusregel und eine zentralistische Organisation, mit der Leitung durch einen Generalpräzeptor hielt fast 600 Jahre. Die Spitalbrüder genossen einige lukrative Privilegien:

  • Exemption: Unabhängigkeit und Steuerfreiheit gegenüber dem Landesherrn und dem Bischof,
  • Beichtvollmacht: das heißt das Recht, überall die Beichte abzunehmen und Bußen aufzuerlegen bzw. Sünden zu vergeben,
  • Petition: einerseits das Recht, überall und vorrangig zu predigen und das Opfer einzunehmen, andererseits die ungehinderte Almosensammlung in dem ihnen zugewiesenen Bezirk,
  • Ablasshandel: zeitlich begrenzte Verschonung vor dem Fegefeuer für eine materielle Gegenleistung.[3]

Aufgrund des Kreuzes mit zwei Querbalken (auch Patriarchenkreuz genannt), welches die Ordensmitglieder auf ihren schwarzen Habiten trugen, wurden sie mitunter als „Kreuzherren“ bezeichnet.[4]

Säkularisierung[Bearbeiten]

Im 15. Jahrhundert unterstanden dem römischen Haupthaus ca. 750 Klöster in Deutschland und der Schweiz, in Frankreich und Italien. Durch Reformation, die französische Revolution und die Säkularisation von 1803 gingen viele Klöster und Spitäler verloren. Etliche Spitäler wurden unter städtischer Regie weiterbetrieben. So existieren in Deutschland noch heute einige Heilig-Geist-Spitäler, die großteils auf die Ordensbrüder zurückgehen, obwohl Papst Pius IX. 1847 den Orden schließlich aufgehoben hat.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Original in Wikimedia Commons
  2. Deutscher Verband Frau und Kultur e. V., Gruppe Lübeck: Weihnachtsmarkt im Heiligen-Geist-Hospital zu Lübeck. Faltblatt vom November 2010.
  3. 700 Jahre Heilig-Geist-Spital Markgröningen, 1997, a.a.O., S. 11
  4. Wie auch OSC und OCr.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brüder vom Orden des Heiligen Geistes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Heilig-Geist-Spital – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien