Pilger

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Pilger als eine Person, die eine Wallfahrt unternimmt; zu weiteren gleichnamigen Bedeutungen siehe Pilger (Begriffsklärung).
Landschaft mit Pilger, Gemälde von Karl Friedrich Schinkel
Pilgerfigur vor der St. Jakobskirche in Rothenburg ob der Tauber
Mantel und Stab eines Santiagopilgers 1571
Wegmarkierung auf einem Pilgerweg, hier eine stilisierte Jakobsmuschel in Spanien
Beispiel für einen Pilgerausweis, ein spanischer Credencial del Peregrino mit zahlreichen Pilgerstempeln

Pilger, veraltet auch Pilgrim, stammt vom lateinischen Wort peregrinus (oder peregrinari, in der Fremde sein) ab, was Fremdling bedeutet. Eine Einzelperson wurde früher als Pilgersmann bzw. -frau bezeichnet. Im Kirchenlatein als pelegrinus abgewandelt, bezeichnet es eine Person, die aus religiösen Gründen in die Fremde geht, zumeist eine Wallfahrt zu einem Pilgerort unternimmt, zu Fuß oder unter Verwendung eines Verkehrsmittels. Der Anlass kann eine auferlegte Buße sein und das Bemühen, einen Sündenablass zu erhalten, die Erfüllung eines Gelübdes, die Hoffnung auf Gebetserhörung in einem bestimmten Anliegen oder auf Heilung von einer Krankheit, religiöse Vertiefung oder Abstattung von Dank. Ziel ist ein als heilig betrachteter Ort, etwa eine Wallfahrtskirche, ein Tempel, ein Baumheiligtum usw.

Näheres zur Etymologie[Bearbeiten]

Wortwörtlich ist der Pilger einer, der „per agrum“, also von „über Land“, von jenseits des ager „romanus“ kommt, wobei mit ager nicht unser Acker, eben bebautes Feld gemeint ist, sondern das in Besitz befindliche, zur Civitas gehörige Land. Insofern ist Fremdling eine angemessene Übersetzung des Begriffes.

Wallfahrtsorte der Antike[Bearbeiten]

In früher Zeit galten unter anderem bestimmte Höhlen als heilige Orte, einer der berühmtesten Wallfahrtsorte der griechischen Welt war der Tempel der Artemis in Ephesos.

Einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Welt ist seit dem Bau des ersten Israelitischen Tempels bis heute Jerusalem, das zum zentralen Heiligtum der Juden wurde. Heute ist die Stadt allen drei monotheistischen Weltreligionen heilig: den Juden ebenso wie den Christen wegen Tod und Auferstehung Jesu Christi, die Muslime besuchen – außer ihrer Haddsch genannten Wallfahrt nach Mekka und Medina – bevorzugt den Felsendom in Jerusalem.

Christliche Pilger in Spätantike und Mittelalter[Bearbeiten]

Seitdem im 4. Jahrhundert sich die Kunde verbreitete, Kaiserin Helena habe in Jerusalem, der Stadt, in der Jesus lebte, die Kreuzreliquien aufgefunden, mehrten sich die Wallfahrten nach Jerusalem. Dazu gehörten auch viele Frauen wie die geweihte Jungfrau Egeria, die vornehme Römerin Paula mit ihrer Tochter, der Jungfrau Eustochium, die zum Kreis um den heiligen Hieronymus gehörten, sowie die heilige Melania und ihre Großmutter gleichen Namens.

Die früheste schriftlich dokumentierte Reise eines christlichen Pilgers ins Heilige Land führte im Jahre 333 über den Landweg von Bordeaux nach Jerusalem; sie ist festgehalten im Itinerarium Burdigalense, einem auf Latein verfassten Reisehandbuch mit Angaben der Etappen auf dem Weg. Eine ähnlich große Bedeutung erlangte sehr bald Rom als Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus. Später trat Santiago de Compostela hinzu, das vor allem wegen der ausgezeichneten Infrastruktur mit einem von Klöstern betreuten weitgespannten Herbergennetz im Mittelalter führend wurde.

Auch die Teilnehmer der Kreuzzüge ins Heilige Land verstanden sich selbst als (bewaffnete) Pilger.

Pilgern und Reformation[Bearbeiten]

Zusammen mit anderen Reformatoren wie Zwingli und Calvin wandte sich auch Martin Luther gegen das überhandnehmende, mit Aberglauben und Ablasshandel verbundene Pilgerwesen seiner Zeit.[1] Schon Thomas von Kempen hatte in seiner Nachfolge Christi kritisch vermerkt: Wer viel pilgert, wird selten heilig. Nachdem Norwegen den Protestantismus annahm, wurde dort das Pilgern 1537 sogar unter Todesstrafe gestellt.[2]

Pilger der Neuzeit[Bearbeiten]

Neuzeitlicher Pilger am spanischen Jakobsweg

Die katholische Kirche hielt gerade in Abgrenzung zu den Protestanten am Brauch der Wallfahrten fest und förderte sie. Ignatius von Loyola schildert beispielsweise in seinem Pilgerbericht seine Wallfahrt nach Jerusalem und Rom.

Die Pilgerväter waren eine Gruppe puritanischer Dissidenten aus England, die nach Amerika segelten, um eine Kolonie zu errichten, in der Glaubensfreiheit herrschen sollte.

In den letzten beiden Jahrhunderten kamen zu den alten Pilgerzielen Marienwallfahrtsorte wie Lourdes und Fátima hinzu. Neben diesen gibt es aber auch noch schier unzählige weitere Pilgerorte. In zunehmendem Maße wird in den letzten Jahrzehnten auch der Jakobsweg wiederentdeckt.

Gelegentlich werden auch religiös motivierte Besucher von Orten, die wie Marpingen, Heroldsbach oder Međugorje nicht als Wallfahrtsorte anerkannt sind, als Pilger bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Pilgerziele in den verschiedenen Weltreligionen[Bearbeiten]

Pilgertypen[Bearbeiten]

Christliche Einrichtungen, Riten und Bräuche im Pilgerwesen[Bearbeiten]

Klassische Pilgerfeste und Wallfahrtsfeste im Judentum[Bearbeiten]

Islam[Bearbeiten]

Buddhismus[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Patrick Heiser, Christian Kurrat: Pilgern gestern und heute. Soziologische Beiträge zur religiösen Praxis auf dem Jakobsweg. Lit, Berlin / Münster 2012, ISBN 978-3-643-11889-9.
  • Andreas Klußmann: In Gottes Namen fahren wir. Die spätmittelalterlichen Pilgerberichte von Felix Fabri, Bernhard von Breydenbach und Konrad Grünemberg im Vergleich. universaar, Saarbrücken 2012, ISBN 978-3862230761.
  •  Amt für Öffentlichkeitsdienst in Zusammenarbeit mit dem Gemeindedienst der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und dem Pilgerpastor an der Hauptkirche St. Jacobi, Hamburg (Hrsg.): Auf und werde - Der geistliche Begleiter für Pilgerwege. Lutherische Verlagsgesellschaft, Kiel 2009, ISBN 978-3-87503-138-6.
  •  Raimund Joos: Pilgern auf den Jakobswegen. 7. Auflage. Stein, Welver 2013, ISBN 978-3-86686-394-1.
  •  Raimund Joos: Warum der Schuh beim Gehen w e i t e r wird. Der spirituelle Jakobsweg-Coach. 2. Auflage. Tyrolia, Innsbruck 2012, ISBN 978-3-7022-2824-8.
  •  Bernhard Kötting: Peregrinatio religiosa. Wallfahrten in der Antike und das Pilgerwesen in der alten Kirche. In: Forschungen zur Volkskunde. Nr. Heft 33/34/35, Regensberg, Münster 1950.
  •  Norman Foster: Die Pilger. Reiselust in Gottes Namen. Krüger Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8105-0610-9, S. 303.
  •  Gerhard Fouquet (Hrsg.); Tobias Delfs (Red.), Thomas E. Henopp (Red.): Die Reise eines niederadeligen Anonymus ins Heilige Land im Jahre 1494. In: Kieler Werkstücke, Reihe E: Beiträge zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Nr. 5, Lang, Frankfurt am Main u. a. 2007, ISBN 978-3-631-56777-7.
  •  Thomas Frank, Michael Matheus, Sabine Reichert (Hrsg.): Wege zum Heil. Pilger und heilige Orte an Mosel und Rhein. In: Geschichtliche Landeskunde. Nr. 67, Stuttgart 2009.
  •  Detlef Lienau: Sich fremd gehen. Warum Menschen pilgern. Grünewald, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7867-2757-6.
  •  Michael Matheus (Hrsg.): Pilger und Wallfahrtsstätten in Mittelalter und Neuzeit. In: Mainzer Vorträge. Nr. 4, Steiner, Mainz 2000, ISBN 3-515-07431-7.
  •  Michael Matheus, Heidrun Kreutzer: Unterwegssein im späten Mittelalter: als Pilger im Heiligen Land und im Michaelsheiligtum auf dem Monte Gargano. In: Franz J. Felten, Stephanie Irrgang, Kurt Wesoly (Hrsg.): Ein gefüllter Willkomm. Festschrift für Knut Schulz zum 65. Geburtstag. Shaker, Aachen 2002, ISBN 3-8322-0600-0.
  •  Christof May: Pilgern. Menschsein auf dem Weg. In: Studien zur systematischen und spirituellen Theologie. Nr. 41, Echter, Würzburg 2004, ISBN 3-429-02617-2.
  •  Angelika C. Messner, Konrad Hirschler (Hrsg.): Heilige Orte in Asien und Afrika. Räume göttlicher Macht und menschlicher Verehrung. In: Asien und Afrika. Nr. 11, EB, Schenefeld/Hamburg 2006, ISBN 3-936912-19-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Auch vom Pilgern hielt Luther nicht viel. Er war sich sicher, dass man Gott in Rom, Jerusalem oder Santiago de Compostela nicht besser dienen könne als zu Hause." (Fasten, Pilgern, Beten? Fromm sein nach Luther - Für den Reformator war das Gebet das Wichtigste)
  2. nach Daniel Schneider in Planet Wissen - Pilgern, abgerufen am 12. Februar 2014: Während der Reformationszeit nahm das Pilgern stark ab. Martin Luther verglich das Pilgern im 16. Jahrhundert mit dem Ablasshandel, bei dem sich Menschen durch den Kauf von sogenannten Ablassbriefen weniger Zeit im Fegefeuer erhofften. Er bezeichnete das Pilgern als „Narrenwerk“ und spottete über den Jakobsweg nach Santiago de Compostela: „Lauf nicht dahin, man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund daliegt.“ In Norwegen wurde das Pilgern ab 1537 sogar unter Todesstrafe verboten und von den damals herrschenden Protestanten als Irrlehre angeprangert. Doch auch die Pilgerbewegung wurde reformiert: Die Beweggründe des Pilgers wurden in der breiten Masse nicht länger vom Zwang und festen Regeln geprägt, sondern galten als freiwillig und individuell. Die Strecke musste beispielsweise nicht mehr in einer bestimmten Anzahl von Tagen zurückgelegt werden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Pilger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen