Brandstifter (William Faulkner)

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Brandstifter (im amerikanischen Original Barn Burning) ist eine Kurzgeschichte des US-amerikanischen Schriftstellers William Faulkner, die erstmals im Juni 1939 im Harper’s Magazine erschien und im selben Jahr mit dem O. Henry Award für die beste Kurzgeschichte des Jahres ausgezeichnet wurde.

Sie handelt von Klassen- sowie Loyalitätskonflikten. Sie kann als Prolog zu jenen drei Romanen gesehen werden, die als Snopes-Trilogie bekannt sind.

Entstehung[Bearbeiten]

Brandstifter entstand 1939 während den Arbeiten am Roman Das Dorf und war ursprünglich als Prolog für dieses Werk gedacht.[1] Faulkner entschied sich jedoch um und veröffentlichte den Text eigenständig im Juni 1939 im Harper’s Magazine.

Handlung[Bearbeiten]

Die Kurzgeschichte beginnt mit dem zehnjährigen Colonel Sartoris „Sarty“ Snopes, der einer Gerichtsverhandlung beiwohnt. Sein Vater Abner Snopes wird beschuldigt, die Farm seines Landherren, Mr. Harris, in Brand gesteckt zu haben. Der junge Sarty, der von der Schuld seines Vaters weiß, wird aufgerufen auszusagen, bringt jedoch die Unschuldsbekundungen für seinen Vater nur schwer über die Lippen. Dennoch kommt es aufgrund mangelnder Beweise nicht zu einem Schuldspruch, Abner Snopes soll lediglich die Stadt verlassen.

Die Familie ist auf den Umzug bereits vorbereitet und bricht unverzüglich auf. Neben Abner und Sarty reisen Lennie (Abners Frau und Sartys Mutter) und deren unverheiratete Schwester Lizzie mit. Abner stellt seinen Sohn wegen der Szene im Gericht zur Rede und fordert ihn zu absoluter Loyalität auf. Er schlägt ihn während der Ansprache; Sarty selbst ist vom neuen Heim im Yoknapatawpha County beeindruckt und spekuliert darauf, dass es seinem Vater ebenso geht. Er hofft, dass dieser sesshaft wird und mit seiner Lage zufrieden ist.

Bei einem Besuch bei Abners neuem Arbeitgeber Major de Spain beschmutzt Abner jedoch einen teuren Teppich, weil er sich auf der Matte nicht die Schuhe abputzt. Darüber hinaus verängstigt Abner die Anwohner, die ihn darauf hinweise, dass de Spain nicht zu Hause ist. Erst nach wiederholter Aufforderung verlässt Abner sie wieder. Der unerwünschte Auftritt hat Folgen. Major de Spain taucht persönlich bei Abner mit dem Teppich auf und verlangt, dass er ihn reinigt. Statt auf die Frauen zu hören, die den Teppich für ihn säubern wollen, benutzt Abner eine Laugenseife und hinterlässt den Teppich auf der Veranda.

De Spain konfrontiert Abner damit, dass er den Teppich unwiederbringlich ruiniert habe, und verlangt zwanzig Bushel Mais als Wiedergutmachung. Das will Abner vor Gericht erstreiten, dort gibt man jedoch de Spain Recht, auch wenn das Strafmaß auf zehn Bushel heruntergesetzt wird. Abner Snopes fühlt sich erneut falsch behandelt und bereitet gegen alle Proteste der Frauen vor, de Spains Farm niederzubrennen.

Sarty will das nicht zulassen und kämpft sich von den Frauen frei, die ihn zurückhalten wollen. Sarty läuft zur Farm und warnt Major de Spain mit Satzfragmenten, die überwiegend nur das Wort Farm (Barn im Original) enthält. Anschließend läuft Sarty die Straße hinunter und verlässt somit seine Familie. Zuvor hört er noch, dass drei Schüsse fallen. Er trauert innerlich, sollte sein Vater getroffen worden sein.

Leitmotive[Bearbeiten]

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In Brandstifter nutzt Autor Faulkner das Motiv des Protagonisten (der junge Sarty) und des Antagonisten (verkörpert durch seinen Vater Abner Snopes). Diese Entgegenstellung und die Spannungen, die dadurch auftreten, dominieren die gesamte Kurzgeschichte. Ferner gibt es mit den beiden Frauen Lennie und Lizzie zwei Charaktere, die Abners kriminelles Verhalten nicht gutheißen, sich von ihm aber dominieren lassen und das Verbrechen lieber geschehen lassen und mit ihm Spuren vernichten, damit der Ehemann und Vater nicht belangt wird, anstatt aktiv Illoyalität auszudrücken und gegen Abner handeln. Sarty bricht aus dieser Pflicht-Loyalität aus. Sarty ist erst zehn Jahre alt und gefangen zwischen der Loyalität und dem Empfinden eines höheren Rechts- und Wertesystems, welches die Taten des Vaters klar verurteilt. Durch diesen Widerspruch, da Sarty auch durch väterliche Liebe mit Abner verbunden ist, gerät Sarty in ein Dilemma. Er muss sich schließlich entscheiden, und dennoch hat er sich nach der Entscheidung (er warnt Major de Spain und handelt damit gegen den Vater) noch immer nicht endgültig entschieden, da er - in der Vorstellung, der Vater würde durch Kugeln niedergestreckt - um Abner trauert. Die Loyalitätsfrage bleibt bestehen.

Ein weiteres Motiv ist die Suche nach Frieden. Die Formulierungen des Erzählers und die Tatsache, mit welcher Selbstverständlichkeit die Familie zu Beginn der Kurzgeschichte umzieht. Dies mutet an, dass Abner Snopes häufig mit anderen (einschließlich des Gesetzes) in Konflikt gerät. Dem Sohn Sarty fügt er Gewalt zu, um die Loyalität aufrechtzuerhalten. Sarty wächst damit in einem Umfeld aus Gewalt, Autoritätsproblemen und Verzweiflung auf. Der zehnjährige Junge sucht Frieden. Er hofft auf eine Besserung der Lage, als die Familie auf de Spains Land landet. Er ist von dem neuen Haus beeindruckt und findet es mehr als zufriedenstellend. Er wünscht sich, dass sein Vater ebenso empfindet, damit der Frieden erhalten bleibt. Als sich diese Hoffnungen verlieren, läuft Sarty von seinem Zuhause weg und sucht Frieden auf der Straße, fern vom streitsuchenden Vater.

Hauptpersonen[Bearbeiten]

In Brandstifter gibt es eine große Anzahl an Figuren. Diese Auflistung führt die wichtigsten:

Colonel Sartoris Snopes „Sarty“[Bearbeiten]

Sarty ist der zehnjährige Protagonist der Geschichte und wurde nach dem großen Bürgerkriegs-Colonel John Sartoris benannt (die Hauptfigur der Faulkner-Romane Sartoris und Die Unbesiegten). Er ist der Sohn von Abner und Lennie Snopes und ist gefangen zwischen seiner Ambition, moralisch richtig zu handeln, und loyal zum kriminellen Vater zu sein. Er bricht schließlich aus und verlässt die Familie.

Abner Snopes[Bearbeiten]

Sartys Vater ist ein gewalttätiger Grobian, der durch sein rücksichtsloses Verhalten die Existenz seiner Familie immer wieder bedroht. Er führt diese mit Gewalt und Drohung. Er verlangt von allen absolute Treue und fordert sie vor Gericht zum Meineid auf. Wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, greift er zu kriminellen Mitteln - vorrangig Brandstiftung - um seinen Willen oder zumindest seine Rache durchzusetzen.

Major de Spain[Bearbeiten]

De Spain ist ein wohlhabender Landbesitzer und der neue Arbeitgeber von Abner Snopes, der jedoch nicht mit Autoritäten umgehen kann. Major de Spain taucht in vielen Werken Faulkners auf, meist als Jäger und angesehenes Mitglied des Yoknapatawpha County.

Lennie Snopes[Bearbeiten]

Lennie ist Sartys Mutter und Abners Frau. Sie hat einen traurigen, emotionalen und fürsorglichen Charakter. Gewalt und Drohung haben sie nicht nur an den kriminellen Mann gebunden, sondern als mittellose Frau ist sie auch von ihm abhängig. Sie nimmt nicht aktiv an seinen Verbrechen teil, hilft ihm aber sie zu vertuschen und lügt für ihn.

Lizzie[Bearbeiten]

Über Tante Lizzie ist nicht viel bekannt. Sie ist eine „alte Jungfer“ und Lennies Schwester. Sie ist es, die zulässt, dass Sarty zu den de Spains läuft, indem sie ihn nicht auf Lennies Rufen festhält.

Colonel John Snopes[Bearbeiten]

Sartys älterer Bruder ähnelt seinem Vater, ist aber noch etwas ruhiger. Er kaut Tabak und agiert nie aktiv in der Handlung der Geschichte.

Mr. Harris[Bearbeiten]

Er ist der frühere Landbesitzer und Arbeitgeber der Snopes, der zu Beginn der Kurzgeschichte Abner Snopes der Brandstiftung beschuldigt.

Offenes Ende und Handlungsort[Bearbeiten]

Das Ende lässt nahezu alles offen. Zwei Fragen sind haupttragend:

  1. Kehrt Sarty schließlich zu seiner Familie zurück
  2. Wurde jemand durch die drei abgegebenen Schüsse verletzt und wenn ja, wer?

Erstere Frage wurde durch die Romane der Snopes-Trilogie beantwortet, letztere nicht. Sowohl Major de Spain als auch Abner Snopes tauchen in weiteren Werken Faulkners auf. Was es sich mit drei Schüssen auf sich hatte, wird nie geklärt.

Der Handlungsort kann derweil durch die Figur de Spains im (fiktiven) Yoknapatawpha County lokalisiert werden.

Verfilmung[Bearbeiten]

Brandstifter wurde 1980 als Kurzfilm für das Fernsehen verfilmt.[2] Regisseur war Peter Werner, das Drehbuch schrieb Horton Foote, die Hauptrollen übernahmen Tommy Lee Jones, Diane Kagan und Shawn Whittington.

Deutschsprachige Ausgabe[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gisela Hoffmann: Faulkner ·Barn Burning. In: Karl Heinz Göller et. al. (Hrsg.): Die amerikanische Kurzgeschichte. August Bagel Verlag, Düsseldorf 1972, ISBN 3 513 022123, S. 258–267.
  • Peter Nicolaisen: Hemingways “My Old Man” und Faulkners “Barn Burning”: Ein Vergleich. In: Paul G. Buchloh et al. (Hrsg.): Amerikanische Erzählungen von Hawthorne bis Salinger · Interpretationen. Kieler Beiträge zur Anglistik und Amerikanistik Band 6. Karl Wachholtz Verlag Neumünster 1968, S. 187-223.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Hamlet, William Faulkner, Editor's Note, Seite 408, Vintage International, Random House Inc., Oktober 1991
  2. http://www.imdb.com/title/tt0080417/?ref_=fn_al_tt_1