Siegfried Lenz

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Siegfried Lenz (1969)

Siegfried Lenz (* 17. März 1926 in Lyck, Ostpreußen) ist ein deutscher Schriftsteller und einer der bekanntesten deutschsprachigen Erzähler der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur.

Leben[Bearbeiten]

Siegfried Lenz ist Sohn eines Zollbeamten. Nach dem frühen Tod des Vaters zog seine Mutter samt Tochter von Lyck weg und ließ den gerade schulpflichtig gewordenen Siegfried bei der Großmutter zurück. Nach dem Notabitur 1943 wurde er zur Kriegsmarine eingezogen.

Nach Unterlagen des Berliner Bundesarchivs ist Lenz in der Zentralkartei der NSDAP mit dem Antragsdatum 12. Juli 1943 / Beitrittsdatum 20. April 1944 verzeichnet.[1] Lenz wusste davon nach eigenem Bekunden nichts und geht davon aus, dass er ohne sein Wissen in einem Sammelverfahren in die NSDAP aufgenommen wurde.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs desertierte er in Dänemark und geriet auf seiner Flucht in Schleswig-Holstein in britische Kriegsgefangenschaft. Dort wurde Lenz zum Dolmetscher einer britischen Entlassungskommission.

Nach seiner Entlassung besuchte er die Universität Hamburg, um dort Philosophie, Anglistik und Literaturwissenschaft zu studieren. Sein Studium brach er allerdings vorzeitig ab und wurde Volontär bei der Tageszeitung Die Welt und von 1950 bis 1951 Redakteur dieser Zeitung. Dort lernte er auch seine zukünftige Ehefrau Liselotte (* 1918 oder 1919; † 5. Februar 2006) kennen, die einige seiner Bücher illustrierte. Die Ehe wurde 1949 geschlossen.

1951 unternahm Siegfried Lenz eine von dem Honorar für seinen ersten Roman, Es waren Habichte in der Luft, publiziert bei Hoffmann und Campe, finanzierte Reise nach Kenia. Über seine Erlebnisse dieser Zeit, unter anderem den Mau-Mau-Aufstand, schreibt er in seiner Erzählung Lukas, sanftmütiger Knecht.

Siegfried Lenz lebt seit 1951 als freier Schriftsteller in Hamburg und war regelmäßiger Gast des Literatentreffens Gruppe 47. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag Hoffmann & Campe leitete Albrecht Knaus.

Lenz gehörte zum Hamburger Büro des Kongresses für kulturelle Freiheit. Gemeinsam mit Günter Grass engagierte er sich für die SPD und unterstützte die Ostpolitik Willy Brandts. Zur Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages wurde er 1970 nach Warschau eingeladen. Im Oktober 2011 wurde er Ehrenbürger seiner Geburtsstadt.[2]

Er ist Ehrenmitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg. Er ist seit 1967 Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Seit 2003 ist er Gastprofessor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

In der erneuten Verfilmung des Feuerschiffs (2008) spielte Siegfried Lenz, selbst begeisterter Angler, in einer Gastrolle als solcher. Im Juni 2010 heiratete Siegfried Lenz ein zweites Mal.[3]

Im Jahr 2011 schrieb Lenz einen neuen Erzählband mit dem Titel Die Maske, welchen er – in Auszügen – erstmals am 20. März auf einer NDR-Matinee zu Ehren seines 85. Geburtstags vortrug. Als gebundene Ausgabe wurde er am 27. Oktober veröffentlicht.

Im Frühjahr 2014 gab Lenz bekannt, sein persönliches Archiv dem Deutschen Literaturarchiv Marbach zu überlassen.[4] Im Juni 2014 gründete er eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz im Hamburger Stadtteil Barmbek, die sich der wissenschaftlichen Aufarbeitung seines Werkes widmen soll. Der von dieser Stiftung verliehene und mit 50.000 Euro dotierte Siegfried-Lenz-Preis soll erstmals im November 2014 an „internationale Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die mit ihrem erzählerischen Werk Anerkennung erlangt haben und deren schöpferisches Wirken dem Geist von Siegfried Lenz nah ist“ vergeben werden.[5] Erster Preisträger ist der israelische Autor Amos Oz.[6]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

Erzählungen und Novellen[Bearbeiten]

  • 1955 So zärtlich war Suleyken, Kurzgeschichten
  • 1956 Das schönste Fest der Welt
  • 1956 Das Kabinett der Konterbande
  • 1958 Jäger des Spotts. Geschichten aus dieser Zeit, Erzählungen
  • 1958 Lukas, sanftmütiger Knecht, Erzählung (12 Seiten)
  • 1959 Ein Freund der Regierung, Kurzgeschichte
  • 1960 Das Feuerschiff, Erzählungen
  • 1961 Zeit der Schuldlosen, szenisches Werk
  • 1962 Stimmungen der See, Erzählungen
  • 1964 Das Gesicht, szenisches Werk
  • 1964 Lehmanns Erzählungen
  • 1965 Der Spielverderber, Erzählung
  • 1967 Haussuchung, szenisches Werk
  • 1968 Leute von Hamburg, Erzählung
  • 1970 Die Augenbinde, szenisches Werk
  • 1973 Wie bei Gogol, Erzählung
  • 1975 Der Geist der Mirabelle, Erzählung
  • 1975 Einstein überquert die Elbe bei Hamburg, Erzählungen
  • 1980 Drei Stücke, szenisches Werk
  • 1984 Ein Kriegsende, Erzählung
  • 1987 Das serbische Mädchen, Erzählung
  • 1996 Ludmilla, Erzählung
  • 2004 Zaungast, Erzählungen
  • 2006 Die Erzählungen. ISBN 3-455-04285-6.
  • 2008 Schweigeminute, Novelle
  • 2009 Landesbühne, Novelle. Hoffmann und Campe, Hamburg 2009 ISBN 978-3-455-30665-1.
  • 2009 Der Ostertisch, Erzählung, Illustration: Jacky Gleich
  • 2011 Die Ferne ist nah genug. Erzählungen, hrsg. von Helmut Frielinghaus. dtv, München 2011 ISBN 978-3-423-14023-2.
  • 2011 Die Maske. Erzählungen. Hoffmann und Campe, Hamburg 2011, ISBN 978-3-455-40098-4.[11]
  • 2011 Harmonie. Die Versuchsperson. Zwei Einakter. Hoffmann und Campe, Hamburg 2011, ISBN 978-3-455-04292-4.
  • 2012 Küste im Fernglas. Erzählungen, hrsg. von Helmut Frielinghaus, dtv, München 2012, ISBN 978-3-423-14080-5.
  • 2013 Die Nacht im Hotel. Illustriert von Joëlle Tourlonias, ISBN 978-3-455-38127-6.
  • 2013 Eine Liebesgeschichte. Zärtliches aus Suleyken. Illustriert von Franziska Harvey, ISBN 978-3-455-38134-4.
  • 2014 Leute von Hamburg. Mit Bildern von Klaus Fußmann und einem Vorwort von Helmut Schmidt. ISBN 978-3-455-40513-2

Essays, Kinderbücher, Reden[Bearbeiten]

  • 1970 Beziehungen, Essay
  • 1971 Die Herrschaftssprache der CDU, Rede
  • 1971 Verlorenes Land - Gewonnene Nachbarschaft, Rede
  • 1971 So war das mit dem Zirkus, Kinderbuch
  • 1980 Gespräche mit Manès Sperber und Leszek Kołakowski
  • 1982 Über Phantasie: Gespräche mit Heinrich Böll, Günter Grass, Walter Kempowski, Pavel Kohout
  • 1983 Elfenbeinturm und Barrikade. Erfahrungen am Schreibtisch, Essay
  • 1986 Geschichte erzählen - Geschichten erzählen, Essay
  • 1992 Über das Gedächtnis. Reden und Aufsätze
  • 1998 Über den Schmerz, Essay
  • 2001 Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur, Essay
  • 2006 Selbstversetzung, Über Schreiben und Leben, ISBN 3-455-04286-4
  • 2012 Amerikanisches Tagebuch 1962, Hoffmann und Campe Verlag, ISBN 978-3-455-40422-7
  • 2014 Gelegenheit zum Staunen. Ausgewählte Essays, hrsg. von Heinrich Detering. Hoffmann und Campe Verlag, ISBN 978-3-455-40493-7

Verfilmungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Winfried Baßmann: Siegfried Lenz. Sein Werk als Beispiel für Weg und Standort der Literatur in der Bundesrepublik Deutschland. Bouvier, Bonn 1976, ISBN 3-416-01271-2. (= Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft; 222)
  • Hans-Jürgen Greif: Zum modernen Drama: Martin Walser, Wolfgang Bauer, Rainer Werner Fassbinder, Siegfried Lenz, Wolfgang Hildesheimer. 2. Aufl. Bouvier, Bonn 1975, ISBN 3-416-00936-3. (= Studien zur Germanistik, Anglistik und Komparatistik; 25)
  • Rachel J. Halverson: Historiography and fiction. Sigfried Lenz and the „Historikerstreit“. Lang, New York u. a. 1990. (= German life and civilization; 8)
  • Ming-fong Kuo: Das Romanwerk von Siegfried Lenz unter besonderer Berücksichtigung des Romans Das Vorbild. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1991. (= Europäische Hochschulschriften; Reihe 1; 1223) ISBN 3-631-40857-9
  • Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Siegfried Lenz. Ed. Text u. Kritik, München 1976, ISBN 3-921402-33-6. (= Text + Kritik; 52)
  • Rudolf Wolff (Hrsg.): Siegfried Lenz. Werk und Wirkung. Bouvier, Bonn 1985, ISBN 3-416-01825-7. (= Sammlung Profile; 15)
  • Corinna Schlicht (Hrsg.): Anmerkungen zu Siegfried Lenz. Laufen, Oberhausen 1998, ISBN 3-87468-150-5. (= Autoren im Kontext - Duisburger Studienbögen; 2)
  • Felicia Letsch: Auseinandersetzung mit der Vergangenheit als Moment der Gegenwartskritik. Die Romane „Billard um halb zehn“ von Heinrich Böll, „Hundejahre“ von Günter Grass, „Der Tod in Rom“ von Wolfgang Koeppen und „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz. Pahl-Rugenstein, Köln 1982, ISBN 3-7609-5118-X. (= Pahl-Rugenstein Hochschulschriften; 118; Ser.: Literatur und Geschichte)
  • Erich Maletzke: Siegfried Lenz. Eine biographische Annäherung. 2. Aufl. Zu Klampen, Springe 2006, ISBN 3-934920-88-8.
  • Dorothée Merchiers: Le réalisme de Siegfried Lenz. Lang, Bern u. a. 2000, ISBN 3-906758-81-8. (= Publications universitaires européennes; Ser. 1, Langue et littérature allemandes; 1770)
  • Hagen Meyerhoff: Die Figur des Alten im Werk von Siegfried Lenz. Lanf, Frankfurt am Main u. a. 1979, ISBN 3-8204-6645-2. (= Europäische Hochschulschriften; Reihe 1; 327)
  • Hartmut Pätzold: Theorie und Praxis moderner Schreibweisen. Am Beispiel von Siegfried Lenz und Helmut Heissenbüttel. Bouvier, Bonn 1976, ISBN 3-416-01258-5. (= Literatur und Wirklichkeit; 15)
  • Elfie Poulain: La recherche de l’identité sociale dans l’oeuvre de Siegfried Lenz. Analyse de pragmatique romanesque. Lang, Bern u. a. 1996, ISBN 3-906754-68-5. (= Collection contacts; Sér. 3, Études et documents; 37)
  • Trudis E. Reber: Siegfried Lenz. 3., erg. Auflage, Colloquium-Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-7678-0678-9. (= Köpfe des 20. Jahrhunderts; 74)
  • Nikolaus Reiter: Wertstrukturen im erzählerischen Werk von Siegfried Lenz. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1982, ISBN 3-8204-7262-2. (= Europäische Hochschulschriften; Reihe 1; 560)
  • Irene Schlör: Pubertät und Poesie. Das Problem der Erziehung in den literarischen Beispielen von Wedekind, Musil und Siegfried Lenz. Wisslit, Konstanz 1992, ISBN 3-89038-821-3.
  • Werner Schwan: „Ich bin doch kein Unmensch“. Kriegs- und Nachkriegszeit im deutschen Roman. Grass, Blechtrommel - Lenz, Deutschstunde - Böll, Gruppenbild mit Dame - Meckel, Suchbild. Rombach, Freiburg im Breisgau 1990, ISBN 3-7930-9062-0.
  • Hans Wagener: Siegfried Lenz. Edition Text und Kritik, München 1979, ISBN 3-406-04152-3.
  • Wolfgang Beutin: „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz. Eine Kritik. Mit einem Anhang: Vorschule der Schriftstellerei. Hartmut Lüdke Verlag, Hamburg 1970. (Die „Vorschule“ beschäftigt sich mit W. E. Süskinds Vom ABC zum Sprachkunstwerk.)
  • Wolfgang Beutin: Siegfried Lenz. In: Preisgekrönte. Peter Lang Verlag, Frankfurt a.M. 2012, ISBN 978-3-631-63297-0, S. 227–274.
  • Marcel Reich-Ranicki: Mein Freund Siegfried Lenz. In: FAZ, 17. März 2006
  • Fritz J. Raddatz: Ich lehne mich auf, darum bin ich. In: Die Zeit, 16. März 2006, Nr. 12

Film[Bearbeiten]

  • Siegfried Lenz – Schriftsteller und Menschenfreund. Dokumentarfilm, Deutschland, 2011, 43:40 Min., Buch und Regie: Adrian Stangl, Produktion: arte, NDR, Reihe: Mein Leben, Erstsendung: 21. März 2011 bei arte, Inhaltsangabe von arte.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Siegfried Lenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieter Hildebrandt soll in NSDAP gewesen sein. In: Die Welt, 30. Juni 2007
  2. Siegfried Lenz wird Ehrenbürger seiner Heimatstadt. In: Die Welt, 18. Oktober 2011
  3. Siegfried Lenz heiratet langjährige Nachbarin. Spiegel Online, 13. Juni 2010
  4. Siegfried Lenz vertraut sein persönliches Archiv dem Deutschen Literaturarchiv an. Undatierte Mitteilung auf der Homepage des Verlags Hoffmann und Campe (abgerufen am 2. Juli 2014).
  5. Siegfried Lenz gründet Stiftung und lobt hoch dotierten Preis aus. In: Hamburger Abendblatt vom 18. Juni 2014 (abgerufen am 2. Juli 2014).
  6. Siegfried Lenz Preis an Amos Oz In: Spiegel Online vom 10. Juli 2014 (abgerufen am 10. Juli 2014).
  7. Ehrensenatorinnen und Ehrensenatoren der Universität Hamburg
  8. Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1988 an Siegfried Lenz
  9. Alster Schleusenwärter: Die Ehren-Schleusenwärter
  10. Siegfried Lenz wird Ehrenbürger in Polen. RP Online vom 27. September 2011; abgerufen am 30. September 2011
  11. Polonaise fauchen. In: Süddeutsche Zeitung, 6. Dezember 2011, Seite 2/8