Paul Newman

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Paul Newman etwa 1945

Paul Leonard Newman (* 26. Januar 1925 in Shaker Heights, Ohio; † 26. September 2008 in Westport, Connecticut) war ein US-amerikanischer Schauspieler, Filmregisseur, Rennfahrer und Unternehmer. Von den späten 1950er bis in die 1980er Jahre zählte Newman zu den populärsten Hollywoodstars. Newman wurde in einer Zeitspanne von 44 Jahren insgesamt neun Mal für den Oscar nominiert. Neben dem schon 1986 vergebenen Oscar für sein Lebenswerk erhielt er die Auszeichnung ein Jahr später für Die Farbe des Geldes (Bester Hauptdarsteller).

Leben[Bearbeiten]

Paul Newman bei einem politischen Treffen in Menomonee Falls, Wisconsin (1968)

Paul Newman wurde 1925 in Shaker Heights, einem Vorort von Cleveland, Ohio, geboren. Seine katholische Mutter stammte aus dem heute slowakischen Ort Ptičie (damals Tschechoslowakei) bei Humenné[1][2]. Sein deutsch-jüdischer Vater Arthur Samuel Newman (Neumann), zu dem er ein gespanntes Verhältnis hatte, betrieb ein erfolgreiches Sportartikelgeschäft.[3] Bereits in jungen Jahren sammelte er erste schauspielerische Erfahrungen an einem Kindertheater in Cleveland. 1943 meldete er sich freiwillig zur US Navy, um Pilot zu werden. Da er auf Grund seiner Farbenblindheit nicht geeignet war, ein Flugzeug zu steuern, leistete er drei Jahre Dienst als Funker an Bord eines Torpedobombers im pazifischen Raum.

Zurück in Amerika, lernte Newman 1947 die Schauspielerin Jacqueline Witte kennen, die er zwei Jahre später heiratete. Seinen Lebensunterhalt verdiente sich das junge Paar mit einem Sportgeschäft, das Newman von seinem Vater geerbt hatte. Die Ehe hielt jedoch nur wenige Jahre. Nachdem Paul Newman 1949 sein Studium am Kenyon College abgeschlossen hatte, verkaufte er kurze Zeit später seine Anteile an dem Geschäft an seinen Bruder und schrieb sich an der Yale Drama School in New York ein, um Schauspielunterricht zu nehmen. Nach nur einem Vorsprechen an Lee Strasbergs legendärem Actors Studio wurde er dort 1953 zugelassen und begann sein Studium zusammen mit Eli Wallach, Rod Steiger, Julie Harris und Geraldine Page. Mit Jobs in Live-Fernsehsendungen und Engagements am Broadway verdiente er sich seinen Lebensunterhalt. In dieser Zeit lernte er Joanne Woodward kennen, die wie er am Broadway als Zweitbesetzung engagiert war. Erste Aufmerksamkeit erlangte er durch seine Rolle als Alan Seymour in dem Stück Picnic, das ein Erfolg wurde und ihm seinen ersten Filmvertrag bei der Warner Brothers Company in Hollywood einbrachte.

1954 spielte er seine erste Filmrolle, den griechischen Sklaven Basilius, in der Produktion Der silberne Kelch. Rückblickend bezeichnete Newman diese Rolle als eine Katastrophe. Seine Kostümierung war ihm derart peinlich, dass er sich nicht traute, in die Kamera zu schauen. Zur selben Zeit drehte er Probeaufnahmen mit James Dean für Jenseits von Eden unter der Regie von Elia Kazan, erhielt aber die Rolle des Aron nicht. Da es ihm sein Vertrag erlaubte, ging er zurück an den Broadway und trat dort in der Hauptrolle in The Desperate Hours gemeinsam mit Karl Malden auf. 1955 war er neben Eva Marie Saint und Frank Sinatra in dem live gesendeten Fernsehspiel Our Town zu sehen. Erst 1956 wagte er sich erneut vor die Filmkamera, diesmal als Box-Champion Rocky Graziano in Die Hölle ist in mir (auch bekannt als Eine Handvoll Dreck). Dieser Film offenbarte Paul Newmans Starqualitäten, und die Ähnlichkeit mit Marlon Brando wie auch sein sportlicher Körper und seine stechend blauen Augen machten ihn bald darauf in Hollywood zu einem gefragten Schauspieler. 1957 erhielt er für seine Leistung in Der silberne Kelch an der Seite von Pier Angeli den Golden Globe Award als Bester Nachwuchsdarsteller. 1958 heirateten Paul Newman und Joanne Woodward, nachdem er von seiner ersten Frau 1957 geschieden worden war.

Eine geschickte Drehbuchauswahl, seine Vielseitigkeit und sein Ehrgeiz brachten Newman künstlerischen und finanziellen Erfolg, sodass er bald in die Riege der gefragtesten Hollywoodstars aufstieg. Zu den wichtigsten und bekanntesten Filmen, in denen er mitwirkte, gehörten Der lange heiße Sommer (1958), Die Katze auf dem heißen Blechdach (1958), Exodus (1960), Haie der Großstadt (1961), Der Wildeste unter Tausend (1963), Ein Fall für Harper (1966), Der zerrissene Vorhang (1966), Man nannte ihn Hombre (1967), Der Unbeugsame (1967), Zwei Banditen (1969), Das war Roy Bean (1972), Der Clou (1973), Flammendes Inferno (1974), Schlappschuss (1977), The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit (1982), Die Farbe des Geldes (1986), Hudsucker – Der große Sprung (1994), Nobody’s Fool – Auf Dauer unwiderstehlich (1994) und Road to Perdition (2002). Viele seiner frühen Filme wurden von Martin Ritt inszeniert, der großen Anteil an der Findung und Etablierung von Newmans Leinwandpersönlichkeit hatte. Mit dem Produzenten John Foreman gründete Paul Newman Ende der 1960er Jahre die Produktionsgesellschaft Newman-Foreman Productions, die mehrere erfolgreiche Filmproduktionen hervorbrachte. Mit seiner zweiten Frau Joanne Woodward drehte der Star gemeinsam 14 Filme. Die Dreharbeiten zu dem Film Indianapolis – Wagnis auf Leben und Tod im Jahre 1969 weckten Newmans Interesse am Autorennsport ebenso wie bei seinen Kollegen James Garner und Steve McQueen.

Durch seine Kochleidenschaft angeregt gründete er seine eigene Lebensmittelkette Newman’s Own, die weit über 200 Millionen Dollar erwirtschaftet hat und durch die mehrere soziale Projekte finanziert wurden. So gründete Newman mit seiner Frau das The Hole in the Wall Gang Camp für krebskranke Kinder sowie für Kinder mit lebensbedrohlichen Blutkrankheiten (1996 ausgezeichnet mit dem Lego-Preis). Im Gedenken an seinen 1978 verstorbenen Sohn aus erster Ehe rief er die nach diesem benannte Scott Newman Foundation ins Leben, die sich dem Kampf gegen Drogenmissbrauch bei Jugendlichen verschrieben hat.

Auch politisch war Newman seit den 1960er Jahren als aktiver Teilnehmer der Bürgerrechtsbewegung außerordentlich engagiert. Er unterstützte Abrüstungskampagnen während des Kalten Krieges und nutzte seine Popularität, um Spendengelder zu sammeln. Auf Präsident Nixons berüchtigter „Feindesliste“ stand er auf Rang 19, was er einmal als eine seiner besten Auszeichnungen pries.

1994 erhielt Newman den Jean Hersholt Humanitarian Award, eine Auszeichnung für besondere humanitäre Verdienste im Sinne der Filmindustrie im Rahmen der Oscarverleihung.

Paul Newman (2007)

Im Mai 2007 gab er in der US-amerikanischen Nachrichtensendung Good Morning America nach fünf Jahrzehnten als Schauspieler seinen Rücktritt bekannt. Als Gründe hierfür gab er sein immer schlechter werdendes Gedächtnis sowie sein geschwundenes Selbstvertrauen an.[4] Anfang Juni 2008 berichteten Medien, dass Newman bereits seit mehreren Monaten an Lungenkrebs leide und stationär im New Yorker Sloan-Kettering-Krebszentrum behandelt werde. Der Schauspieler, der als Kettenraucher galt, ließ, wie schon in der Vergangenheit zuvor, Berichte über seine Krankheit zunächst dementieren.[5][6] Im August verschlechterte sich sein Zustand jedoch dahingehend, dass er die Chemotherapie abbrach und sich auf eigenen Wunsch nach Hause entlassen ließ. Newman verstarb in seinem Haus in Westport, Connecticut, an Lungenkrebs.[7]

Er war seit dem 29. Januar 1958 in zweiter Ehe mit Joanne Woodward verheiratet und hatte aus seinen beiden Ehen fünf Töchter. Sein Sohn Scott Newman (* 1950) aus erster Ehe starb am 20. November 1978 an einer Überdosis Drogen in Kombination mit Alkohol.[8]

Motorsport[Bearbeiten]

Im Jahr 1979, im Alter von 54 Jahren, erreichte Paul Newman bei den 24 Stunden von Le Mans im Team mit Rolf Stommelen auf einem Porsche 935 Platz 2, wobei der Porsche jedoch fast ausschließlich von Stommelen gefahren wurde. Im Alter von fast 70 Jahren war Newman 1995 Mitglied im Siegerteam beim 24-Stunden-Rennen von Daytona und auch in den Folgejahren noch mehrfach am Start.

Paul Newman gründete 1983 zusammen mit dem damaligen Lola-Generalimporteur Carl Haas das Newman/Haas-Team, das siegreichste Champ-Car-Team nach Penske Racing sowie Meisterteam von:

Le-Mans-Ergebnisse[Bearbeiten]

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
1979 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Dick Barbour Racing Porsche 935/77 A DeutschlandDeutschland Rolf Stommelen Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Dick Barbour Rang 2

Filmografie[Bearbeiten]

Schauspieler[Bearbeiten]

Regisseur[Bearbeiten]

  • 1968: Die Liebe eines Sommers (Rachel, Rachel)
  • 1971: Sie möchten Giganten sein (Sometimes a Great Notion)
  • 1972: Die Wirkung von Gammastrahlen auf Ringelblumen (The Effect of Gamma Rays on Man-in-the-Moon Marigolds)
  • 1980: The Shadow Box (TV)
  • 1984: Harry & Sohn (Harry & Son)
  • 1987: Die Glasmenagerie (The Glass Menagerie) (Fernsehfilm nach dem Theaterstück Die Glasmenagerie)

Produzent[Bearbeiten]

  • 1968: Die Liebe eines Sommers (Rachel, Rachel)
  • 1969: Die Wirkung von Gammastrahlen auf Ringelblumen (The Effect of Gamma Rays on Man-in-the-Moon Marigolds)
  • 1970: Machenschaften (WUSA)
  • 1984: Harry & Sohn (Harry & Son)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Seit er 1958 mit Elizabeth Taylor in Die Katze auf dem heißen Blechdach vor der Kamera gestanden hatte, waren Paul Newman in regelmäßigen Abständen Hoffnungen auf einen Oscar gemacht worden. Insgesamt neun Mal zählte er zu den Favoriten. Erst 1986 jedoch erhielt er den Ehren-Oscar für sein Gesamtwerk. Ein Jahr später erhielt er für seine Rolle als gealterter Billardprofi Fast Eddie Felson in Martin Scorseses Die Farbe des Geldes einen Oscar als bester Hauptdarsteller, den er aber nicht persönlich entgegennahm.

Newman wurde mit folgenden Filmpreisen ausgezeichnet:

Oscar

Golden Globes

  • 1957: Golden Globe in der Kategorie Bester Nachwuchsdarsteller für Der silberne Kelch
  • 1962: Golden-Globe-Nominierung als Bester Hauptdarsteller (Drama) für Haie der Großstadt
  • 1963: Golden-Globe-Nominierung als Bester Hauptdarsteller (Drama) für Süßer Vogel Jugend
  • 1963: Golden Globe Nominierung als Bester Nebendarsteller für Hemingways Abenteuer eines jungen Mannes
  • 1964: Henrietta Award
  • 1964: Golden-Globe-Nominierung als Bester Hauptdarsteller (Drama) für Der Wildeste unter Tausend
  • 1966: Henrietta Award
  • 1968: Golden-Globe-Nominierung als Bester Hauptdarsteller (Drama) für Der Unbeugsame
  • 1968: Henrietta Award
  • 1969: Golden Globe in der Kategorie Bester Filmregisseur für Die Liebe eines Sommers
  • 1984: Cecil B. DeMille Award
  • 1987: Golden-Globe-Nominierung als Bester Hauptdarsteller (Drama) für Die Farbe des Geldes
  • 1995: Golden-Globe-Nominierung als Bester Hauptdarsteller (Drama) für Nobody’s Fool – Auf Dauer unwiderstehlich
  • 2003: Golden-Globe-Nominierung als Bester Nebendarsteller in Road to Perdition
  • 2006: Golden Globe in der Kategorie Bester Nebendarsteller/TV-Serie für Empire Falls

British Film Academy Award

  • 1959: British Film Academy Award – Nominierung in der Kategorie Bester ausländischer Darsteller für Die Katze auf dem heißen Blechdach
  • 1962: British Film Academy Award – Auszeichnung in der Kategorie Bester ausländischer Darsteller für Haie der Großstadt
  • 1964: British Film Academy Award – Nominierung in der Kategorie Bester ausländischer Darsteller für Der Wildeste unter Tausend
  • 1964: British Film Academy Award – Nominierung in der Kategorie Bester Darsteller für Zwei Banditen

Berlinale 1995

  • 1995: Silberner Bär in der Kategorie Bester Darsteller für Nobody’s Fool – Auf Dauer unwiderstehlich

Cannes Film Festival

  • 1958: Preis für den besten Darsteller für Der lange heiße Sommer

David di Donatello

  • 1983: David di Donatello in der Kategorie Bester ausländischer Darsteller für The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Festival Internacional de Cine de Mar del Plata

  • 1962: Preis in der Kategorie Bester Darsteller für Haie der Großstadt

National Board of Review

  • 1986: NBR Award in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Die Farbe des Geldes

National Society of Film Critics Awards

  • 1995: NSFC Award in der Kategorie Bester Darsteller für Nobody’s Fool – Auf Dauer unwiderstehlich

New York Film Critics Circle Award

  • 1986: NYFCC Award in der Kategorie Bester Regisseur für Die Liebe eines Sommers
  • 1994: NYFCC Award in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Nobody’s Fool – Auf Dauer unwiderstehlich

Screen Actors Guild Awards

Außerdem diverse Nominierungen für oben genannte und andere Filmpreise.

Synchronisation[Bearbeiten]

Newmans deutsche Standardsynchronstimme war bis 1997 Gert Günther Hoffmann, der ihn in Filmen wie Zwei Banditen, Der Clou und Die Farbe des Geldes synchronisierte. Wolfgang Kieling oder Michael Chevalier vertraten ihn in Abwesenheit. Nach Hoffmanns Ausscheiden wegen Krankheit (gestorben 1997) übernahmen vorwiegend Otto Mellies und in dessen Vertretung Joachim Höppner die Synchronisation.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ward Calhoun (Hrsg.): Paul Newman. Mit Texten von Manfred Hobsch, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2009. ISBN 978-3-89602-937-9.
  • Michael Kerbel: Paul Newman. Pyramid Publ., New York 1973. Deutsche Ausgabe: Paul Newman. Seine Filme – sein Leben. 6. aktualisierte Auflage, Heyne-Verlag, München 1990 (Heyne-Filmbibliothek, Band 13). ISBN 3-453-86013-6.
  • Eric Lax: Paul Newman. A Biography, Turner Publ., Atlanta 1996. Deutsche Ausgabe: Paul Newman. Rebell und Gentleman, Henschel-Verlag, Berlin 1997. ISBN 3-89487-276-4.
  • John Skow: Paul Newman: Verdict on a Superstar. In: TIME, Ausgabe vom 6. Dezember 1982. (ausführliches Portrait)

Nachrufe

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Newman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin Votruba: Paul Newman Slovak Studies Program, University of Pittsburgh (nach den Personenstandsverzeichnissen) (abgerufen am 13. September 2010)
  2. Miloslav Rechcigl jr.: Cultural contributions of Americans with Roots in Slovakia, Czechoslovak Society of Arts and Sciences (SUV), Washington, mit Anm. 33. (abgerufen am 13. September 2010)
  3. Paul Newman war einer der ganz Großen in Die Zeit, 27. September 2008
  4. Paul Newman will nie wieder Film drehen, in Der Spiegel, 26. Mai 2007
  5. Krebsgerüchte dementiert: Paul Newman ist gesund, n-tv, 11. Juni 2008
  6. Verwirrspiel um Gesundheit von Paul Newman, in Der Stern, 12. Juni 2008
  7. Paul Newman ist tot in Frankfurter Rundschau, 27. September 2008
  8. Time Magazine: Milestones, Dec. 4, 1978 - Died: Alan Scott Newman