Deutschstunde

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Dieser Artikel behandelt den Roman von Siegfried Lenz aus dem Jahr 1968. Zu dessen zweiteiliger Verfilmung aus dem Jahr 1971 siehe Die Deutschstunde.

Der Roman Deutschstunde von Siegfried Lenz erschien 1968. Lenz bringt in diesem Werk das zentrale Thema der deutschen Nachkriegsliteratur auf den Punkt: Die Verquickung von Schuld und Pflicht in der Zeit des Nationalsozialismus. Die oft gehörte Entschuldigung, man habe ja nur „seine Pflicht getan“, wird hier kritisch durchleuchtet.

Formal ist der Roman durch zwei verschiedene Zeitebenen strukturiert: Die erste Ebene ist die Gegenwart des Ich-Erzählers Siggi Jepsen, der sich in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche befindet; die zweite Ebene ist Siggis „Aufsatz“, in dem er in Rückblenden seine Geschichte erzählt. Hinzu kommen außerdem gelegentliche Perspektivewechsel durch psychologische Studien über Siggi, die von ihm gelesen und skeptisch kommentiert werden.

Inhalt[Bearbeiten]

Siggi Jepsen, Insasse einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche (angelehnt an die Jugendstrafanstalt Hahnöfersand), bekommt in einer Deutschstunde das Aufsatzthema „Die Freuden der Pflicht“ gestellt und scheitert daran: Er gibt ein leeres Heft ab. Der Grund für sein Scheitern liegt jedoch darin, dass er zu diesem Thema zu viel zu sagen hat – im Arrest, der von ihm freiwillig immer weiter verlängert wird, schreibt Siggi nun über seine Kindheit und Jugend, die gerade unter dem Zeichen der „Pflicht“ stand. Siggi Jepsens Vater war nämlich der „nördlichste Polizeiposten Deutschlands“ in dem schleswig-holsteinischen Dorf Rugbüll. Jens Ole Jepsen erhält 1943 von der nationalsozialistischen Obrigkeit den Auftrag, gegen den expressionistischen Maler Max Ludwig Nansen (für diese Romanfigur diente Emil Nolde als Vorbild) ein Malverbot auszusprechen und dieses Verbot zu überwachen. Obwohl Jepsen seit seiner Jugend mit Nansen befreundet ist und dieser ihm sogar einmal das Leben gerettet hat, kommen ihm keinerlei Zweifel an seiner Pflicht, diese Anordnungen rigoros zu befolgen. Als er seinen zu dieser Zeit zehnjährigen Sohn Siggi dazu anstiften will, den Maler zu bespitzeln, bringt er ihn damit in einen Gewissenskonflikt, denn Nansens Atelier ist für Siggi wie ein zweites Zuhause. Er beschließt, seinem Vater nicht zu gehorchen, und hilft stattdessen Nansen beim Verstecken von Bildern.

Siggis Vater ist von fanatischer Pflichterfüllung angetrieben, weniger von der nationalsozialistischen Ideologie, im Unterschied zu seiner Frau, die, wie gelegentlich zum Ausdruck kommt, vollkommen vom Nationalsozialismus überzeugt ist. Als Siggis Bruder Klaas sich selbst verstümmelt, um nicht weiter Kriegsdienst leisten zu müssen, wird er von seinen Eltern verstoßen – nur mit Glück und der Hilfe von Nansen kann er den Krieg überleben.

Selbst nach Kriegsende kommen Jepsen keine Zweifel, im Gegenteil, er beharrt auf der Überzeugung, dass es weiterhin seine Pflicht sei, Nansens Bilder zu vernichten. Hierbei kommen ihm gelegentliche Anflüge des „zweiten Gesichts“ zuhilfe – dadurch kann er das Versteck in der alten Mühle, in der Siggi einige von Nansens Bildern aufbewahrte, entdecken und in Brand setzen. Siggi steigert sich nun in einen Wahn hinein, Nansens Bilder vor seinem Vater „retten“ zu müssen. Er wird so zum Kunstdieb, was schließlich zu seiner Verhaftung und der Einlieferung in die Besserungsanstalt führt.

Personenkonstellation[Bearbeiten]

Im Zentrum der Personenkonstellation steht der Ich-Erzähler Siggi Jepsen. Im Wesentlichen bilden sich um ihn herum zwei Parteien aus. Zum Einen die Mitglieder der Familie Jepsen, vor allem sein Vater Jens Ole Jepsen, seine Mutter Gudrun Jepsen, sein Bruder Klaas und seine Schwester Hilke. Die andere Partei bildet der Maler Max Ludwig Nansen sowie dessen Familie.

Charakteristik[Bearbeiten]

Siggi Jepsen Von ihm wird durch seine Eltern strenger willensloser Gehorsam gefordert, diesem kann er aber aus seinem eigenen Wesen heraus nicht nachkommen. Deswegen kommt es dazu, dass seine Eltern Jens und Gudrun Jepsen psychischen sowie physischen Druck auf ihn ausüben, um dies zu erreichen. Im Laufe der Erzählung wird deutlich, dass er sich zu dem Maler Max Ludwig Nansen wesentlich mehr hingezogen fühlt als zu seinen Eltern. Dort erfährt er Liebe und Geborgenheit. Nach Ende des Krieges bildet er einen so genannten „Tick“ aus, den Psychologen im Buch nach, eine gerichtete Obsession und halluzinatorische Abwehrreaktion. Außerdem hat er höllische Angst vor seinem Vater. Letztendlich wird er von seinen Eltern verstoßen und findet einzig allein Zuwendung bei dem Maler und seiner älteren Schwester Hilke.

Ausgaben[Bearbeiten]

Verfilmung[Bearbeiten]

Peter Beauvais verarbeitete den Roman-Stoff 1971 zu einem zweiteiligen Fernsehfilm namens Die Deutschstunde.

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Deutschstunde – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen