Burchard de Volder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Burchard de Volder (* 26. Juli 1643 in Amsterdam; † 28. März 1709 in Leiden) war ein niederländischer Philosoph, Mediziner, Physiker, Astronom und Mathematiker.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn des Justus de Volder und der Maria Liesveld, wuchs in einem Mennoitischen Umfeld auf. Für ihren Sohn hatten die Eltern eine medizinische Laufbahn vorgesehen. Burchard hatte die Lateinschule und das Athenaeum Illustre in Amsterdam besucht. An letzterer Einrichtung waren Arnoldus Senguerdius und Alexander de Bie (1623–1690) seine prägenden Lehrer, welche ihn mit den Grundlagen der philosophischen Wissenschaften vertraut machten. Nachdem er am 12. Oktober 1658 die Abhandlung Disputatio mathematica de profunditate maris und am 31. Januar 1659 Disputatio de linea, quam globus per aërem describit verteidigt hatte,[1] setzte er seine Studien an der Universität Utrecht fort, wo er sich am 18. Oktober 1660 unter Johannes de Bruin den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie erwarb.[2] Weitere Studien absolvierte er ab dem 22. Februar 1661 an der Universität Leiden,[3] wo er ein Schüler von Franciscus Sylvius wurde und am 3. Juli 1664 mit der Abhandlung de Natura zum Doktor der Medizin promovierte.[4] Danach kehrte er als Arzt nach Amsterdam zurück, beschäftigte sich mit den Schriften von René Descartes und gehörte dem Umkreis der Freude des Baruch de Spinoza an. Er änderte in jener Zeit auch seine Konfession und gehörte dann der Remonstrantischen reformierten Gemeinde an, für welche Gemeinde er die finanziell schlechter gestellten Menschen medizinisch unterstützte.

Am 7. Februar 1670 wurde er Professor der Philosophie in Leiden und gab ab dem 8. November 1670 Vorlesungen zur Physik. Nachdem er 1674 eine Reise durch England absolviert hatte, gab er ab dem 26. Januar 1675 auch Vorlesungen zur experimentellen Physik. Dazu hatte er bei seinen Schülern mit anschaulichen physikalischen Experimenten die Aufmerksamkeit erregt und begann ein physikalisches Museum in der Leidener Hochschule anzulegen. Etwa in jener Zeit hatte er sich auch mit Otto von Guerickes Untersuchungen des Luftdrucks beschäftigt, woraufhin er eine neue Luftpumpe erfand, die später von Wolferdus Senguerdius und Willem Jacob ’s Gravesande weiterentwickelt wurde.[5] Nach einer erneuten Reise nach Paris 1681, wurde er am 25. April 1682 zum Professor der Mathematik berufen, wozu er am 15. Juni 1682 seine Einführungsrede de conjungendi cum philosophices Matheseos studio hielt und damit verbunden Leiter der Sternwarte in Leiden wurde.[6] Er hatte sich mit der Herausgabe der Schrift de Coemotheoros von Christiaan Huygens 1689, sowie 1703 als Herausgeber seiner Schriften einen weiteren Ruf in der damaligen Wissenschaftswelt erworben.

Zudem hatte er Vorlesungen zu Isaac Newtons Philosophiae Naturalis Principia Mathematica abgehalten und die Bestände des astronomischen Observatoriums in Leiden durch zahlreiche Gegenstände vermehrt. In seiner Eigenschaft als Leidener Hochschullehrer beteiligte er sich auch an den organisatorischen Aufgaben der Bildungseinrichtung und war 1697/98 Rektor der Alma Mater. Sein Rektorat legte er mit der Rede de rationi viribus et usu in scientus nieder. Am 6. Oktober 1705 wurde er aus seiner mathematischen Professur aus gesundheitlichen Gründen entlassen, blieb aber weiter mit der Leidener Hochschule verbunden. Er starb unverheiratet, ohne ein Testament hinterlassen zu haben. Volder der unter anderem mit Gottfried Wilhelm Leibniz korrespondierte, hatte in Herman Boerhaave einer seiner bedeutendsten Schüler.

Werke[Bearbeiten]

  • De Natura. Leiden 1664
  • Oratio habita in funere Siberti Coeman, J.U.D. et Professores. Leiden 1675
  • Dissertationes philosophicae de rerum Naturalium principiis ut et de Aëris gravitate. Leiden 1681, (Online)
  • Oratio de conjungendo cum philosophia mathesos studio. Leiden 1681
  • Dispotationes philosophicae omnes contra Atheos. Middelburg 1685
  • Exercitationes Academicae, quibus Renati Cartesu philosophia defendetur adversus Petri Daniëlis Huëtu censuram philosophiae Cartesianae. Amsterdam 1685
  • Dissertatio de brutorum operationibus. Leiden 1689
  • Oratio habita in funere Cl. viri Lucae Schacht. Med. D. et Professor. Leiden 1689
  • Oratio de rationalis viribus et usu in scientiis. Leiden 1698 (Online)
  • Dissertatio de carentia sensuum et cognitionis in brutis. Leiden 1698
  • Oratio, quâ consentientibus Illustr. Acad. Curatoribus, urbisque Leidensis Conss. sese laboribus Academicis abdicavit. Habita a.d. XIX. Octobris anni 1705. Leiden 1705

Literatur[Bearbeiten]

  • Volder, Burchard von. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 50, Leipzig 1746, Spalte 409 f.
  • Christian Gottlieb Jöcher: Allgemeines Gelehrten-Lexicon, Darinne die Gelehrten aller Stände sowohl männ- als weiblichen Geschlechts, welche vom Anfange der Welt bis auf die ietzige Zeit gelebt, und sich der gelehrten Welt bekannt gemacht, Nach ihrer Geburt, Leben, merckwürdigen Geschichten, Absterben und Schrifften aus den glaubwürdigsten Scribenten in alphabetischer Ordnung beschrieben werden. Verlag Johann Friedrich Gleditsch, Leipzig, 1751, Bd. 4, 1704
  • Cornelis van der Vijver: Geschiedkundige Beschrijving der Stad Amsterdam: sedert hare wording tot op den Tegenwoordigen Tijd; of Beknopt Overzigt van den Oorsprong, de Uitbreiding, Lotgevallen, Bijzonderheden, Gestelijke en Wereldlijke Inrigtingen en Gebruiken dier Stad, op eene, voor alle Standen, bevattelijke en onderhoudende wijze Beschreven, onder Medwerking van eenige Geschied- en Letterkundigen. Verlag Gebrüder Dietrichs, Amsterdam, 1844, 1. Bd., S. 385 (Online, niederländisch)
  • Jan Christiaan Kobus, Willem de Rivecourt: Biographisch woordenboek van Nederland, behelzende de Levensbeschrijvingen van Personen, die zich in Nederland hebben bekend gemaakt. Verlag A. E. C. van Someren, Zutphen, 1870, 3. Bd. (T-Z), S. 249 (Online, niederländisch)
  • Jan Wagenaar, Simon Stil: Amsterdam in zyne Opkomst, Aanwas, Geschiedenissen, Voorregten, Koophandel, Gebouwen, Kerkenstaat, Schoolen, Schutterye, Gilden en Regeeringe, Beschreeven. Yntema en Tieboel, Amsterdam, 1767, 11. Bd., S. 336, (Online, niederländisch)
  • Antoine Jacques Louis Jourdan: Dictionaire Des Sciences Médicales. Biographie Médicale. C. L. F. Panckoucke, Paris, 1825, Bd. 7 (Rhaz–Z), S. 452 (Online, französisch)
  • Jacobus Kok, Jan Fokke: Vaderlandsch woordenboek; Oorspronklyk Verzameld. Johannes Allart, Amsterdam, 1793, Bd. 29 (T-V), S. 306, (Online, niederländisch)
  • Abraham Jacob van der Aa: Biographisch woordenboek der Nederlanden, bevattende levensbeschrijvingen van zoodanige personen, die zich op eenigerlei wijze in ons vaderland hebben vermaard gemaakt. Verlag J. J. Van Brederode, Haarlem, 1876, Bd. 19, S. 316, (Online, niederländisch)
  • Het onversneden rationalisme van Burchard de Volder. In: Mannen rond Spinoza (1650-1700). Presentatie van een emanciperende generatie. W. N. A. Klever en Uitgeverij Verloren, Hilversum, 1997, ISBN 90-6550-563-6, S. 205 ff. (Onlineleseprobe, niederländisch)
  • David van Hoogstraten, Jan Lodewyk Schuer: Groot algemeen woorden-boek, zo historisch, geografisch, genealogisch en Oordeelkundig Woordenboek. Brunel & Wetsteins, Amsterdam-Utrecht-Den Haag, 1733, Bd. 10 (T-Z), S. 117 (Online, niederländisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dirk K. W. van Miert: Humanism in an Age of Science. The Amsterdam Athenaeum in de golden Age, 1632-1704. Brill, Leiden, 2009, ISBN 978-90-04-17685-0, S. 390
  2. Album promotorum qui inde an anno MDCXXXVI usque ad annum MDCCCXV in Academia Rheno-Trajectina gradum doctoratus adepti sunt, Societas cui nomen “Provinciaal Utrechtsch Genootschap van Kunsten en Wetenschnappen” componendum edendumque curavit, atque Academiae Rheno-Trajectinae trecesimo die natali donum obtulit. Verlag Broekhoff, Utrecht, MCMXXXVI.
  3. G. du Rieu: Album studiosorum Academiae Lugduno-Batavae 1575−1875. Martin Nijhoff, Den Haag, 1875
  4. Philipp Christiaan Molhuysen: Album Promotorum Academiae Lugduno Batavae 1575-1812. Den Haag, 1913-1924,
  5. Johann Gottfried Eichhorn: Geschichte der Litteratur von ihrem Anfang bis auf die neuesten Zeiten. Vanderhoeck und Ruprecht, Göttingen, 1810, 3. Bd., 1. Abt., S. 977, (Online)
  6. Friedrich Kaiser: Geschichte und Beschreibung der Sternwarte in Leiden. Joh. Enschede, Haarlem, 1868 (Online)