Butjadingen (Landschaft)

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Die Landschaft Butjadingen

Butjadingen ist eine Landschaft im Norden einer Halbinsel[1] im nordwestlichen Niedersachsen, auf der Butjadingen und das Stadland liegen und die auf einer Länge von ca. 22 km auf drei Seiten von Gewässern umgeben ist. Das Wort „Butjadingen“ wurde in einer Urkunde erstmals im Jahr 1420 benutzt.[2] Kurz zuvor war dieser nördliche Teil der Halbinsel zwischen Jade und Weser durch die Heete zeitweilig zur Insel geworden.

Lage[Bearbeiten]

Marschland in Butjadingen
Butjadingen: vorne Nordenham an der Unterweser, ganz hinten die Jade

Die Landschaft Butjadingen liegt an der deutschen Nordseeküste und grenzt im Südwesten an den Jadebusen, im Westen und Nordwesten an die Innenjade sowie im Osten und im Nordosten an die Weser und deren Mündung. Als Südgrenze Butjadingens galt zunächst die Ahne, seit 1334 die als breiterer neuer Durchbruch hinzugekommene Heete. Als Grenze zum südlich benachbarten Stadland ist also etwa die Linie zwischen Stollhamm an der Nordostecke des Jadebusens und Nordenham-Atens anzunehmen.


Butjadingen besteht aus Marschland und ist recht dünn besiedelt. Der Halbinsel vorgelagert erstreckt sich das Watt des Hohen Wegs zwischen den Mündungen von Jade und Weser etwa 23 Kilometer nach Nordwesten bis über die Insel Mellum hinaus. Es ist Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. In Fedderwardersiel unterhält der Nationalpark ein Informationszentrum.

Die heutige Gemeinde Butjadingen nimmt den westlichen Teil, die Stadt Nordenham den östlichen Teil der Halbinsel ein. Das Gebiet beider Kommunen zusammen entspricht in etwa der ehemaligen Insel Butjadingen.

Geschichte[Bearbeiten]

Gau Rüstringen in den Friesischen Seelanden
Entwicklung von Jadebusen und Weserdelta; Verlandung seit 1300 entstandener Wasserflächen ab 1500 nur indirekt über die Abdeichung dargestellt.
→ Kartengrößen zum Lesen: • 33 % bzw. 216 dpi, • 50 % bzw. 144 dpi
Deich bei Tossens

Im Mittelalter war Butjadingen der Nordosten des Gaus Rüstringen. In dieser Landgemeinde bildete das Asegabuch die Rechtsgrundlage sie war Teil der Friesischen Seelande. Der Begriff Butjadingen („Außen-Jade“) entstand im 14. Jahrhundert, als große Sturmfluten neue Gewässerarme geschaffen und so dieses Gebiet vom Festland abgetrennt hatten.[3] Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts trat Butjadingen selber als Landgemeinde auf, als Konfliktgegner und Vertragspartner der Reichsstadt Bremen. Die Anrainer der Unterweser erpressten von den Schiffen der Hansestadt Schutzgelder und diese suchte die neuen Inseln Butjadingen und Stadland unter ihre Kontrolle zu bringen.

Stadland war das Rüstringer Gebiet am linken Weserufer südlich der Heete.[4]Die Grenze zwischen Stadland und Bovenjadingen („Ober-Jade“) war zunächst das zu der Zeit noch kaum besiedelte Schweier Moor, später das Lockfleth.

In verlustreichen Schlachten („Lewer dod as sklav“) kämpften die Butjadinger um ihre Unabhängigkeit, sowohl gegen Eroberungsversuche von außen, als auch gegen Herrschaftsansprüche machthungriger friesischer Geschlechter. Die Kontrolle Bremens konnten die vereinigten Butjadinger und Stadlander 1424 nach vier Jahrzehnten wieder abschütteln. Aber nach der 2. Marcellusflut 1511, mit der der Jadebusen seine größte Ausdehnung erreichte, waren die Rüstringer Friesen so geschwächt, dass die Grafen von Oldenburg 1514 das Stadland und 1532 Butjadingen unterwarfen.

Immerhin hatten die Oldenburger die Mittel, neue und stärkere Deiche zu bauen, so dass seither die Landgewinne größer waren als die Landverluste. Innerhalb von weniger als fünf Jahren bildeten Stadland und Butjadingen wieder eine Halbinsel des Festlandes. Allein an der Nordküste Butjadingens ging noch Land und mit ihm mehrere Dörfer verloren, Alt-Fedderwarden, Alt-Bordyck, Alt-Waddens, Bült und Hüsen. Ursache war die Hauptrinne der Außenweser, die von etwa 1600 bis etwa 1800 nicht wie vorher (und heute wieder) nordwärts vor der Küste des Landes Wursten verlief, sondern nordwestwärts entlang der Küste Butjadingens. Bei der letzten verheerenden Sturmflut Weihnachten 1717 wurden fast alle Marschen an der deutschen Nordseeküste überschwemmt, in vielen Kirchspielen ertrank ein Drittel der Bevölkerung und an den Folgen der materielle Verluste litt die Region an die hundert Jahre. Aber die Landverluste waren viel geringer als bei den Katastrophen des 15. und 16. Jahrhunderts. An der West- und Nordküste Butjadingens mussten jedoch viele Deiche noch einmal um etwa einen halben Kilometer zurückverlegt werden und das Dorf Neu-Bordick ging verloren.

Nach dieser Flut wurden unter der Leitung des oldenburgischen Oberlanddrosten Sehestedt die Deichlinien an der Ostküste des Jadebusens und dem Westufer der Weser sturmflutfest gemacht.

Amt Butjadingen[Bearbeiten]

Mit seiner Gebietsreform von 1879 richtete das Großherzogtum Oldenburg das Amt Butjadingen ein, das bestand, bis 1933 die Verwaltungsstruktur des Landes der preußischen angeglichen wurde.[5] Im Jahr 1900 bestand das Amt Butjadingen aus den Gemeinden Abbehausen, Atens (1908 umbenannt in Nordenham), Blexen, Burhave, Eckwarden, Esenshamm, Langwarden, Seefeld, Stollhamm, Tossens und Waddens.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Dede: Butjadingen. Landschaft, Kulturgeschichte, Informationen. Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 1998, ISBN 3-88132-101-2.
  • Hans H. Francksen: Butjadingen. Wintermann Verlag, Oldenburg 1985.
  • Jens Schmeyers: Die letzten freien Friesen zwischen Weser und Ems: Die Geschichte Butjadingens und Stadlands bis zur Schlacht an der Hartwarder Schanze. Stedinger Verlag, Lemwerder 2006

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Umweltstation Iffens: Ausstellung „Butjadingen – Halbinsel mit Format“
  2. Christian Friedrich Strackerjan: Beiträge zur Geschichte des Großherzogthums Oldenburg in zwanglosen Heften. Wilhelm Kaiser, Bremen 1837, S.107
  3. Karl-Ernst Behre: Landschaftsgeschichte Norddeutschlands, Wachholtz Verlag, Neumünster 2008, S. 99 und Karten auf S. 100.
  4. Christian Friedrich Strackerjan: Beiträge zur Geschichte des Großherzogthums Oldenburg in zwanglosen Heften. Wilhelm Kaiser, Bremen 1837, S.108
  5. Martin Teller: Historische Verwaltungsgliederungen des Landes Oldenburg
  6. Uli Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 - Großherzogtum Oldenburg - Herzogtum Oldenburg. Amt Butjadingen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Butjadingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien