Cümbüş

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Mandolin cümbüş mit Bünden

Cümbüş ist eine türkische Laute mit kurzem oder langem Hals ohne Bünde. Ihr kreisrunder, einem Banjo ähnlicher Resonanzkörper aus Metall besitzt eine Hautdecke, die mit Schrauben gespannt wird. Die cümbüş hat sechs Doppelsaiten, die normalerweise wie die einer oud gestimmt und mit einem Plektrum oder einem Federkiel gezupft werden.

Herkunft[Bearbeiten]

Der ägyptische Musiker Mohammed Abdel Wahab mit einer mandolin cümbüş

Das Instrument wurde um 1930 von Zeynel Abidin (1881–1947) erfunden, der sich später den Familiennamen Cümbüş zulegte. Von ihm entwickelte Vorläufer aus der Lautenfamilie saz zeigen neben einer Verwandtschaft zum Banjo auch eine mögliche Herkunft von den zentralasiatischen Lauten komuz und rubab. In der Geschichte, wie sie seine Nachkommen erzählen, bekam er als Kriegsveteran des Ersten Weltkriegs 1930 eine Einladung zu einem Abendessen, bei dem auch der Präsident der noch jungen türkischen Republik Mustafa Kemal Pascha anwesend war. Als Mustafa Kemal auf die Modernisierung der Türkei und die kulturelle Revolution in der türkischen Musik zu sprechen kam, erzählte Zeynel Abidin von seinem neu entwickelten Instrument, das mit wenigen Handgriffen sowohl klassische Musik im türkischen Stil (alla turca), als auch westliche Musik (alla franga) spielen konnte. Atatürk, der selbst klassische türkische Musik schätzte und gleichzeitig politisch die Einführung des westlichen Musikstils vorbereitete, fand großes Interesse an der Laute. Er lud Abidin zu einer Vorführung des noch unbenannten Instruments ein. Am 24. Januar spielte Abidin in Anwesenheit Atatürks vor. Da es Atatürk sehr gefiel und er den Klang mit cümbüş assoziierte, was die türkische Bezeichnung für „ausgelassene Feier“ (Remmidemmi) ist, fragte Abidin, ob er es fortan so nennen dürfe. Drei Tage später erfolgte die Aufnahme durch Osman Zeki Üngör in die staatlich geförderten Orchester.

Das Instrument verkörperte das kemalistische Ideal. Es war sowohl für türkische, als auch für westliche Musik anwendbar, was sich gut mit der kulturellen Westorientierung der türkischen Republik vertrug. Die cümbüş war preiswert herzustellen und damit ein Instrument des Volkes, das sich nach Atatürk mit den schönen Künsten befassen sollte. Kleine Modifizierungen der Bauform (verkürzter Hals) sollte es auch Frauen ermöglichen, das Instrument zu spielen, was der neuen Stellung der Frau im Ideal des gleichberechtigten Staatsbürgers Rechnung trug. Tatsächlich spielten während der kemalistischen Einparteienherrschaft zum ersten Mal muslimische Frauen in professionellen Orchestern – vorzugsweise mit der cümbüş.

Im Lauf der Zeit änderte sich die kulturelle Position der cümbüş vom kulturrrevolutionären Instrument zu einem Instrument, das vom gemeinen Volk und besonders von Roma auf Hochzeiten gespielt wurde, mit dessen Imagewandel sie zunehmend aus dem klassischen türkischen Orchester verschwand. Heute ist sie im türkischen aber auch im ausländischen Folk anzutreffen - aus dem Rampenlicht ist sie jedoch größtenteils verschwunden.

Bauform[Bearbeiten]

Das Fell aus Tierhaut wurde wie beim Banjo durch ein Kunststofffell ersetzt, das von einem Metallring festgespannt wird. Der Resonanzkörper besteht aus leichtem Aluminium, das seitlich unter dem Spannring durchlöchert ist. Aufgrund der rauen Verhältnisse im ländlichen Anatolien wurde sie sehr stabil konstruiert.

An dem Übergang vom Klangkörper zum Hals befindet sich ein Schraubverschluss, mit dem man den Winkel des Halses für das Stimmen verändern kann. Die Schraube ermöglicht auch, den Hals komplett abzuschrauben, um die cümbüş bequemer transportieren zu können. Dies ermöglicht ferner, einen anderen Hals zu montieren, um die Tonhöhe und den Klang zu modifizieren.

  • Standart cümbüş, wie eine oud ohne Bünde
  • Gitar cümbüş, wie eine Gitarre mit Bünden
  • Mandolin cümbüş, eine Art Mandolinenbanjo mit verkürztem Hals und mit Bünden
  • Saz cümbüş, mit langem Hals wie bei einer saz
  • Tanbur cümbüş, mit einem sehr langen Hals wie bei einer tanbur
  • Cümbüş mit elektrischem Tonabnehmer
  • Yaylı tanbur, eine Langhalslaute wie die tanbur, jedoch mit einem Bogen gestrichen

Spielweise[Bearbeiten]

Der Klang einer yaylı tanbur, die mit einem Bogen gespielt wird

Die cümbüş klingt sehr laut. Deshalb integrierten Musiker sie gerne in ihre Hochzeitskapellen, da die Klarinetten und Bechertrommeln (darbuka) sie nicht übertönen konnten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]