Roma

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Dieser Artikel beschreibt eine Gruppe von Bevölkerungsgruppen; die Hauptstadt Italiens steht unter Rom; weitere Bedeutungen des Begriffes Roma nennt Roma (Begriffsklärung).

Roma (Mehrzahl; Einzahl: Rom) ist der Oberbegriff für eine Reihe nach ihrer historisch-geographischen Herkunft (indischer Subkontinent) und ihrer Sprache, dem indoarischen Romani, im deutschen Sprachraum meist "Romanes" genannt, miteinander verbundener, teils seit mindestens 700 Jahren in Europa beheimateter Bevölkerungsgruppen. Sie sind in ihren jeweiligen Heimatländern bei unterschiedlicher Größenordnung stets Minderheiten. Sie bilden insgesamt keine geschlossene Größe, sondern teilen sich in zahlreiche unterschiedliche Gruppen mit vielfältigen, stark von der Sprache, Kultur und Geschichte der jeweiligen Dominanzgesellschaft geprägten Besonderheiten.

Viele Angehörige der Minderheit werden sowohl aufgrund ethnischer Zuschreibungen als auch aufgrund ihrer sozialen Situation marginalisiert und stehen so im Schnittpunkt zweier Formen gesellschaftlicher Ausgrenzung. In manchen europäischen Staaten sind sie über eine gesellschaftliche Randstellung hinaus noch in jüngster Zeit offener Verfolgung ausgesetzt gewesen oder noch ausgesetzt.

Die Bezeichnung Roma wird im Deutschen etwa im Wortpaar Sinti und Roma, auch als Teilgruppenbezeichnung abgrenzend gegenüber der Teilgruppe der Sinti benutzt, insbesondere in Bezug auf den deutschsprachigen Raum.

Bezeichnungen

Selbstbezeichnungen

Roma

Im allgemeinen Verständnis und in weitgefasster Definition bezeichnet „Roma“ (Sg. m. rom, Pl. neben roma auch rom; Sg. f. romni, Pl. romnija; rom; ein von dem Romanes-Nomen abgeleitetes deutsches Adjektiv gibt es nicht) gruppenübergreifend ausgehend von der Eigenbezeichnung in der Sprache Romanes die Angehörigen der Gesamtethnie.[1]

Historisch belegt sind „rom“ und „romni“ im deutschen Sprachraum ein erstes Mal 1726 im Waldheimer Lexikon der „rothwelschen“ und der „zigeunerischen Sprache“ eines unbekannten Verfassers mit der Übersetzung „Manns-Person“ und „Frau“.[2] In einer Darstellung von „Zigeunern“ in Preußisch-Litauen von 1793 stellt der Verfasser die Frage „Wie also nennen sich die Zigeuner?“ Er beantwortet sie mit „Rom oder Romma in der mehrern Zahl; Rom in der einfachen.“ Das Wissen seines Gewährsmanns beschreibt er als mehrere Jahrzehnte alt, es dürfte mithin aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen.[3]

Auf Empfehlung seiner Sprachkommission tritt der von den Vereinten Nationen anerkannte Weltdachverband, die International Roma Union (IRU), für „Roma“ (bzw. englisch auch: Romani) als Bezeichnung aller Menschen mit Roma-Herkunft ein.[4] Der erste Weltkongress der internationalen Bürgerrechtsbewegung der Roma in London 1971 legte die Bezeichnung „Roma“ als Gesamtkategorie für die unterschiedlichen Teilgruppen offiziell fest. Auch der zweite internationale Dachverband von Roma-Organisationen, der Roma National Congress (RNC), verwendet den Begriff „Roma“ als Überbegriff.[5]

Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) empfahl 1998 den Mitgliedsstaaten des Europarats mit ihrer Allgemeinen politischen Empfehlung Nr. 3 („Bekämpfung von Rassismus und Intoleranz gegen Roma/Sinti“), dafür zu sorgen, dass der für die verschiedenen partikularen Gruppen der Roma verwendete Name der ist, „mit dem die jeweilige Gemeinschaft bezeichnet werden möchte“.[6]

Die Durchsetzung von Roma, partikularer Eigenbezeichnungen (Ashkali, Burgenland-Roma, Lalleri, Kalderasch, Lovara, Manouches, Beasch, Sinti, …) bzw. regional üblicher Doppelbezeichnungen (Sinti und Roma bzw. Roma und Sinti) im medialen, halbamtlichen und amtlichen Sprachgebrauch geht wesentlich zurück auf die Anstrengungen der seit den 1970er Jahren entstandenen Selbstorganisationen der Roma und der Bürgerrechtsbewegung für die gesellschaftliche Anerkennung und Integration der Minderheit. Die Romanes-Eigenbezeichnungen sollen dazu beitragen, den abschätzigen mehrheitsgesellschaftlichen Blick in Frage zu stellen, wie er diskriminierend in Zigeuner Ausdruck findet. Sie sollen die gesellschaftliche Anerkennung und Eingliederung der Minderheit fördern.

Inzwischen beginnt sich die Feststellung von einer „in zahlreiche Untergruppen gegliederten Minderheit“[7] gegen ältere essentialistische und oft erbbiologisch-rassistische oder kulturrassistische Konzepte durchzusetzen. Es gibt demnach keine in sich geschlossene Kultur der Roma, sondern eine Vielfalt von Roma-Kulturen. Die verschiedenen Gruppen seien geprägt von den – ebenfalls jeweils im Vergleich miteinander wie in sich vielfältigen – Mehrheitsgesellschaften, in denen sie beheimatet sind oder es im Zuge von Migrationsbewegungen waren.[8] Diese Sichtweise geht einher mit einer verstärkten Hervorhebung der Einzelgruppen mit ihren jeweiligen Eigenbezeichnungen. Dennoch vertritt Romani Rose als Vorsitzender des Dachverbands Deutscher Sinti und Roma in Anspielung auf die von seinem Verband gewählte, Einzelgruppen hervorhebende Doppelbezeichnung "Sinti und Roma" den Standpunkt, "der Oberbegriff ist eigentlich Roma, weil die 10 bis 12 Millionen Angehörigen unserer Minderheit sich als Roma bezeichnen."[9]

Wichtige Kategorien der Selbstdefinition einer Teilgruppenzugehörigkeit, der Abgrenzung von anderen Gruppen und der Selbstbenennung sind (historische) Berufsgruppen (Kalderasch, Lovara), die Sprache (z. B. Türkisch in Südosteuropa), die Religionszugehörigkeit (z. B. Moslem in christlichem Umfeld: Xoraxane) oder geografische Herkunftszuschreibungen (Ägypter, Sinti Extraixaria [=österreichische Sinti]).

Neben dem systematischen Gebrauch von Roma als übergeordnete Bezeichnung der romanessprachigen Gesamtminderheit tritt der Begriff mit diffusem Inhalt in unterschiedlichen, oft disparaten Reihungen auf:

  • wiederum als Sammeletikett, jedoch unterhalb von "Gesamtminderheit" (wer in "Roma" einbezogen ist, bleibt stets ungenannt)
  • oder auch als gleichrangiges Subgruppenetikett gemeinsam mit eng definierten Subgruppentiteln (wo in Europa oder global diese "Roma" anzutreffen sind, bleibt stets ungenannt)
  • bis hin zu tsiganologischen, an soziographischen oder anthropologischen Definitionen von "Zigeunern" orientierten disparaten Gruppenkompositionen mit ungeklärter geographischer und sonstiger Situierung von "Roma".

Beispiele für die ersten beiden Fälle wären z. B.: "Roma, Sinti und Kále",[10] "Sinti, Roma, Lalleri, Lowara oder Manusch",[11] "Roma" und "the Sinti groups, which includes the Romanichals, the Cale of Spain, and other such",[12] "Roma, Sinti, Manuš, Kalé, Gitanos, Cinganos, ...".[13] "Roma and their conational Sinti, Kale, Manouches and Romanichals".[14]

Ein Beispiel für den dritten Fall wäre: "Roma, Gypsies, Manouches, Kalderash, Machavaya, Lovari, Churari, Romanichal, Gitanoes[so!], Kalo, Sinti, Rudari, Boyash, Travellers, Ungaritza[so!], Luri, Bashalde, Romungro, Yenish, Xoraxai, and other groups"[15].

Das schließt jeweils nicht aus, dass "Roma" daneben zugleich als Dachbezeichnung für die genannten Gruppen gesehen und verwendet wird. Es handelt sich jeweils um individuelle Verwendungsweisen eines Autors, von Bezeichnungskonventionen lässt sich in diesen Fällen nicht sprechen.

Eine hybride Form verwendet der Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal mit dem von der Selbstbezeichnung abgeleiteten Gesamttitel "Romvölker". Es handle sich - so eine Kritik unter Verweis auf das 19. Jahrhundert - um einen "Neologismus", der in der Tradition der Konstruktion von „Völkern" stehe.[16]

Sinti und Roma/Roma und Sinti

Abseits der europäischen Konvention bewegt sich die Sammelbezeichnung Sinti und Roma bzw. Roma und Sinti. Sie entspricht der Terminologie der Mitgliedsverbände des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma[17] bzw. in umgekehrter Rangfolge der Terminologie österreichischer Selbstorganisationen wie des Kulturvereins österreichischer Roma.[18] Außerhalb des deutschen Sprachraums ist die Doppelbezeichnung weitgehend unüblich.

Mit dem Wortpaar gemeint sind

  • zum einen die Angehörigen der in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Norditalien und Südosteuropa[19] beheimateten Sinti (französischer Sprachraum: Manouches). In Österreich bilden Sinti eine kleine Minderheit innerhalb der Gesamtminderheit, daher dort der zweite Platz.[20]
  • sowie zum zweiten unbestimmt entweder regional begrenzt alle romanessprachigen osteuropäischen Gruppen oder insgesamt alle anderen romanessprachigen Gruppen weltweit mit Ausnahme der Sinti.

Daneben existiert eine enge Auslegung von Sinti und Roma durch deutsche, mehrheitlich von Sinti bestimmte Selbstorganisationen, die von „deutschen Sinti und Roma“ sprechen. Zusammengeführt werden hier nach Staatsbürgerschaft als Teil eines deutschen Staatsvolks erstens „autochthone“ Sinti und zweitens in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Deutschland migrierte osteuropäische Roma. Darin nicht aufgenommen sind die im 20. Jahrhundert in mehreren Schüben nach Deutschland migrierten osteuropäischen Roma, von denen freilich viele z. B. als „Gastarbeiter-Roma“ ebenfalls die deutsche Staatsangehörigkeit haben.[21]

In Deutschland bzw. in Österreich ist das Wortpaar im öffentlichen Sprachgebrauch neben „Roma“ etabliert, wiewohl es

  • begrifflich inkonsistent ist: eine Bezeichnung für eine Teilgruppe („Sinti“) wird mit einer Gesamtbezeichnung gleichgestellt („Roma“),
  • Falschaussagen hervorruft: Flamenco als „Musik der Sinti und Roma“, „albanische Sinti und Roma“,
  • territorial begrenzten minderheitspolitischen Sonderinteressen folgt.[22]

„Sinti“ tritt 1787 in der Variante „Sende“ in der Sulzer Zigeunerliste auf, dann mit „Sinte heißt also dieses Volk“ ein weiteres Mal in der oben genannten Quelle von 1793. Wiederum ist es auf die Gesamtheit der Angehörigen der Minderheit bezogen, wenngleich nachrangig zu Roma.[23]

Kale

Eine ebenfalls europaweit verbreitete, bei Nicht-Roma kaum bekannte alte Gesamtbezeichnung ist Kale. Das Wort ist abzuleiten von kalo, Romanes für „schwarz“, und gehört ebenfalls zu den aus dem 18. Jahrhundert bekannten Eigenbezeichnungen für die Gesamtheit der Angehörigen der Minderheit, wenngleich nachrangig zu Roma.[24] Es findet sich im weiten europäischen Raum für albanische Aschkali, finnische Kale, iberische Calé der unterschiedlichen regionalen Zuordnung, böhmische Lalere Kale[25] oder walisische Kaale (Welsh Kaale/Volsenenge Kale).[26]

Fremdbezeichnungen

Zigeuner

Zigeuner (zigan, zigani, zingaro u. ä.) wird als Sammelkategorie verwendet. Der Inhalt ist uneindeutig:

  • Er kann auf die Angehörigen der romanessprachigen Gruppen bezogen sein.
  • Er kann auf Menschen welcher ethnischen Zuordnung auch immer bezogen sein, die einer „zigeunerischen Lebensweise“ nachgehen, „(herum-)zigeunern“ würden.

Die genaue Herkunft dieser gemeineuropäischen Fremdbezeichnung ist nicht sicher. In der Regel jedoch wird als gemeinsame Wurzel das griechische Wort atsinganoi angenommen. Es ist wahrscheinlich eine korrumpierte Form von athinganoi, Name der im 9. Jahrhundert bezeugten gnostischen Sekte der Athinganen oder Athinganer, seit dem 12. oder 13. Jahrhundert aber ebenfalls im Sinne von „Zigeuner“ verwendet, und dann mit eindeutigem Bezug darauf (o toùs kaì Aìgyptíous kaì Athingánous, s. auch u. zu „Ägyptern“) bei Gregorios II. Kyprios (1283–1289 Patriarch von Konstantinopel).[27]

Dem Begriff ist eine lange Geschichte als abwertende Fremdbezeichnung eingeschrieben. Mit dem Aufkommen der Zigeunerforschung („Tsiganologie“) als Teildisziplin der „Völkerkunde“ wurde die traditionelle mehrheitsgesellschaftliche Semantik rassifiziert. Dieser „moderne“ Inhalt ging im 19. Jahrhundert auch in den Alltagsdiskurs ein. Im Nationalsozialismus wurde „Zigeuner“ in konsequent rassifizierter Variante zur exklusiven Gesamtbezeichnung der romanessprachigen Gruppen. Als Erfassungskategorie bildete sie einen Teil des Vernichtungsprozesses.[28] Weil er historisch und vor allem nationalsozialistisch belastet ist, wird er von vielen Roma,[29] so auch vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, als diffamierend abgelehnt.

Fahrendes Volk

Der unscharfe Begriff Fahrendes Volk, der heute aus einer vor allem exotisierenden Perspektive auf alle möglichen Gruppen von „Fahrenden“ angewendet wird, ist kein brauchbares Synonym: Die weitaus meisten Roma sind sesshaft, es gibt viele „Fahrende“, die keine Roma sind.

Tatern

In Norddeutschland, im Schwedischen, Norwegischen und – hier weniger gebräuchlich – im Dänischen findet sich mit den Fremdbezeichnungen Tatern bzw. tattare ein sprachlicher Bezug zu „Tataren“ (→ Resandefolket). Auch in Rumänien werden sie, wenngleich selten, als „Tataren“ bezeichnet (rumänisch: tătăraşi, siebenbürgisch-sächsisch: Tatern). Ob diese Etikettierung in einem Zusammenhang mit einem tatarischen oder türkischen Vordringen nach Europa steht, ist eine spekulative Annahme.

Siehe auch: Taternpfahl

Ägypter, Gypsies, Gitanos

Inzwischen historische Fremdbezeichnungen sind die vormals weit verbreiteten Begriffe Heiden und Ägypter. Letzterer geht zurück auf eine mythische Herkunftserklärung, nach der die Minderheit büßend auf einer Pilgerfahrt aus „Klein-Ägypten“ nach Europa gekommen sei. Dahinter steht als realer Ansiedlungsort und Namensgeber eine für das 14. und 15. Jahrhundert nach einem Berg Gype auf der Peloponnes belegte Siedlung „klein Egypten“ von „Egyptianern genannt Heyden“ bzw. von „romiti“.[30] Sprachlich findet die Bezeichnung sich noch im Englischen als Gypsy (historisch weit weniger belastet als der Ausdruck „Zigeuner“), im Spanischen als gitano, im Französischen als gitan oder im Griechischen als gifti.

Nichtroma im Romanes

Das bevorzugte Romanes-Wort für die Angehörigen der Mehrheitsbevölkerung ist gadzo (f. gadzi).[31] Die Transkription des gesprochenen Worts fällt aufgrund unterschiedlicher Aussprache und unterschiedlicher Normierung unterschiedlich aus. Wörtlich übersetzt heißt es „Bauer“. [32] Es erklärt sich aus der Lebenswelt der Vormoderne und aus einem Abgrenzungsbedürfnis gegenüber der Mehrheitsgesellschaft.

Ein weiterer weniger an dem Stereotyp eines klaren Gegensatzes von nicht sesshafter und sesshafter Lebenswelt orientierter und weniger abgrenzend gemeinter Begriff ist im Romanes der mitteleuropäischen Sinti raklo (f. rakli).[33]

Frühe Herkunft

Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts legen sprachwissenschaftliche Untersuchungen die Annahme nahe, dass die Vorfahren der europäischen Roma auf vormals im Nordwesten des indischen Subkontinents lebende Bevölkerungsgruppen zurückgeführt werden können. Die heutige Romanes-Linguistik präzisiert diese Hypothese zu „Zentralindien, Auswanderung nach dem Nordwesten und längerem Aufenthalt dort“.[34] Auch Genetiker versuchten sich an Erklärungen. Vage ergibt sich dabei für die Roma-Vorgänger als Herkunftsraum der Norden oder Nordwesten des indischen Halbkontinents und die Feststellung, dass bei aller Vielfalt der Roma-Gruppen eins allen gemeinsam sei: vielfältige "Genspuren" aus den Umgebungsgruppen der jeweiligen Mehrheitsgesellschaften.[35] Es versteht sich, dass Genetiker keine Aussagen zu sozialen und kulturellen Zuständen und deren Veränderung treffen können. Für Gesellschafts- und Kulturwissenschaftler sind „Herkunft, Zeitpunkt und Ursachen der Abwanderung der Vorfahren der Roma ... nach wie vor strittig.“ Zu den jeweiligen Kulturen könnten mangels Belegen keine gesicherten Aussagen getroffen werden.[36]

Hypothetisch sind auch die Angaben zur Migration der Vorgänger der heutigen Roma nach Europa. Einen Konsens gibt es in etwa darüber, dass sie jedenfalls spätestens seit dem 14. Jahrhundert aus Kleinasien kommend in Südosteuropa leben.[37] Annahmen zu mehreren, unterschiedlichen Zugangsrouten gelten inzwischen als durch den sprachlichen Befund widerlegt.[38] Lebendige Verbindungen zu den Herkunftsräumen des indischen Subkontinents gibt es seit Jahrhunderten nicht mehr, zu damals dort lebenden Bevölkerungsgruppen kann es sie nicht geben. Der Bezug zu Indien hat demnach Bedeutung vor allem als Herkunftsmythos. Er hat eine feste Position in der Minderheit, im mehrheitsgesellschaftlichen Alltagsdenken wie im wissenschaftlichen Fachdiskurs. Er ist von Analogien zum mehrheitsgesellschaftlichen Konstrukt von „Zigeunern“ bzw. „Gypsies“ („Nomadenvolk“, Marginalisierung und Diskriminierung als „Paria“, ambulanter Erwerb, häufiges Musizieren usw.) geprägt. Daher gelten entsprechende Verweise manchen Fachwissenschaftlern auch als fragwürdig. Auch auf die Frage, was "Deutschsein" heiße, würde niemand "auf eine mehr als eintausend Jahre ... zurückliegende Zeit verweisen, als die germanische Ursprache entstand".[39]

Die Rekonstruktion der Geschichte der Roma in der Frühzeit ist insgesamt nach wie vor „hypothetisch und lückenhaft“.[40] „Linguisten“, so ein niederländischer Migrationsforscher, "werden nie in der Lage sein, schlüssig auf all jene Fragen zu antworten, die die Rekonstruktion der Geschichte der Zigeuner [im Orig.: „Gypsies“] betreffen."[41]

Eine gemeinsame Herkunftsgruppe der heutigen Roma und der heutigen nahöstlichen Dom mit ebenfalls einer Sprache indoarischer Herkunft und mit „nomadischer“ Lebensweise (wie sie real für Roma untypisch ist) gilt als spekulativ.[42] Den Versuchen, die Herkunft der Roma auf die Herkunft von einzelnen heutigen indischen Bevölkerungsgruppen zu beziehen, so auf Dom, Jat, Zott oder Luri, fehlen jeweils überzeugende Belege.

Sprache

Die Sprache der Roma – das Romanes – wird nach zurückhaltender Schätzung von weit mehr als 3,5 Millionen Menschen gesprochen.[43] Seit dem 19. Jahrhundert wird in der englischsprachigen wissenschaftlichen Literatur der Terminus „Romani“ verwendet, der wie „Romanes“ inzwischen mitunter auch im deutschsprachigen Raum das dort lange übliche Wort von der „Zigeunersprache“, ablöst. Die Linguistik rechnet das Romanes zu den neuindischen Sprachen innerhalb der indoarischen Sprachengruppe und weist es Zentralindien zu, nicht aber dem Nordwesten des indischen Subkontinents als dem lange angenommenen ursprünglichen Herkunftsraum der Gruppe vor ihrer weiteren Westmigration.[44] Ihre Sprache hat sich seither unabhängig von den übrigen indischen Sprachen, aber unter starkem Einfluss der Umgebungs- und Kontaktsprachen entwickelt und auf diesem Weg sehr unterschiedliche Dialektvarianten ausgebildet.

Die Dokumentation des Romanes begann im 16. Jahrhundert mit der Publikation von Wortlisten und von einzelnen Sätzen vor allem in Westeuropa, später dann auch in Südosteuropa. Einen ersten Hinweis auf die indische Herkunft des Romanes und damit der Roma lieferte die sprachvergleichenden Arbeit Sprache und Herkunft der Zigeuner aus Indien von Johann Christian Christoph Rüdiger aus dem Jahr 1782.[45]

Das Romanes hat nirgendwo den Status einer Amtssprache, es ist nicht standardisiert, verfügt also auch nicht über eine normierte Schriftform und wird vor allem in der gruppeninternen Kommunikation – Familienverband, Nachbarschaft – gesprochen. In einigen Teilgruppen der Roma – so in der der Sinti – hat die Sprache aus der Sicht traditionalistischer Sprecher Schutzaufgabe und soll Nicht-Roma nicht mitgeteilt werden.

Bis in das 20. Jahrhundert hinein war das Romanes weitgehend nichtschriftlich. Seit den 1970er Jahren und mit der Entstehung einer minderheitspolitischen Bewegung bemühten sich vor allem Roma-Intellektuelle um die Verschriftlichung ihrer Sprache, nicht zuletzt, um damit die Emanzipation der Gesamtminderheit sprachpolitisch zu unterstützen. In der Folge der staatlichen Zerfallsprozesse in Osteuropa verlor diese Bestrebung an Einfluss. Normierung geschieht seither verstärkt im begrenzten regionalen Rahmen.[46]

Erwachsene Romanessprecher sind immer mehrsprachig. Sie verfügen über die Sprache mindestens der Umgebungsbevölkerung und kommunizieren mit ihr in deren Sprache. Darauf sind sie auch deshalb verwiesen, weil Nicht-Roma nicht zuletzt aufgrund des sozialen Status der Romanessprecher das Romanes nur selten lernen, teils gilt aber auch - vor allem bei Sinti stark ausgeprägt - ein "Sprachtabu", das es untersagt, Romanes an Angehörige der Mehrheitsgesellschaft (Gadsche) weiterzugeben. Die Verfügung über das Romanes ist innerhalb der Gesamtminderheit unterschiedlich ausgebildet. Sie reicht vom literarischen Umgang mit der Sprache durch Roma-Schriftsteller über eine als Para-Romani bezeichnete Varietät, die nur mehr über ein Romanes-Teillexikon verfügt, bis hin zum völligen Sprachverlust.

Das Romanes der verschiedenen Sprechergruppen ist – wie generell die jeweilige Kultur – von der jeweiligen regionalen Umgebungsgesellschaft geprägt. Es gibt einen von den Kontaktsprachen entlehnten umfangreichen nichtindischen Wortschatz und eine in gleicher Weise beeinflusste Syntax. Lexeme des mittelalterlichen Griechisch haben unter nur geringem lautlichen Wandel das Romanes bereichert, wie etwa drom (Straße), foro (Stadt), okto (acht) und andere Lehnwörter, die sich bis heute erhalten haben. Armenischen Ursprungs sind Lexeme wie grast (Pferd) oder bov (Ofen).

Als Belege von Alltagskontakten der mitteleuropäischen Sinti mit der deutschsprachigen Mehrheitsbevölkerung sind Entlehnungen aus dem Romanes ins umgangssprachliche Deutsch zu sehen. Aufgrund der geringen Größe der Minderheit im mitteleuropäischen Raum ist es eine kleine Zahl. Dazu gehören: Bock (im Sinne von auf etwas Bock haben), Entlehnung von bok für Hunger[47]; Kaff, Entlehnung von gab oder gaw für Dorf[48], Kohle (im Sinne von Geld), Entlehnung von kalo für schwarz über das Rotwelsche abgebrannt sein, schwarz sein[49]; Kaschemme, Entlehnung von katčima für Wirtshaus[50]; Schund, Entlehnung von skunt für Schmutz, Dreck,[51]; Zaster, Entlehnung von sáster für Eisen[52]

Die methodische Erfassung der Lehnwörter diente dazu, die Migrationsbewegungen der Roma zu rekonstruieren, was jedoch nur bedingt möglich ist. Immerhin hat die Linguistik inzwischen zu einer brauchbaren Einteilung der verschiedenen Dialekte des Romanes gefunden. Aufgrund der starken Differenzierung der Gesamtethnie in zahlreiche partikulare Subgruppen gibt es etwa 60 Dialekte. Die regionalspezifischen "Sinti-Dialekte"[53] des Romanes bzw. vereinheitlichend "das deutsche Romanes"[54]werden auch als Sintikanes (sintengheri tschib) bezeichnet.

Sesshaftigkeit und Migration

"Zigeuner" im Rheinland (1935)

In einer folklorisierenden und exotisierenden Perspektive nahmen und nehmen Betrachter aus der Mehrheitsgesellschaft die Ethnie als homogene nomadisierende „Stammesgesellschaft“ wahr. „Zigeuner“ seien insgesamt unfähig zur Anpassung an sich verändernde sozioökonomische und politische Bedingungen. Ein kollektives und unbeeinflussbares entweder genetisches oder archaisches kulturelles Erbe mache sie grundsätzlich entwicklungsunfähig und zwinge sie zur ewigen „Wanderung“. Dieser Blick geht darüber hinweg,

  • dass die ganz überwiegende Mehrheit der europäischen Roma keinesfalls „nomadisiert“, sondern seit langem ortsfest lebt und nicht anders als andere regionale Bevölkerungen auf eine lange Geschichte fester Ansiedlung in regionalen Räumen zurückschauen kann. Die Vorstellung vom „Nomadenvolk“ ist ohne empirische Grundlage.
  • dass Migration strukturelle, nicht aber ethnische Ursachen hat. Der Zwang zur Dauermigration, wie er in der Frühen Neuzeit weiten Teilen der Mehrheitsbevölkerung,[55] Juden und „Zigeunern“ auferlegt war, hatte unvermeidlich den ökonomischen, rechtlichen und sozialen Ausschluss zur Folge, der mit einem allgemeinen Aufenthaltsverbot einherging;
  • dass dem eine von oben erzwungene Anbindung der Mehrheitsbevölkerung an Ort und Territorium bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts gegenüberstand, die jedoch eine vor allem erwerbsbedingte erhebliche Mobilität nicht verhindern konnte.

Im Alltagsdenken ist das polarisierende Klischee von einer „nomadisierenden Minderheit“ hier und einer „sesshaften Mehrheitsbevölkerung“ dort nach wie vor lebendig.

Das antiziganistische Stereotyp von ewig wandernden Zigeunern korrespondiert in Inhalt und Popularität mit dem antisemitischen Stereotyp vom „ewigen Juden“.

Die meisten Roma in Europa (vor allem Osteuropa und Spanien) leben seit vielen Generationen – zum Teil, wie in der Slowakei[56] oder im Burgenland,[57] schon seit Jahrhunderten – sesshaft. Ein kleiner, kaum zu beziffernder Anteil[58] vor allem in West- und Mitteleuropa lebt in unterschiedlichen Mischformen der Ortsfestigkeit und der in der Regel temporären Abwesenheit von einem Bezugsdomizil; es gibt feste Wohnsitze und eine oft jahreszeitlich begrenzte Erwerbsmigration. So ergaben beispielsweise staatliche Zählungen bereits 1893 in Ungarn und in der Slowakei, dass von denjenigen Personen, die die Zähler als „Zigeuner“ einstuften, in Ungarn 89,2 % sesshaft, 7,5 % halbsesshaft und nur 3,3 % „Wanderzigeuner“ ohne längeren festen Aufenthalt,[59] in der Slowakei 92,9 % sesshaft, 5,4 % halbsesshaft und 1,7 % nichtsesshaft waren.[60]

Der ohnehin minderheitliche Anteil der traditionell „Reisenden“ und die Dauer der „Reise“ nehmen weiter ab. Heute wird der Anteil der saisonweise oder dauerhaft migrierenden Roma an der weltweiten Roma-Gesamtpopulation auf maximal fünf Prozent geschätzt,[61] was angesichts einer hohen Mobilität auch in der Umgebungsgesellschaft nicht bemerkenswert ist.

Im Rahmen der innereuropäischen Arbeitsmigration seit den 1960er Jahren kam eine große Zahl von Roma aus südosteuropäischen und südeuropäischen Staaten nach West-, Mittel- und Nordeuropa. Diese Form der Migration blieb deshalb unauffällig, weil die Roma-Migranten nicht als solche, sondern als Angehörige ihrer jeweiligen Staaten in Erscheinung traten.[62]

Im Kontext von zunehmender Arbeitslosigkeit, Armut und Krieg in den südosteuropäischen Staaten nach dem Systemumbruch migrierten seit den 1990er Jahren zahlreiche Roma-Familien als Bürgerkriegsflüchtlinge und Arbeitsmigranten nach Süd-, West-, Mittel- und Nordeuropa.

Diskriminierung und Verfolgung

In der etwa 700-jährigen Geschichte der Roma in Europa war die Minderheit spätestens seit Beginn des 16. Jahrhunderts zahlreichen Formen von Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde eine unbekannte Zahl von Roma Opfer eines Völkermords (siehe Abschnitt unter Porajmos) vergleichbar der Vernichtung der europäischen Juden (Shoah).

Auch heute noch sind Roma Diffamierung, Diskriminierung und sozialer, ökonomischer und politischer Marginalisierung ausgesetzt und in vielen Staaten eine von der Mehrheitsbevölkerung nicht erwünschte Minderheit.[63] In einigen südosteuropäischen Ländern waren Roma in den vergangenen zwei Jahrzehnten mitunter offener Verfolgung ausgesetzt. So wurden während des Kosovo-Krieges ganze Siedlungen von Roma, Aschkali und Ägyptern (diese beiden sind ebenfalls der Romaethnie zuzuordnen) von Angehörigen der albanischen Mehrheitsbevölkerung geplündert und niedergebrannt und die Bewohner vertrieben.[64] Aus Bosnien wurden im Zuge „ethnischer Säuberungen“, die alle Ethnien betrafen, die meisten Roma vertrieben. Viele fanden während des Bürgerkriegs als Opfer von Übergriffen den Tod.[65]

Bis heute wird von europäischen Politikern unter Verwendung tradierter antiziganistischer Stereotype und Schlagworte („Überschwemmung“, „Völkerwanderung“) die Forderung nach Ausschluss und Abschiebung von Roma erhoben. Gemeint sind in aller Regel Roma aus Osteuropa, vornehmlich aus Bulgarien, Rumänien, Serbien und Mazedonien. Weit über die Grenzen der jeweiligen Länder hinaus wurden derartige Erscheinungen im westlichen Europa aus der Schweiz, Italien, Österreich und Frankreich bekannt.[66]

Gesellschaftlicher Benachteiligung und einer erheblichen Repression bis hin zu offener Verfolgung unterliegen die osteuropäischen Roma auch in ihren Heimatländern, in denen antiziganistische Haltungen in der Mehrheitsbevölkerung weit verbreitet sind.[67][68]

Erinnerungskultur

Ravensburg, Mahnmal zum Gedenken an die 29 nach Auschwitz deportierten und im Porajmos ermordeten Sinti aus Ravensburg

Der die Erinnerung der Minderheit am stärksten prägende Abschnitt ihrer Geschichte, die stets auch eine Verfolgungsgeschichte war, ist die Zeit der äußersten Verfolgung, des Nationalsozialismus. Die mehrheitsgesellschaftliche Kultur der Erinnerung aber ist anders als zur Geschichte der jüdischen Minderheit oder zur Verfolgung politischer oder kirchlicher Gegner der Nationalsozialisten wenig entwickelt. Nur sehr selten widmen sich Straßenbenennungen, Denkmäler, Gedenktafeln oder andere Zeichen oder Orte der Erinnerung oder auch öffentliche Veranstaltungen dem Thema. Bekannt sind künstlerische und dokumentierende Hinweise im öffentlichen Raum aus Bad Berleburg (Nordrhein-Westfalen), Dreihausen (Hessen), Frankfurt am Main, Hannover, Köln, Ravensburg, Magdeburg, Wiesbaden und Flensburg.

Es waren Initiativen der Betroffenen selbst, die nach Jahrzehnten des Schweigens über die Verbrechen und einer von den Ereignissen im Nationalsozialismus unbeeindruckt fortgeführten Diffamierungs- und Diskriminierungspraxis seit Ende der 1970er Jahre eine gewisse Veränderung zumindest im politisch-offiziellen Raum und in den Medien bewirkten. 1979 fand eine erste internationale Gedenkkundgebung von Sinti, Roma und Unterstützern aus der Mehrheitsbevölkerung im KZ Bergen-Belsen statt. Ostern 1980 führte eine Gruppe Sinti einen weltweit beachteten Hungerstreik im KZ Dachau durch.[69] Diese und folgende Aktionen zunächst kleinerer Gruppen veränderten nicht nur die mediale und die politische Perspektive auf die Minderheit, sie trugen zugleich wesentlich zur Sammlung eines großen Teils der in subethnische Gruppen und Familienverbände zersplitterten Bevölkerungsgruppe in den Landesverbänden und Mitgliedsorganisationen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma (Heidelberg) sowie in kleineren Interessensorganisationen mit regionaler Bedeutung bei.

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin

Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg richtete in den 1990er Jahren die einzig vorhandene Dauerausstellung zum „nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma“ ein.

1992 beschloss die Bundesregierung die Errichtung eines Mahnmals in Berlin zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, die als „Zigeuner“ verfolgt, inhaftiert und getötet wurden und im Porajmos, der Entsprechung zur Shoah, kollektiver Vernichtung anheimfielen (siehe Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas). Der israelische Künstler Dani Karavan legte einen Entwurf vor. Die Realisierung verzögerte sich jedoch jahrelang, da sich die Verbände der Betroffenen über den Inhalt des Widmungstextes zunächst nicht einig wurden. Ende 2007 hat der Bundesrat beschlossen, dass er auf der Grundlage von Vorschlägen der Verbände und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte (München/Berlin) und dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln erarbeitet und entschieden werden soll. Der symbolische Baubeginn erfolgte im Februar 2008. Am 24. Oktober 2012 erfolgte die Einweihung in Berlin mit einem feierlichen Festakt.[70]

Es gibt selbstorganisierte Aktivitäten, die auf die Situation der osteuropäischen Roma-Migranten aufmerksam machen sollen, ein Bleiberecht einfordern und sich dabei auf die Verfolgung von Roma im Nationalsozialismus beziehen. So protestierten 1989 Roma mit einer Besetzung auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers Neuengamme, in dem auch Roma inhaftiert waren, gegen die Ausweisung von Asylsuchenden. 1993 gab es einen „Marsch“ südwestdeutscher Roma nach Baden-Baden und zur KZ-Gedenkstätte Dachau. Diese und andere bleiberechtliche Aktivitäten wurden jeweils von der Hamburger Rom und Cinti Union angeleitet und begleitet.[71]

Demografie

Roma stellen in keinem Land der Welt die Bevölkerungsmehrheit. Die größten Gemeinschaften leben in Europa, vor allem in Südosteuropa, Ostmitteleuropa, Südwesteuropa und Russland, sowie außerhalb davon: in den USA, Brasilien und der Türkei.

In Deutschland leben nach übereinstimmenden Angaben sowohl der staatlichen Verwaltung als auch des Zentralrats ungefähr 70.000 Angehörige der Minderheit mit deutscher Staatsbürgerschaft als Nachfahren der historischen Zuwanderer der letzten 600 Jahre.[72]

Es gibt aber auch die Schätzung der renommierten Fachwissenschaftlerin Katrin Reemtsma, die 1998 von „etwa 40–60.000 Sinti und Roma mit deutscher Staatsangehörigkeit“ sprach. Die „Anzahl an ehemaligen Arbeitsmigranten in der dritten Generation in Deutschland und Flüchtlinge[n] mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht aus dem ehemaligen Jugoslawien“ setzte sie ebenso hoch wie die der lange Eingesessenen an, also ebenfalls auf zwischen 40.000 und 50.000.[73] Daneben gibt es aus dem Umfeld des Zentralrats 2011 wiederum die Angabe von 80.000 bis 120.000 „Sinti und Roma“ – in der Zentralratsdefinition also lange eingesessene deutsche Staatsbürger – sowie unter Verweis auf eine Uno-Schätzung von 2006 50.000 davon zu unterscheidende als „Flüchtlinge und so genannte Arbeitsmigranten“ bezeichnete Roma.[74]

Abweichend vom oben genannten Sonderfall einer ausnahmsweise übereinstimmenden Angabe zwischen Staat und Selbstorganisation ist allgemein festzustellen, dass staatliche Verwaltungen zu niedrigen Angaben tendieren, während Roma-Organisationen zu hohen Angaben neigen. Es handelt sich jeweils um „politische Zahlen“. Staatliche Zählungen sind durchweg nicht zuverlässiger als die Angaben von Selbstorganisationen oder von NGOs,[75]

  • weil ein Teil der Roma im Land nicht im Besitz der Staatsbürgerschaft ist, aber nur die Staatsbürger gezählt werden,
  • weil nach der ethnischen Herkunft nicht gefragt werden darf und also nach zweifelhaften Kriterien mit großen Spielräumen geschätzt wird,
  • weil ein Bekenntnis zur Ethnie Zählungsvoraussetzung ist, von vielen Roma aber aus sozialen und historischen Gründen verweigert wird,
  • weil die Zähler angesichts der Unzuverlässigkeit von Angaben gemutmaßter Roma Dritte (z. B. die Nachbarn) befragen,
  • weil Angehörige der Minderheit sich trotz einer (Teil-)herkunft aus der Roma-Minderheit im Zuge von Assimilierungsprozessen inzwischen in andere Nationalitäten (Rumänen, Ungarn, Türken) einordnen oder
  • weil durch bürgerkriegsbedingte Vertreibungen selbst jüngere Zahlen hinfällig wurden.

Aufgrund der unterschiedlichen Ansätze und der besonderen Bedingungen demografischer Erhebungen zu Roma und angesichts der in aller Regel großen Differenzen nach Zeitpunkt und nach amtlicher oder nichtamtlicher Trägerschaft in den Ergebnissen sind Zahlen zu Bevölkerungsanteilen der Minderheit meist ohne ernsthafte Aussagekraft. Dazu die folgenden Beispiele:

  • In den 1980er Jahren wurde die europäische Roma-Bevölkerung einmal auf zwischen 1.988.000 und 5.621.000 summiert, ein anderes Mal auf zwischen 3.421.750 und 4.935.000. Für die Niederlande wurden 1.000 Roma behauptet, dann zwischen 30.000 und 35.000, für Schweden 1.000 bis 8.000, aber auch zwischen 60.000 und 100.000.[76]
  • Etwa 25 Jahre später (2010) legte der Europarat eine vergleichende Staatenübersicht mit jeweils Mindest- und Höchstangaben vor. Dabei fasste er Roma und Traveller, also mehrheitsgesellschaftliche "Fahrende" zusammen ungeachtet der Tatsache, dass die ganz überwiegende Mehrheit der Roma nicht "fährt" und noch nie "fuhr" und Roma auch sonst keine historischen oder kulturellen Gemeinsamkeiten mit der Zweitgruppe aufweisen. Der Europarat nannte als Mindestzahl 6,4 und als Maximum 16 Millionen "Roma und Traveller".[77]
  • In Albanien wurden bei den letzten Volkszählungsergebnissen im Jahr 2011 8.301 Roma gezählt, obwohl bei dieser Volkszählung 390.938 Personen von 2.800.138 bevorzugten, keine Antwort zu ihrer ethnischen Herkunft zu geben.[78]
  • Die griechische Regierung schätzt die Zahl der Roma auf 200.000,[79] Experten auf bis zu 350.000.[79]

Für die weltweite Zahl der Roma ergibt sich daher, dass sie nicht seriös beziffert werden kann. Die existierenden Schätzungen veranschaulichen das Problem: Sie reichen von zwei bis zwölf Millionen.[80] Zuverlässige Angaben zum Bevölkerungsanteil – sei es regional, sei es europaweit oder universal – sind somit ebenfalls in aller Regel unmöglich.

Jüngere politische Entwicklungen

Internationale Zusammenschlüsse

Als internationaler Zusammenschluss der Roma wurde 1978 auf dem zweiten World Romani Congress (WRC) in Genf die International Romani Union (IRU), auf Romanes Romano Internacionalno Jekhetanipe, als Dachverband regionaler und nationaler Interessenvertretungen gegründet.[81]

Heute (2014) ist die Situation unübersichtlich. Sowohl eine in International Roma Union umbenannte Institution[82] als auch eine weiterhin den alten Namen tragende International Romani Union[83] erheben den Anspruch globaler Vertretung.

Roma-Flagge der IRU.[84] Über die Anerkennung der Fahne als gemeinsames Symbol liegen kaum Angaben vor. Die Verbände des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma verwenden sie seit langem nicht mehr.

Seit 1979 ist sie als nichtstaatliche Organisation (NGO) Mitglied im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen und hat beratenden Status in der UNESCO. Seit 1986 ist sie Mitglied von UNICEF. Eine zweite internationale Vereinigung ist der Roma National Congress (RNC).[85] Ehrenpräsident der IRU war in der Gründungsphase der bekannte Schauspieler Yul Brynner. Er spielte in den 1970er Jahren eine aktive Rolle bei den Bestrebungen der Roma, sich international zusammenzuschließen und internationale Anerkennung zu finden.[81]

Für Europa gibt es seit 2005 das European Roma and Travellers Forum (ERTF), dessen Sprecher beide Zusammenschlüsse repräsentieren. Es ist durch ein Partnerschaftsabkommen mit dem Europarat verbunden. Es setzt sich nicht nur für Roma, sondern zugleich für Nichtromagruppen wie Pavee oder Jenische in ähnlichen sozialen, ökonomischen und bildungsmäßigen Problemlagen ein.

Organisationen in Deutschland

1972 wurde in Heidelberg der Sinto Anton Lehmann von einem Polizisten erschossen, es kam zu einer Demonstration zahlreicher Sinti, und es konstituierte sich daraufhin der Verband deutscher Sinti. 1982 schlossen dessen Landesverbände und unabhängige Ortsverbände sich zum Dachverband Zentralrat deutscher Sinti und Roma zusammen, dessen Sitz Heidelberg ist. Er ist die staatlich anerkannte Spitzenvertretung der Roma deutscher Staatsbürgerschaft und wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Jugend, Frauen und Familie finanziert. Seine Landesverbände werden als Projekte der Landesministerien gefördert. Der langjährige Vorsitzender des Zentralrats, der deutsche Sinto Romani Rose, war einer der führenden Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung der 1970er und 1980er Jahre.

Anders als der Zentralrat organisieren die Rom und Cinti Union (Hamburg) und die Roma-Union-Frankfurt auch in den letzten Jahrzehnten in die Bundesrepublik migrierte Roma und vertreten deren bleibe- und asylrechtliche Interessen. Rudko Kawczynski, staatenloser Hamburger Rom und bekannter Vertreter der Rom und Cinti Union, gehörte zu den führenden Köpfen der Bürgerrechtsbewegung, wie sie im norddeutschen Raum durch öffentliche Aktivitäten hervortrat. Kleinere Selbstorganisationen mit regionaler Bedeutung und ohne Herkunft aus der sozialen und Bürgerrechtsbewegung sind die Sinti Allianz Deutschland (Hildesheim), die eine Homepage unterhält, oder die Roma Union Grenzland (Aachen). Wichtige gemeinsam von Roma und von Menschen aus der Mehrheitsbevölkerung getragene Zusammenschlüsse mit sozialpolitischem und sozialarbeiterischem Schwerpunkt, die sich unter Einschluss von Arbeitsmigranten und Flüchtlingen allen Romagruppen zuwenden, sind regional der Rom e. V. (Köln) und der Förderverein Roma (Frankfurt am Main).[86] Als Interessenvertreterin der als Bürgerkriegsflüchtlinge nach Deutschland zugewanderten Roma versteht sich auch das Centre of Integration, Affirmation and Emanzipation of the Roma in Germany – Roma-Union e. V. (Essen).

Rechtliche und staatlich-politische Anerkennung in Deutschland

Seit Ende der 1990er Jahre sind vier nationale Minderheiten in der Bundesrepublik Deutschland anerkannt, nachdem die Bundesrepublik 1997 das Rahmenübereinkommen des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten und 1998 die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ratifizierte: Dänen, Friesen, Sorben und „die deutschen Sinti und Roma“. Der Schutz als nationale Minderheit erstreckt sich demnach nur auf Sinti und Roma deutscher Staatsangehörigkeit. Er ist zudem nach dem Abstammungsprinzip eingeschränkt auf die „Alteingesessenen“,[87] schließt also die Roma deutscher Staatsangehörigkeit mit familiärer Herkunft aus Südosteuropa oder Spanien nicht ein.

Am 14. November 2012 hat Schleswig-Holstein als erstes Bundesland die deutschen Sinti und Roma neben den Dänen und Friesen als Minderheit in die Landesverfassung aufgenommen. 22 Jahre kämpfte der Verband Deutscher Sinti und Roma e. V. – Landesverband Schleswig-Holstein mit seinem Landesvorsitzenden Matthäus Weiß um die Anerkennung als Minderheit. In dieser Zeit wurden sechs Anträge zur Verfassungsänderung in das Landesparlament eingebracht. Fünfmal scheiterten sie an der notwendigen Zweidrittelmehrheit. Am 23. August 2012 brachten die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, SPD, die Abgeordneten des SSW und die Fraktionen von Piraten und FDP erneut einen Gesetzentwurf zur Änderung der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein ein.[88] Der Landtag überwies diesen durch Plenarbeschluss an den Innen- und Rechtsausschuss und mitberatend an den Europaausschuss. Nachdem der Ausschuss dem Landtag bei Enthaltung der Stimmen der Fraktion der CDU die unveränderte Annahme des Gesetzentwurfs empfahl,[89] wurde der Beschluss über die Änderung der Landesverfassung am 14. November 2012 in der Plenarsitzung des Landtages Schleswig-Holstein einstimmig gefasst. Nach vorhergehenden Bedenken stimmte schließlich auch die CDU-Fraktion zu.

In Artikel 5 der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein heißt es nun: „Die nationale dänische Minderheit, die Minderheit der deutschen Sinti und Roma und die friesische Volksgruppe haben Anspruch auf Schutz und Förderung.“

In Baden-Württemberg unterzeichneten 2013 Daniel Strauß in Vertretung des "Verbands Deutscher Sinti und Roma Landesverband Baden-Württemberg" und Ministerpräsident Winfried Kretschmann für das Land Baden-Württemberg einen Staatsvertrag, der unter anderem die Kooperation zwischen Land und Minderheit stärken, den Dialog mit Sinti und Roma Baden-Württembergs auf eine verlässliche gesellschaftspolitische Grundlage stellen, diese verbreitern, sowie gemeinsames Vorgehen gegen Antiziganismus begründen soll.[90], [91], [92] Er legt dazu eine verbindliche Förderung fest. Dieser Staatsvertrag wurde vom Landtag im selben Jahr verabschiedet.[93]

Rechtliche und staatlich-politische Anerkennung in Österreich

In der Republik Österreich ist seit 1993 neben den „Volksgruppen“ der Burgenlandkroaten, Slowaken, Slowenen, Ungarn und Tschechen die Minderheit der österreichischen Roma anerkannt. Romanes gilt dort als Minderheitensprache im Sinne der Europäischen Charta der Minderheitensprachen.

Frankreich

Im Jahre 2010 erregte die Situation der Roma in Frankreich europaweit Aufsehen, weil die französische Regierung illegal im Land weilende südosteuropäische Roma nicht duldete und auswies.[94]

Sonderfall Südosteuropa und Visegrád-Staaten

In den südosteuropäischen Ländern und den sogenannten Visegrád-Staaten lebt die große Mehrheit der europäischen Roma-Bevölkerung. In der sozialistischen Phase eröffneten sich für Roma eine Reihe von individuellen Möglichkeiten der Qualifizierung und des sozialen Aufstiegs. Es entwickelten sich „Roma-Eliten mit hoher Qualifikation, wie sie in Westeuropa nicht zu finden sind.“[95] Die dennoch gesellschaftlich randständige und bedrohte Existenz der Roma der 1960er Jahre in Mähren, Böhmen, Ungarn, Rumänien und der Slowakei wird im Bildband Roma des Fotografen Josef Koudelka dargestellt.[96] Inzwischen hat sich die Lebenssituation der südosteuropäischen Roma durch die politischen und sozioökonomischen Auflösungs- und Neuformierungsprozesse der 1990er Jahre und durch die damit einhergehenden, durch Ethnisierung und neue Nationalismen ausgelösten Konflikte und Verdrängungen entscheidend verschlechtert.

Allgemein hatten die Rekapitalisierung der landwirtschaftlichen und der industriellen Produktion, die Massenentlassungen und die Entstehung eines unregulierten Arbeitsmarktes eine hohe Arbeitslosigkeit und allgemeine Verarmung und Verelendung der Roma zur Folge. Die Entlassungen auf dem Land und in den kleineren Orten bewirkten eine erhöhte Landflucht in die bereits ohnehin übervölkerten und schlecht ausgestatteten Romaquartiere („Mahala“) der großen Städte. Die südosteuropäischen Mahala haben Ghetto-Charakter. So werden z. B. die Schulen der bulgarischen Romaviertel als „heute in höchstem Maße vernachlässigt“ beschrieben. Der Analphabetismus unter jungen Roma nehme rapide zu.[97] Die aus der produktiven Sphäre Ausgeschlossenen versuchen ihrer Verelendung vor allem mit kombinierten Noterwerbsweisen zu entrinnen: kleiner Handel, Sammeln und Aufarbeiten von Resten, Gelegenheitstätigkeiten. Damit einher gehen die typischen sozialen Konsequenzen solcher Prozesse, wie drastisch sinkende Bildungschancen, Alkoholismus- und Drogenrisiken.

Die im mehrheitsgesellschaftlichen Alltagsdenken verbreitete Vorstellung einer minderheitstypischen Delinquenz, die ein traditionelles Element des mehrheitsgesellschaftlichen Zigeunerbilds ist, lässt sich mit Zahlen nicht belegen.

  • Zum einen differenziert in keinem europäischen Staat die offizielle Kriminalitätsstatistik nach „Volksgruppen“, Nationalitäten oder Primärsprachen: „Dass Verbrechen und die Zugehörigkeit zu einer Minderheit nichts miteinander zu tun haben, gehört zu den Standardannahmen moderner [polizeilicher] Ermittlungsarbeit.“ Ethnic profiling ist darüber hinaus verpönt, wenn nicht verboten. Es gibt also keine Zahlen.
  • Und zum anderen müssten solche Zahlen mit denen von Gruppen unter ähnlichen sozialen Bedingungen verglichen werden, die es aber in ganz Europa sonst nicht gibt.[98]

Ähnliche Lebensbedingungen bestehen in südafrikanischen oder südamerikanischen Elendsvierteln. Die Kriminalitätsgefahr liege in jeder Hinsicht in den südosteuropäischen Roma-Quartieren weit darunter, bemerkt der Südosteuropaexperte Norbert Mappes-Niediek. „In den großen Vierteln der Roma, in Shuto Orizari in Skopje, Ferentari in Bukarest, Stoliponowo in Plowdiw oder Fakulteta in Sofia, kann sich jeder Besucher frei und unbehelligt bewegen.“[99]

Im ehemaligen Jugoslawien gab es eine relative Integration der Roma und damit vergleichsweise gute Bildungschancen. Viele Roma konnten höhere Schulabschlüsse und mancher einen Hochschulabschluss erwerben. Inzwischen ist die Minderheit auf den vorsozialistischen Stand der Bildungsdiskriminierung zurückgefallen. Im Zuge des staatlichen Zerfalls und der damit aufbrechenden ethnisch und nationalistisch inspirierten bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen richteten sich massive Aggressionen auch gegen die jeweilige Romabevölkerung. Sie war kollektiven Angriffen durch Angehörige der Mehrheitsbevölkerung, Zerstörungen und Plünderungen ihrer Wohnstätten mit dem Ziel ihrer Vertreibung ausgesetzt. Ein Beispiel ist die 1999 von albanischen Nationalisten geplünderte und niedergebrannte Romska Mahala von Mitrovica (Kosovo), die von 5000 Roma, Ashkali und Ägyptern („RAE“) bewohnt wurde.[100] Viele südosteuropäische Roma flüchteten vor diesem Hintergrund nach West- und Mitteleuropa oder auch nach Nordamerika.[101]

Soziale Organisation, Kultur

Die kulturellen Überlieferungen, die kulturelle Vergangenheit und Gegenwart der europäischen Roma weisen überaus gewichtige regionale Unterschiede auf, und „auch der Blick der Gadje auf die Sinti und Roma ist jeweils ein anderer, was u. a. eng mit deren Anteil an der jeweiligen Gesamtgesellschaft und mit der An- oder Abwesenheit weiterer kultureller Minderheiten zusammenhängt.“[102] Der mehrheitsgesellschaftliche Einfluss auf die Entwicklung der Minderheitskultur brachte insofern historisch und regional unterschiedliche Ergebnisse hervor. Dennoch lassen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen, wobei die Frage offen bleiben muss, inwieweit sie einem gemeinsamen ethnischen „Erbe“ oder aber ähnlichen oder gemeinsamen strukturellen Bedingungen geschuldet sind.

Die Bedeutung der Großfamilie

Der Zusammenhalt der Roma-Gemeinschaft wird traditionell durch verwandtschaftliche Beziehungen gestiftet.[103] Wichtigste Organisationsform und Basis des Gesamtsystems ist die Großfamilie. Bei den Kalderascha heißt sie tséra (‚Zelt‘), bei anderen osteuropäischen Roma satra. Mehrere satra bilden bei den Kalderasch einen familiären Großverband (njamuri, bei anderen Gruppen: niamo). Mehrere Familienverbände der Kalderasch ergeben eine vitsa. Die Größe einer vitsa kann sehr unterschiedlich sein. Sie kann von zehn bis zu mehreren hundert satra reichen. Sie erweitert sich durch Heiraten zwischen den Teilverbänden. Die nächsthöhere Ebene ist die natia oder rasa, die jeweilige Roma-Subethnie in ihrer Gesamtheit, also der Kalderascha, der Manusch oder der Lowara. Bei den letzten wiederum lassen sich z. B. nur die drei Ebenen der Großfamilie, der tséra und der rasa unterscheiden, wobei im Inhalt die tséra sich mit der vitsa deckt.

Der vitsa steht ein Ältester vor, der nach Ansehen, Autorität und Kompetenz gewählt wird, entweder auf eine bestimmte Zeit oder auch lebenslang. Er trägt einen Titel mit in Südosteuropa verwendeten Begriffen: baro (‚Großer‘), sero (‚Haupt‘, ‚Fürst‘), kraljo (‚Fürst‘), grofo usw. Er leitet den Altenrat mit dem er gemeinsam oder auch alleine alle wichtigen, die Gruppe betreffenden Beschlüsse, fasst. Nach südosteuropäischen Traditionen hebt er sich durch äußere Merkmale und Symbole wie einen Bart, einen besonders geschmückten Anzug und ein silbernes Zepter hervor. In manchen Großverbänden hat eine ältere, besonders lebenserfahrene Frau als puri daj (‚Großmutter‘) eine führende Rolle.

Die kumpania als Wirtschaftseinheit

Die ökonomische Einheit ist die kumpania als offener, lockerer Zusammenschluss gemeinsam wirtschaftender Angehöriger mehrerer Familienverbände. Sie reagiert flexibel auf die jeweils gegebenen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, ihre Zusammensetzung ist also einer fortwährenden Veränderung unterworfen. Gleichzeitig verlangt sie uneingeschränkte Kooperation und die Einhaltung der gruppeninternen Regelungen, deren Missachtung vom traditionellen Gericht der Roma, der kris, geahndet werden kann. Jede kumpania beansprucht einen geografisch oder ökonomisch gegen andere kumpania abgegrenzten Raum.[104]

Traditionelle berufliche Differenzierungen

Die südosteuropäischen Roma gliedern sich in eine größere Zahl von Teilgruppen mit jeweils unterschiedlichen Traditionen und Dialekten, zu denen – inzwischen weitgehend historische – berufliche Spezialisierungen gehören, die oft namengebend waren, wie

  • Sepečides = Korbflechter (türk.) sepet für Korb, sepetçi für Korbflechter
  • Čurara = Siebmacher (rumän.) ciur für Sieb
  • Lovara = Pferdehändler (ungar.) „Pferd“ + Plural des Nomina-agentis-Suffixes /-ari/
  • Kalderara/Kalderaš/Kerderara = Kesselmacher und -flicker (rumän.) caldare für Kessel

Reinheits- und Meidungsvorschriften

Traditionelle Roma legen Wert auf zahlreiche interne Regeln des sozialen Lebens, der Hygiene wie der „Reinheit“ in einer übertragenen Bedeutung.[105] Die Unterscheidung zwischen rein ([sch]uscho) und unrein (mahrime) ist von herausragender Bedeutung, von ebenso großer Bedeutung wie die (und eng verknüpft mit der) Unterscheidung zwischen Leben und Tod. Frauen unterliegen eigenen Reinheitsvorstellungen. Menstruation und Geburt gelten als unrein mit der Folge besonderer Umgangsweisen. Es handelt sich hier nicht um eine exotische Eigenart der Romakultur, denn in der christlichen Kultur,[106] in islamischen und orthodox-jüdischen Kulturen finden sich ganz ähnliche Vorstellungen. Wer aus diesem oder anderen Gründen für unrein erklärt wird, darf mit seinen Leuten keine Tischgemeinschaft haben und weder essen noch trinken. Es existiert eine Fülle von Einzelregelungen zur Meidung „unreiner“ Bedeutungsträger. Sinti vertreten ein besonders ausführliches Meidungssystem und Regeln strikter Abgrenzung gegenüber der Mehrheitsbevölkerung. Dazu gehört das Verbot, Nicht-Roma (gadsche) über den Dialekt der Gruppe, die sintengheri tschib (auch einfach: mari tschib = unsere Sprache) zu informieren. Das kann bedeuten, dass man es vorzieht, als „Zigeuner“ statt als Sinto bezeichnet zu werden. Alle medizinischen und Pflegeberufe, die mit Krankheit und Tod in Berührung kommen, ferner alle Berufe, die mit Tierfleisch und -blut zu tun haben, gelten traditionellen Sinti als unrein.

Religion

Spuren aus verschiedenen Perioden des indischen und altpersischen religiösen Lebens scheinen sich bis heute im religiösen Verständnis und in der Glaubenspraxis der Roma vorzufinden.

Die Religionszugehörigkeit von Roma korrespondiert in hohem Maße mit der umgebenden Mehrheitsreligion. So sind die meisten Lowara-Roma katholisch und leben in katholisch geprägten Ländern wie Österreich und Ungarn. Die deutschen Sinti sind traditionell in katholischen wie in protestantischen Regionen meist römisch-katholisch. In Osteuropa gibt es orthodoxe Kalderasch und Gurbet in Mazedonien und Serbien sowie die muslimischen Arlije in Mazedonien, Albanien und der Türkei. In Bulgarien sind 39,2 Prozent der Roma Muslime.[107] Die meisten dieser muslimischen Roma bevorzugen die Sprache ihrer türkischen Glaubensbrüder und sind ein wichtiger Faktor des Islam in Bulgarien. Bei den bulgarischen Roma sind zudem starke synkretistische Tendenzen zu beobachten, d. h. es kommt zur Vermischung von christlichen und muslimischen Glaubenspraktiken.[108]

Seit einigen Jahrzehnten missionieren auch Freikirchen, vor allem die Pfingstbewegung, erfolgreich bei den Roma.

Die katholischen Roma haben als Schutzpatronin die Schwarze Sara. Einmal im Jahr findet in Saintes-Maries-de-la-Mer (Frankreich) ein großes Treffen der Romafamilien zu Ehren der Schutzpatronin statt. Dieses Ereignis ist als „Zigeunerwallfahrt“ bekannt und eine Touristenattraktion.

Literatur (Auswahl, Überblicksdarstellungen)

  • Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner – Eine Geschichte von Faszination und Verachtung. Suhrkamp, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-42263-2.
  • Rajko Đurić, Jörg Becken, Bertolt Bengsch: Ohne Heim, ohne Grab. Die Geschichte der Roma und Sinti. Aufbau, Berlin 2002, ISBN 3-7466-8081-6.
  • Angus Fraser: The Gypsies. 2. Aufl., Blackwell, Oxford 2001, ISBN 0-631-19605-6 (= The peoples of Europe)
  • Kurt Holl (Hrsg.): Die vergessenen Europäer. Kunst der Roma. Roma in der Kunst. Ein Projekt des ROM e. V. Köln in Kooperation mit dem Kölnischen Stadtmuseum. Verlag des Rom e. V., Köln 2008, ISBN 978-3-9803118-8-5 (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, 12. Mai 2008 bis 3. Januar 2009)
  • Norbert Mappes-Niediek: Arme Roma, böse Zigeuner. Was an den Vorurteilen über die Zuwanderer stimmt. Links, Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-684-0
  • Yaron Matras, Hans Winterberg und Michael Zimmermann: Sinti, Roma, Gypsies. Sprache, Geschichte, Gegenwart. Metropol, Berlin 2003, ISBN 3-936411-26-3
  • Katrin Reemtsma: Sinti und Roma. Geschichte, Kultur, Gegenwart. Beck, München 1996, ISBN 3-406-39255-5 (= Beck'sche Reihe, Band 1155)
  • Susan Tebbutt (Hrsg.): Sinti und Roma in der deutschsprachigen Gesellschaft und Literatur („Sinti and Roma. Gypsies in German-Speaking Society and Literature“). Peter Lang, Frankfurt 2001, ISBN 3-631-35349-9 (Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte; 72)
  • Herbert Uerlings, Iulia-Karin Patrut (Hrsg.): „Zigeuner“ und Nation. Repräsentation – Inklusion – Exklusion (= Inklusion/Exklusion. Studien zu Fremdheit und Armut von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 8), Frankfurt am Main [u. a.] 2008, ISBN 978-3-631-57996-1
  • Rüdiger Vossen: Zigeuner. Roma, Sinti, Gitanos, Gypsies. Zwischen Verfolgung und Romantisierung. Ullstein, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-548-34135-7 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung im Museum für Völkerkunde Hamburg)
  • Michael Zimmermann: Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische “Lösung der Zigeunerfrage“. Christians, Hamburg 1996, ISBN 3-7672-1270-6 (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte; 33)
  • ders. (Hrsg.): Zwischen Erziehung und Vernichtung. Zigeunerpolitik und Zigeunerforschung im Europa des 20. Jahrhunderts. Franz Steiner, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-515-08917-3

Film

Hörfunk

Weblinks

 Wiktionary: Roma – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Roma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Yaron Matras, Die Sprache der Roma. Ein historischer Umriss, in: ders./Hans Winterberg/Michael Zimmermann (Hrsg.), Sinti, Roma, Gypsies. Sprache – Geschichte – Gegenwart, Berlin 2003, S. 231–261, hier: S. 232f.
  2. Friedrich Kluge: Rotwelsch. Quellen und Wortschatz der Gaunersprache und der verwandten Geheimsprachen; Straßburg 1901 (ND 1987), S. 187 f.
  3. Johann Erich Biester: Ueber die Zigeuner; besonders im Königreich Preußen, in: Berlinische Monatsschrift, Bd. 21, 1793, S. 108–165, 360-393, hier: S. 364ff.
  4. Vgl. auch: [1] (PDF; 11 kB). Da das Romanes eine vor allem gesprochene Sprache ist, finden sich selbst bei zentralen Begriffen gelegentlich abweichende, jeweils dialektbezogene Schreibweisen wie „rroma“, „romma“ oder „rommenes“.
  5. Siehe Roma-Projekt an der Universität Graz: [2].
  6. Allgemeine politische Empfehlung Nr. 3 von ECRI: Bekämpfung von Rassismus und Intoleranz gegen Roma/Sinti, 6. März 1998, siehe: [3] (PDF; 830 kB).
  7. Karola Fings, Ulrich Friedrich Opfermann, Glossar, in: dies. (Hrsg.), Zigeunerverfolgung im Rheinland und in Westfalen 1933–1945. Geschichte, Aufarbeitung und Erinnerung, Paderborn 2012, S. 337–359, hier: S. 350.
  8. Z. B.: Max Matter, Zur Lage der Roma im östlichen Europa, in: ders. (Hrsg.), Die Situation der Roma und Sinti nach der EU-Osterweiterung, Göttingen 2005, S. 9–28, hier: S. 14f.; Rajko Djuric/Jörg Becken/Bertolt A. Bengsch, Ohne Heimat – ohne Grab. Die Geschichte der Roma und Sinti, Berlin 1996.
  9. Siehe: "Antiziganismus ist salonfähig". Gespräch mit Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, in: Wolfgang Benz, Sinti und Roma: Die unerwünschte Minderheit, Berlin 2014, S. 49-63, hier: S. 50.
  10. Reetta Toivanen/Michi Knecht (Hrsg.), Europäische Roma - Roma in Europa, S. 7, in: Berliner Blätter. Ethnographische und ethnologische Beiträge (hrsgg. vom Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin und der Gesellschaft für Ethnographie e. V.), Münster 2006, Ausgabe 39; Rajko Djuric, Zigeuner des Lexikons. Die Roma in Nachschlagewerken. Ein Vorschlag zur Korrektur [1999], in: [4].
  11. Informationstafeln des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas, zit. nach: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (Hrsg.), Pressemappe Sinti und Roma, DENKMAL WEITER, Kulturveranstaltungen zur Einweihung des Holocaust-Denkmals in Berlin, 19. – 25. Oktober 2012, S. 16 (siehe auch: [5]).
  12. [6].
  13. Marco Solimene, The challenge of defining the object of study. The case study of a group of bosnian roma, Reykjavik 2012, siehe: [7].
  14. Francesco Melfi, Immigrants, Roma and Sinti unveil the “National” in Italian Identity, Cleveland 2014, S. 9, siehe: [8].
  15. Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC), Roma and Travellers in Public Education. An overview of the situation in the EU Member States, Mai 2006, S. 16.
  16. Wolfgang Aschauer, Sinn und Unsinn ethnischer Kategorisierungen. Rezensionsaufsatz [zu] Klaus-Michael Bogdal, Europa erfindet die Zigeuner. Eine Geschichte von Faszination und Verachtung, Berlin 2011, siehe: [9].
  17. Siehe HP Zentralrat: [10].
  18. Siehe z. B. die HP des Kulturvereins Österreichischer Roma: [11].
  19. Sinti in Südosteuropa sind wenig bekannt, dort jedoch ebenfalls anzutreffen, siehe: Aleksandar (Sándor) Hercenberger, Secanje na Sinte. Emlékezés a Szintókra [= Erinnerung an Sinti], Novi Sad 2006.
  20. Die staatliche Anerkennung als österreichische Volksgruppe erfolgte 1993 unter dem Überbegriff „Roma“, siehe: Gerhard Baumgartner, Bernhard Perchinig: Minderheitenpolitik in Österreich – die Politik der österreichischen Minderheiten. Siehe: Emmerich Gärtner-Horvath: 10 Jahr Verein Roma. Resumée und Ausblick., in: Romani Patrin, 1999/2, Oberwart 1999; siehe auch: [12] (PDF; 22 kB).
  21. Michael Zimmermann: Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische „Lösung der Zigeunerfrage“. Hamburg 1996, S. 17 ff.; Ulrich Friedrich Opfermann: „Seye kein Ziegeuner, sondern kayserlicher Cornet.“ Sinti im 17. und 18. Jahrhundert. Berlin 2007, S. 31 f.; [13].
  22. Karola Fings/Ulrich Friedrich Opfermann, Glossar, in: dies. (Hrsg.), Zigeunerverfolgung im Rheinland und in Westfalen 1933–1945. Geschichte, Aufarbeitung und Erinnerung, Paderborn 2012, S. 337–359, hier: S. 351f.
  23. Sende: ebenda, S. 252; Sinte: Johann Erich Biester: Ueber die Zigeuner; besonders im Königreich Preußen, in: Berlinische Monatsschrift, Bd. 21, 1793, S. 108–165, 360-393, hier: S. 364ff.
  24. Johann Erich Biester, Ueber die Zigeuner; besonders im Königreich Preußen, in: Berlinische Monatsschrift, Bd. 21, 1793, S. 108–165, 360-393, hier: S. 364ff. Biesters Gewährsmann war ein protestantischer Pfarrer in Litauen, der in einem engen Kontakt zu dort ansässigen Angehörigen der Minderheit stand. Siehe: http://www.ub.uni-bielefeld.de/cgi-bin/navtif.cgi?pfad=/diglib/aufkl/berlmon/122931&seite=00000391.TIF&scale=4
  25. Stéphane Laederich, Wer sind die Rroma?, Zürich 2008, S. 9, siehe auch: [14] (PDF; 4,6 MB)
  26. Romani Linguistics and Romani Language Projects, Manchester, siehe: [15]
  27. Viorel Achim: The Roma in Romanian Historiy, Central European University Press, Bukarest [u. a.] 2004, S. 9.
  28. Alle Angaben: Karola Fings/Ulrich Friedrich Opfermann, Glossar, in: dies. (Hrsg.), Zigeunerverfolgung im Rheinland und in Westfalen 1933–1945. Geschichte, Aufarbeitung und Erinnerung, Paderborn 2012, S. 337–359, hier: S. 355f.
  29. Siehe Nevipe, 3-2012: [16] (PDF; 1,6 MB).
  30. Rüdiger Vossen, Zigeuner. Roma, Sinti, Gitanos, Gypsies. Zwischen Verfolgung und Romantisierung, Frankfurt am Main [u. a.] 1983, S. 22 f.
  31. Zu diesem wie auch dem vorausgehenden Abschnitt: Ulrich F. Opfermann, „Du alter Zigeuner, sieh zu, dass du Land gewinnst!“ Begriffsgeschichten, in: Nevipe. Nachrichten und Beiträge aus dem Rom e. V., 2/2012 (PDF; 1,8 MB), S. 14–18.
  32. ’’Gadscho’’ bei: Siegmund A. Wolf, Großes Wörterbuch der Zigeunersprache, Hamburg 1993, S. 89.
  33. Ulrich Friedrich Opfermann, „Seye kein Ziegeuner, sondern kayserlicher Cornett. Sinti im 17. und 18. Jahrhundert. Eine Untersuchung anhand archivalischer Quellen, Berlin 2007, S. 311; Siegmund A. Wolf, Großes Wörterbuch der Zigeunersprache, Hamburg 1993, S. 192.
  34. Yaron Matras, Die Sprache der Roma. Ein historischer Umriss, in: ders./Hans Winterberg/Michael Zimmermann (Hrsg.), Sinti, Roma, Gypsies. Sprache – Geschichte – Gegenwart, Berlin 2003, S. 231–261, hier: S. 233f.
  35. Roma tribe linked to Indians. The International News Pakistan, 3. Dezember 2012, abgerufen am 7. Dezember 2012 (englisch).; Julia Merlot: Sinti und Roma – Erbgutanalyse bestätigt Indien als Herkunftsland. Spiegel Online, 7. Dezember 2012, abgerufen am 7. Dezember 2012..
  36. Zitate: Katrin Reemtsma, Sinti und Roma. Geschichte, Kultur, Gegenwart, München 1996, S. 17.
  37. Siehe den Überblick bei: Katrin Reemtsma, Sinti und Roma. Geschichte, Kultur, Gegenwart, München 1996, S. 16f.
  38. Lev Tcherenkov/Stéphane Laederich, The Rroma, Bd. 2: History, language and groups, Basel 2004, S. 11-33.
  39. Karola Fings, Sinti und Roma. Sprache, Herkunft, Bezeichnungen, in: Esther Quicker/Hans-Peter Killguss(Hrsg.), Sinti und Roma zwischen Ausgrenzung und Selbstbehauptung. Stimmen und Hintergründe zur aktuellen Debatte, Köln 2013, 38-41, hier: S. 39.
  40. Katrin Reemtsma, Sinti und Roma. Geschichte, Kultur, Gegenwart, München 1996, S. 13–17.
  41. Wim Willems, In Search of the True Gypsy. From Enlightenment to Final Solution, London 1997, S. 308.
  42. Yaron Matras, Die Sprache der Roma. Ein historischer Umriss, in: ders./Hans Winterberg/Michael Zimmermann (Hrsg.), Sinti, Roma, Gypsies. Sprache – Geschichte – Gegenwart, Berlin 2003, S. 231–261, hier: S. 233f.
  43. Alle Angaben, soweit im Einzelfall nicht anders angegeben nach: Yaron Matras, Die Sprache der Roma. Ein historischer Umriss, in: ders./Hans Winterberg/Michael Zimmermann (Hrsg.), Sinti, Roma, Gypsies. Sprache – Geschichte – Gegenwart, Berlin 2003, S. 231–261.
  44. Harald Haarmann, Die Indoeuropäer. Herkunft, Sprachen, Kulturen, München 2010, S. 98.
  45. Alle Angaben in diesem Abschnitt mit Ausnahme der zuletzt belegten bei: Yaron Matras, Die Sprache der Roma. Ein historischer Umriss, in: Yaron Matras/Hans Winterberg/Michael Zimmermann (Hrsg.), Sinti, Roma, Gypsies. Sprache – Geschichte – Gegenwart, Berlin 2003, S. 231–261, hier: S. 231–235.
  46. Yaron Matras, Die Sprache der Roma. Ein historischer Umriss, in: Yaron Matras/Hans Winterberg/Michael Zimmermann (Hrsg.), Sinti, Roma, Gypsies. Sprache – Geschichte – Gegenwart, Berlin 2003, S. 231–261, hier: S. 231–235, hier: S. 260.
  47. Siegmund A. Wolf, Großes Wörterbuch der Zigeunersprache (romani tšiw), Hamburg 1993, S. 62.
  48. Ebenda, S. 89
  49. Siegmund A. Wolf, Wörterbuch des Rotwelschen, Hamburg 1985, 2., durchges. Aufl., S. 178.
  50. Ebenda, S. 154.
  51. Siegmund A. Wolf, Großes Wörterbuch der Zigeunersprache (romani tšiw), Hamburg 1993, S. 133.
  52. Ebenda, S. 202.
  53. Yaron Matra, Die Sprache der Roma. Ein historischer Umriss, in: Yaron Matras, Hans Winterberg und Michael Zimmermann, Sinti, Roma, Gypsies. Sprache, Geschichte, Gegenwart, Berlin 2003, S. 231-261, hier: S. 259.
  54. Reinhold Lagrene, Das deutsche Romanes. Geschichte einer nicht kodifizierten Sprache, in: Christel Stolz (Hrsg.), Neben Deutsch. Die autochthonen Minderheiten- und Regionalsprachen Deutschlands, Bochum 2009, S. 87-102, passim.
  55. Das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten thematisiert diese allgemeine Erfahrung von Menschen der unteren Segmente der sozialen Hierarchie.
  56. Rombase, Universität Graz
  57. Rombase, Universität Graz
  58. Gegenüber Zahlen ist in diesem Zusammenhang Vorsicht angebracht; Rombase, Universität Graz: [17]
  59. József Jekelfalussy (im Auftrag des Königl. Ung. Handelsministers verfaßt und hrsg. durch das Königl. Ung. Statistische Bureau), Ergebnisse der in Ungarn am 31. Jänner 1893 durchgeführten Zigeuner-Conscription, Budapest 1895 (= Ungarische Statistische Mittheilungen, Neue Folge, Band IX), Faksimilé-Druck mit einer engl. Erläuterung von István Hoóz, JPTE, Pécs 1992.
  60. Prozentangaben nach den Zahlen von David M. Crowe, A History of the Gypsies of Eastern Europe and Russia, St. Martin’s Griffin, New York 1996, S. 41, ohne Berücksichtigung der dort zusätzlich genannten „7,734 other Gypsies in this part of Hungary“, vgl. auch Willy Guy: Ways of Looking at Roms: The Case of Czechoslovakia. in: Farnham Rehfisch (Hrsg.): Gypsies, Tinkers and Other Travellers. Academic Press, London 1975, S. 201–229, S. 211. Quelle für beide ist Emília Horváthová, Cigáni na Slovensku, Bratislava: Vytadel’stvo Slovenskej Akademie Vied, 1964.
  61. Rombase, Universität Graz
  62. Zur Geschichte dieser Migrationsbewegung aus der Sicht der dritten Generation siehe z. B.: Nadine Michollek, Schweigen aus Angst vor Vorurteilen. Junge Roma haben in Deutschland mit jahrhundertealten Stereotypen zu kämpfen, in: Kölner Stadt-Anzeiger, 27. November 2011, S. 50.
  63. Generell („Die Geschichte der Roma stellt sich über weite Strecken als eine Geschichte der Verfolgung, Diskriminierung und Marginalisierung dar. Noch heute befinden sich Roma in den meisten Ländern Europas (und nicht nur Europas) am untersten Rand der Gesellschaft.“): Rombase/Universität Graz, siehe: [18]; europaweit: Mitteilungen der [Europäischen] Kommission an das Europäische Parlament, den Rat den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen. EU-Rahmen für nationale Strategien zur Integration der Roma bis 2010, vom 5. April 2011, siehe: [19] (PDF; 117 kB); Roma-Migranten in Deutschland: Reinhard Marx, Roma in Deutschland aus ausländerrechtlicher Sicht, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 22–23 vom 30. Mai 2011, siehe: [20]; Ungarn, ökonomische Marginalisierung: Rainer Deppe/Melanie Tatu: Rekonstitution und Marginalisierung. Frankfurt am Main, S. 66.
  64. 650 Jahre Roma-Kultur im Kosovo und ihre Vernichtung: Das Pogrom, Köln o. J.
  65. Rajko Djuric, Jörg Becken und A. Bertolt Bengsch: Ohne Heim – Ohne Grab. Die Geschichte der Roma und Sinti; Berlin 1996; S. 116.
  66. Zur Schweiz: Tagesanzeiger, 30. Januar 2008; zu Italien: Le Monde, 4.November 2007, [21]. 2008 kündigte die italienische Regierung an, systematisch Fingerabdrücke von Roma zu nehmen, auch von Kindern. Diese Pläne trafen auf harsche Kritik von Menschenrechtsorganisationen; insbesondere stehe eine solche Maßnahme im Widerspruch zu der von Italien ratifizierten UN-Kinderrechtskonvention:Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDavid Charter: Italian Government´s ‘Mussolini methods’ anger human rights groups. The Times, 5. Juli 2008, abgerufen am 19. August 2010 (engl.).; bei den Verhandlungen des Europäischen Parlaments im Juli 2008 äußerte der Niederländer Jan Marinus Wiersma: „Auch wir sind bestürzt über die Maßnahmen, die die italienische Regierung jüngst zur Lösung des so genannten Roma-Problems in Italien ankündigte. Es ist eine große Schande, dass wir hier und heute eine solche Aussprache führen müssen. […] Das jüngst von dem italienischen Innenminister Roberto Maroni angekündigte Paket, mit dem er gegen den „Roma-Notstand“, wie ihn die Regierung mittlerweile bezeichnet, vorgehen will, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Die Einrichtung einer Datenbank mit den Fingerabdrücken von Roma-Kindern ist in keiner Weise mit den EU-Grundsätzen der Nichtdiskriminierung, der Gleichheit vor dem Gesetz und des Minderheitenschutzes vereinbar. […] Die Europäische Kommission befindet sich hier in einer meines Wissens noch nie dagewesenen Situation“ (Verhandlungen des Europäischen Parlaments, Montag, 7. Juli 2008, S. 34); zu Österreich: Kleine Zeitung: "Roma und Sinti: Haider warnt vor „Völkerwanderung“ aus Italien"; zu Frankreich: 2010 kam es in Frankreich nach der Erschießung eines Rom durch die Polizei zu Ausschreitungen (Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSusanne Götze: “Wir sind genauso Franzosen wie alle anderen auch”. www.heise.de, 5. August 2010, abgerufen am 19. August 2010.Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSascha Lehnartz: Vertreter der Roma werfen Sarkozy Rassismus vor. Welt Online, 23. Juli 2010, abgerufen am 19. August 2010.). Der französische Staatspräsident kündigte daraufhin härtere Repressionen gegen Roma an. Die Politik Frankreichs traf auf scharfe Kritik europäischer Institutionen, siehe den Abschnitt hierzu im Artikel „Roma-Politik der EU“.
  67. Dazu siehe z. B. die Seite „Rombase“ der Universität Graz: [22].
  68. Siehe ausführlich zu ganz Europa: Michael Stewart: The Gypsy „Menace“. Populism and the new anti-Gypsy politics. Hurst, London 2012, ISBN 1-84904-220-9 (englisch).
  69. Sinti und Roma im ehemaligen KZ Bergen-Belsen am 27. Oktober 1979. Eine Dokumentation der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ und des „Verbands Deutscher Sinti“, Göttingen 1980
  70. [23]
  71. Michael Frost u. a.: Roma-Feindlichkeit in fremdenfreundlichen Milieus. Thesen über einen spezifischen Rassismus. In: Joachim S. Hohmann (Hrsg.): Sinti und Roma in Deutschland. Frankfurt am Main [u. a.] 1995, S. 231–251; siehe auch: [24].
  72. Siehe: Erster Bericht der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 25 Absatz 1 des Rahmenübereinkommens des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten, Berlin 1999, und der Zentralrat der deutschen Sinti und Roma.
  73. Katrin Reemtsma: Exotismus und Homogenisierung – Verdinglichung und Ausbeutung. Aspekte ethnologischer Betrachtungen der Zigeuner in Deutschland nach 1945. In: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Zwischen Romantisierung und Rassismus. Sinti und Roma 600 Jahre in Deutschland. Stuttgart 1998, S. 63–72, hier S. 63 (online).
  74. Daniel Strauß (Hrsg.): Studie zur aktuellen Bildungssituation deutscher Sinti und Roma. Dokumentation und Forschungsbericht. Marburg 2011, S. 4 (PDF).
  75. Vgl. zu den Zahlenspielen: Angus Fraser, The Gypsies, Malden (MA) 2007, 15. Aufl., S. 299 ff.
  76. Angus Fraser: The Gypsies. Malden (MA) 2007, 15. Aufl., S. 300. Fraser verweist auf: Rüdiger Vossen: Zigeuner. Frankfurt am Main 1983, S. 157–162, und Jean-Pierre Liégeois: Gypsies. London 1986, S. 47.
  77. Document prepared by the Council of Europe Roma and Travellers Division, in: [25], dort unter Statistics.
  78. Volkszählung Albanien 2011 (albanisch; PDF; 6,5 MB), zuletzt abgerufen am 10. Mai 2013
  79. a b www.nchr.gr #99
  80. Siehe: Encyclopaedia BritannicaArtikel „Rom“; davon stark abweichend, aber ebenfalls in der Netzausgabe der Encyclopaedia Britannica Erika Schlager: The Roma—Europe’s Largest Minority; Ian Hancock: The Pariah Syndrome: An Account of Romani Slavery and Persecution; Ann Arbor: Rombase. Karoma Publishers, Universität Graz 1987.
  81. a b Donald Kenrick, Grattan Puxon: Sinti und Roma. Die Vernichtung eines Volkes im NS-Staat; Göttingen 1981; S. 155.
  82. Stellungnahme zum Schisma: [26].
  83. http://internationalromaniunion.org/home-en/
  84. Siehe: www.denkbuehne.eu
  85. Website Universität Graz
  86. Zu diesen beiden Abschnitten siehe: Katrin Reemtsma, Sinti und Roma. Geschichte, Kultur, Gegenwart, München 1996, S. 136–144; Yaron Matras, The Development of the Romani Civil Rights Movement in Germany 1945–1996, in: Susan Tebbutt (Hrsg.), Sinti und Roma. Gypsies in German-Speaking Society and Literature, New York/Oxford 1998, S. 49–63.
  87. Siehe z. B. Bundesministerium des Innern, Nationale Minderheiten in Deutschland, Berlin 2010, 3. Aufl., S. 21, siehe auch [27] (PDF; 754 kB).
  88. Drucksache 18/93neu (PDF; 19 kB)
  89. Drucksache 18/290 (PDF; 19 kB)
  90. Minderheitenschutz. Staatsvertrag mit Sinti und Roma unterzeichnet, in: Webseite des Staatsministerium Baden-Württemberg, Pressestelle, abgerufen am 30. Juni 2014
  91. Das Land Baden-Württemberg unterzeichnet Staatsvertrag mit den Sinti und Roma, in: Webseite des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg e. V., abgerufen am 30. Juni 2014
  92. Entwurf des Staatsvertrages, Landtagsdrucksache 15/4128 vom 8. Oktober 2013, abgerufen am 30. Juni 2014
  93. Ulrike Bäuerlein: Sinti und Roma. Landtag beschließt historisches Gesetz zum Staatsvertrag, in: Staatsanzeiger, vom 18. Dezember 2013, abgerufen am 30. Oktober 2014
  94. Lothar Albertin: Deutschland und Frankreich in der Europäischen Union/Partner auf dem Prüfstand, edition lendemains 23, narr Verlag, Tübingen, 2010, S. 27.
  95. Herbert Heuß, Civil Society, Desegregation, Antiziganismus, in: Herbert Uerlings/Iulia-Karin Patrut (Hrsg.), „Zigeuner“ und Nation. Repräsentation – Inklusion – Exklusion, Frankfurt am Main [u. a.] 2008, S. 469–481, hier S. 472.
  96. Chip Foto Video, 09/2012, Chip Communications GmbH, München 2012, S. 95.
  97. Herbert Heuß, Civil Society, Desegregation, Antiziganismus, in: Herbert Uerlings/Iulia-Karin Patrut (Hrsg.), „Zigeuner“ und Nation. Repräsentation – Inklusion – Exklusion, Frankfurt am Main [u. a.] 2008, S. 469–481, hier S. 473.
  98. Angaben und Zitat nach: Norbert Mappes-Niediek, Arme Roma, böse Zigeuner. Was an den Vorurteilen über die Zuwanderer stimmt, Berlin 2012, 2. Aufl., S. 76f.
  99. Angaben und Zitat nach: Norbert Mappes-Niediek, Arme Roma, böse Zigeuner. Was an den Vorurteilen über die Zuwanderer stimmt, Berlin 2012, 2. Aufl., S. 78.
  100. NGO-Stellungnahme: [28]; UNMIK-Stellungnahme zum Beginn der Wiederansiedlung 2007 (PDF).
  101. Siehe z. B. Daniela Jetzinger, Das Grundrecht auf Eigentum in den Transitionsstaaten des Balkan [zu Ereignissen in Bulgarien, Montenegro, Rumänien], München 2006; Bosnien-Herzegowina: Wolfgang Petritsch, Jenseits des Balkan-Express, in: Romano Centro Nr. 32, 03/2001 Tilman Zülch, Vergewaltigung, Konzentrationslager, Mord und Vertreibung; Kosovo: Stephan Müller, Menschenrechte und Europäische Union. Zur Situation der Roma im Kosovo (online); Rom e. V. (Hrsg.), 650 Jahre Roma-Kultur im Kosovo und ihre Vernichtung, Köln o. J. (2002); Zielland Kanada: “Ungarnflut” an der Hudson Bay im Pester Lloyd vom 20. Januar 2010 abgerufen am 20. Februar 2010.
  102. Herbert Uerlings/Julia-Karin Patrut, „Zigeuner“, Europa und Nation, in: dies., „Zigeuner“ und Nation. Repräsentation – Inklusion – Exklusion, Frankfurt am Main [u. a.] 2008, S. 9–63, hier S. 49.
  103. Die folgenden Angaben basieren auf: Vossen, S. 204 ff.; [29] Rajko Djuric: Zigeuner des Lexikons. Djuric ist Kulturwissenschaftler und ehemaliger Präsident der Internationalen Roma-Union; Cristina Kruck, Rroma-Traditionen, in: Helena Kanyar Becker (Hrsg.), Jenische, Sinti und Roma in der Schweiz, Basel 2003, S. 163–176.
  104. Vossen, S. 207 ff.; Webseite der Universität Graz
  105. George von Soest, Zigeuner zwischen Verfolgung und Integration, Weinheim 1979, S. 56 ff.
  106. Vgl. etwa die im Katholizismus aus dem Alten Testament abgeleitete bis mindestens in die 1970er Jahre hinein im deutschsprachigen Raum gepflegte „Aussegnung“ der Wöchnerin (purificatio mulieris post partum), mit der ihr der erneute Zutritt in die Kirche ermöglicht wurde. Zur Aussegnung: Rüdiger Vossen, Zigeuner. Roma, Sinti, Gitanos, Gypsies. Zwischen Verfolgung und Romantisierung, Frankfurt am Main/Westberlin/Wien 1983, S. 243 ff.; Siglinde Clementi/Alessandra Spada (Hrsg.), Der ledige Un-Wille: zur Geschichte lediger Frauen in der Neuzeit, Bozen/Wien 1998, S. 185 ff.; M. Monika Niermann, Deutsche Kindheit in der Dobrudscha, Marburg 1996, S. 62 ff.; Oswald A. Erich/Richard Beitl, Wörterbuch der deutschen Volkskunde, Stuttgart 1974, 3. Aufl., neu bearb. von R. Beitl unter Mitwirkung v. K. Beitl; Edith Saurer [Hrsg.], Die Religion der Geschlechter. Historische Aspekte religiöser Mentalitäten, Wien/Köln/Weimar 1995, S. 9 f.
  107. http://www.verein-museum-europaeischer-kulturen.de/seiwert.htm
  108. Elena Marushiakova, Vesselin Popov: The Relations of Ethnic and Confessional Conciousness of Gypsies in Bulgaria
  109. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPriorities for concerted pan-European action based on Open Society Foundations’ experience and good practice. Open Society (Positionspapier, veröffentlicht durch den Europarat), archiviert vom Original am 22. Oktober 2010, abgerufen am 20. Oktober 2010 (engl.).