Caleb Hillier Parry

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Caleb Hillier Parry
Wohnhaus Parrys mit Gedenktafel am Circus in Bath

Caleb Hillier Parry (* 21. Oktober 1755 in Cirencester; † 9. März 1822 in Bath) war ein englischer Mediziner. Er ist Erstbeschreiber der Hyperthyreose (1786, Veröffentlichung 1825) und des Parry-Romberg-Syndroms. Er widmete sich weiterhin Untersuchungen zum arteriellen Puls und der Angina Pectoris.

Leben[Bearbeiten]

Parry, ältester Sohn des Pfarrers Joshua Parry und dessen Frau Sarah Hillier,[1] lernte während seiner Schulzeit an der Cirencester Grammar School den jungen Edward Jenner kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Jenner sollte ihm später sein Werk An Enquiry into the Causes and Effects of the Variolae Vaccinae widmen. Von 1770 bis 1773 besuchte Parry die Dissenters’ Academy in Warrington. Anschließend studierte er an der Universität Edinburgh Medizin. 1775 folgte ein zweijähriger Aufenthalt bei Thomas Denman in London, anschließend kehrte Parry nach Edinburgh zurück, wo er 1778 mit einer Arbeit über die Tollwut (De rabie contagiosa vulgo canina) promoviert wurde. Er heiratete im selben Jahr Sarah Rigby und bereiste mit ihr neun Monate lang die Niederlande und Frankreich. 1779 ließ sich das Paar in Bath nieder, wo Parrys Praxis allerdings nur schleppend anlief. 1785 besuchte der an Angina Pectoris leidende Anatom und Chirurg John Hunter den Kurort Bath und wurde während seines Aufenthalts von Caleb Hillier Parry betreut. Dies steigerte dessen Reputation vor Ort deutlich, Parrys Praxis florierte zunehmend. Zu seinen Patienten in Bath zählten Wilhelm Herschel, Edmund Burke und Marineoffiziere wie die Admirale Richard Howe und George Rodney. 1789 ließ Parry ein Anwesen im Nordosten der Stadt errichten, zudem kaufte er Land, um sich seiner lebenslangen Passion, der Schafzucht, zu widmen. Von 1799 bis 1817 war Parry am General Hospital (später The Royal Mineral Water Hospital) und am Casualty Hospital in Bath tätig.

Am 28. Oktober 1816 erlitt der gesundheitlich bereits angeschlagene Parry einen Schlaganfall, der ihn rechtsseitig lähmte und seine Sprachfähigkeit beeinträchtigte. Bis zu seinem Tod war er weiterhin forschend tätig. Er starb er am 9. März 1822 und wurde in der Abteikirche Bath beigesetzt.

Caleb Hillier Parrys Söhne waren der Arzt Charles Henry Parry (1779–1860), der nach seines Vaters Tod dessen Aufzeichnungen veröffentlichte, und der Admiral und Polarforscher William Edward Parry (1790–1855). Das Paar hatte noch sieben weitere Kinder.

Werk[Bearbeiten]

Parry war vielseitig interessiert, so beschäftigte er sich mit der Sammlung von Fossilien und gehörte 1807 zu den Gründungsmitglieder der Geological Society of London.

Von 1788 bis 1793 fanden regelmäßig Treffen der Gloucestershire Medical Society, einer Versammlung von Landärzten, darunter Parry und Jenner, im Fleece Inn in Rodborough bei Stroud statt.[2] In einem Vortrag über Angina Pectoris legte Parry im Juli 1788 die Grundlagen seiner 1799 veröffentlichten Schrift Inquiry into the Symptoms and Causes of Syncope Anginosa, commonly called Angina Pectoris vor, in der er gemeinsam mit Jenner anhand einzelner Fälle und deren Autopsiebefunde auf pathologische Veränderungen der Koronararterien („Ossifikation“) und der Aorta einging und eine Verbindung zur Symptomatik der Angina Pectoris herstellte.

1816 veröffentlichte Parry Erkenntnisse über den arteriellen Puls, die er zum Teil in Tierversuchen gewonnen hatte; darunter die Schlussfolgerung dass der arterielle Puls auf die rhythmischen Kontraktion des Herzes zurückzuführen sei. Er stellte zudem fest, dass eine Kompression der Arteria carotis communis im Bereich des Sinus caroticus zu einem Abfall der Herzfrequenz führt. Dieser Mechanismus wurde später als Karotissinusreflex erkannt. Parry untersuchte die Wirkung einer solchen Kompression bei verschiedenen Erkrankungen.[3][4]

Eine erst drei Jahre nach Parrys Tod veröffentlichte Sammlung medizinischer Schriften weist ihn zudem als einen der Erstbeschreiber des Parry-Romberg-Syndroms aus, einer Hemiatrophie des Gesichts.[5] In derselben Veröffentlichung finden sich zudem Fallbeschreibungen zu Morbus Hirschsprung und der Hyperthyreose. Die erste der acht Fallbeschreibungen zur Hyperthyreose hatte Parry bereits 1786 angefertigt, womit er zu den Erstbeschreibern gehört.[6]

Eine 900 Werke umfassende Sammlung medizinischer Literatur wurde nach Parrys Tod von seinem Sohn an das Royal United Hospital in Bath übergeben, kam anschließend in eine kommunale Bibliothek und wurde 1950 der Universität Bristol gestiftet. Die Sammlung enthält unter anderem frühneuzeitliche Werke William Harveys, Andrew Boordes und Santorio Santorios.[7][8]

Mitgliedschaften und Ehrungen[Bearbeiten]

1898 wurde Parry das Licentiate of the Royal College of Physicians (LRCP) verliehen. Am 22. Mai 1800 wurde er zum Mitglied der Royal Society gewählt, allerdings nicht aufgrund seiner medizinischen Forschungen, sondern wegen seiner Erfolge in der Schafzucht. Parry war Mitglied der bereits erwähnten Gloucestershire Medical Society und der Geological Society of London, der Bath and West Society und der kurzlebigen Philosophical Society.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Caleb Hillier Parry: Proposals for a History of Fossils in Gloucestershire. 1781.
  • Caleb Hillier Parry: Inquiry into the Symptoms and Causes of the Syncope Anginosa, commonly called Angina Pectoris. Bath: R. Cruttwell, London: Cadell and Davies, 1799.
  • Caleb Hillier Parry: On the effects of compression of the arteries in various diseases and particularly in those of the head. In: Memoirs of the Medical Society of London, 1792; III.
  • Caleb Hillier Parry: An Inquiry Into the Symptoms and Causes of the Syncope Anginosa Commonly Called Angina Pectoris, illustrated by Dissections. R. Cruttwell, Bath; Cadell & Davis, London 1799.
  • Caleb Hillier Parry: Cases of Tetanus and rabies contagiosa, 1814.
  • Caleb Hillier Parry: An Experimental Inquiry into the Nature, Cause and Varieties of the Arterial Pulse. Underwood, London, Bath, 1816. (deutsche Übersetzung: Elieser Salomo von Embden: Experimentaluntersuchung über den arteriösen Puls. Hannover, 1817.)
  • Caleb Hillier Parry: Elements of Pathology. London, 1815. (auch 1825 von seinem Sohn unter dem Titel Elements of Pathology and Therapeutics zusammen mit dem unvollendeten zweiten Teil veröffentlicht)
  • Caleb Hillier Parry: Collections from the unpublished medical writings of the late Caleb Hillier Parry. Underwoods, London 1825. (Mit einleitender biographischer Darstellung durch Parrys Sohn, Charles Henry Parry.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Gillian Hull: Caleb Hillier Parry 1755–1822: a notable provincial physician. In: Journal of the Royal Society of Medicine. Band 91, Nummer 6, Juni 1998, S. 335–338, ISSN 0141-0768. PMID 9771526. PMC 1296785 (freier Volltext).
  • Sholem Glaser: The Spirit of Enquiry: Caleb Hillier Parry MD, Frs (Biography, Letters & Diaries). Sutton Publishing, 1995. ISBN 0-7509-0998-6.
  • Roger Rolls: Caleb Hillier Parry (1755–1822). The James Lind Library. (abgerufen am 7. Februar 2008)
  • Andrew Larner: Neurological Contributions of Caleb Hillier Parry. Advances in Clinical Neuroscience & Rehabilitation. 2004, Vol. 4 (3) (Volltext, pdf-Datei).
  • B. Livesley: The resolution of the Heberden-Parry controversy. In: Medical history. Band 19, Nummer 2, April 1975, S. 158–171, ISSN 0025-7273. PMID 1095859. PMC 1081625 (freier Volltext).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Caleb Hillier Parry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genealogische Darstellung, abgerufen am 7. Februar 2008.
  2. Die Protokolle der dreimal jährlich stattgefundenen Treffen und die Beiträge der Teilnehmer werden im Archiv des Royal College of Physicians aufbewahrt (Royal Collage of Physicians (RCP): Archives and Manuscripts, MS 736.)
  3. C. H. Parry: On the effects of compression of the arteries in various diseases, and particularly in those ofthe head; with hints towards a new mode of treating nervous disorders. Memoirs of the Medical, Society of London 1792;3:77–113.
  4. C. H. Parry: On a case of nervous affection cured by pressure of the carotids; with some physiological remarks. Philosophical Transactions of the Royal Society 1811;101:89–95.
  5. C. H. Parry: Collections from the unpublished medical writings of the late Caleb Hillier Parry. Underwoods, London 1825. S. 478.
  6. Louis J. Acierno: The history of cardiology. Parthenon Pub. Group, London 1994, S. 144. ISBN 1-85070-339-6.
  7. Rare book collections – Parry collection
  8. R. W. M. Wright: Bath Hospital Medical Library, Bulletin of the Victoria Art Gallery and Municipal Library. Bath, No. 7 (1948), p. 225–34.