Candaulismus

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Jean-Léon Gérôme: König Kandaules, seine Frau und ihr Liebhaber, 1859

Der Begriff Candaulismus wurde erstmals 1886 von Richard von Krafft-Ebing in der Psychopathia sexualis verwendet.[1] Er hatte die Bezeichnung aus der griechische Sage von dem lydischen Königs Kandaules hergeleitet,[2] der seinem Freund Gyges seine unbekleidete Frau Nyssia zeigte, ohne dass sie davon wusste.[3]

Von Krafft-Ebing verwendete Candaulismus als Bezeichnung einer Sexualpräferenz, bei der eine voyeuristisch veranlagte Person sexuelle Erregung bei der Vorstellung oder beim Zuschauen empfindet, wie ihr Partner sich vor einer anderen Person entblößt oder mit einer anderen Person Geschlechtsverkehr hat.[4][5] Ein geläufigerer Begriff für Dreiecksbeziehungen dieser Art ist beispielsweise ménage à trois.[6] In der BDSM-Szene sind auch die Begriffe Wifesharing und Cuckold gebräuchlich.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard von Krafft-Ebing: Psychopathia sexualis. Eine klinisch-forensische Studie. Enke 1886
  2. Society for the Scientific Study of Sex: Journal of sex research. Band 27, S. 590, 1990
  3. Herodot I, 8-13, nacherzählt von Friedrich Hebbel: Gyges und sein Ring und André Gide: Le roi Candaules
  4. Brenda Love: The Encyclopedia of Unusual Sex Practices. Natl Book Network, 1994, S. 50, ISBN 1-569-80011-1
  5. Volkmar Sigusch: Neosexualitäten: über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion, Campus Verlag, 2005, S. 104, 3-59337-724-1 (Worterklärung basierend auf Suzi Godson: Das Buch vom Sex, Zweitausendeins, 2003, ISBN 3-80770-133-8)
  6. Brenda Love: The Encyclopedia of Unusual Sex Practices. Natl Book Network, 1994, S. 76, ISBN 1-569-80011-1