Chad gadja

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Chad gadja

Chad gadja (auch Chad gadjo, aram. Ein Lämmchen) sind die Anfangsworte eines aramäischen Volksliedes, das am Sederabend zu Pessach zum Abschluss der Haggada gesungen wird.

Liedtext (Übersetzung)[Bearbeiten]

Ein Lämmchen, ein Lämmchen,
das mein Vater für zwei Münzen gekauft hat;
ein Lämmchen, ein Lämmchen.

Da kam das Kätzchen
und fraß das Lämmchen,
das mein Vater für zwei Münzen gekauft hat;
ein Lämmchen, ein Lämmchen.

Da kam das Hündchen
und biss das Kätzchen,
das das Lämmchen fraß,
das mein Vater für zwei Münzen gekauft hat;
ein Lämmchen, ein Lämmchen.

Da kam das Stöckchen
und schlug das Hündchen,
das das Kätzchen biss, ...

Da kam das Feuerchen
und verbrannte das Stöckchen, ...

Da kam das Wässerchen
und löschte das Feuerchen, ...

Da kam der Ochse
und trank das Wässerchen, ...

Da kam der Schochet
und schächtete den Ochsen, ...

Da kam der Todesengel
und schächtete den Schochet, ...

Da kam der Heilige
und schächtete den Todesengel,
der den Schochet schächtete,
der den Ochsen schächtete,
der das Wässerchen trank,
das das Feuerchen löschte,
das das Stöckchen verbrannte,
das das Hündchen schlug,
das das Kätzchen biss,
das das Lämmchen fraß,
das mein Vater für zwei Münzen gekauft hat;
ein Lämmchen, ein Lämmchen.[1]

Herkunft[Bearbeiten]

Die Überlieferung in aramäischer Sprache kann als Indiz für babylonische Herkunft und somit für ein Alter von mindestens 2500 Jahren gedeutet werden. Im Mittelalter wurde Chad Gadja als heiteres Schlusslied in die Haggada (Buch des Passah-Festes) aufgenommen.

Andere Quellen vermuten den Ursprung des Liedes in der deutschen Volksballade Der Bauer schickt den Jockel aus, die ihrerseits auf einem alten französischen Wiegenlied beruhen soll. Dagegen spräche jedoch, dass der Jockel erst seit 1609 im Druck belegt ist, somit also die Jockel-Ballade von Chad gadja inspiriert wurde.[2]

Chad gadja gehört zur literarischen Gattung der Zählgeschichte, die ihren Ursprung in der jüdischen Kultur haben dürfte. Nach Meinung der Volksliedsammler Ludwig Erk und Franz Magnus Böhme ist die älteste schriftlich überlieferte Zählgeschichte das ebenfalls jüdische Lied von den zwölf heiligen Zahlen.[3]

Rezeption[Bearbeiten]

Jüdische Kommentatoren haben das Lied auf verschiedene Weise allegorisch interpretiert: Das Lämmchen steht für das jüdische Volk, das von Gott mit zwei Münzen (Aaron und Moses) gekauft wird und in der Folge von verschiedenen Völkern unterdrückt wird, bis zur abschließenden Hoffnung auf messianische Erlösung.

Auch christliche Schriftsteller aus dem Zeitalter der Aufklärung wie Hermann von der Hardt, Johann Christoph Wagenseil und Johann Christian Georg Bodenschatz (1717-1797) befassten sich mit der Thematik von Chad gadja.

In Anlehnung an das Lied ist Chad Gadja auch der Name einer täglichen Kolumne der Zeitung Ma’ariv, die ca. 30 Jahre lang von Ephraim Kishon betreut wurde.

Chad Gadja wurde 1976 vom italienischen Musiker Angelo Branduardi unter dem Titel Alla fiera dell’est (auch engl. Highdown Fair) adaptiert und bekannt gemacht. Aus dem Lämmchen wurde dabei eine Maus.

Verwandte Lieder im englischen Sprachraum sind The House that Jack built und I know an old Lady who swallowed a Fly.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jockel-Artikel auf der Website des Liedermachers und -Sammlers Holger Saarmann http://www.holger-saarmann.de/texte_jockel.htm
  2. Jockel-Artikel auf der Website des Liedermachers und -Sammlers Holger Saarmann http://www.holger-saarmann.de/texte_jockel.htm
  3. Ludwig Erk, Franz Magnus Böhme: Deutscher Liederhort, Band 3. Leipzig 1925.

Literatur[Bearbeiten]

  • Encyclopaedia Judaica. Bd. 7, S. 1048-1050.
  • Efrat Gal-Ed: Das Buch der jüdischen Jahresfeste. Insel, Frankfurt/M., Leipzig 2001, S. 57-67.270f. (Literatur!).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Der Text von חד גדיא – Quellen und Volltexte (hebräisch)